Diese Rennradsaison steht ganz im Zeichen neuer Komponenten, denn alle drei großen Hersteller bringen neue Schaltgruppen auf den Markt. Für Gravelbikes und Straßenrenner, von sehr preiswert bis luxuriös: Die neuen Teile von Campagnolo, Shimano und SRAM wurden bereits getestet.
Mit dem Teile-Programm Cues will Shimano die entstehenden Komponenten-Lücken nun abdecken. Hinter dem Namen verbirgt sich keine geschlossene Gruppe, sondern ein Komponenten-Baukasten, der ursprünglich für Trekkingräder und preiswerte Mountainbikes konzipiert wurde. Damit lassen sich Antriebe mit neun bis elf Ritzeln und einem oder zwei Kettenblättern zusammenstellen. Mit Schaltbremshebeln für Rennlenker und angepassten Übersetzungen sollen zukünftig auch besonders preiswerte Straßenrennräder und Gravelbikes machbar sein.
Viel neue Technik bieten die Komponenten nicht, eher präsentieren sie sich als neu abgemischtes Sammelsurium bewährter Shimano-Teile. Die Kurbelarme ähneln optisch denen der Mountainbike-Gruppen; die Bremshebel erinnern an spezielle Versionen für kleine Hände, welche Shimano einst für die Elffach-105 und -Ultegra anbot.
Die Komponenten wirken optisch modern und erledigen ihren Job erwartungsgemäß. Dass Shimano an vielen Details den Rotstift angesetzt hat, merkt man jedoch ebenso. Die Bremsen sind weniger bissig als moderne Rennrad-Discs, aber besser als Felgenbremsen. Die Hebelwege beim Schalten sind sehr lang und die Hebel geben wenig Rückmeldung, dafür arbeitet die Schaltung leichtgängig. Die Griffkörper sind etwas klobig, der Bremshebel bietet eine sehr breite Auflagefläche und sitzt vergleichsweise nahe am Lenkerbogen. Der Kurbelabstand ist etwas breiter als beim Rennrad und entspricht dem von Gravelbikes.
Somit wird man die Cues-Teile mehr an günstigen, komfortabel abgestimmten Gravelbikes und kaum an sportlichen Straßenrennrädern sehen. An den Gedanken, dass geländegängige Gravel- und Allroadbikes wie das Canyon zukünftig der günstigste Einstieg in den Radsport sind, wird man sich wohl gewöhnen müssen.
Linkglide und Cues: Shimano räumt auf im Portfolio
Mit der Linkglide-Technik reagierte Shimano auf die zunehmend höheren Belastungen von E-Bikes. Mehr Material und ein Gang weniger sollen eine bessere Zuverlässigkeit bringen. Das ist löblich. Und: Auch Alltagsbiker ohne E profitieren von der größeren Langlebigkeit der neuen Ketten und Kassetten. Die neue Technik war für Shimano außerdem DIE Gelegenheit, endlich im Portfolio aufzuräumen. Statt Sora, Altus, Claris, Alivio und Acera wird es in Zukunft nur noch eine einzige Produktfamilie geben. Die Cues.
Mit dem Fokus auf Langlebigkeit und leichter Bedienbarkeit soll die Cues alle Anwendungen vom E-Bike über Trekkingräder bis hin zu günstigen Mountainbikes und neuerdings sogar günstigen Rennrädern abdecken. Ob das gelingt? Wir konnten die Cues in verschiedenen Ausführungen schon ausgiebig fahren.
Cues ist nicht gleich Cues
Spezial-Schaltungen für High-End-Räder und darunter für alle nur noch Shimano Cues? Ganz so simpel ist es leider nicht. Denn auch die Cues gibt es in mindestens drei verschiedenen Ausführungen mit teils extrem unterschiedlicher Wertigkeit. Wer sich für ein Bike mit der neuen Allround-Schaltung interessiert, muss hier also genau hinschauen. So ist das Topgruppe Cues U8000 mehr als doppelt so teuer, wie die Einstiegsgruppe Cues U4000.
Leider macht es Shimano Bikern nicht gerade leicht, die verschieden wertigen Schaltungen voneinander zu unterscheiden. Ob Premium-Klasse oder Einsteiger-Ware wird nur an den etwas kryptischen Zahlenkombinationen in der Modellbezeichnung ersichtlich - U4000, U6000, U8000. Und selbst innerhalb der Gruppen gibt es noch Unterschiede. Zehn oder elf Gänge, mit oder ohne Shadow Plus, das sorgt gerade bei der Cues U6000 für Verwirrung.
Das offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal der drei Schaltgruppen ist trotzdem erstmal die Anzahl der Gänge. Die Einsteigergruppe Cues U4000 schaltet nur neun Ritzel am Hinterrad. Die Mittelklasse Cues U6000 hat schon zehn oder sogar elf Ritzel hinten. Die Topgruppe Cues U8000 schaltet immer elf Gänge im Heck und ist sogar als Di2-Variante mit elektronischer Ansteuerung verfügbar.
Für Experten: Die Zahlenlogik der Cues folgt ungefähr den Mountainbike-Schaltungen. Die 6000er entspricht in etwa dem Deore-Zwölffach-Niveau, die 8000er der XT. Die 4000er liegt darunter.
So fährt sich die Shimano Cues Gangschaltung
Alle modernen Shimano-Schaltungen abseits der allergünstigsten Varianten liegen funktional auf einem sehr hohen Niveau. Das gilt auch für alle Varianten der Cues. Sauber eingestellt wechseln sie die Gänge schnell und zuverlässig. Ist das nicht der Fall, liegt’s fast immer an verschlissener oder falsch eingestellter Hardware - da kann die Schaltung selbst nicht viel dafür. Fakt ist schlicht: Die Technologien der einstigen Top-Gruppen sind längst auch im Einsteigermarkt angekommen.
Konzipiert ist die Cues für den Allround-Einsatz von E-Mountainbike bis Gravel. Verbaut wird sie aktuell aber am meisten an Trekking- und Alltagsrädern.
Shimano Cues U4000 - Die Einsteigergruppe
Mit neun Gängen am E-Bike ist die 4000er Cues von Shimano eindeutig im Einsteigersegment unterwegs. Die UVP für das Schaltwerk liegt nur knapp über 50 Euro. Das größte Manko der “kleinen” Cues ist die wenig feine Gangabstufung. Um mit nun neun Gängen eine große Bandbreite zu erreichen, muss man gerade am E-Bike zur Kassette mit 11 bis 46 Zähnen greifen. Die Gangsprünge fallen hier bei den kleinen Gängen recht groß aus. Am Berg fehlt dadurch manchmal der passende Gang für die ideale Trittfrequenz.
Ansonsten funktioniert auch die günstig Cues zuverlässig und kann Alltagsnutzer durchaus glücklich machen. Typisch für Schaltungen mit der Linkglide-Technik: Die Schaltvorgänge sind sehr weich aber nicht so schnell wie man es von den klassischen Modellen mit Hyperglide-Technik gewohnt ist. Außerhalb vom Racing-Kontext dürfte das kaum stören, für den Alltag ist die Schaltgeschwindigkeit locker ausreichend.
Die niedrigen Preise merkt man der 4000er Cues aber an anderer Stelle an. Die Kurbel ist nicht hohlgeschmiedet und schwer, die Hebel wirken lieblos und billig. Auf rauem Untergrund klappert die Kette deutlich. Anders als bei den günstigen Deore-Schaltungen verzichtet die günstige Cues nämlich auf die Geländeoptimierte Schaltwerksdämpfung Shadow Plus. Am (E-)Mountainbike würden wir die Cues 4000 daher nicht empfehlen.
Shimano Cues U6000 - Solide Mittelklasse
Optisch wie haptisch ist die Shimano Cues 6000 ein Upgrade. Gerade die etwas teurere Elffach-Variante bietet deutlich definiertere Gangwechsel, als die 4000er Cues. Mit zehn beziehungsweise elf Gängen lassen sich auch mit Einfach-Kurbel vorne relativ homogene Gangsprünge bei großer Bandbreite realisieren.
Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Nur die teureren Varianten der Cues 6000 kommen ab Werk mit Shimanos Shadow-Technologie gegen Kettenklappern. Erkennbar ist das an dem kleinen On-Off-Hebel für die zusätzliche Dämpfung am Schaltwerk. Diese Varianten können wir auch anspruchsvollen Nutzern und Trail-Fans klar empfehlen. Die günstigeren 6000er Cues ohne Schaltwerksdämpfung passen eher zu Trekking- und Alltagsrädern.
Shimano Cues 8000 - Seltene High-End-Option
Von der Wertigkeit und vom Schaltgefühl liegt die Cues 8000 sehr nah an der beliebten XT-Gruppe. Allerdings gilt das auch für den Preis. Die teure Cues wird daher nur sehr selten verbaut. Lieber greifen die Hersteller im Zweifel zum XT-Label. Der “Haben-Wollen”-Faktor ist hier einfach größer.
Wie die günstigeren Cues-Schaltungen setzt auch die Cues 8000 auf die haltbaren Linkglide-Kassetten. Die Schaltgeschwindigkeit ist daher etwas gedrosselt. Dafür sollen die Linkglide-Gruppen nicht so anfällig sein. Selbstverständlich kommt die 8000er Cues standardmäßig mit dem starken Shadow-Plus-Dämpfer gegen Kettenklappern.
Im Cues-Portfolio gibt’s übrigens auch Bremsen. Hier zum Beispiel die Vierkolben-Version mit Sattel in XT-Optik und auch entsprechend satter Power.
Shimano Cues, Deore, GRX, XT: Welche Gangschaltung ist besser für wen?
Eigentlich wollte Shimano mit der Cues das Portfolio aufräumen. Das gelingt bislang noch nicht ganz. Erstens stiften die vielen verschiedenen Cues-Varianten neue Verwirrung. Und zweitens gibt es aktuell noch einige offensichtliche Überschneidungen im Portfolio, wenn man rein auf die Wertigkeit der verschiedenen Antriebe schaut. Welche also nehmen?
Trekking- und Alltagsradler können bei der Cues mit Linkglide-Kassetten bedenkenlos zuschlagen. Die Cues 4000 bietet hier eine angenehm günstige Option. Die Cues 6000 ist solide Mittelklasse.
E-Mountainbikern würden wir auch zu Linkglide-Schaltungen raten. Dann aber mindestens zur 6000er Cues mit der Shadow-Plus-Schaltwerksdämpfung. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift gleich zu Deore Linkglide und XT Linkglide. Beide Schaltungen bieten ohne Ganganzeige mehr Platz am Lenker und eine bessere Haptik mit knackigerem Schaltgefühl.
Sportliche Biker ohne Motor sind nach wie vor mit den Hyperglide-Gruppen am besten aufgehoben. Sie sind etwas leichter als die Linkglide-Pendants und bieten mehr Gänge und damit eine feinere Gang-Abstufung über die Bandbreite hinweg. Gerade die Deore-Zwölffach sticht hier mit guter Funktion und günstigem Preis positiv heraus.
Vorsicht beim Nachrüsten: Wegen unterschiedlicher Kettenlinien sind nicht alle Gruppen miteinander kompatibel. Speziell bei MTB-Gruppen und Cues erstmal checken, ob der Rahmen mit dem jeweils anderen System kompatibel ist.
BIKE-Fazit zur Shimano Cues Gangschaltung
Günstig und gut? Die Shimano Cues liefert eine solide Funktion. Gerade auch die günstigeren Gruppen sind aus unserer Sicht ein Fortschritt gegenüber Acera und Altus. Der Linkglide-Ansatz für mehr Haltbarkeit passt gut zum Rad als Fortbewegungsmittel für Sport und Alltag. Kann man bedenkenlos kaufen!
Schade, dass das Portfolio so verwirrend ist. Speziell die besseren Modelle mit Shadow-Plus-Hebel können auch anspruchsvolle Biker überzeugen. Ob so ein Modell verbaut ist, wird aus dem Datenblatt allein leider häufig nicht ersichtlich.
Neue Komponenten für Rennrad und Gravel
Neue, günstige Cues-Teile ersetzen die bisherigen Tiagra, Sora und Claris-Gruppen. Shimano erweitert 9-, 10- und 11-fach-Systeme für hydraulische Scheibenbremsen an Rennrad und Gravelbike.
- neue, preisattraktive Komponenten für Rennrad- und Gravelbike
- 9-, 10- und 11-fach-Teile, untereinander kombinierbar
- für hydraulische und mechanische Scheibenbremsen
- zwei Serien und Qualitätsstufen: 6000er- und 3000er-Serie
- zusätzlich Shimano Essa 8-fach-Komponenten
- teilweise für Kinder-Fahrräder ab 20 Zoll geeignet
- Preis: keine genauen Angaben, aber unter Shimano 105 12-fach-Niveau
Unter dem Namen Cues vertreibt Shimano schon seit längerem preisattraktive Schalt- und Bremskomponenten für (E-)Bikes, MTBs, Trekkingund Lastenräder. Nun kommen unter dem Label Cues auch Rennrad- und Gravel-Komponenten hinzu. Diese schalten mechanisch 9-, 10- oder 11-fach, bremsen wahlweise mechanisch oder hydraulisch - kommen jedoch immer mit Scheibenbremsen.
Welcher Serie eine Cues-Komponente angehört, erkennt man an den Zahlen, z. B. Cues U6000 oder Cues U3000.
Durch einheitliche Schaltwerksröllchen, Kassetten und Ketten sowie identische Ritzelabstände bei den 9-, 10- und 11-fach-Serien lassen sich Cues-Komponenten untereinander kombinieren. Shimano verspricht Leistung, Komfort und Ergonomie wie bei den Toprennradgruppen - bei etwas höherem Gewicht, günstigerem Preis und besonderer Robustheit.
Auffällig sind die zahlreichen Kurbeloptionen: Cues-Rennrad-/Gravelparts gibt es wahlweise mit 2-fach- oder 1-fach-Kurbel in verschiedenen Qualitätsstufen, als Hollowtech II-Konstruktion (der Technik der Top-Gruppen) oder als 2-Piece-Variante, mit Kurbelarmlänge zwischen 165 und 175 Millimetern sowie bei den 2-fach-Kurbeln den Kettenblattabstufungen 46/32 und 50/34 bzw. bei den 1-fach-Kurbeln entweder 40 oder 42 Zähnen am Kettenblatt.
Der Umwerfer verlagert die Kettenlinie um 2,5 Millimeter weiter nach außen, um mehr Reifenfreiheit zu bieten. Befestigt wird er wahlweise an einer Schelle oder einem Anlöthalter.
Der Bremssattel der hydraulischen Scheibenbremse der U6000er-Serie kommt mit 2-Kolben-Konstruktion, verzichtet auf einen separaten Adapter und ist für 160-mm-Bremsscheiben optimiert.
Clever: Das Schaltwerk gibt’s optional mit kurzem Käfig - in Kombination mit speziellen Cues-Bremsscheiben für kleine Laufradgrößen bis 20 Zoll lassen sich so Kinder- und Jugendrennräder bestücken.
Das Cues-Schaltwerk gibt’s optional auch mit kurzem Käfig - dann bietet es bis zu 30% mehr Bodenfreiheit und mehr Reifenfreiraum als bei herkömmlichen Cues-Schaltwerken, ist somit kompatibel mit (E-)Rädern ab 20-Zoll-Laufrädern und den Kassetten-Optionen 11-36-Zähne (9-fach) und 11-39-Zähne (10-fach). Der Cues-Umwerfer ist für Anlöt- oder Schellenbefestigung vorgesehen.
Konkrete Preise für Komplettgruppen der Cues gibt es bislang noch nicht - wohl auch wegen der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten. Einzelpreise sind hingegen mittlerweile verfügbar:
| Komponente | Preis (UVP) |
|---|---|
| ST-U6030-L Schaltbremsgriff STI für hydraulische Scheibenbremse | 194,95 € |
| ST-U6030-R Schaltbremsgriff STI für hydraulische Scheibenbremse | 194,95 € |
| FC-U6040-2 Hollowtech II-Kurbel 2-fach | 124,95 € |
| FC-U6040-1 Hollowtech II-Kurbel 1-fach | 110,95 € |
| FC-U6030-2 2-Piece-Kurbelgarnitur 2-fach | 97,95 € |
| FC-U6030-1 2-Piece-Kurbelgarnitur 1-fach | 70,95 € |
| RD-U6000 Schaltwerk | 69,95 € |
| FD-U6030-F Umwerfer Anlöt | 40,95 € |
| FD-U6030-B Umwerfer Schelle | 41,95 € |
| BR-U6030-F Bremssattel hydraulische Disc vorne | 36,95 € |
| BR-U6030-R Bremssattel hydraulische Disc hinten | 36,95 € |
| ST-U3030 Schaltbremsgriffe STI für mechanische Scheibenbremse(Paar) | 214,95 € |
| BL-U3030-L Schaltbremsgriff STI für 1-fach-Kurbel | 103,95 € |
| RD-U4010-SS Schaltwerk mit kurzem Käfig | 53,95 € |
| SM-RT26-SS Bremsscheibe 6-Loch | 16,95 € |
Wichtig: Bei den genannten Preisen handelt es sich um UVP-Angaben - am Markt dürften diese deutlich niedriger liegen. Unterm Strich sollte die teuerste Cues-Ausführung somit einige hundert Euro günstiger kommen als eine mechanische 105 12-fach - die günstigeren Cues-Komponenten sparen entsprechend mehr.
Auch im 8-fach-Segment erweitert Shimano die bereits bestehende Essa-Serie um Komponenten auch für Rennrad und Gravelbike. Das Bremshebel-Design soll die Ergonomie der mechanischen High-End-Modelle übernehmen.
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