Shimano Bremsscheibe Mindestdicke Prüfen: Eine Umfassende Anleitung

Die Bremsscheibe ist ein essentielles Bauteil jeder Bremsanlage und der Reibpartner des Bremsbelags. Spätestens wenn die Mindestdicke erreicht ist, solltest Du Deine Bremsscheibe wechseln. Doch Bremsscheibe ist nicht gleich Bremsscheibe, denn sie unterscheiden sich in Durchmesser, Stärke, Material und Form, wobei alle diese Faktoren die Bremseigenschaften deines Rades beeinflussen.

Warum die Mindestdicke der Bremsscheibe wichtig ist

Die Bremswirkung ist bei heruntergefahrenen Bremsscheiben deutlich gemindert, was ein Sicherheitsrisiko darstellt. Eine regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls eine Erneuerung der Bremsscheibe ist unerlässlich, da die Bremse eine wichtige Komponente am Fahrrad ist, auf die sich jeder Radfahrer zu 100 % verlassen können muss.

Arten von Bremsscheiben

Man unterscheidet zwischen einteiligen und zweiteiligen (floating) Bremsscheiben. Die Reibfläche jeder Bremsscheibe (bis auf sehr wenige Ausnahmen) ist aus Edelstahl. Einteilige Bremsscheiben sind komplett aus Edelstahl und in einem Stück gefertigt. Zweiteilige Bremsscheiben haben in der Regel einen Spider aus Aluminium, der Reibring ist aus Edelstahl. Hintergrund für die zweiteilige Bauweise ist zum einen die geringe Dichte von Aluminium, somit wird eine Reduzierung des Gesamtgewichts erzielt, zum anderen hat Aluminium eine höhere Wärmeleitfähigkeit als Edelstahl und fördert die Kühlung der Bremsscheibe.

Faktoren, die die Bremsleistung beeinflussen

  • Durchmesser: Je größer der Durchmesser der Bremsscheibe, desto größer ist die Bremskraft, da der Hebelarm durch die Verwendung einer größeren Bremsscheibe größer wird, und sich somit das Kräfte - Übersetzungsverhältnis ändert. Eine größere Bremsscheibe begünstigt zudem die Kühlung der Bremsanlage, da die Bremsscheibe eine größere Oberfläche hat und aus mehr Material besteht.
  • Stärke: Mittlerweile haben Bremsscheiben eine Stärke von ca. 1,6 mm bis sogar 2,3 mm. Die Stärke spielt damit bei der Kompatibilität neuerdings auch eine Rolle. Je dünner die Bremsscheibe, umso leichter ist Sie tendenziell, allerdings werden Sie aufgrund des geringen Materialeinsatzes auch schneller heiß.
  • Material und Form: Verallgemeinert kann man sagen, dass die Ausschnitte in der Reibfläche günstig für die Kühlung der Scheibe sind. Sie reduzieren das Gewicht und reißen die oberste Schicht des Bremsbelages wieder auf und verhindern so ein Verglasen des Belages.

Wie man die Mindestdicke der Bremsscheibe prüft

  1. Demontage des Laufrads: Als erstes klemmt ihr das Fahrrad an einen Montageständer oder hängt es mit dem Sattel auf eine stabile Stange. Anschließend demontiert ihr das Laufrad. Nach dem Ausbau könnt ihr direkt die Bremsscheibe überprüfen.
  2. Messung mit einem Messschieber: Sie sollte eine Mindestdicke von 1,5 mm haben. Das könnt ihr mit einem Messschieber messen.
  3. Verwendung einer Verschleißlehre: Zur Sicherung der Bremsleistung solltest du die Stärke der rotierenden Scheiben mit einer Verschleißlehre regelmäßig kontrollieren. Hierzu sind die vier Mess-Schlitze von 1,5 bis 2,0 Millimeter auf die Verschleißgrenzen gängiger Herstellerangaben abgestimmt.
  4. ROSE Disc Checker verwenden: Versuche die ROSE-Messlehre mit der zugeordneten Nutgröße umlaufend an zwei, drei Stellen behutsam auf die Bremsscheibe zu stecken. Lässt sie sich nicht aufschieben, ist die Bremsscheibe ok und kann weitergefahren werden. Gleitet die Bremsscheibe in die entsprechende Aussparung des Disc Checker, hat sie die kritische Verschleißgrenze erreicht und sollte zu deiner Sicherheit ersetzt werden.

Anzeichen für eine verschlissene Bremsscheibe

  • Stufe an der Reibfläche: Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist.
  • Verfärbungen: Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus.
  • Eingebrannte Fragmente: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind.
  • Verzogene Scheibe: Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.

Weitere wichtige Punkte

  • Reinigung: Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger, der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
  • Verschraubung prüfen: Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.

Empfehlungen zur Scheibengröße

Grundsätzlich gilt: Am Hinterrad kann die Bremsscheibe im Vergleich zu vorne eine Größe kleiner ausfallen, da am Vorderrad ca. 2/3 der Bremskraft übertragen werden können, am Hinterrad nur ca. 1/3. Wer viel am Hinterrad bremst oder die Bremse gerne schleifen lässt wählt die gleiche Scheibengröße wie am Vorderrad. Je nach Einsatzbereich und Anspruch wählst Du die passende Scheibe.

Empfohlene Scheibengrößen nach Fahrradtyp:

Fahrradtyp Scheibengröße (VR / HR) Eigenschaften
XC Bike 160 mm / 160 mm oder 160 mm / 140 mm Geringe Stärke, kleine Reibfläche
All-Mountain Bike 180 mm / 160 mm Etwas größere Reibfläche und Stärke
Enduro oder Freeride Bikes 203 mm / 180 mm Große Reibfläche, mehr "Fleisch"

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