Das Hollowtech II Tretlager von Shimano zählt zu den beliebtesten Innenlagern auf dem Fahrrad-Markt. Das hat viele Gründe: Hohe Steifigkeit, robuste Kugellager, geringes Gewicht, einfache Konstruktion, usw. Doch es ist, wie andere Fahrrad-Komponenten auch, der Witterung ausgesetzt und unterliegt einem mehr oder weniger großen Verschleiß. Da braucht es ab und zu ein wenig Pflege und Wartung.
Was im Rahmen dieser Hollowtech-Tretlager-Wartung dann alles auf dich zukommt und was du beachten solltest, beschreiben wir in diesem Artikel. Dabei beschreiben wir auch das notwendige Werkzeug und geben Tipps, wie du bei Reparaturen die Kosten reduzieren kannst. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Hollowtech 2 Tretlager Wartung.
Aufbau des Fahrrad Tretlagers
Tretkurbeln und Kettenblätter sind auf einer Tretlagerwelle montiert, die wiederum über Kugellager im Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens geführt wird. Dieses System aus Kugellagern (mit oder ohne Tretlagerwelle) bezeichnet man als Tretlager oder auch Innenlager.
Belastung des Fahrrad Tretlagers
Damit das Pedalieren kräfteschonend vonstattengeht, muss die Lagerung der Tretlagerwelle möglichst reibungsarm sein. Gleichzeitig müssen die Tretlager-Komponenten aber auch stabil genug ausgelegt sein, um den Belastungen im Betrieb standzuhalten. Denn insbesondere im sportlichen Einsatz werden Kugellager und Tretlagerwelle heute deutlich höher belastet, als früher: Sprünge im Gelände, das Treten im Wiegeschritt, Sprint, usw.
Das Shimano Hollowtech II Tretlager
Beim Hollowtech II Tretlager wurde diesen hohen Belastungen Rechnung getragen: Die Kugellager sitzen außerhalb des Tretlagergehäuses in Lagerschalen. Als Kugellager kommen beidseitig Rillenkugellager zum Einsatz. Damit realisiert Shimano einen größtmöglichen Abstand zwischen den beiden Lagern, eine größere Dimensionierung der Lager im Durchmesser und eine hohe Tragfähigkeit der Wälzlager an sich.
Der dazu passende Hollowtech-Tretkurbelsatz besteht aus Tretkurbeln, Kettenblättern und Tretlagerwelle. Kettenblätter und Tretlagerwelle sind dabei mit der rechten Tretkurbel fest verbunden. Die Tretkurbeln sind hohl geschmiedet (hohl = hollow) und auch die Tretlagerwelle ist hohl ausgeführt. In Summe gewährleistet diese Konstruktion hohe Belastbarkeit bei geringem Gewicht.
Die geringere Masse der Kurbeln reduziert zudem auch die bewegte Masse beim Pedalieren, ein wichtiger Einflussfaktor beim Beschleunigen im Wettkampf.
Die Spacer
Shimano liefert beim Hollowtech II Tretlager mehrere Spacer (Abstandsringe) als Beipackteile:
- 2 x 2,5 mm
- 1 x 1,8 mm
- 1 x 0,7 mm
Folgende Varianz wird durch die Spacer ausgeglichen:
- Tretlager-Gehäusebreite (68 / 73 mm)
- Umwerfer mit Schelle oder Halterung mit / ohne Kettenkasten/Kettenschutzblech
Zur Orientierung die Hollowtech II Spacer Tabelle:
| Tretlagergehäuse | Umwerfer | Kettenkasten | Spacer rechts | Spacer links |
|---|---|---|---|---|
| 68 mm | Schelle | Nein | 2 x 2,5 mm | 1 x 2,5 mm |
| 68 mm | Schelle | Ja | 1 x 2,5 mm | Kein Spacer |
| 73 mm | Halterung | Nein | Kein Spacer | Kein Spacer |
(* kombinierst du die Spacer 1,8 und 0,7 mm, erhältst du quasi 1 x 2,5 mm)
Werkzeug für Arbeiten am Hollowtech II Tretlager
Je nach Arbeitsumfang und Tretlager-Ausführung benötigst du folgendes Werkzeug:
- Inbusschlüssel 5 mm (zum Lösen der Verschraubung linke Kurbel / Tretlagerwelle)
- Shimano-Werkzeug TL-FC16 (zum Lösen der Kurbelkappe in der linken Kurbel)
- dünnes Messer oder ähnliches (zum Demontieren von Lager-Abdeckung und Dichtscheibe)
- Passender Lager-Austreiber (zum Rausziehen der Kugellager aus den Lagerschalen)
- Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36 (zum Demontieren / Montieren der beiden Lagerschalen links und rechts am Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens)
- ggf. Adapter TL-FC24 als Ergänzung zum TL-FC32/36 (für neuere Dura-Ace und XTR Innenlager: SM-BB9000, SM-BB93, BB-R9100)
- ggf. Adapter TL-FC25 als Ergänzung zum TL-FC32/36 (für SM-BBR60, BB-MT800)
Wartung am Hollowtech II Tretlager
Die Wartung besteht im Wesentlichen aus dem Überprüfen, Reinigen und Fetten der Kugellager. Dafür müssen folgende Bauteile demontiert werden:
- linke Tretkurbel
- rechte Tretkurbel samt Kettenblättern und Tretlagerwelle
- die Lager-Abdeckungen beidseitig
- die Dichtscheiben beidseitig
Im Folgenden beschreiben wir die Demontage all dieser Komponenten:
Die Demontage Schritt für Schritt
- Fahrradkette vom Kettenblatt abheben und auf dem Tretlager-Rohr des Fahrradrahmens ablegen (wenn die Kette nicht sowieso schon für andere Wartungsarbeiten entfernt wurde). Das ist erforderlich, um die Demontage der rechten Kurbel (siehe 5. Schritt) nicht zu behindern.
- Linke Kurbel: Zuerst beide Inbusschrauben lösen und entfernen, danach die Zwischenplatte (Stopper Plate) aus dem Kurbelschlitz entfernen. Merke dir, in welcher Position die Zwischenplatte im Kurbelschlitz eingelegt wird (geschlossene Bohrung zur Rahmenmitte, offene Bohrung nach außen gerichtet und der Metallstift muss in die Bohrung auf der Tretlagerwelle eintauchen).
- Linke Kurbel: Kurbelkappe lösen mit Shimano-Werkzeug TL-FC16 (diese Kappe lässt sich nur lösen, wenn die beiden Schrauben entfernt wurden (siehe 1. Schritt), sonst zerstörst du das Gewinde der Kappe).
- Linke Kurbel von der Tretlagerwelle abziehen (Zahnprofil).
- Rechte Kurbel/Kettenblätter/Tretlagerwelle durch leichte Schläge von links nach rechts aus dem Tretlager herausschieben/ziehen (dabei darauf achten, dass die Tretlagerwelle nicht zu stark verkantet wird).
- Jetzt hast du freien Zugang zu beiden Lagerschalen und kannst manuell die Gängigkeit der Kugellager prüfen. Fühlst du einen unregelmäßigen oder rauen Lauf, ein Spiel oder eine Schwergängigkeit, dann ist das betreffende Lager reif für eine Wartung.
Für die weiteren Arbeiten gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du schraubst die Lagerschalen per Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36 aus dem Tretlagergehäuse aus (dann hast du freien Zugang zu den verbauten Kugellagern von beiden Seiten), oder du belässt die Lagerschalen im Tretlagergehäuse (dann ist der innenseitige Zugang nur von der gegenüberliegenden Tretlagerseite aus möglich).
Abdeckung und Dichtscheibe entfernen
Um die Lager reinigen und fetten zu können, musst du als nächstes Abdeckung und Dichtscheibe demontieren.
Greife bei der Abdeckung von außen vorsichtig mit einer Messerspitze oder ähnlichem hinter die Kunststoffscheibe und hebe sie leicht an. Wandere nun in kleinen Schritten mit diesem Hebeln um das gesamte Lager herum und achte darauf, dass die Abdeckung nicht zu stark verkantet und erst recht nicht beschädigt wird beim Demontieren. Greife mit dem Hilfswerkzeug auch nicht zu tief hinter die Abdeckung, um die Dichtlippe der darunter befindlichen Dichtscheibe nicht versehentlich zu beschädigen.
Sicherer als die beschriebene Methode per Messerspitze von außen ist natürlich das Austreiben mit einem passenden Austreiber von der anderen Lagerseite aus. Das setzt aber voraus, dass die Lagerschale vorab aus dem Tretlagergehäuse demontiert wurde (Ablauf siehe unten).
Greife nun bei der Dichtscheibe von innen vorsichtig dahinter und hebe sie leicht an. Wandere auch hier in kleinen Schritten den gesamten Lagerumfang ab, bis dir die Dichtscheibe entgegenfällt.
Kugellager reinigen und fetten
Jetzt hast du freien Zugang zu den Kugellagern und kannst mit der Reinigung beginnen. Weil die Kugellager nicht zerlegt werden können, bleibt dir an dieser Stelle lediglich eine Behandlung mit einem sauberen Putzlappen von außen bei gleichzeitiger Drehung der inneren Kugellager-Schale. Verwende hierbei (wenn überhaupt) ausschließlich Reinigungsmittel, die sich vollständig verflüchtigen (z. B. Bremsenreiniger)
Sollte das Kugellager allerdings schon festsitzen (durch starke Korrosion), dann lohnt sich der Versuch, es mit einem Rostlöser (Caramba) wieder gängig zu bekommen. Nutze für die dabei erforderliche Radialbewegung der inneren Kugellager-Schale ein Stück Rundholz, das du per Raspelfeile konisch zuspitzt, sodass es im Lagerinnenring klemmt.
Ist das Kugellager am Ende wieder gängig, hast du natürlich einen größeren Aufwand beim Reinigen vor dem Fetten. Doch wenn sich auf diese Weise der Lager-Austausch vermeiden lässt, ist es die Mühe wert.
Nach der Reinigung fettest du das Kugellager mit einem guten Wälzlagerfett (z. B. Castrol LMX). Auch hierbei ist das Prozedere etwas mühsam und zeitraubend: benetze das Kugellager stirnseitig mit Fett und drücke es mit der Fingerkuppe zwischen die Kugeln, während du an der inneren Lagerschale drehst. Nach und nach verteilt sich das Fett dabei zwischen den Kugeln und am Ende erhältst du ein gut gefettetes Kugellager.
Einfacher geht es mit einer Kunststoffspritze.
Tipp 1: Erfahrungsgemäß leidet das linke Kugellager (Tretlager links) deutlich stärker unter Bewitterung und Wassereintritt, als das rechte Lager. Denn das rechte Lager ist durch Kettenblätter und Kettenschutzblech vergleichsweise gut abgeschirmt. Entscheide also nach eigenem Ermessen, ob am rechten Lager ebenfalls eine Wartung nötig ist oder nicht.
Tipp 2: In dem Wissen um diese ungleiche Belastung (Tipp 1) und den relativ einfachen Arbeitsablauf für eine Wartung solltest du in regelmäßigen Abständen nach dem linken Lager schauen. Warte nicht, bis sich beim Pedalieren eine Schwergängigkeit einstellt, denn dann kann es für das Kugellager schon zu spät sein.
Kugellager austauschen
Lassen sich die Kugellager nicht mehr durch Reinigen und Fetten instandsetzen, musst du nicht gleich die gesamte Lagerschale samt Kugellager austauschen. Vielmehr reicht es, wenn du lediglich das Kugellager demontierst und gegen ein passendes Industrielager ersetzt.
Um ein Verkanten beim Herausziehen des Lagers zu vermeiden, solltest du spätestens jetzt die Lagerschale aus dem Tretlagergehäuse herausschrauben, damit du einen freien Zugang von hinten hast (siehe nächster Abschnitt). Danach treibst du mit einem maßlich passenden Werkzeug das zerstörte Kugellager von hinten aus der Lagerschale heraus.
Weil das Lager bei diesem Vorgang in der Regel zusätzlichen Schaden nimmt (Krafteinleitung über die innere Lagerschale), empfiehlt sich das Austreiben lediglich bei irreparabel geschädigten Kugellagern, nicht jedoch zum Zwecke besserer Zugänglichkeit für Reinigung und Schmierung eines noch intakten Kugellagers.
Je nach erforderlicher Breite (7 oder 6 mm) bieten sich als Ersatz die folgenden Industrielager an:
- 61805 2RS (7 mm Breite)
- 6805W6 / 6805-6 2RS (6 mm Breite)
Auf größeren Radreisen und insbesondere fernab jeglicher Zivilisation solltest du die passenden Kugellager und das erwähnte Tretlager-Werkzeug mit im Gepäck haben. Die Ersatzlager wiegen nicht viel und nehmen in deinen Packtaschen kaum Platz ein. Und wenn dir das Werkzeug TL-FC32 zu schwer ist, dann kannst du dir aus hochfestem Aluminium selber ein deutlich leichteres Notwerkzeug erstellen (Bild).
Lagerschalen ausbauen links / rechts
Ist es unumgänglich, die Lagerschalen samt Kugellager auszubauen (Anlässe siehe oben), benötigst du das Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36.
Sorge für eine stabile Arbeitsposition, denn bei der Demontage wirken sehr hohe Kräfte (40 Nm + x): Stelle das Fahrrad auf den Sattel oder nutze einen robusten Montageständer.
Beachte auf jeden Fall die Gewinde-Richtung an deinem Tretlager: Hat das Tretlagergehäuse an deinem Fahrrad ein BSA-Gewinde, dann gilt: linke Seite trägt Rechtsgewinde, rechte Seite trägt Linksgewinde. Besitzt das Tretlagergehäuse dagegen ein ITA-Gewinde, dann findest du beidseitig Rechtsgewinde vor.
Hast du Zweifel, schau in die Angaben des Rahmen-Herstellers oder lasse es in deinem Fahrradgeschäft klären.
Achte bei der Demontage auf die Spacer, also die Distanzringe, die zwischen Lagerschale und Tretlagergehäuse auf beiden Tretlager-Seiten verbaut sind. Sie unterscheiden sich in Anzahl und Breite (siehe oben) und sorgen für die korrekte maßliche Positionierung der Lagerschale zu Rahmen und Kettenlinie. Sorge dafür, dass du später bei der Montage wieder alle Spacer auf der richtigen Seite einbaust.
Die Stirnflächen am Tretlagergehäuse
Sind die Lagerschalen ausgebaut, hast du den freien Blick auf die Stirnflächen am Tretlagergehäuse in deinem Fahrradrahmen. Prüfe bei dieser Gelegenheit, ob die Stirnflächen sauber und plan bearbeitet wurden im Zuge der werksseitigen Montage-Vorbereitung.
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