Shimano Bremsbeläge mit Kühlrippen im Test: Lohnt sich die Kühlung?

Wer in bergigem Gelände unterwegs ist, kennt das Problem: Lange Abfahrten können die Bremsen stark erhitzen. Shimano bietet für seine Bremsen Beläge mit Kühlrippen an, die das Ice Tech System ergänzen sollen. Doch bringen diese Kühlrippen wirklich einen Vorteil?

Technik und Funktion der Shimano Bremsen mit Kühlrippen

Shimano verbaut in den XT, XTR, SLX, Saint und Zee Bremsen keramische Bremskolben. Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass die Keramik Kolben eine thermische Barriere zwischen den heiss laufenden Belägen und dem restlichen System darstellen. Trotzdem muss die an den Bremsbelägen nicht unerhebliche Hitze abgeleitet werden. Zum einen nehmen die Bremsscheiben Hitze auf, zum anderen verbaut Shimano serienmässig an den genannten Bremsen Beläge mit dem Ice Tech System.

Die Kühlrippen vergrößern die Oberfläche der Bremsbeläge und sollen so für eine schnellere Abkühlung sorgen. Die Idee dahinter ist, die Wärmeableitung vom Bremsbelag zu verbessern, bevor sie sich auf andere Komponenten wie Bremssattel und Bremsflüssigkeit auswirken kann. Dies soll Fading reduzieren und eine konstante Bremsleistung gewährleisten.

Merida hat für eine Reihe von Carbonrahmen und Carbongabeln eigens designte Adapter mit Kühlrippen. Das macht schon Sinn, da keine Abwärme in den Rahmen abgegeben werden kann! Es würden die Gewindbuchsen durch den vom Hitzeeintrag aufgeweichten Kleber im Carbongefüge ausgerissen. Von daher sehe ich durch die Belägen mit Kühlrippen eine Verringerung der Temperaturen im Bremskörper.

Erfahrungen aus der Praxis

Ein Umbau von Avid auf Shimano XT Bremsen brachte bereits viele Vorteile. Kein nerviges Schleifen mehr, das sich kaum abstellen lässt, keine festgebackenen Bremskolben mehr, keine fiese Bremsflüssigkeit und kein Entlüften mehr.

Die Konstruktion mit den Ice Tech Kühlrippen scheint tatsächlich extrem gut zu funktionieren. Selbst auf heissen Downhill Ritten kann ich kein merkbares Fading feststellen. Sobald es aber auf lange, steile Abfahrten geht, setzt ohne Ice Tech schon bald deutliches Fading ein. Auf den ruppigen und langen Downhill Passagen bei der Trail Trophy in Latsch konnte ich hinterher die Bremsgriffe kaum noch genug anziehen und hatte dieses unangenehme Gefühl die Bremse gar nicht mal loslassen zu können, weil sie die höhere Geschwindigkeit gar nicht mehr einfangen könnte.

Die neu designten Kühlrippen der ICE-TECH-Bremsbeläge sehen einfach klasse aus, klappern aber auf ruppigen Strecken laut und nervig. Oftmals reicht es, die Belagfeder etwas weiter zu spreizen und die Beläge neu einzusetzen. Wenn das nichts hilft, lässt sich das Problem mit etwas Klettband zwischen Sattel und Kühlrippen in den Griff bekommen. Trotz anfänglichen Klappern setzt Felix weiterhin auf die ICE-TECH-Beläge mit Kühlrippen.

Der Test der Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse

Unser 92 kg schwerer Testchef Felix hat die mittelpreisige Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse - mit 203 mm Bremsscheiben vorne und hinten versteht sich - über 10 Monate in seinem abfahrtsorientierten NICOLAI G1 getestet. Auf dem Trail überzeugt die Shimano XT M8100-Bremse vor allem mit ihrer Bremspower, die sie auch ohne viel Handkraft früh und vor allem konstant bereitstellt. Auch auf langen Abfahrten von 1.000 Höhenmetern und mehr konnte Felix trotz seiner 93 kg Gewicht die sehr hitzebeständige Bremse nicht überfordern. Dazu tragen sicherlich auch die leichten ICE-TECH-Bremsscheiben mit Aluminiumkern und großzügigen Kühlflächen ihren Teil bei.

Doch ein Problem konnte Shimano auch mit der neuesten Bremsen-Generation nicht in den Griff bekommen: Der Druckpunkt der Shimano XT M8100-Bremse wandert vor allem auf ruppigen Trails beachtlich. Bei einer Bremsung packt die Bremse genauso zu wie man es sich wünscht, während der Druckpunkt vor der nächsten Kurve viel weiter vom Hebel entfernt sitzt, nur um vor dem nächsten Steilstück fast am Griff zu liegen. Unser Tester Felix bekam das Druckpunktwandern mit regelmäßigem Entlüften und Überfüllen des Hebels - mit der Trichter-Methode wenigstens schnell und einfach - in den Griff, ganz weg war es allerdings nie.

Mit der neuesten Generation der XT-Vierkolbenbremse ist Shimano nicht nur optisch ein absolutes Highlight gelungen. Die XT M8100 zählt auch zu den kraftvollsten und standfestesten Bremsen auf dem Markt. Love it or hate it - ersteres gilt für das Shimano-typische Hebelgefühl, das nicht nur unser Tester Felix sehr schätzt.

Bremsbeläge im Test: Vergleich verschiedener Hersteller

Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Ein gewaltiger Aufwand. Denn jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Testergebnisse im Überblick

Die Testergebnisse zeigen, dass die Wahl des richtigen Bremsbelags stark von der verwendeten Bremse abhängt. Hier eine Zusammenfassung einiger Ergebnisse:

  • Magura MT6: Die Magura MT6 harmoniert gut mit Kool-Stop D160S (Sintermetall) und Magura 7.P (organisch).
  • Shimano Deore XT: Hier zeigte der Shimano G02A (organisch) sehr gute Ergebnisse in Bezug auf Verschleiß und Bremskraft.
  • Sram Guide RSC: Sram organisch erwies sich als Testsieger auf dieser Bremse.

Die Bremsbeläge dieser Hersteller haben wir getestet:

  • Getestet auf MAGURA MT6:
  • Getestet auf SHIMANO DEORE XT: Reverse Air-ConReverse Disc OrganicShimano G02A* (BIKE-TIPP: Testsieger) Shimano J02A Sixpack OrganicSixpack Sinter
  • Getestet auf SRAM GUIDE RSC: BBB-39 BBB-39S Sram organisch (BIKE-TIPP: Testsieger)Sram SinterTrickstuff PowerTrickstuff Standard

Tabelle: Testergebnisse ausgewählter Bremsbeläge auf der Shimano Deore XT Bremse

Bremsbelag Material Bremskraft Verschleiß Fazit
Reverse Air-Con Organisch Gut Gut Guter Systembelag mit Kühlplatte, leichtes Initial-Fading kostet Punkte.
Reverse Disc Organic Organisch Befriedigend Befriedigend Starkes Fading, hoher Verschleiß an der XT-Scheibe.
Shimano G02A Organisch Sehr gut Sehr gut Sehr niedriger Verschleiß, höchste Bremskraft, leichtes Fading ab 300 °C.
Shimano J02A Organisch Sehr gut Sehr gut Bärenstark und langlebig, ähnliches Initial-Fading wie G02A.

Weitere Aspekte beim Bremsen

Neben den Bremsbelägen spielt auch die Bremsscheibe eine wichtige Rolle. Hier eine Übersicht verschiedener Bremsscheibenmodelle und ihrer Eigenschaften:

  • Magura Storm HC 180 mm: Hohe Standfestigkeit und Bremskraft.
  • Magura Storm SL 180 mm: Leichter als die HC-Version, aber ebenfalls hohe Bremskraft.
  • Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm: Mittlere Standfestigkeit und Bremskraft.
  • Shimano XT (SM-RT86) 180 mm: Höhere Bremskraft als die SM-RT76M.
  • Sram Centerline 180 mm: Hohe Standfestigkeit und Bremskraft.
  • Sram Centerline X 180 mm: Leichter als die Centerline, aber gleiche Eigenschaften.

Fazit

Die Shimano Bremsbeläge mit Kühlrippen, insbesondere in Kombination mit dem Ice Tech System, können auf langen und anspruchsvollen Abfahrten einen deutlichen Vorteil bieten. Die Kühlrippen tragen dazu bei, die Wärmeableitung zu verbessern und Fading zu reduzieren. Allerdings sollte man auch andere Faktoren wie die Wahl der richtigen Bremsbeläge und Bremsscheiben berücksichtigen, um eine optimale Bremsleistung zu erzielen.

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