Die Deore XT-Komponenten von Shimano erschließen seit vielen Jahren den Mittelklasse-Markt. Dabei spielen Ketten, Schaltungen, Kurbeln und Bremsen der Deore XT-Baureihe eine wichtige Rolle. Viele Fahrer setzen seit geraumer Zeit auf die preisgünstigen Stopper.
Design und Eigenschaften der Deore XT Bremse
Die Deore XT-Bremsen wirken anfangs etwas unaufgeräumt, da im Vergleich zu anderen erhältlichen Bremsen viele Schrauben zum Vorschein kommen. Der polierte Ausgleichsbehälter der Bremse kann jedoch überzeugen und verleiht ihr einen edlen Look. Der Bremssattel wird via Post Mount befestigt und kommt in einem schlichten Schwarz. Bei Bedarf kann dieser mit Kühlrippen versehen werden, um die Bremse vor zu hoher Hitze und dem daraus resultierenden Fading zu schützen.
Die Zwei-Kolben-Bremse kann hinsichtlich ihres Druckpunktes sowie in der Hebelweite eingestellt werden und lässt somit die wichtigsten Einstellmöglichkeiten zu. Durch das One-Way-Belüftungssystem soll sich die Deore XT-Bremse zudem leicht entlüften beziehungsweise befüllen lassen. Wie für Shimano üblich kommt auch hier Mineralöl zum Einsatz.
Die verbauten Ice-Tech-Scheiben, eine zweiteilige Konstruktion der Scheibe, stellte Shimano erstmals 2010 vor. Die Bremsfläche wird dabei in einem Sandwichverbund gefertigt - Edelstahl außen und ein Kern aus Aluminium sollen eine bessere Hitzebeständigkeit ermöglichen. Die Scheibe wird über das Center-Lock-System befestigt und wiegt knapp 150 Gramm.
Performance auf dem Trail
Auf dem Trail macht die Shimano Deore XT einen soliden Eindruck. Der Geberkolben wird bei Shimano über eine Rolle abgelenkt, wodurch eine gute Dosierbarkeit entstehen soll. Das Losbrechmoment unseres Testmodells ist jedoch ungewöhnlich groß. Ist dieser Anfangspunkt überwunden lässt sich der Hebel aber wie gewohnt leichtgängig bedienen. Die Bremse lässt sich gut dosieren und packt im Notfall kräftig zu. Der Hebel ist angenehm ergonomisch geformt und hinterlässt keine nervigen Blasen an den Fingern.
Die Ice-Tech-Bremsscheibe in Kombination mit den semimetallischen Bremsbelägen machten keine störenden Quietsch-Geräusche. Auch nach längeren Abfahrten bei hohen Temperaturen kann man nur geringfügiges Fading feststellen.
Shimano SLX Bremse im Detail
Die Shimano SLX ist die günstigste Bremse aus dem Hause des japanischen Herstellers in unserem Vergleichstest. Für 350 € verkörpert die zweitgünstigste Bremse im gesamten Testfeld unauffälliges Understatement und solide japanische Qualität.
Das Portfolio von Shimano ist riesig und dadurch auch ein wenig unübersichtlich - wir bringen hier Licht ins Dunkel. Zumindest namentlich ist das Shimano-Produktangebot, das Bremsen, Schaltgruppen und auch den ganzen Antrieb enthält, seit vielen Jahren unverändert. Nach CUES und DEORE beginnt in aufsteigender Hierarchie die Serie mit „X“ im Namen: SLX, XT und XTR.
Wir haben alle Bremsen der X-Serie mit vier Kolben getestet. Sie sind gleichzeitig aber auch mit einem Zweikolben-Bremssattel erhältlich. Die SLX ist Shimanos klassische Brot & Butter-Bremse und entspricht mit 600 g ohne Scheiben ziemlich genau dem Durchschnittsgewicht in unserem großen Bremsen Vergleichstest.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik - außer in farblicher Hinsicht - kaum von der XT- oder XTR Bremse. Bei genauerem Fühlen kommt die SLX jedoch nicht ganz so hochwertig daher wie die XT und XTR: Die Bremshebel verzichten auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos. Die Shimano SLX-Bremse verzichtet außerdem auf die „Free Stroke“-Schraube, was nicht weiter schlimm ist.
Denn die Druckpunkt-Verstellung bei den Modellen XT und XTR scheint eher einen Placebo-Effekt zu haben, zumal kaum ein Multitool mehr einen Kreuz-Schraubendreher zum Verstellen im Angebot hat. Die Klemmung der Shimano SLX-Bremsen ist durchdacht und bietet mit dem I-SPEC-System gute Kombinationsmöglichkeiten mit Schalthebel oder Dropper-Remote und einen breiten Verstellbereich.
Um die am Lenker abgestützte Geber-Einheit loszubekommen, muss man nur eine Schraube lösen und im Anschluss mit einem dünnen Tool einen Sicherungsstift eindrücken. Folglich klappt die Schelle auf und man kann das Teil als Ganzes abnehmen, selbst die Schraube ist mit einem O-Ring gesichert - top, da geht nichts auf dem Trail verloren!
Das Entlüften der Shimano-Bremsen funktioniert dank Trichter am Bremsgriff und dem sogenannten „One-Way Bleeding“ denkbar einfach: Geber-Einheit waagrecht stellen, Trichter füllen, aufschrauben und ein paar Mal die Bremse betätigen. Das bekommt wirklich jeder hin.
Die Bremspower der Shimano SLX-Bremse auf dem Trail ist sehr gut und ähnelt stark den anderen Shimano-Bremsen im Test. Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX „digital“: Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes.
Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Die BrakeAce-Datenauswertung auf dem Trail lässt bei der SLX eine stärkere Bremse erwarten als bei der eng verwandten Shimano XTR: Die Brems-Ereignisse sind weniger und im Schnitt kürzer als beim Topmodell XTR, zudem ist die Front-Heck-Verteilung mit 40 zu 60 bei der SLX sehr ausgeglichen.
Schaut man hingegen auf die Labormesswerte, liegt die Shimano XTR drei Plätze höher. Dennoch lässt die Shimano SLX zum Kampfpreis nichts missen und verzögert auch in Extremsituationen sehr kraftvoll.
Im Vergleich zu den teuren Shimano-Modellen muss man hier nur beim Gewicht leichte Abstriche machen, und so bekommt die SLX die Auszeichnung Kauftipp im großen Bremsen-Vergleichstest 2024. Denn für 350 € lässt die Shimano SLX keine Wünsche offen und überzeugt sowohl in Verarbeitung, Haptik, Ergonomie und natürlich auf dem Trail.
Wer sich noch mehr End-Verzögerung wünscht, kann die SLX-Bremse mit den Sinter Green-Belägen günstig upgraden und - zumindest im Labor - nahezu auf ein Level mit der fast viermal so teuren Trickstuff MAXIMA heben.
Shimano XT Bremse: Ein Klassiker im Test
Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Shimano präsentiert sich seit vielen Jahren mit einem breiten, etwas unübersichtlichen Portfolio. Neben Bremsen spielen hier vor allem Schaltgruppen und auch Antriebe eine große Rolle. Im von uns getesteten Shimano-Line-up nimmt die XT-Reihe die mittlere Position der Performance-Bremse ein. Mit 588 Gramm ohne Scheiben entspricht die Vierkolbenbremse Shimano XT um 1 g fast exakt dem Durchschnittsgewicht.
Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.
Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans! Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat.
Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld.
Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.
Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.
Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR. Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR.
Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden. Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich. Das führt zu Fading auf langen Abfahrten.
Shimano Deore: Eine zuverlässige Option für Cross Country und All Mountain
Nach dem ersten Eindruck steht die Shimano Deore ihren großen Geschwistern in nichts nach. Vom Design her sind die verschiedenen Bremsen kaum zu unterscheiden. Das silberne Gehäuse ist hochwertig verarbeitet und die 2-Finger Aluminium Hebel liegen ergonomisch perfekt in der Hand.
Nur bei den Einstellmöglichkeiten muss man bei der Deore ein paar Abstriche machen. Im Gegensatz zur SLX und XT Gruppe lässt sich die Bremshebelweite bei der Deore nicht ohne Werkzeug einstellen. Da man diese Einstellung ohnehin nur sehr selten vornimmt, würden wir dies aber nicht als großen Nachteil bewerten. Ansonsten legt Shimano großen Wert auf die Benutzerfreundlichkeit.
Die Montage ist innerhalb weniger Minuten erledigt, da die Bremse befüllt und entlüftet geliefert wird. Anschrauben, einbremsen, und los! Und auch wenn man die Bremse früher oder später warten muss, kommt einem Shimano sehr entgegen. Dank One-Way-Technologie ist für sauberes und problemloses Entlüften garantiert.
Mit der Shimano Deore hast Du eine zuverlässige Scheibenbremse für den Cross Country und All Mountain Bereich. Direkt nach der ersten Abfahrt ist klar, dass die Shimano Deore ordentlich Biss hat. Mit 180er Scheiben ausgestattet, kommt man auch in schwierigen Situationen problemlos zum Stehen. Der Druckpunkt der Deore ist dabei aber nicht so hart, wie man es vielleicht von anderen Stoppern kennt.
Gewöhnt man sich erstmal an das neue Bremsgefühl, ist die Deore sehr gezielt zu dosieren. Die Bremshebel lassen sich problemlos mit einem Finger betätigen, wobei die Deore auch bei längeren Abfahrten kraftschonend zu den Händen ist.
Wer sich für ausgedehnte abwärts Passagen noch ein bisschen mehr Bremsleistung wünscht, kann die Deore mit der Ice-Tech Technologie aufrüsten. Shimano hat eine spezielle Kombination aus Bremsbelägen mit Kühlrippen und Edelstahl-Bremsscheiben mit Aluminium-Kern entwickelt. Durch diese Sandwich Struktur kann mehr Hitze abgeleitet werden, wodurch die Bremse auch auf langen Abfahrten weiterhin standhaft bleibt.
Die Bremsen wurden sowohl im Labor, als auch in der Praxis genauer untersucht. Bei der Rubrik Gewicht konnte die Bremse nur zwei von fünf möglichen Punkten sammeln. Die Bremsleistung ist dagegen ausgesprochen hoch und wurde mit vier Punkten bewertet. Auffällig ist, dass die Bremskraft bei Nässe stark abnimmt. Zudem konnten die Tester an der Hinterradbremse ein leichtes Fading spüren. Als Fading bezeichnet man ein unerwünschtes Nachlassen der Bremswirkung. In der Regel tritt dieser Schwund durch eine Erwärmung der Bremsscheiben auf.
Bei den Kriterien Standfestigkeit und Dosierbarkeit konnten die Bremsen ebenfalls mit vier von fünf Punkten überzeugen. Verglichen zu elf anderen Scheibenbremsen konnte sie am meisten überzeugen. Wenn man bedenkt, dass die Shimano-Bremse unter den elf Konkurrenten die günstigste war, überrascht einem das Ergebnis umso mehr.
Auch im Langzeittest überzeugt die Deore. Es zeigt sich, dass billig nicht immer nur schlechtere Qualität nach sich zieht. In Sachen Qualität und Verarbeitung begeistern die japanischen Bremsen ebenso, sodass die Freude über die günstigen Bremsen von langer Dauer ist.
Weitere Technologien und Features
- ICE TECHNOLOGIES: SHIMANO hat Bremsscheiben und Bremsbeläge mit ICE TECHNOLOGIES eingeführt, um eine Kühltechnologie für gleichbleibend hohe Bremsleistung zu schaffen.
- ONE WAY BLEEDING: „ONE WAY BLEEDING“ wurde entwickelt, um schnell und problemlos verhindern zu können, dass sich Luft im Hydrauliksystem befindet.
- SERVOWAVE Bremshebel: Der SERVOWAVE Bremshebel nimmt am Anfang seiner Bewegung viel Bremsweg auf, sodass die Beläge mit geringem Hebelweg an die Bremsscheibe geführt werden können. Nach Anliegen des Bremsbelags nimmt der Kraftübersetzungsfaktor rasch zu.
- I-SPEC EV: Bei I-SPEC EV sind die Bremsklemmen weiter nach innen verlegt. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Kontaktpunkt zwischen Lenker und Bremshebel, was die Steifigkeit des Hebels erhöht.
Günstige Scheibenbremsen im Vergleich (2015)
Im Jahr 2015 wurden günstige Scheibenbremsen von Avid, Hayes und Shimano getestet. Die drei hydraulischen Scheibenbremsen bekommt man zum Nachrüsten bereits deutlich unter 100 Euro pro Stück. Die Bremsscheiben kommen noch dazu, wobei 180er-Scheiben bei Shimano etwa 20 Euro, bei Avid und Hayes rund 40 Euro kosten.
Vergleicht man die Gewichte der drei Bremsen, stellt man fest, dass die günstigen Stopper einzeln etwa 50 Gramm mehr auf die Waage bringen als vergleichbare Highend-Modelle: So liegt die Deore mit 469 Gramm nur 50 Gramm über einer XTR Trail, während die DB3 von Avid nur 60 Gramm mehr als die Sram Guide RSC wiegt.
Testergebnisse im Überblick (2015)
Auf dem Prüfstand mussten sich alle Bremsen mit 180er-Scheiben beweisen. Sowohl bei der mittleren Bremskraft als auch bei der Standfestigkeit überzeugte die Shimano Deore. Vor allem beim Fading-Test hinterließ die RT66-Scheibe einen sehr positiven Eindruck.
Tabelle: Bremskräfte im Überblick (2015)
| Bremse | Mittlere Bremskraft (Newton) |
|---|---|
| Avid DB3 | 299 |
| Hayes Radar | 327 |
| Shimano Deore (RT66-Scheibe) | 335 |
| Shimano Deore (RT64-Scheibe) | 347 |
Bewertung der einzelnen Bremsen (2015)
- Avid DB3: Überzeugt mit guter Ergonomie und werkzeugloser Hebelweitenverstellung. In Sachen Bremskraft erzielt sie nur mittlere Werte.
- Hayes Radar: Verzögert dank Sinter-Belägen kraftvoll, neigt allerdings selbst im Trockenen zum Quietschen.
- Shimano Deore M615: Profitiert von der Technik der teureren Modelle. Der kurze Hebel greift sich sehr angenehm, die Bremskraft lässt sich damit fein dosieren. Am Prüfstand packte die Deore am kräftigsten zu.
Die Shimano Deore XT-Bremse ist eine Art Alleskönner. Bei Fachhändlern kann man sie bereits für knapp 80 Euro erstehen, womit sie sich preislich im unteren Mittelbereich ansiedelt. Davon sollte man sich jedoch nicht beirren lassen. Bereits optisch glänzt die Bremse mit einem schönen Design. Auf dem Trail überzeugt zudem die Bremskraft. Zwar ist das Losbrechmoment des Hebels etwas gewöhnungsbedürftig, doch zupacken kann die Deore XT.
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