Ursachen und Lösungen für schleifende Shimano Bremsscheiben

Schleifende MTB-Scheibenbremsen können sehr störend sein. Glücklicherweise lässt sich jede MTB-Scheibenbremse mit nur zwei Schrauben neu ausrichten. Hier werden Ursachen und Lösungen für schleifende Scheibenbremsen erläutert.

Warum schleift eine Scheibenbremse?

Es gibt verschiedene Ursachen für schleifende Geräusche an MTB-Scheibenbremsen:

  • Falsche Ausrichtung des Bremssattels: Steht der Bremssattel nicht mittig zur Bremsscheibe, schleift die Scheibenbremse dauerhaft.
  • Schief eingebautes Laufrad: Bei Mountainbikes mit herkömmlichen Schnellspannern (QR, quick release) ist häufig nur das Laufrad schief eingebaut.
  • Zu viel Bremsflüssigkeit: Hydraulische Scheibenbremsen können im Auslieferungszustand manchmal mit zu viel Bremsflüssigkeit befüllt sein.
  • Verbogene Bremsscheibe: In vielen Fällen ist nur die Bremsscheibe verbogen und schleift deshalb an manchen Stellen am Belag.
  • Kolbenklemmer: Vor allem ältere Bremsen können einen Kolbenklemmer erleiden.
  • Falsche Montage des Bremssattels: Wenn deine Scheibenbremse schleift und das Nachstellen nicht hilft, kann es auch daran liegen, dass der Bremssattel falsch montiert oder der Adapter falsch herum gedreht ist.
  • Ungleichmäßig abgenutzte Bremsbeläge: Wenn die Bremsbeläge ungleichmäßig abgenutzt sind, kann dies ebenfalls zum Schleifen der Scheibenbremse führen und ist ein Hinweis auf schwergängige Bremskolben.
  • Achter im Laufrad: Wenn die Bremsscheibe deines Fahrrads sowohl am linken als auch am rechten Bremsbelag schleift, kann das bedeuten, dass die Bremsscheibe verbogen ist. Bevor du die Bremsscheibe verbiegst, solltest du aber unbedingt prüfen, ob das Rad selbst keinen Achter hat.

Wie man eine schleifende Scheibenbremse behebt

Hier sind einige Schritte, die Sie unternehmen können, um eine schleifende Scheibenbremse zu beheben:

1. Bremssattel ausrichten

Wenn die Bremsscheibe nicht verbogen ist und die Scheibenbremse schleift, sollte man den Bremssattel ausrichten. Oft sind dafür mehrere Versuche nötig, da zwischen den Belägen und der Scheibe oft nur wenige Zehntel Millimeter Platz sind.

Um den Sattel neu zu justieren lösen Sie zunächst die Befestigungsschrauben. Anschließend ziehen Sie den Bremshebel, oder fixieren diesen mit einem Gummiband, damit sich die Bremse selbst zentrieren kann. Anschließend werden die Schrauben, unter Beachtung der Herstellervorschriften, wieder angezogen.

So, dass diese weder links noch rechts an den Bremsbelägen schleift. Dazu löst man zunächst die beiden Schrauben am Bremssattel, bis sich dieser verschieben lässt. Dazu benötigt man in der Regel einen 5er-Inbus.

Mit einem Trick kann man jetzt Sattel und Scheibe automatisch aufeinander ausrichten. Bringe dazu die betroffene Scheibe samt Rad zum Rotieren und betätige dann den zugehörigen Bremshebel. Halte diesen gedrückt und schraube währenddessen die Schrauben am Bremssattel fest. Wenn das Schleifen jetzt nicht behoben ist, muss man den Bremssattel manuell nach Augenmaß ausrichten.

2. Laufrad korrekt einbauen

Einfach Schnellspanner lockern, Bike in der Ebene gerade hinstellen und den Schnellspanner erneut schließen. Bei Steckachsen kann das nicht mehr passieren. Teilweise muss allerdings für die korrekte Passung das Steckachsengewinde im Ausfallende am Heck ausgerichtet werden.

3. Bremsflüssigkeitsstand korrigieren

In diesem Fall muss der Füllstand des Bremsmediums korrigiert und die Bremse entlüftet werden.

4. Bremsscheibe richten

Man kann versuchen die Bremsscheibe behutsam zurückzubiegen. Falls du den Seitenschlag nicht selbst beheben kannst, muss die Scheibe ausgetauscht werden.

Schaue von hinten in den Bremssattel, drehe das Laufrad und beobachte dabei die Scheibe. Wenn die Scheibe einen Schlag hat, berührt sie nur an einer bestimmten Stelle den Bremsbelag. Dies ist dann deutlich hör- und sehbar. Merke dir die Stelle mit dem Schlag, drehe das Laufrad so, dass die Stelle mit dem Schlag erreichbar ist und biege die Scheibe dann vorsichtig mit 2 Fingern wieder gerade. Dies kann mehrere Anläufe erfordern, führt aber in den meisten Fällen zum Erfolg.

Hast du die anderen Fehlerquellen gecheckt und die Bremsscheibe schleift noch immer auf beiden Seiten, kannst du versuchen, sie mit einem Bremsscheibenrichtwerkzeug zu zentrieren. Feinfühlige, kleine Schritte sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Überprüfe immer wieder genau, an welcher Stelle und Seite die Scheibe schleift. Sonst läuft man Gefahr die Scheibe noch weiter zu verbiegen.

5. Kolben reinigen und gängig machen

Manchmal hilft eine Reinigung und die Beläge einfach zurückzudrücken. Meist ist die Bremse aber reif für den großen Service - oder den Schrott.

Bremsbeläge entnehmen, den betroffenen Kolben mit der für das System erforderlichen Bremsflüssigkeit (je nach Hersteller Dot4/5.1 oder Mineralöl) seitlich benetzen und den Kolben sanft zurückdrücken und dann noch einmal versuchen.

Nachdem man die Bremsbeläge ausgebaut hat, können die Kolben mit einem Reifenheber aus Plastik zurückgedrückt werden. Durch mehrmaliges Betätigen der Bremse kommen die Kolben wieder zum Vorschein. Man sollte sie aber nicht weiter als 2 bis 3 Millimeter herausdrücken, da sich sonst das Bremssystem öffnet und die gesamte Bremse entlüftet werden muss. Durch das Rein- und Rausdrücken werden die Kolben wieder gängig. Zusätzlich kann man jeweils einen Tropfen Bremsflüssigkeit auf die Kolben geben. Bevor man die Beläge dann wieder einbaut, sollte man aber mit Bremsenreiniger überschüssige Bremsflüssigkeit entfernen.

Weitere Tipps zur Einstellung der Scheibenbremse

  • Methode 1: Bremshebel ziehen und halten: Am schnellsten geht es, wenn du beide Befestigungsschrauben so weit löst, dass sich der Bremskörper frei bewegen kann. Dann ziehst du den Bremshebel und ziehst beide Schrauben immer abwechselnd ein Stück an, während du den Bremshebel weiter gedrückt hältst. So zentriert sich der Bremskörper im Idealfall selbst mittig über der Bremsscheibe. Sollte die Bremse danach immer noch schleifen, musst du die Einstellung händisch korrigieren.
  • Methode 2: Bremssattel optisch ausrichten: Hierzu löst man nur eine Schraube etwas weiter, dreht dann den Bremssattel per Hand, sodass der Spalt auf beiden Seiten möglichst gleich (parallel) ist. Wer es perfekt haben will, braucht hier etwas Geduld.
  • Methode 3: Bremskolben zurücksetzen: Wenn sich die Bremskolben - die hinter den Bremsbelägen liegen - nicht gleichmäßig bewegen, fängt die Bremse schneller an zu schleifen und der Verschleiß ist ungleichmäßig. Für das Zurücksetzen der Kolben müssen das Rad und die Bremsbeläge ausgebaut werden. Drücke die Bremskolben am besten mit einem Reifenheber oder einem großen Schlitzschraubendreher zurück. Achte besonders bei hochwertigen Bremsen mit Keramikkolben - erkennbar an der weißen Farbe - darauf, nur wenig Druck auszuüben. Drücke alle Bremskolben zurück bis sie wieder innen mit dem Bremssattel abschließen. Hast du die Bremsbeläge wieder montiert und das Rad eingebaut, starte mit der Einstellung wie bei der Methode 1 oben.

Geräusche beim Bremsen

Mehrere Gründe können dafür sorgen, dass sich eine Scheibenbremse akustisch bemerkbar macht. Der häufigste Grund ist Feuchtigkeit. Bei Regen oder niedrigeren Temperaturen quietscht so gut wie jede Scheibenbremse. Sollte deine Bremse auch im trockenen Zustand quietschen oder auf eine andere Art Probleme machen, liegt höchstwahrscheinlich einer der drei folgenden Fälle vor.

1. Die Scheibenbremse quietscht oder vibriert am neuen (E-)Bike

Falls dein Fahrrad oder dessen Bremsbeläge noch relativ neu sind und du Probleme mit quietschen oder vibrieren beim Bremsen hast, dann ist die Lösung häufig recht einfach. Das sogenannte „Einbremsen“ passiert zwar normalerweise von selbst, muss aber hin und wieder etwas forciert werden. Viele Bremsenhersteller wie Shimano oder Magura sprechen hier von etwa 20 bis 30 stärkeren Bremsungen - beispielsweise bergab - bis die Bremsbeläge eingebremst sind.

2. Die Scheibenbremse quietscht beim Bremsen und hat eine schlechte Bremsleistung

Wenn deine Bremse auch nach einem wiederholten Einbremsen (siehe oben) quietschen oder nicht richtig bremsen sollte, solltest du die Bremsbeläge prüfen und ggf. reinigen.

  • Fall 1: Bremsbeläge sind verglast: Das „Verglasen“ lässt sich bei Bremsbelägen an einer glänzenden, Glas-ähnlichen Oberfläche erkennen. Je nach Intensität lässt sich die Oberfläche der Beläge aber noch mit Schleifpapier anrauen und der Bremsbelag lässt sich als Notlösung weiter benutzen. Alle Bremsenhersteller empfehlen jedoch einen verglasten Bremsbelag auszutauschen, da dieser nicht mehr die volle Bremsleistung bieten kann.
  • Fall 2: Bremsbeläge (-und Scheibe!) sind kontaminiert: Bei einer Scheibenbremse reicht oft schon ein winziger Tropfen Öl oder Fett zur Kontamination. In den meisten Fällen ist Kettenöl der Verursacher. Es kann aber auch ein Defekt an der Hydraulik vorliegen. Prüfe daher genau, ob sich an den Anschlüssen oder innerhalb des Bremssattel Ölspuren befinden. Die Bremsbeläge lassen sich leider nicht mehr weiterverwenden. Die Bremsscheibe kann in den meisten Fällen nach einer gründlichen Reinigung weiterverwendet werden.

Verölte Bremsbeläge und -scheiben lassen sich an ihrem schmierigen Gefühl erkennen. Tausche den Bremsbelag aus und reinige den Bremssattel und die Bremsscheibe. Hierzu kannst du entweder Bremsenreiniger, Reinigungsbenzin oder warmes Wasser mit Spülmittel verwenden. Kontaminierte Bremsbeläge können nicht gereinigt werden und müssen ausgetauscht werden.

Wie reinigt man eine quietschende Scheibenbremse am besten?

Die größte Erfolgschance auf eine ölfreie Bremse hast du, wenn du dir möglichst viel Zeit nimmst und auf mehrere der beschrieben Mittel und Produkte zurückgreifst. Nimm dir einen sauberen Schwamm oder ein Spültuch und heißes Wasser mit Spülmittel und reinige die Bremsscheibe damit oder lege sie gleich darin ein. Im Anschluss kannst du diese dann nochmal Entfetten (z.B. mit Bremsenreiniger) und Papiertüchern „abtrocknen“. Erst dann solltest du die neuen Bremsbeläge einbauen.

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