Shimano Cantilever Bremszug Anleitung: Sicherheit und Zuverlässigkeit für Ihre Fahrradbremse

Funktionierende Bremsen sind essentiell für die Sicherheit beim Fahrradfahren. Damit deine mechanische Bremse jederzeit sicher und zuverlässig funktioniert, ist es hin und wieder nötig, den Bremszug und die Außenhülle zu wechseln.

Grundlagen der Cantilever-Bremse

Vielleicht haben Sie den Begriff „Cantilever-Bremse“ im Bereich von Fahrrädern schon mal gehört. Oftmals werden Cantilever-Bremsen auch zusammen mit der Bezeichnung „V-Brake“ verwendet. Klassische Cantilever-Bremsen sind eine Variante von Felgenbremsen.

Die Cantilever Bremse von Shimano verfügt auf jeder Seite der Felge über zwei voneinander getrennte Bremsarme. Jeder Bremsarm hat seinen eigenen/unabhängigen Sockel. Die Arme sind über einen Querzug verbunden, dieser wiederum ist mit einem Bremszug verbunden. Ein Bremsvorgang am Fahrrad beginnt bereits beim Bremshebel. Wenn dem nicht so ist, sollten die Lagerstellen gereinigt und gefettet werden.

Traditionelle Cantilever-Bremsen

Traditionelle Cantileverbremsen verwendeten zwei Züge, den Hauptzug vom Bremshebel und eine „Traverse“ oder „Querzug“, der zwischen den beiden Bremsarmen verläuft. Das hat gut funktioniert, bis Mountainbikes erschienen und es einen Ausbruch an schweren Unfällen gab, die durch den Ausfall des Hauptzuges verursacht wurden. Der Zug konnte sich am Bremshebel oder an einer Umlenkrolle lösen.

Als Antwort darauf hat Shimano das „Verbindungsseil“ („Link Wire“) entwickelt. Das Verbindungsseil ersetzt den Hänger und die Hälfte des Querzugs. Es gab anfangs einigen Widerstand gegen diese Konstruktion, weil sie nicht annähernd so einstellbar ist, wie ein separater Querzug (man kann sie einstellen, indem man unterschiedlich lange Verbindungskabel auswählt). Tatsächlich ist das Verbindungskabel aber grundsätzlich ein hervorragendes System.

Im Gegensatz zu Querzügen, die in einem Bogen über dem Hänger verlaufen, wenn die Bremse nicht betätigt wird, hält das Verbindungskabel alle Kabelabschnitte in einer geraden Linie.

Häufige Probleme und Lösungen

Die meisten Probleme mit Bremsen ergeben sich aus übermässiger Reibung oder schlechter Installation der Züge, nicht billigem Material oder Bremsen mit einfacher Qualität. Da die Cantilever-Bremsen von Shimano oftmals nicht korrekt eingestellt wurden, entstand die Information, dass man mit Shimano Cantilever Bremsen keine ausreichende Bremswirkung erzielen kann.

Bremse schleift

Wenn die Bremse nicht zentriert erscheint, sollte man zuerst das Laufrad auf korrekte Montage im Rahmen bzw. in der Gabel prüfen. Wenn die Laufräder mittig sind und die Bremsarme ausreichend geschmiert und frei beweglich sind, sollte die Bremse ebenfalls mittig sein.

Wenn man die Bremse entspannt (also den Bremshebel loslässt), zieht sich der Bremsschuh von der Felge zurück. Idealerweise machen das beide Bremsschuhe auf beiden Seiten der Felge um den gleichen Umfang. Falls sie das nicht machen, ist die Bremse nicht ordentlich zentriert.

Es ist wichtig, die Bremsklötze auf beiden Seiten so einzustellen, dass sie zu Felge einen identischen Abstand (etwa 1 mm!) haben. Die Bremsklötze bzw. die Bremsschuhe dürfen auf keinen Fall an der Felge schleifen.

Reibung der Bremssockel

Wenn die Bremse jedoch wirklich nicht zentriert ist, ist das häufig ein Resultat von zu viel Reibung auf einem der Cantisockel. Hänge den Querzug aus und bewege mit der Hand die Bremsarme einzeln. Sie sollten sich leicht und frei bewegen lassen und jedes mal an der gleichen Position landen, wenn man sie loslässt.

Wenn Du Reibung vermutest, schraube den Bremsarm vom Cantisockel und entferne den Bremsarm. Die Oberfläche des Sockels sollte glatt, frei von Rost und mit Fettgeschmiert sein. Falls er rostig ist, hat der Händler, der Dir das Fahrrad verkauft oder repariert hat, unsauber gearbeitet. Nimm Polierleinen oder Schmirgelpapier zur Hand, um den Rost zu entfernen und um Staub und Sand zu entfernen.

Einstellung der Federvorspannung

Falls dies nicht der Fall ist, müssen Sie möglicherweise die Spannung der Rückholfedern in einem oder in beiden Bremsarmen anpassen.

Federaufhängung

Bei den meisten Cantilever-Bremssockel sind drei übereinanderliegen, kleine Löcher direkt neben dem Bremssockel angebracht. Diese Löcher dienen als Aufhängung für das Ende der Rückholfeder. Je nach dem, welches der Löcher für die Aufhängung verwendet wird, erhält man eine grobe Einstellung der Federspannung. Das oberste Loch bewirkt die höchste Spannung, das unterste Loch die geringste Spannung. In den meisten Fällen ist das mittlere Loch die beste Wahl.

Viele Cantileverbremsen von Shimano und Direktzugbremsen haben zur Feineinstellung eine kleine Schraube an (mindestens) einem Bremsarm. Beim System mit nur einer Schraube findet man diese vorne links und an der hinteren Bremse rechts.

Dia Compe-System

Cantileverbremsen im Dia Compe Stil haben zumeist ein völlig anderen Ansatz. Beim Dia-Compe-System wird das Federloch des Bremssockels nicht benutzt. Das System liefert einen separaten Federblock mit, der Teil des Cantileveraufbaus ist. Dieser Federblock wird als erstes auf den Sockel geschoben und hat ein eigens Loch zur Federaufnahme.

Wenn die Schraube, die den Cantileverarm auf dem Sockel hält, gelöst wird, kann man das ganze System frei rotieren. Sobald die Schraube angezogen wird, wird der Federblock an seiner Position fixiert. Der Federblock hat zwei abgeflachte Seiten, damit man ihn mit einem Maulschlüssel in die richtige Position drehen kann.

Hinweis: Bremsen, die einen einstellbaren Federblock verwenden, nutzen den Bremssockel nicht als Lagerung; statt dessen wird eine hohle, zylindrische Buchse, die über den Sockel geschoben wird. Die Außenseite dieser Buchse bzw. Nicht einstellbare Rückholfedern findet man oft an älteren oder billigen Cantilever-Bremsen.

Nicht einstellbare Federn

Wenn man diese einstellen will, muss man sie physisch verbiegen. Manchmal kann man die Vorspannung erhöhen, indem man den Querzug aushängt und den Cantileverarm weiter nach Außen zwingt als normal. Falls das nicht funktioniert, kann man auch die Bremse komplett demontieren und die Feder verbiegen. Eine weitere Alternative ist das weiter nach Innen stellen des Bremsschuhs (z.B.

Einstellung der Hebelwirkung

Anders als andere Bremsentypen kan man bei Cantilever Bremsen die Hebelwirkung einstellen. Hebelwirkung ist das Schlüsselkonzept, das Du verstanden haben solltest, bevor Du anfangen kannst, Bremsen auszuwählen und zu warten. Oft wird über die "Bremskraft" gesprochen, wenn eigentlich die Hebelwirkung gemeint ist.

Leute mit Bremsenproblemen glauben oft, sie bräuchten mehr "Bremskraft". Meisten brauchen sie aber tatsächlich weniger! Im speziellen sind zum Beispiel "moderne" Low-Profile Cantileverbremsen mit kleinen Auslegern davon betroffen, wenn man sie mit Hebeln für Dropbars einsetzt. Diese Kombination erzeugt exzessive Hebelwirkung.

Zu geringe Hebelwirkung

Wenn Deine Bremse zu wenig Hebelwirkung aufbringt, bekommst Du beim Betätigen des Bremshebels zuerst eine schnelle kräftige Rückmeldung. Man merkt tatsächlich bei stehendem Fahrrad beim Ziehen des Bremshebels, dass die Bremsen zupacken und scheinbar gut eingestellt sind.

Das Problem ist jedoch, dass die Bremsen das Fahrrad nicht zum Stehen bringen werden, wenn man nicht mit aller Gewalt an den Bremshebeln zieht. Bei einem Bremssystem mit zu geringer Hebelwirkung werden die Bremsschuhe sehr schnell an die Felge gedrückt. Jedoch wird nicht genügend Druck aufgebaut, um das Rad zügig zu entschleunigen.

Wenn man zu wenig Hebelübersetzung hat, kann es helfen, den Querzugträger weiter nach unten zu montieren, damit der Querzug mehr horizontal verläuft. In manchen Fällen scheint das Problem zu geringer Hebelwirkung vorzuliegen, aber in Wirklichkeit sind die Bremsbeläge nicht griffig genug. Das kann daran liegen, dass sie dreckig, ausgetrocknet oder von schlechter Qualität sind. Bremsschuhe/-beläge von guter Qualität machen hier den Unterschied.

Zu große Hebelwirkung

Ist die Hebelübersetzung zu hoch, ist der Bremshebel sehr leicht zu ziehen und zumeist hat man den Bremszug bereits komplett gezogen, bevor die Bremsschuhe die Felge erreichen. Dann liegt der Bremshebel bereits komplett am Lenker an und egal wie stark man am Hebel drückt, es passiert nichts.

Wenn man versucht , das zu korrigieren, indem man den Zug stärker spannt, erden die Bremsschuhe zu nah an der Felge platziert. Übermäßige Hebelübersetzung kann oft dadurch reduziert werden, indem man den Querzug weiter oben montiert und den Querzug verlängert. Dadurch verläuft er in einem spitzeren Winkel über den QUerzugträger.

Idealerweise beginnt man mit wenig Hebelwirkung, so dass man generös viel Platz zwischen Bremsschuh und Felge lassen kann. Mit wenig Hebelwirkung nähert sich der Bremsschuh mit nur wenig Bremshebelweg sehr schnell der Felge. Je näher der Bremsschuh der Felge kommt, desto höher sollte die Hebelwirkung werden, so dass wenig Hebelweg an der Hand viel Druck auf die Felge erzeugt.

Wichtige Hinweise zur Einstellung

Ganz wichtig beim Einstellen der Cantilever Bremsen von Shimano ist die korrekte Winkel-Einstellung von Bremshebel und Y-Seil: Dieser Winkel sollte im optimalen Falle genau 90 Grad betragen!

  • Wenn der Winkel kleiner ist, ist die Bremswirkung ein wenig zu weich. Es muss also mehr Kraftaufwand zum Bremsen aufgebracht werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen - der Hebelweg ist entsprechend länger.
  • Wenn der Winkel mehr als 90 Grad beträgt, ist die Bremswirkung härter.

Als Bestwert kann man den Hebelweg mit etwa ¼ angeben. Dies bedeutet: Wenn Sie den Bremshebel mit der Hand bedienen, springt die Bremswirkung nach etwa ¼ des maximal möglichen Weges an.

Abschließende Schritte

Zum guten Schluss hakst du den Bremszug wieder in den rechten Bremsarm ein: die beiden Bremsklötze und die Felge müssen sich jetzt auf einer Line befinden. Wenn der oben beschriebene Vorgang mit deinen neuen Bremsklötzen aufgrund ihrer Dicke nicht möglich ist, musst du die Spannung des Bremszugs mit einem 10 mm Innensechskantschlüssel mindern. Anschließend hakst du den Bremszug wieder in den Bremsarm ein und erhöhst die Zugspannung, bis sie optimal passt.

So oft solltest du diesen Vorgang wiederholen:

  • Jedes Mal, wenn sich deine Bremsklötze der Abnutzungsmarkierung nähern.
  • Nach Regenfahrten, da sich die Bremsklötze hierbei schneller abnutzen

Zusätzliche Tipps

Eine gute Idee ist es auch, vorab erst einmal das Laufrad zu kontrollieren: Denn, wenn dieses nicht richtig zentriert ist, können die Bremsen logischerweise auch nicht korrekt eingestellt sein.

Noch ein Tipp zum Thema Kauf von Fahrradteilen: Achten Sie immer darauf, dass alle Teile auch miteinander funktionieren. Shimano Cantilever Bremsen brauchen bestimmte Bremshebel, Bremsbeläge und Sockel, die kompatibel - sprich aufeinander abgestimmt - sind. Verschiedene Hersteller können nicht einfach so kombiniert werden - prüfen Sie dies unbedingt vor dem Kauf.

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