Beim Kauf eines neuen Bikes vergleicht man oft verschiedene Modelle miteinander, bevor man sich für eines entscheidet. Die Auswahl der verbauten Komponenten spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Oft legt man ein Budget fest und versucht dann, das beste Bike innerhalb dieser Preisgrenze zu finden.
So war es auch bei meinem Trekkingrad, das Stevens werksseitig mit Shimano Deore Scheibenbremsen ausgestattet hat. Nach dem Kauf des Bikes habe ich einige Komponenten ersetzt, die ich mir bei einer individuellen Zusammenstellung nicht ausgesucht hätte. Durch den Tausch der Bremsanlage wollte ich den letzten Schmerzpunkt beseitigen, den ich mit der herstellerseitigen Ausstattung noch hatte.
Natürlich ist es etwas überzogen, die Shimano Deore Bremsen an meinem Trekkingrad als „Schmerzpunkt“ zu bezeichnen. Denn sie wären vermutlich jederzeit dazu in der Lage, das Rad inkl. mir als Fahrer abzubremsen - und das auch absolut zuverlässig und ausreichend.
Die Liste meiner Wunsch-Komponenten wird jedoch nicht nur durch davon beeinflusst, was sinnvoll für den Anwendungsbereich ist. Hersteller müssen zwischen ihren verschiedenen Modellen sinnvolle Abstufungen bei der Auswahl der eingesetzten Komponenten vornehmen. Nur so können sie zu den Preisvorstellungen von verschiedenen Fahrern die passenden Bikes anzubieten.
Trotzdem komme ich nicht so recht damit zurecht, wenn an einem 3000 EUR Fahrrad nicht mindestens ein vergleichbar hochwertiges Bremssystem wie die Shimano Deore XT Bremse montiert wurde. Besonders auffällig wird es in dem Segment der E-Bikes, die oftmals nur noch mit Shimano BR-MT200 oder BR-MT400 Scheibenbremsen ausgestattet sind.
Wie bereits beschrieben, waren an meinem Stevens C12 lite Trekkingrad Shimano Deore BR-M6000 Bremssättel mit BL-M6000 3-Finger Bremshebeln montiert. Das Set für Vorder- und Hinterrad ist für 115,00 EUR zu bekommen. Wer diese verkaufen möchte bekommt auf den bekannten Auktionsplatformen in neuwertigem Zustand ca. 80 EUR dafür. Wenn man Ein- und Ausgaben miteinander verrechnet, kostet das Update somit um die 200 EUR für die Bremssättel Version mit 4-Kolben.
Das Stevens Bike hat außen am Rahmen verlegte Züge. Das sieht zwar nicht so schön clean aus, wie bei Rahmen mit innenverlegten Zügen, dafür ist ein Wechsel der Züge oder Bremsschläuche bedeutend einfacher und geht entsprechend schneller von statten. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei der Demontage der gesamten Bremsanlage die Bremsleitungen nicht lösen muss.
Wichtige Hinweise vor dem Wechsel
Obwohl der Wechsel der Bremsanlage aus meiner Sicht keine Raketenwissenschaft ist, möchte ich dennoch davor warnen, Veränderungen an sicherheitsrelevanten Teilen vorzunehmen. Wenn man keine Ahnung davon hat und nicht genau weiß was man tut, kann das auch ins Auge gehen. Wer sich sein Wissen auf Youtube angeeignet hat, sollte sich auch dessen bewußt sein und selbst einschätzen, ob man sich die Arbeiten zutraut oder nicht. Auf keinen Fall kann man am Ende jemand anderen dafür verantwortlich machen, wenn man solche Arbeiten nicht einer Fachwerkstatt überlassen hat.
Wer sich trotzdem an den Wechsel herantrauen will, sollte sich mit dem Entlüften der Scheibenbremse vertraut machen. Das dürfte der schwierigste Arbeitsschritt sein, denn darüber hinaus sind nur noch ein paar Schrauben zu lösen und wieder anzuziehen.
Außerdem möchte ich noch erwähnen: Wer vorschnell die alten innenverlegten Leitungen aus dem Rahmen gezogen und kein spezielles Einziehwerkzeug zur Hand hat, kann sich schon mal darauf einstellen, dass die Montage der neuen Bremsleitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.
Erfahrungen mit Shimano XT Bremsen
Shimano XT Bremsen fahre ich schon ewig. Sogar mein erstes Mountainbike hatte schon Shimano XT Bremsen. Ich habe daher bis auf ein paar Fahrten mit Avid Elixir Bremsen kaum Erfahrungen mit anderen Bremssystemen. Mit Shimano XT Bremsen kenne ich mich aber ziemlich gut aus und habe sie über viele Jahre als sehr zuverlässig und wartungsarm zu schätzen gelernt. Meine guten Erfahrungen damit waren sicher ausschlaggebend für die Entscheidung, diese auch wieder am Stevens C12 lite fahren zu wollen.
Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen über den lokalen Bikeshop ist coronabedingt leider aktuell nicht gegeben, daher habe ich die neuen Bremsen Online bestellt. Die Preise dafür variieren um bis zu 40 EUR, außerdem auch die Verfügbarkeiten.
Vergleich: Shimano Deore vs. Deore XT Bremse
Grundsätzlich ist es etwas unfair, einen 2 Kolben Bremssattel mit einem 4 Kolben Bremssattel zu vergleichen. Vor allem, da es die Shimano Deore Bremse mit dem Modell BR-M6100 auch als 4 Kolben Version gibt. Allerdings hab ich diese Bremse herstellerseitig noch nie an einem Fahrrad verbaut gesehen, immer nur das 2 Kolben Modell. Es ist daher wahrscheinlicher, diese Bremse gegen eine Hochwertigere ersetzen zu wollen.
Der Hauptsächliche Unterschied der Shimano Deore XT Bremse ist die schnellere und höhere Kraftübertragung. Durch die 2 zusätzlichen Kolben wirken die Kräfte zudem gleichmäßiger auf der gesamten Auflagefläche des Bremsbelages.
Der Deore Bremssattel hat einen geraden Bremsleitungs-Anschluss, während die Richtung des Anschlusses des Deore XT Bremssattels angepasst werden kann um die Bremsleitung bestmöglich am oder im Rahmen verlegen zu können. Das kann unter Umständen ein Vorteil sein, allerdings kenne ich bislang nur Rahmen bei denen die Zuführung der Bremsleitung zur Bremse gerade verläuft. Eine Anpassung der Zuführung wird daher nur sehr selten erforderlich.
Nicht außer Acht zu lassen ist auf jeden Fall die bessere Optik des Deore XT Bremssattels. Er ist hochglänzend in dunkel-grau metallic lackiert und hebt sich dadurch deutlich mehr an schwarzen Fahrradrahmen ab, wie die schwarz lackierte Deore Bremse. Das zwei zusätzliche Kolben eingebaut sind, kann man dem Gehäuse des Bremssattels äußerlich ansehen, wodurch die Bremse insgesamt wuchtiger wirkt. Den letzten Schliff geben dann die Bremsbeläge, die bei der Deore XT Bremse bereits Kühlrippen besitzen. Allerdings gibt es auch für den Deore Bremssattel passende Beläge mit Kühlrippen.
Unterschiede bei den Bremshebeln
Ein paar Worte möchte ich noch zu den Unterschieden der Bremshebel verlieren. Die ursprünglich an meinem Rad verbauten, BL-T6000 3 Finger Bremshebel wurden durch den Umbau ja ebenfalls durch die entsprechenden Hebel der 8100er Produktserie, nämlich den BL-T8100 Bremshebeln ersetzt. Die Unterschiede sind aber wirklich kaum der Rede wert. Der Deore XT Hebel ist geringfügig leichter. Ansonsten lesen sich die Spezifikationen fast identisch. Beide Hebel besitzen I-SPEC-II kompatible Befestigungsschellen, und besitzen eine Schraube, mit sich die Griffweite werkzeuglos einstellen läßt.
Die 3-Finger Version des Deore XT Hebels bietet nicht die Möglichkeit den Leerhub zu verändern, so wie es bei dem 2-Finger Hebel BL-M8100 der Fall ist.
Erster Eindruck und Fazit
Leider konnte ich noch keine lange Tour mit den neuen Bremsen fahren. Ich konnte bisher gerade mal die Beläge einbremsen und mir einen ersten Eindruck verschaffen. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass die Bremswirkung erheblich hoher ist, als mit der originalen Shimano Deore Bremse. Vermutlich wird man auch mit der 2 Kolben Version am Trekkingrad gut auskommen. Die 4-Kolben Bremse wurde ja eigentlich für schwere Räder wie z.B. E-Bikes mit Gewichten zwischen 20-30 kg entwickelt. Trotzdem läßt sich die Bremskraft auch für mein Rad gut dosieren. Ein Fehlkauf war es daher nicht.
Anleitung: Bremsbeläge an der Scheibenbremse wechseln
Von keinem Teil hängt die Sicherheit beim Biken so enorm ab wie von Bremsbelägen. Deshalb sollte man sie regelmäßig checken und rechtzeitig austauschen. So klappt der Wechsel schnell und sicher.
Ein wirklicher Notfall an der Scheibenbremse beim Mountainbike lässt sich meist schon im Vorfeld einer Tour verhindern. Denn anders als beim platten Reifen oder beim abgerissenen Schaltwerk, treten Probleme bei der Bremse in der Regel nicht plötzlich während einer Tour auf. In den allermeisten Fällen kündigt sich ein Bremsversagen in einem schleichenden Prozess an und kann so frühzeitig behoben werden. Wer regelmäßig seine Bremsbeläge auf ihren Verschleiß hin überprüft, sie rechtzeitig erneuert oder einen schwammigen Druckpunkt nicht wochenlang ignoriert, kann die häufigsten Fehlerquellen im System Bremse entweder in der heimischen Werkstatt selbst oder vom Fachmann beheben lassen.
Wir zeigen im Video exemplarisch an einer Shimano XT-Bremse, wie Ihnen der Wechsel der Bremsbeläge gelingt.
Ein wichtige Info vorab: Eine Scheibenbremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Wer daran selbst rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem gründlich arbeiten. Ohne ausreichende Schraubererfahrung schadet es nicht, eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen und sich Rat bei Experten zu holen.
Arbeitsschritte beim Wechsel der Bremsbeläge
- Laufrad ausbauen: Um an der Bremse vernünftig arbeiten zu können, muss man als erstes das Laufrad ausbauen.
- Belagsicherung entfernen: Entnehmen Sie den Sicherungssplint und lösen Sie die Belaghalteschraube. Bei den meisten Modellen klappt das nach oben, manche Beläge muss man allerdings nach unten aus dem Sattel entnehmen. Heben Sie sich die Feder auf, denn manchmal ist bei neuen Bremsbeläge keine neue Feder dabei.
- Neue Beläge einbauen: Die Beläge formschlüssig in die Feder einsetzen und als Paket zusammengedrückt in den Bremssattel schieben.
- Beläge sichern: Sichern Sie die Beläge mit Sicherungsschraube und Splint bzw. dem Sicherungssplint.
Wichtig ist, dass man die neuen Bremsbeläge nicht einzeln in den Bremssattel fummelt, sondern als Paket samt Feder einsetzt.
Hat man Bremsbeläge und Laufrad wieder eingebaut muss man die Bremse nun wieder neu einbremsen. Dazu die Bremse in kontrolliertem Umfeld mehrmals richtig heiß bremsen, damit sie ihre volle Bremsleistung entfalten kann.
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