Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad, doch viele Radfahrer schenken ihnen kaum Beachtung. Dabei sorgt eine gute Bremsanlage für eine kontrollierte Entschleunigung und somit für Sicherheit.
Die wichtigsten Aspekte einer guten Bremse
Eine gute Bremse sollte folgende Eigenschaften aufweisen:
- Einfache Montage und Wartung
- Angenehmer Bremshebel
- Feine Dosierbarkeit für gute Kontrolle
- Ausreichende Bremskraft
- Zuverlässigkeit auch unter hoher Belastung
Montage und Anpassung
Bei der Montage setzen alle Hersteller beim Bremssattel auf den Postmount-Standard, der eine einfache und schnelle Montage ermöglicht. Zudem kann der Bremssattel über ein integriertes Langloch genau zur Bremsscheibe ausgerichtet werden. Zur Anpassung an individuelle Vorlieben lässt sich an jeder Bremse die Hebelweite zum Lenker justieren.
Wartung und Service
Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind!
Bremsmedium-Typen
- DOT-Bremsflüssigkeit: Weltweit verfügbar, günstiger Preis, hoher Siedepunkt, bindet Wasser. Sollte jährlich getauscht werden.
- Mineralöle: Werden von Magura, Shimano, Tektro und TRP eingesetzt. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Es gibt keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.
- Hydrauliköl (Bionol): Wird bei Trickstuff eingesetzt und aus nachwachsenden Pflanzenölen hergestellt.
- Wasser: Wird bei BFO verwendet.
Bremsbeläge und Bremsscheiben
Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe. Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich.
Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio. Aber Vorsicht: Nur bei Trickstuff verliert man bei Fremdbelagsnutzung die Garantie der Bremse nicht!
Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.
Einbremsen der Bremsen
- Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
- Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
- Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
- Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.
Der Praxistest
Um den Bremsen auf den Zahn zu fühlen, beinhaltet der Praxistest Abfahrten auf Teer, Schotter und Waldwegen. Die Trekkingräder wurden zusätzlich mit Packtaschen bestückt, um ein Systemgewicht von 130 kg zu erreichen. Während des Tests wurden Hebelergonomie, Druckpunkt, Dosierbarkeit und Bremskraft überprüft.
Beim Prüfstandtest wurden alle Scheibenbremsen auf ein Rad montiert, welches auf einem Rollenprüfstand fixiert war. Das Prüfprogramm bremste alle Bremsen ordnungsgemäß ein, bis die maximale Bremskraft anlag. Der Test basiert auf der DIN-Norm für Bremssysteme und wurde vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt durchgeführt.
Bei der Bremskraft bieten Hayes und Trickstuff mit Abstand die höchste Leistung. Hier reicht ein Finger auch für starke Verzögerungen. Im Vergleich von trockenen zu nassen Bedingungen bremsen Hayes und Magura MT Sport am konstantesten. Hier ändert sich das Bremsverhalten quasi nicht. Top sind Sram, Tektro und Trickstuff, weil die Handkräfte fast annähernd gleich bleiben.
Shimano XT im Detail
Die XT Bremse ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und sie hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen. Diese wirkt deutlich schlanker, hat eine schmalere Lenkerklemme und Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren. Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern.
Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch. Die Hebelweite lässt sich einfach werkzeuglos einstellen. Bei der Druckpunkteinstellung hingegen konnten wir keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Der Druckpunkt ist definiert, aber tendenziell weich und die Leistung lässt sich gut dosieren.
Bei schnell aufeinanderfolgenden Bremsungen wandert der Druckpunkt deutlich. Mit den original verbauten Resin Belägen hat man mit der XT Bremse in den meisten Situationen genug Power, die sich mit einem Finger abrufen lässt. Bei Vollbremsungen ab 60 aufwärts trat starkes Fading auf und die Scheibe schleifte im Anschluss, was sich aber nach wenigen Minuten wieder legte. Beim Dauerbremsen zeigte sich ein ähnliches Bild, die Leistung war konstant hoch und erst im steileren Stück der Teststrecke trat deutliches Fading auf.
Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen.
Shimano XT - Stärken und Schwächen
Stärken: Dosierbarkeit, Bremskraft, Hebelergonomie
Schwächen: Hebel mehrmals gebrochen
Alternativen und Fazit
Die Shimano XT ist eine der besten Bremsen auf dem Markt. An die Hebelergonomie kommt die Konkurrenz nicht ran. Schwachpunkt: Die Bremshebel brechen zu schnell.
Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.
Preis-Leistungs-Tipp und weitere Empfehlungen
- TRP: Durch die Bank gutmütig und problemlos, verdient sich den Preis-Leistungstipp.
- Sram G2: Durchweg gute Noten und ein Liebling der Tester, heimst eine Empfehlung ein.
Tabelle: Vergleich einiger getesteter Bremsen
| Bremse | Gewicht (g) | Preis (ca. Euro) | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|---|
| Shimano XT | 588 (ohne Scheiben) | 204 (pro Bremse) | Dosierbarkeit, Bremskraft, Hebelergonomie | Bremshebel können brechen |
| Hayes Dominion T4 | 530 | N/A | Enorme Performance, sehr gutes Bremsgefühl | N/A |
| Shimano SLX | N/A | N/A | Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis, starke Verzögerung | Digitales Bremsgefühl gewöhnungsbedürftig |
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