Die Shimano Deore Gruppe ist seit über 30 Jahren ein fester Bestandteil der Mountainbike-Welt. Als eine der bekanntesten Ausstattungslinien auf dem Markt wird sie kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle MTBs angepasst. In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die Shimano Deore 3x9 Gruppe, vergleichen sie mit anderen Gruppen und bewerten ihre Leistung.
Was ist eine MTB-Gruppe?
Klassischerweise besteht eine komplette Mountainbike-Gruppe aus allen Komponenten des Antriebs und der Bremsen. Im Einzelnen sind dies:
- Schalthebel
- Schaltwerk
- Schaltkäfig
- Umwerfer
- Kassette
- Kurbel
- Tretlager
- Kette
- Bremshebel
- Bremszug oder -leitung
- Bremssattel
- Bremsscheibe
- Bremsbeläge
Während Shimano komplette Gruppen aus Schaltung, Bremsen und sogar Laufrädern anbietet, umfassen die SRAM-Gruppen „nur“ die Schaltung. Unabhängig von den Schaltungsgruppen bietet Sram jedoch verschiedene Bremsen an. Während der Schaltungsmarkt von Sram und Shimano dominiert wird, gibt es eine Vielzahl von Bremsenherstellern.
Wie funktioniert eine Mountainbike-Schaltung?
Eine Mountainbike-Schaltung ist in der Regel eine Kettenschaltung. Indem die Kette in Fahrtrichtung über verschiedene Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln geführt wird, ergeben sich verschiedene Übersetzungsverhältnisse. An der Kurbel sind ein bis drei Kettenblätter montiert, während sich an der Hinterradnabe eine Ritzelkassette befindet mit meist 10 bis 12 Ritzel.
Beim Schalten zieht oder hebt der Umwerfer die Kette auf das gewünschte Kettenblatt. Das Schaltwerk hingegen ist dafür zuständig, die Kette auf eines der Ritzel zu leiten. Je größer das Kettenblatt und je kleiner das Ritzel, über das die Kette läuft, desto größer ist die Übersetzung. Ein Ritzel am Hinterrad, das größer ist als das Kettenblatt, bewirkt dagegen eine Untersetzung.
Um die Übersetzung zu berechnen, teilt man die Anzahl der Zähne des Kettenblatts durch die Anzahl der Zähne des Ritzels. Das Ergebnis gibt an, wie viele Umdrehungen das Hinterrad bei einer Kurbelumdrehung macht. Für einen schnellen Schaltvorgang sind die Teile der MTB-Schaltung wie Kette, Ritzel und vor allem Schaltwerk und Umwerfer aufeinander abgestimmt.
Außerdem sorgen Umwerfer und Schaltwerk im optimalen Zusammenspiel für präzise Schaltvorgänge, bei denen auch Gänge übersprungen werden können. Spitzengruppen können dies unter widrigsten Bedingungen und lassen sich zudem an Vorlieben oder ergonomische Besonderheiten des Fahrers anpassen.
Mechanisch oder elektrisch?
Für die Betätigung von Schaltwerk und Umwerfer gibt es derzeit zwei Systeme, die hauptsächlich bei einer Schaltung eingesetzt werden:
- mechanisch
- elektronisch
Bei Mountainbikes ist die mechanische Schaltung noch am weitesten verbreitet. Hier sind die Schalter über Schaltzüge mit Schaltwerk und Umwerfer verbunden. Durch Betätigung des Schaltgriffs wird der Schaltzug um eine bestimmte Länge verkürzt oder freigegeben. Dies führt zu einer horizontalen Bewegung der Schaltkomponenten, die die Kette in die gewünschte Position bringt.
Shimano (Rapid Fire) und SRAM (Trigger) bieten Schalthebel an, die während der Fahrt leicht zu bedienen sind. Sie können mit Daumen und/oder Zeigefinger bedient werden. Eine andere Variante sind Drehschalter wie bei der Grip Shift von SRAM oder Revoshift von Shimano. Bei diesem System wird durch Drehen des Griffes um den Lenker geschaltet. Dadurch wird der Schaltzug auf- oder abgewickelt, was zum Gangwechsel führt.
Beide Hersteller haben auch elektronische Schaltungen im Sortiment, bei der die die Schaltimpulse elektronisch an die Schaltkomponenten übertragen. Kleine Motoren sorgen dann für die nötige Bewegung. Während Shimano seine beiden Spitzengruppen in einer elektronischen DI2-Variante anbietet, gibt es Srams AXS-System bereits in der Einstiegsgruppe. Zudem hat Sram in Deutschland eine elektronische Steuereinheit entwickelt, die mit einem Servomotor und eigenem Akku den Schaltimpuls direkt per Funk überträgt, Shimano setzt weiterhin auf Kabel.
Clutch-Technologie
Shimano und SRAM setzen seit einigen Jahren auf die sogenannte Clutch-Technologie. Was bei Shimano „Shadow Plus“ und bei SRAM „Type 2“ bzw. „Type 3“ heißt, beschreibt eine erhöhte Federspannung, bei der der Schaltwerkkäfig durch eine zusätzliche Feder nach hinten gezogen und die Kette auf höherer Spannung gehalten wird. Kettenschlagen und ungewollte Schaltsprünge können so deutlich reduziert werden.
Die Clutch-Technologie findet sich bei Mountainbikes, die für den sportlichen Einsatz konzipiert sind. Bei SRAM sind alle Schaltwerke ab der X7 Gruppe in der Type 2 Version erhältlich. Shimano konstruiert die Schaltwerke ab der Deore Gruppe als Shadow Plus (siehe Gruppenhierarchie unten).
Die Shimano Deore im Detail
2006 präsentierte Shimano die Dual Control Schalt-/Bremsgriffe für die Deore. Der optische Eindruck ist sehr gut. Das Finish erreicht zwar nicht die Qualität der XTR, kann aber im Test überzeugen. Auch an unserem Test-Racer aus Carbon fällt die Deore nicht negativ auf. Ebenfalls überzeugend: die Funktion. Nur sehr erfahrene und feinfühlige Finger erschalten einen Unterschied zwischen Deore und XTR. Die Bremsen konnten ja schon in unserem Test überzeugen.
Natürlich muss der günstige Preis irgendwo herkommen: Die Deore ist recht schwer.
Shimano MTB Schaltgruppen im Überblick
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die verschiedenen Shimano MTB-Schaltgruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie:
| Gruppe | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|
| XTR | Cross Country, Marathon, Trail | Leichteste Gruppe, höchste Präzision |
| XT | Cross Country, Marathon, Trail, Enduro | Sehr gute Schaltperformance, niedriges Gewicht |
| SLX | Trail, Enduro | Funktionell ähnlich der XT, etwas schwerer |
| Deore | Allround, Einsteiger bis Fortgeschrittene | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Alivio | Einsteiger, Alltag | Solide Leistung für den täglichen Gebrauch |
| Acera | Einsteiger | Preiswerte Option für Gelegenheitsfahrer |
| Altus | Einsteiger | Preiswerte Option für Gelegenheitsfahrer |
| Tourney | Einsteiger, Freizeit | Einfache Schaltung für den Freizeitbereich |
| Saint | Freeride, Downhill | Robust, für extreme Bedingungen |
| Zee | Freeride, Downhill | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für Gravity-Bereich |
Die Gruppen unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern auch in Bezug auf Übersetzungsbereich, Materialien, Anpassungsmöglichkeiten, Kompatibilität, Steuerung, Gewicht, Genauigkeit und Leichtgängigkeit.
Die richtige Wahl treffen
Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach. Es ist sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest.
Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.
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