Wenn der Bremshebel einer hydraulischen Scheibenbremse sich bis zum Lenkergriff durchdrücken lässt, ohne dass die Bremse ihre Bremswirkung entfalten kann, liegt möglicherweise ein Problem vor. Um das Problem zu lösen, muss zuerst die Ursache herausgefunden werden.
In aller Regel ist Luft in der Scheibenbremse das Problem. In diesem Fall muss die Scheibenbremse entlüftet werden. Dies kann mit dem passenden Entlüftungskit selbst durchgeführt werden, oder das Fahrrad kann in eine Fahrradwerkstatt gebracht werden.
Eine weitere mögliche Ursache ist, dass die Scheibenbremse undicht ist und Öl verliert. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn eine der Schrauben ein Leck hat oder die Dichtung des Ausgleichsbehälters undicht wird. Wenn die Bremse undicht ist, müssen Öl und Dreck sauber entfernt und das Leck gefunden werden.
Weitere mögliche Ursachen und Lösungen
Es wäre auch möglich, dass es am Bremssattel liegt, z.B. unsauber gearbeiteter Dichtsitz oder ein Haarriss.
Um eine undichte Stelle zu finden, kann man die Beläge rausnehmen, den Sattel abbauen, die Leitung am Rahmen entlasten/festbinden und den Sattel mit Küchen- oder Klopapier sehr sauber machen. Nun sollte sich bei Betätigung jede undichte Stelle zeigen.
Es gibt die Möglichkeit, die Entlüfterschraube einzeln zu wechseln. Ob es am Dichtring liegen kann, ist fraglich, da der Druck für einen O-Ring zu hoch wäre. Aber danach sollte die Bremse entlüftet werden.
Überprüfung der Bremsscheiben
Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kann geprüft werden, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind.
Eine verzogene Scheibe erkennt man daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich "taumelt". Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - man spürt während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn dies nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden.
Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.
Verschleiß der Bremsscheiben
Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen.
Nimmt man sich die Scheibe vor, kann man mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kann man die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.
Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus.
Weitere Hinweise auf Probleme
Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findet man keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.
Reinigung der Bremsscheiben
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmt man einen herkömmlichen Bremsenreiniger, der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
Austausch der Bremse in Erwägung ziehen
Wenn eine neue und bessere Shimano-Diore-Bremse keine 40,-€ kostet, sollte man sich überlegen, ob man die alte und undichte Bremse wirklich reparieren sollte.
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