Viele Radfahrer bevorzugen Scheibenbremsen für ihre Rennräder, und die Frage nach dem besten System ist von großer Bedeutung. Dieser Artikel vergleicht die wichtigsten Modelle von Shimano, Sram und Campagnolo, insbesondere Ultegra, Force und Chorus, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.
Wie ROADBIKE getestet hat
Alle Bremsanlagen wurden auf dem Scheibenbremsenprüfstand von Swiss Stop getestet. Dabei wurden Hebel, Bremssattel samt Belägen und Bremsscheibe montiert. Die Grundbelastung des Systems betrug einheitlich 100 Kilogramm. Vor jedem Testdurchlauf wurde die Bremsanlage mit einem standardisierten Verfahren eingebremst.
Drei Aspekte waren besonders interessant:
- Die Bremskraft trocken und nass bei definierter Handkraft
- Bremsweg und Hitzeresistenz bei einem Belastungstest
- Der Belagverschleiß
Alle Bremsanlagen durchliefen das identische Testprotokoll.
Bremskrafttest
Der Test ermittelt, wie viel Bremskraft die getesteten Bremsen bei identischer Handkraft entwickeln. Getestet wird sowohl bei trockenen wie auch bei nassen Bedingungen. Der von Swiss Stop entwickelte Test orientiert sich dabei an der ISO-Norm 4210-2 Teil 4. Nach dem Einbremsen folgen sechs "trockene" Durchläufe, wobei die Handkraft jeweils gesteigert wird (20, 40, 60 Newton). Anschließend folgen drei Messungen, bei denen die Bremsanlage kontinuierlich mit Wasser benetzt wird.
Belastungstest
Der Test ermittelt, wie die verschiedenen Bremssysteme und ihre einzelnen Komponenten auf große Bremshitze reagieren. In drei Durchläufen wird jeweils viermal von 60 km/h bis zum Stillstand heruntergebremst. Anschließend werden die einzelnen Komponenten untersucht, insbesondere die Bremsscheiben und die Beläge.
Belagverschleiss
Durch Wiegen der Bremsbeläge wird erfasst, wie stark die einzelnen Tests die Beläge verschleißen. Dafür werden für die Bremskraft- und Belastungstests jeweils fabrikneue Beläge verwendet, die vorher und nachher gewogen werden.
Wie realitätsnah sind die ROADBIKE-Tests?
Der Bremskrafttest folgt internationalen Prüfnormen. Die Handkraft von 20, 40 und 60 Newton trifft dabei eine goldene Mitte: Laut Swiss Stop wirken bei "normalen" Bremsmanövern 20 bis 30 Newton, 60 Newton simulieren ein starkes Verzögern. Beim Belastungstest entsteht sehr große Hitze im Bremssystem. So zeigt der Test, welche Hersteller die größten Sicherheitsreserven bieten. Das einheitliche Testprotokoll ermöglicht dennoch eine gute Orientierung zwischen den Herstellern.
Ergebnisse des Scheibenbremsen-Praxistests von ROADBIKE
Wie ist die Bremskraft im Trockenen?
Sowohl Shimanos Ultegra- als auch Srams Force- und Campagnolos Chorus-Scheibenbremsanlagen überzeugen im Trockenen. Mit vergleichsweise geringer Handkraft lässt sich eine starke Bremskraft aufbauen. Auffällig: Die Shimano-Disc liefert bei geringer Handkraft die größte Bremskraft, baut diese aber im Vergleich zur Konkurrenz weniger stark weiter auf. Bei Sram hingegen nimmt die Bremskraft deutlich stärker zu, je fester man am Bremshebel zieht und je wärmer die Bremsanlage wird. Das Campagnolo-Modell liegt zwischen den beiden Polen.
Wie ist die Bremskraft bei Nässe?
Bei Nässe bietet Shimano bei geringen Handkräften deutlich die höchste Bremsleistung. Sram lässt beim Nässetest insbesondere bei der ersten Messung mit zwölf Newton Federn, aufgrund der starken Zunahme der Bremskraft lässt sich aber auch hier ein deutlich progressiverer Anstieg erwarten. Campagnolo überrascht mit vergleichsweise schwachen Werten und verlangt zum Verzögern im Nassen deutlich mehr Handkraft als die Modelle der Konkurrenz.
Welches System bremst am schnellsten von 60 km/h auf 0?
Campagnolo und Sram liegen quasi gleichauf und bremsen auch bei zunehmender Hitze im System verlässlich. Anders die Ultegra-Bremsanlage von Shimano: Bei 20 Newton Handkraft noch Primus mit dem kürzesten Bremsweg, kann das System die Performance nicht über alle Testbremsungen hinweg halten - zu groß wird und bleibt die Bremshitze. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Shimano-Anlage bremst zwar unmittelbar am stärksten, verlangt aber zwischen starken Bremsungen am meisten Zeit zum Abkühlen.
Welche Bremsscheibe verkraftet die Belastungstests am besten?
Eindeutige Antwort: die von Sram. Nicht nur, dass die Bremsen der US-Amerikaner in der Addition aller vier Testbremsungen den kürzesten Bremsweg aufweisen - bei Testende stehen auch die Bremsscheiben, die phasenweise rot glühten, wie eine Eins und könnten problemlos weiterverwendet werden. Auch beim Belagverschleiß braucht sich Sram im Vergleich nicht zu verstecken. Mit gewissen Abstrichen gilt das auch für Campagnolo. Das größte Sorgenkind ist Shimanos IceTech-Scheibe: Deren Aluminiumkern schmolz beim (extremen) Belastungstest, die Bremsbeläge sind danach vollständig verschlissen - die Anlage könnte nicht weitergefahren werden, ein Austausch der Teile wäre zwingend notwendig.
Welche Beläge halten am längsten?
Im Labortest zeigt sich: Shimanos organische Resin-Beläge L03A verschleißen im Vergleich zur Konkurrenz schneller. Am deutlichsten zeigte sich dies bei den Belastungstests: Während man mit den ebenfalls organischen Disc-Belägen von Sram und Campagnolo trotz großer Belastung noch problemlos weiterfahren könnte, sind die Shimano-Beläge vollständig runtergebremst - bis auf die Trägerplatte. Aber auch im "Normalbetrieb" zeigen die Shimano-Beläge den höchsten Verschleiß. Interessant: Srams Beläge stecken die zahlreichen Bremsungen des simulierten "Normalbetriebs" am besten weg, bei den harten Bremsmanövern des Belastungstests steigt der Verschleiß hingegen deutlich an. Bei Campagnolo ist es genau umgekehrt.
Sind die Testergebnisse übertragbar auf andere Modelle der jeweiligen Hersteller?
Bis zu einem gewissen Maß sind die Ergebnisse jedoch übertragbar. Bei Sram basieren die aktuellen Bremssättel von Red und Force eTap AXS sowie dem S-900 Aero HRD-Modell auf dem identischen, zweiteiligen Körper mit 21-mm-Kolbendurchmesser. Bei Shimano unterscheiden sich Dura-Ace und Ultegra-Bremsen geringfügig. Laut Aussage der Italiener teilen sich weiterhin alle Gruppen von Ekar über Chorus bis hinauf zur Super Record die identische Bremsanlage bei Campagnolo.
Welche Scheibenbremse ist insgesamt die Beste?
Insgesamt setzt sich Srams Force in diesem Vergleich an die Spitze: Sie überzeugt mit beeindruckender Bremskraft, zeigt wenig Verschleiß, hat kurze Bremswege und trotzt selbst größter Bremshitze souverän. Bei Campagnolos Chorus-Gruppe erweisen sich die Bremsen ebenfalls als sehr hitzeresistent, schwächeln aber etwas bei Nässe. Shimanos neue Ultegra bremst vor allem mit geringer Handkraft beeindruckend stark, die Beläge verschleißen aber schneller, und unter ungünstigen Bedingungen drohen schneller als bei der Konkurrenz hitzebedingte Schäden.
Vergleich: Shimano-Bremsscheiben
Hier ist ein Vergleich verschiedener Shimano-Bremsscheiben, basierend auf den bereitgestellten Informationen:
| Modell | Befestigung | Bremswirkung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Shimano SMRT70L | Centerlock | Besonders gut | Besonders leicht, starke Bremsleistung, bessere Wärmeabstrahlung, für Kunstharz- und Metallbeläge | Laufen bei sehr hoher Belastung an |
| Shimano IRTMT800SI RT-MT800 | Centerlock | Sehr gut | Aus rostfreiem Edelstahl, Verschlussring mit Innenverzahnung, für Kunstharz- und Metallbeläge, besonders leicht | Keine besonders gute Bremswirkung |
| Shimano RT-EM600 | Centerlock | Sehr gut | Besonders einfache Montage, aus rostfreiem Edelstahl, mit Magnet für Shimano Steps Geschwindigkeitssensor | Hohes Eigengewicht, keine besonders gute Bremswirkung |
| Shimano RTMT900L | Centerlock | Sehr gut | Aus rostfreiem Edelstahl, einfache Montage | Hohes Eigengewicht, keine besonders gute Bremswirkung |
| Shimano SM-RT86M2 | 6-Loch | Sehr gut | Aus rostfreiem Edelstahl, für Kunstharz- und Metallbeläge, besonders leicht | Kein Centerlock, keine besonders gute Bremswirkung |
| Shimano SMRT64M | Centerlock | Sehr gut | Aus rostfreiem Edelstahl, einfache Handhabung und Bedienung | Keine besonders gute Bremswirkung |
| Shimano SM-RT76L | 6-Loch | Besonders gut | Besonders gute Bremswirkung, aus rostfreiem Edelstahl | Kein Centerlock |
Und wie schneiden Felgenbremsen im Vergleich ab?
Auch wenn die Bremsperformance der Felgenbremse beeindruckt und man sein Rennrad selbstverständlich auch klassisch per Seilzug sicher zum Stehen bringt, verlangt die Ultegra-Scheibenbremse sowohl im Trockenen als auch im Nassen deutlich weniger Handkraft, um eine größere Bremskraft zu entwickeln.
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