Traditionelle Cantileverbremsen sind eine Variante von Felgenbremsen. Reine Shimano Cantileverbremsen sieht man heutzutage recht selten. Eher werden V-Brakes und Scheibenbremsen verbaut.
Im Zusammenhang mit diesem Artikel solltest Du auch Das 1x1 der Felgenbremsen lesen. Bei WikiPedalia findet sich ein recht theoretischer Artikel zur Cantilever Geometrie mit detaillierten Informationen zu verschiedenen Themen. In diesem Artikel hier liegt der Fokus auf praktischen Tipps, die mit Verweisen zu theoretischen Aspekten versehen sind.
Bestandteile und Funktionsweise
Die Cantilever Bremse von Shimano verfügt auf jeder Seite der Felge über zwei voneinander getrennte Bremsarme. Jeder Bremsarm hat seinen eigenen/unabhängigen Sockel. Verbunden sind die Arme über einen Querzug, der seineszeichens wiederum mit dem Bremszug verbunden ist.
Ein Bremsvorgang am Fahrrad beginnt bereits beim Bremshebel. Stellen Sie zunächst sicher, dass die Hebel ordnungsgemäß beweglich sind. Wenn dem nicht so ist, sollten die Lagerstellen gereinigt und gefettet werden. Die Bremshebel dürfen nicht klemmen und müssen leicht wieder in ihre Ausgangsstellung zurückkehren.
Klassische Cantilever-Bremsen vs. Moderne Varianten
Klassische Cantilever-Bremsen hatten zwei separate Züge. Es gab den Hauptzug, der vom Bremshebel zur Bremse verlief und den Querzug, der zwischen den beiden Cantilevern gespannt war. Der Hauptzug wurde am Querzugträder befestigt.
Diese Art der Cantilever-Bremse funktionierte so lange gut, bis Mountainbikes modern wurden. In dieser Zeit gab es einige harte Landungen, weil der Hauptzug gerissen ist. Der Zug riss am Bremshebel oder an der Umlenkrolle. Durch das plötzliche Versagen des Zugs, sprangen die Bremsarme auseinander und der Querzug blieb an einem Stollen des Reifens hängen, was unter Umständen zu einem sehr plötzlichen Stopp führte.
Als Antwort darauf erfand Shimano den Verbindungszug. Der Verbindungszug ersetzt den Querzugträger und eine Hälfte des Querzugs. Man sollte einen Reflektorhalter, ein Schutzblech oder andere Vorrichtung einsetzen, um den Querzug davon abzuhalten, in Kontakt mit dem Reifen zu kommen, falls der Hauptzug versagt. Auch mit einem Verbindungszug ist das immer noch ratsam.
Es gab anfangs einigen Widerstand gegen dieses Verbindungszugsystem, weil es nicht ganz so leicht einstellbar ist wie ein separater Querzugträger - man kann nur zwischen verschiedenen Verbindungszuggrößen wählen. Es ist jedoch ein Fakt, dass das Verbindungszugsystem dem Querzugträgersystem überlegen ist. Anders als bei klassischen Querzügen, bei denen der Querzug über den Querzugträger gebogen ist, auch wenn die Bremse entspannt ist, sind beim Verbindungszug alle Züge gerade.
Einstellung der Cantilever-Bremse
Die meisten Probleme mit Bremsen ergeben sich aus übermässiger Reibung oder schlechter Installation der Züge, nicht billigem Material oder Bremsen mit einfacher Qualität. Die früher recht ausladende Bauart der Cantilever-Bremsen wurde in den 90er Jahren durch „Low-Profile“-Modelle verdrängt.
1. Zentrierung der Bremse
Wenn man die Bremse entspannt (also den Bremshebel loslässt), zieht sich der Bremsschuh von der Felge zurück. Idealerweise machen das beide Bremsschuhe auf beiden Seiten der Felge um den gleichen Umfang. Falls sie das nicht machen, ist die Bremse nicht ordentlich zentriert.
Wenn die Bremse nicht zentriert erscheint, sollte man zuerst das Laufrad auf korrekte Montage im Rahmen bzw. in der Gabel prüfen. Eine gute Idee ist es auch, vorab erst einmal das Laufrad zu kontrollieren: Denn, wenn dieses nicht richtig zentriert ist, können die Bremsen logischerweise auch nicht korrekt eingestellt sein.
Wenn die Bremse jedoch wirklich nicht zentriert ist, ist das häufig ein Resultat von zu viel Reibung auf einem der Cantisockel. Hänge den Querzug aus und bewege mit der Hand die Bremsarme einzeln. Sie sollten sich leicht und frei bewegen lassen und jedes mal an der gleichen Position landen, wenn man sie loslässt.
Wenn Du Reibung vermutest, schraube den Bremsarm vom Cantisockel und entferne den Bremsarm. Die Oberfläche des Sockels sollte glatt, frei von Rost und mit Fettgeschmiert sein. Falls er rostig ist, hat der Händler, der Dir das Fahrrad verkauft oder repariert hat, unsauber gearbeitet. Nimm Polierleinen oder Schmirgelpapier zur Hand, um den Rost zu entfernen und um Staub und Sand zu entfernen.
Wenn die Laufräder wohl zentriert sind, die Sockel ordentlich gefettet sind, sich die Bremsarme frei bewegen lassen und die Bremsschuhe auch zentriert sind und dennoch die Bremse nicht gut zentriert wirken, muss man wahrscheinlich die Federspannung bei einem oder beiden Bremsarmen einstellen.
2. Einstellung der Federspannung
Federaufhängung: Die meisten neueren Sockel haben eine Serie von drei nebeneinanderliegenden Löchern zur Aufnahme des Federankers der Rückholfeder. Je nachdem, für welches Loch man sich entscheidet, hat man schon eine grobe Vorspanungseinstellung der Rückholfeder vorgenommen. Das innerste Loch erzeugt die höchste Spannung, das äußerste Loch die niedrigste. Bei den meisten Aufbauten liefert das mittlere Loch die optimale Lösung.
Viele Cantilverbremsen von Shimano und Direktzugbremsen haben zur Feineinstellung eine kleine Schraube an (mindestens) einem Bremsarm. Beim System mit nur einer Schraube findet man diese vorne links und an der hinteren Bremse rechts.
Cantileverbremsen im Dia Compe Stil haben zumeist ein völlig anderen Ansatz. Beim Dia-Compe-System wird das Federloch des Bremssockels nicht benutzt. Das System liefert einen separaten Federblock mit, der Teil des Cantileveraufbaus ist. Dieser Federblock wird als erstes auf den Sockel geschoben und hat ein eigens Loch zur Federaufnahme.
Wenn die Schraube, die den Cantilverarm auf dem Sockel hält, gelöst wird, kann man das ganze System frei rotieren. Sobald die Schraube angezogen wird, wird der Federblock an seiner Position fixiert. Der Federblock hat zwei abgeflachte Seiten, damit man ihn mit einem Maulschlüssel in die richtige Position drehen kann. Manche Dia Compe Bremsen haben diesen verstellbaren Federblock nur auf einer Seite und benutzen auf der anderen Seite die "normale" Federaufnahme des Rahmens bzw. der Gabel.
Hinweis: Die Bremsen, die diesen verstellbaren Federblock haben, benutzen nicht den Cantileversockel als Lauffläche. Stattdessen haben sie eine hohle, zylindrische Buchse, die über den Sockel geschoben wird. Die Außenseite der Buchse bzw.
Nicht einstellbare Federn findet man nur an sehr alten bzw. billigen Bremsen. Wenn man diese einstellen will, muss man sie physisch verbiegen. Manchmal kann man die Vorspannung erhöhen, indem man den Querzug aushängt und den Cantileverarm weiter nach Außen zwingt als normal. Falls das nicht funktioniert, kann man auch die Bremse komplett demontieren und die Feder verbiegen.
3. Winkel-Einstellung von Bremshebel und Y-Seil
Ganz wichtig beim Einstellen der Cantilever Bremsen von Shimano ist die korrekte Winkel-Einstellung von Bremshebel und Y-Seil: Dieser Winkel sollte im optimalen Falle genau 90 Grad betragen! Ist der Winkel kleiner, wirkt die Bremswirkung ein wenig zu weich. Es muss also mehr Kraftaufwand zum Bremsen aufgebracht werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen - der Hebelweg ist entsprechend länger.
Beträgt der Winkel mehr als 90°, ist die Bremswirkung härter. Als Optimum hat sich ein Hebelweg von etwa ¼ ergeben. Dies bedeutet: Wenn Sie den Bremshebel mit der Hand bedienen, springt die Bremswirkung nach etwa ¼ des maximal möglichen Weges an.
Es ist wichtig, die Bremsklötze auf beiden Seiten so einzustellen, dass sie zu Felge einen identischen Abstand (etwa 1 mm!) haben. Die Bremsklötze bzw. die Bremsschuhe dürfen auf keinen Fall an der Felge schleifen. Bei den meisten Cantilever-Bremsen werden die Klötze über das Verstellen der Rückholfeder justiert. Mit einem Schraubendreher wird die Feder am Anlenkpunkt des Bremshebels eingestellt.
4. Die Hebelwirkung
Anders als andere Bremsentypen kann man bei Cantilever Bremsen die Hebelwirkung einstellen. Hebelwirkung ist das Schlüsselkonzept, das Du verstanden haben solltest, bevor Du anfangen kannst, Bremsen auszuwählen und zu warten. Oft wird über die "Bremskraft" gesprochen, wenn eigentlich die Hebelwirkung gemeint ist. Zumeist glauben viele Leute, dass das ein Ausdruck von Qualität ist. Leute mit Bremsenproblemen glauben oft, sie bräuchten mehr "Bremskraft". Meisten brauchen sie aber tatsächlich weniger.
Wenn Deine Bremse zu wenig Hebelwirkung aufbringt, bekommst Du beim Betätigen des Bremshebels zuerst eine schnelle kräftige Rückmeldung. Man merkt tatsächlich bei stehendem Fahrrad beim Ziehen des Bremshebels, dass die Bremsen zupacken und scheinbar gut eingestellt sind. Das Problem ist jedoch, dass die Bremsen das Fahrrad nicht zum Stehen bringen werden, wenn man nicht mit aller Gewalt an den Bremshebeln zieht. Bei einem Bremssystem mit zu geringer Hebelwirkung werden die Bremsschuhe sehr schnell an die Felge gedrückt. Jedoch wird nicht genügend Druck aufgebaut, um das Rad zügig zu entschleunigen.
Wenn man zu wenig Hebelübersetzung hat, kann es helfen, den Querzugträger weiter nach unten zu montieren, damit der Querzug mehr horizontal verläuft. In manchen Fällen scheint das Problem zu geringer Hebelwirkung vorzuliegen, aber in Wirklichkeit sind die Bremsbeläge nicht griffig genug. Das kann daran liegen, dass sie dreckig, ausgetrocknet oder von schlechter Qualität sind. Bremsschuhe/-beläge von guter Qualität machen hier den Unterschied.
Ist die Hebelübersetzung zu hoch, ist der Bremshebel sehr leicht zu ziehen und zumeist hat man den Bremszug bereits komplett gezogen, bevor die Bremsschuhe die Felge erreichen. Dann liegt der Bremshebel bereits komplett am Lenker an und egal wie stark man am Hebel drückt, es passiert nichts. Wenn man versucht , das zu korrigieren, indem man den Zug stärker spannt, erden die Bremsschuhe zu nah an der Felge platziert.
Übermäßige Hebelübersetzung kann oft dadurch reduziert werden, indem man den Querzug weiter oben montiert und den Querzug verlängert. Dadurch verläuft er in einem spitzeren Winkel über den QUerzugträger. Ein spezieller extrabreiter Querzugträger hilft hier weiter. Falls man zu viel Hebelübersetzung bei einem Reiserad oder Tandem mit Dropbar Bremshebeln hat, kann man in manchen Fällen mit einem Umlenkrollenadapter die konventionelle Cantilever-Bremse in eine Direktzugbremse umbauen. Jedoch wird die Umlenkrolle auf kurz oder lang zu einem Versagen des Bremszugs führen.
Die Hebelwirkung kann sich verändern, wenn man den Bremshebel betätigt. Idealerweise beginnt man mit wenig Hebelwirkung, so dass man generös viel Platz zwischen Bremsschuh und Felge lassen kann. Mit wenig Hebelwirkung nähert sich der Bremsschuh mit nur wenig Bremshebelweg sehr schnell der Felge. Je näher der Bremsschuh der Felge kommt, desto höher sollte die Hebelwirkung werden, so dass wenig Hebelweg an der Hand viel Druck auf die Felge erzeugt. Unglücklicherweise arbeiten klassische Mittelzugbremsen genau umgekehrt.
Wichtiger Hinweis zum Kauf von Fahrradteilen
Achten Sie immer darauf, dass alle Teile auch miteinander funktionieren. Shimano Cantilever Bremsen brauchen bestimmte Bremshebel, Bremsbeläge und Sockel, die kompatibel - sprich aufeinander abgestimmt - sind. Verschiedene Hersteller können nicht einfach so kombiniert werden - prüfen Sie dies unbedingt vor dem Kauf.
Ein V-Brake-Bremshebel z.B. Klassische Cantilever-Bremsen sind Felgenbremsen.
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