Shimano Deore Halterungsarten: Ein umfassender Überblick

Klassischerweise besteht eine komplette Mountainbike-Gruppe aus allen Komponenten des Antriebs und der Bremsen. Im Einzelnen sind dies: Schalthebel, Schaltwerk, Schaltkäfig, Umwerfer, Kassette, Kurbel, Tretlager, Kette, Bremshebel, Bremszug oder -leitung, Bremssattel, Bremsscheibe und Bremsbeläge.

Während Shimano komplette Gruppen aus Schaltung, Bremsen und sogar Laufrädern anbietet, umfassen die SRAM-Gruppen „nur“ die Schaltung. Unabhängig von den Schaltungsgruppen bietet Sram jedoch verschiedene Bremsen an. Während der Schaltungsmarkt von Sram und Shimano dominiert wird, gibt es eine Vielzahl von Bremsenherstellern.

Im Folgenden konzentrieren wir uns daher auf die MTB-Schaltgruppen der beiden größten Hersteller Shimano und Sram und gehen nur am Rande auf die Bremsen ein.

Wie funktioniert eine Mountainbike-Schaltung?

Eine Mountainbike-Schaltung ist in der Regel eine Kettenschaltung. Indem die Kette in Fahrtrichtung über verschiedene Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln geführt wird, ergeben sich verschiedene Übersetzungsverhältnisse.

An der Kurbel sind ein bis drei Kettenblätter montiert, während sich an der Hinterradnabe eine Ritzelkassette befindet mit meist 10 bis 12 Ritzel. Beim Schalten zieht oder hebt der Umwerfer die Kette auf das gewünschte Kettenblatt.

Das Schaltwerk hingegen ist dafür zuständig, die Kette auf eines der Ritzel zu leiten. Je größer das Kettenblatt und je kleiner das Ritzel, über das die Kette läuft, desto größer ist die Übersetzung. Ein Ritzel am Hinterrad, das größer ist als das Kettenblatt, bewirkt dagegen eine Untersetzung.

Um die Übersetzung zu berechnen, teilt man die Anzahl der Zähne des Kettenblatts durch die Anzahl der Zähne des Ritzels. Das Ergebnis gibt an, wie viele Umdrehungen das Hinterrad bei einer Kurbelumdrehung macht.

Für einen schnellen Schaltvorgang sind die Teile der MTB-Schaltung wie Kette, Ritzel und vor allem Schaltwerk und Umwerfer aufeinander abgestimmt. Außerdem sorgen Umwerfer und Schaltwerk im optimalen Zusammenspiel für präzise Schaltvorgänge, bei denen auch Gänge übersprungen werden können. Spitzengruppen können dies unter widrigsten Bedingungen und lassen sich zudem an Vorlieben oder ergonomische Besonderheiten des Fahrers anpassen.

Mechanisch oder elektrisch?

Für die Betätigung von Schaltwerk und Umwerfer gibt es derzeit zwei Systeme, die hauptsächlich bei einer Schaltung eingesetzt werden:

  • mechanisch
  • elektronisch

Bei Mountainbikes ist die mechanische Schaltung noch am weitesten verbreitet. Hier sind die Schalter über Schaltzüge mit Schaltwerk und Umwerfer verbunden. Durch Betätigung des Schaltgriffs wird der Schaltzug um eine bestimmte Länge verkürzt oder freigegeben. Dies führt zu einer horizontalen Bewegung der Schaltkomponenten, die die Kette in die gewünschte Position bringt.

Shimano (Rapid Fire) und SRAM (Trigger) bieten Schalthebel an, die während der Fahrt leicht zu bedienen sind. Sie können mit Daumen und/oder Zeigefinger bedient werden. Eine andere Variante sind Drehschalter wie bei der Grip Shift von SRAM oder Revoshift von Shimano.

Bei diesem System wird durch Drehen des Griffes um den Lenker geschaltet. Dadurch wird der Schaltzug auf- oder abgewickelt, was zum Gangwechsel führt.

Beide Hersteller haben auch elektronische Schaltungen im Sortiment, bei der die die Schaltimpulse elektronisch an die Schaltkomponenten übertragen. Kleine Motoren sorgen dann für die nötige Bewegung. Während Shimano seine beiden Spitzengruppen in einer elektronischen DI2-Variante anbietet, gibt es Srams AXS-System bereits in der Einstiegsgruppe.

Zudem hat Sram in Deutschland eine elektronische Steuereinheit entwickelt, die mit einem Servomotor und eigenem Akku den Schaltimpuls direkt per Funk überträgt, Shimano setzt weiterhin auf Kabel.

Clutch-Technologie

Shimano und SRAM setzen seit einigen Jahren auf die sogenannte Clutch-Technologie. Was bei Shimano „Shadow Plus“ und bei SRAM „Type 2“ bzw. „Type 3“ heißt, beschreibt eine erhöhte Federspannung, bei der der Schaltwerkkäfig durch eine zusätzliche Feder nach hinten gezogen und die Kette auf höherer Spannung gehalten wird. Kettenschlagen und ungewollte Schaltsprünge können so deutlich reduziert werden.

Die Clutch-Technologie findet sich bei Mountainbikes, die für den sportlichen Einsatz konzipiert sind. Bei SRAM sind alle Schaltwerke ab der X7 Gruppe in der Type 2 Version erhältlich. Shimano konstruiert die Schaltwerke ab der Deore Gruppe als Shadow Plus (siehe Gruppenhierarchie unten).

Übersicht: Die Schaltungen von Shimano und SRAM

Der Schaltungsmarkt ist groß und manchmal unübersichtlich. Das liegt daran, dass die beiden großen Schaltungshersteller Shimano und SRAM mittlerweile nicht nur Schaltungen in unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten, sondern ihre Gruppen auch auf verschiedene Einsatzbereiche im Mountainbikesport abgestimmt haben. Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach.

Die folgende Übersicht gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie der beiden Hersteller. Die Reihenfolge orientiert sich dabei von der hochwertigsten und auch teuersten Schaltung hin zu den preiswerteren Varianten. Doch was zeichnet nun eine teure High-End-Gruppe aus, die ein Vielfaches einer günstigeren Schaltung kostet? Die Funktion des Gangwechsels wird letztlich von allen Schaltungen erfüllt.

Unterschiede gibt es bei:

  • Übersetzungsbereich
  • Materialien
  • Anpassung an Fahrer und Einsatzgebiet
  • Kompatibilität bzw. Kombination mit anderen Gruppen
  • Steuerung und Bedienbarkeit
  • Gewicht
  • Genauigkeit
  • Leichtgängigkeit
  • Abstufung der Gänge untereinander

Die teuren, hochwertigen Gruppen sind in jedem Fall deutlich leichter als die preiswerteren. Das liegt an der Menge und Masse der verwendeten Materialien, außerdem gibt es mehr Anpassungsmöglichkeiten an Fahrer und Einsatzzweck.

Hochwertige Antriebe erreichen auch einen wesentlich größeren Über- und Untersetzungsbereich. Wo bei preiswerten Gruppen Druckguss und einfache Kunststoffe anzutreffen sind, finden sich bei den höherwertigen Gruppen verschiedenste Legierungen in aufwendigen Fertigungstechniken verarbeitet. Wo bei den preiswerten Modellen Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen, sind es bei den höherwertigen Schaltungen sogar Legierungen aus Titan, Magnesium und Kohlenstoff. Diese werden beispielsweise im von Shimano selbst entwickelten Hollowtech-Schmiedeverfahren hergestellt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass immer alle Teile der Schaltgruppen benötigt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest. Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.

Als Entscheidungshilfe gehen wir hier auf die einzelnen Gruppen von Shimano und SRAM ein.

Shimano MTB Schaltgruppen

Die Shimano Altus Schaltung ist eine preiswerte Einsteigergruppe. Auch hier umfasst das Repertoire bis zu 3x9 Gänge. Viele Funktionen aus der Oberklasse stehen zur Verfügung.

Auch hier können Alivio und Acera Komponenten kombiniert werden. So kann auch im Einsteigerbereich eine gute Performance je nach Einsatzbereich für Trekking, Freizeit oder Mountain erreicht werden.

Abfahrtsorientierte Gruppen von Shimano

Im abfahrtsorientierten Bereich des Mountainbikesports, Freeride und Downhill, sind die Anforderungen an die Schaltung dadurch definiert, dass man auch in den ruppigsten Passagen die Kette nicht „verlieren“ möchte und auch bei hohen Abfahrtsgeschwindigkeiten noch schalten und beschleunigen kann. Dementsprechend ist hier keine große Übersetzungsbandbreite erforderlich.

Shimano bietet mit den Gruppen „Saint“ und „Zee“ Gruppen an, die diesen Anforderungen gerecht werden.

Shimano Saint

Die Shimano Saint ist eine Freeride- und Downhillgruppe auf XTR-Niveau. Sie ist für 1x10 Gänge ausgelegt. Die Gruppe ist mit einer Kettenführung ausgestattet, die ein Abspringen der Kette verhindert.

Shimano Zee

Stürze und Defekte gehören im Gravity-Bereich zum Alltag. Die Zee-Gruppe mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist daher eine gute Wahl, wenn du von deinen Komponenten hohe Leistung zu einem fairen Preis erwartest. Von der Qualität und vom Preis her ist die Zee-Gruppe mit der SLX-Gruppe vergleichbar. Sie schaltet ebenfalls 1x10 Gänge.

SRAM MTB Schaltgruppen

SRAM XX1

Die SRAM XX1 wurde durch die XX1 Eagle als Spitzengruppe im Cross Country und Marathon-Bereich abgelöst, wird aber immer noch gebaut. Es handelt sich um eine 1x11-Gangschaltung.

SRAM X1

Mit der SRAM X1 begann SRAMs Erfolgsgeschichte im Bereich der 1-fach Schaltungen. Auch sie schaltet 1x11 Gänge und ist prädestiniert als Einsteigermodell.

Dank der “Mix and Match”-Philosophie von SRAM lässt sich die X1 später gut aufrüsten.

SRAM NX

Die SRAM NX Schaltung ist der günstigste Einstieg in die Welt der 1x11-fach Schaltungen von SRAM. Dennoch ist sie sehr robust und verfügt über eine ausreichende Übersetzungsbandbreite. Sie wird daher gerne an drehmomentstarken Pedelecs und e-MTBs eingesetzt.

SRAM XX

Die XX-Gruppe ist die Spitzengruppe für den Marathon- und Cross-Country-Einsatz. Jedes „X“ steht - wie im Römischen - für eine „10“. Somit stehen dem Fahrer 2x10 Gänge zur Verfügung.

SRAM X0

SRAM X0 ist wie im 1-fach-Segment das eher abfahrtsorientierte Pendant zur SRAM XX für den Gravity-Bereich. Hier können die 10 Ritzel hinten mit 1-3 Kettenblättern vorne kombiniert werden.

Die Übersetzung: 1-, 2- oder 3-fach?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Einfachschaltung mit elf Ritzeln und einem Kettenblatt durchgesetzt hat. Der moderne Ein-Gang-Antrieb bietet Gewichtsvorteile, da er ohne Umwerfer und ohne zweite Gangschaltung auskommt. So hat der Fahrer die linke Hand für die wichtige Vorderradbremse frei und kann sich auf die Strecke und das Schalten konzentrieren.

Wo Licht ist, ist auch Schatten - beim Ein-Gang-Antrieb ist es die Abstufung der Gänge. Im Vergleich zu 2- und 3-fach-Schaltungen liegen die Gänge weiter auseinander, was für Umsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der ambitionierte Fahrer gleicht dies durch die Wahl des richtigen Kettenblattes aus. So kommen bei Enduro- und Trailbikes meist 30er oder 32er Kettenblätter zum Einsatz. XC- und Marathonfahrer greifen gerne auf ein 34er oder 36er Kettenblatt zurück. Wer sich hier unsicher ist, kann getrost auf die Werkseinstellung vertrauen und bei Bedarf auf ein anderes Kettenblatt umrüsten.

Bremsen: Kurzü Überblick

Eine hydraulische Scheibenbremse findet sich an jedem guten Mountainbike. Generell kann gesagt werden, dass es kaum schlechte Bremsen gibt. Viel entscheidender sind der Einsatzbereich, die Fahr- bzw. Bremstechnik und der Fahrstil. So wäre eine “kleine und leichte” Bremse für XC und Marathon am Downhiller unterdimensioniert und eine Bremse aus dem Gravity-Bereich (Downhill, Freeride) sicherlich überdimensioniert.

Shimano bietet zu jeder Schaltgruppe auch eine Bremse an. Sram hat drei Bremsen im Programm. Beide Hersteller ermöglichen eine individuelle Abstimmung durch verschiedene Bremsbeläge, Bremsscheiben und Bremsgriffe.

In den oberen Gruppen können zudem Ansprechverhalten, Druckpunkt und sogar der Hebelweg an die Vorlieben des Fahrers angepasst werden. Unterschiede gibt es vor allem bei der Bremsleistung. Obwohl beide über kräftige Vierkolbenbremsen verfügen, ist die Bremswirkung unterschiedlich.

Wer sich gerne an den Bremspunkt herantastet und immer einen Finger am Hebel hat, ist mit Sram gut beraten. Shimano hat den etwas festeren Biss, allerdings sollte man nicht zu lange mit schleifender Bremse fahren.

Ein weiterer Unterschied zwischen Shimano und Sram ist die Befestigung des Schalthebels am Bremsgriff. Bei Shimano ist dies ab der SLX-Gruppe der Fall. Sram hat hier eine Klemme für alle, man kann also eine einfache Schaltung mit der Top-Bremse an einer Klemme kombinieren.

Umwerfer

Der Umwerfer ist bei Kettenschaltungen zu finden. Der Mechanismus steuert den Lauf der Fahrradkette auf den vorderen Kettenblättern. Er besteht aus einem Parallelogramm das einen Umwerferkäfig bewegt.

Die Kette verläuft durch diesen Käfig und wird über den Schaltzug von Leitblechen zum jeweils gewünschten Kettenblatt gelenkt. Wird der Schaltzug gespannt, erfolgt die Beförderung der Fahrradkette mittels Steighilfen auf das nächstgrößere Kettenblatt. Eine Feder zieht die Kette auf das nächstkleinere Kettenblatt wenn der Zug gelöst wird. Ist der Umwerfer elektronisch gesteuert, führt ein digital gesteuerter Servo- oder Linearmotor diese Bewegung aus.

Umwerfer werden nach Kapazität klassifiziert. Die Umwerferkapazität ist abhängig von der Größe des Umwerferkäfigs und beschreibt die größtmögliche Differenz an Zähnen zwischen dem kleinsten und dem größten Ritzel (Kettenblatt) die der Umwerfer verarbeiten kann.

Zugführung

  1. Top Pull: Die Schaltzugführung erfolgt von oben.
  2. Down Pull: Die Schaltzugführung erfolgt von unten.
  3. Dual Pull: Viele Umwerfermodelle sind auch in der Dual Pull Version erhältlich. Hierbei ist die Zugführung sowohl von oben als auch von unten möglich.

Montageart

  1. Down Swing: Down Swing ist die am häufigsten zu findende Montageart.
  2. Top Swing: Aufgrund von neuen, unterschiedlichen Rahmendesigns wurde im Laufe der Entwicklung auch eine Alternative zum Down Swing notwendig.
  3. E-Type: Hierbei wird der Umwerfer zwischen Rahmen und Tretlager befestigt, anstatt am Sitzrohr. Eine Schelle ist nicht notwendig.

Shimano Free Shift und Auto Shift

Mit der Free Shift-Funktion könnt ihr künftig auch bei der Kettenschaltung die Übersetzung wechseln, ohne in die Pedale zu treten. Zumindest solange das Fahrrad rollt. Dazu werden Kurbelarm und Kettenblatt kurzzeitig entkoppelt. Der Motor treibt dann nur noch das Kettenblatt an und löst dank der elektrischen Unterstützung einen Schaltvorgang aus.

Kette und Kassette bleiben währenddessen ständig in Bewegung. Je nachdem, was ihr an der Schalteinheit ausgewählt habt, wechseln Kettenblatt und Kassette zu dem jeweiligen Gang. Theoretisch würde das sogar im Stand funktionieren. Allerdings mit der Konsequenz, dass der Motor das Fahrrad nach vorn bewegt, um den Schaltvorgang auszuführen. Dass dies ganz schnell richtig gefährlich werden kann, leuchtet sicher allen ein.

Vom Free Shift gibt es zwei Spielarten. In der automatischen Version entscheidet das System aufgrund der vom Geschwindigkeitssensor empfangenen Daten und eurer Einstellungen in Shimanos E-Tube Project App. Wer möchte, kann in der App aber auch die manuelle Version wählen und alles selbstständig steuern.

Wenn ihr das Gefühl habt, dass vom Free Shift bis zur kompletten Automatikschaltung nur ein vergleichsweise kleiner Schritt fehlt, liegt ihr genau richtig. Shimano hat diesen vollzogen und Auto Shift entwickelt.

Mithilfe entsprechender Sensoren misst das System die jeweils aktuelle Trittfrequenz, das Drehmoment und die Geschwindigkeit. Sinkt die Trittfrequenz und ihr werdet gleichzeitig langsamer das Drehmoment steigt, registriert dies Auto Shift und schaltet in einen leichteren Gang. Analog dazu schaltet das System in einen schwereren Gang, wenn sich Trittfrequenz und Geschwindigkeit erhöhen, weil ihr zum Beispiel den Gipfel erreicht habt und auf eine Ebene rollt oder euch sogar in eine Abfahrt begebt. Das Drehmoment sinkt und Auto Shift weiß, dass ihr jetzt einen dickeren Gang treten könnt.

Erneut könnt ihr eure Vorlieben in der E-Tube Project App festlegen. Es lassen sich mehrere Profile auswählen. Shimano stellt den Fahrradherstellern Auto Shift in zwei Abstufungen zur Verfügung. Eine richtet sich stärker auf das Fahren in der Stadt und auf Touren. Die andere betont eine sportliche, aggressivere Fahrweise und wird vorwiegend an E-Mountainbikes zu finden sein. In beiden Fällen überstimmt ihr durch einen manuellen Schaltvorgang das, was der Algorithmus ausgewählt hatte. Wenn ihr wollt, lernt Auto Shift sogar aus diesen Situationen und passt seine Logik euren Vorlieben an.

Diese neue Art des Schaltens funktioniert nur mit Schaltwerken, die über die notwendige Technologie verfügen. Folglich war Shimano gezwungen, hier zu agieren und neue Komponenten zu entwickeln. Mit dem Deore XT Di2 und dem Cues Di2 erweitern zwei Schaltwerke das zuvor schon sehr umfangreiche Sortiment. Beide sind nicht nur Free Shift-kompatibel, sondern entsprechen zusätzlich dem im vergangenen Jahr eingeführten Linkglide-Standard. Dessen robustes Wesen hatte zuvor bereits das Schalten vereinfacht und wirkt vor allem dem dabei entstehenden Verschleiß entgegen.

Das Deore XT Di2-Schaltwerk fällt etwas hochwertiger als das Cues Di2-Schaltwerke aus. Es eignet sich für Kassetten mit wahlweise zwölf oder elf Ritzeln.

Die dazugehörigen Kassetten sind ebenfalls neu. Bei der XT-Variante stechen die verbesserten Steighilfen der Hyperglide-Technologie sowie der kleinere Freilaufkörper namens Micro Spline hervor. Etwas einfacher fallen die Kassetten mit elf und zehn Ritzeln aus.

Wie zuvor beschrieben, spielt der Motor bei der Umsetzung von Free Shift und Auto Shift eine zentrale Rolle. Er gibt den Impuls dafür, dass ein Schaltvorgang jetzt auch ohne Zutun der Kurbel möglich wird. Diese Fähigkeit brachten die bisherigen Motorengeneration nicht mit. Einer davon ist der EP801. Bei ihm handelt es sich um die Weiterentwicklung des EP8. Wirklich neu ist jedoch nur die Elektronik. Mit Blick auf das Gehäuse ist Shimano dem bisherigen Design ebenfalls treu geblieben. Die Kombination aus Magnesium-Gehäuse und zahlreichen Kühlrippen unterstützen eine schnelle Wärmeabfuhr.

Gleichzeitig lässt sich der Motor über die App weiterhin ausgesprochen flexibel anpassen. Insgesamt 15 verschiedenen Unterstützungsprofile hält Shimano dort bereit. Anhand einer solchen Bandbreite dürften Fahrerinnen und Fahrer mit unterschiedlichsten Fitnessniveaus, fahrerischem Können und für unterschiedlichste E-Bike-Typen das Setup ihrer Wahl finden. Vom selben Komfort profitiert ihr an einem Fahrrad, an dem der ganz neu entwickelte EP6 verbaut ist. Beinahe handelt es sich bei ihm um eine Kopie des EP801. Allerdings unterscheiden ihn zwei wesentliche Dinge von Shimanos Topmodell. Zum einen ist dies sein Gehäuse. Das ist aus Aluminium statt aus Magnesium gefertigt. Folglich bringt er 300 Gramm auf die Waage und wiegt nach Angaben des Herstellers genau drei Kilogramm. In Bezug auf die Produktionskosten soll dieser Unterschied wohl größere Auswirkungen haben. Außerdem erreicht der EP6 bei den Leistungsspitzen nicht ganz die Werte des EP8 beziehungsweise des EP801. Die Nenndauerleistung ist mit 250 Watt identisch.

Von beiden Motoren bietet Shimano künftig zusätzlich jeweils eine Variante für Lastenfahrräder an. Sowohl beim EP801 Cargo als auch beim EP6 Cargo sorgt eine speziell konfigurierte Firmware dafür, dass der Motor bereits bei sehr geringen Geschwindigkeiten seine Leistung entfaltet.

Mehr Optionen eröffnet Shimano den Fahrradherstellern, wenn es um die Komplettierung der Ausstattung geht. Das ist zum einen das neue Display EN600. Im Prinzip ist dies der neue kleine Bruder des bekannten EM800. Seine Anzeige ist ganz ähnlich gestaltet. Der Bildschirm wurde von 1,6 Zoll auf 1,4 Zoll verkleinert. Laut Hersteller sollen sich die Angaben dennoch ähnlich gut ablesen lassen. Wer ein größeres Display wünscht, bekommt dies mit dem neuen Fahrradcomputer EN610. Der stellt auf der Größe von 2,8 Zoll dar, was ihr während der Fahrt einsehen wollt. Auch er ist ein Ergebnis der Einführung von Free Shift und Auto Shift.

Wie genau ihr die Daten auf dem Display angezeigt habe wollt, könnt ihr in der E-Tube Project App festlegen. Dort stehen mehrere Screen-Designs zur Auswahl. Zur Installation bietet sich zum einen die zentrale Position über dem Vorbau an.

An vermutlich etliches E-Bikes wird der EN610 mit einer Bedieneinheit namens EN600-L kombiniert werden. Sie entspricht dem, was ihr in ähnlicher Weise bereits von anderen Herstellern kennt. Mit ihrer Hilfe lässt sich das E-Bike-System an- und ausschalten, das Display bedienen und das Licht aktivieren, genau wie die Schiebehilfe.

Vorwiegend an E-Rennrädern oder auch dem ein oder anderen E-Mountainbike könnte euch demnächst eine neue im Oberrohr integrierte Bedieneinheit begegnen. Die SW310 ist ausgesprochen spartanisch gestaltet. Es gibt einen großen Taster zum An- und Ausschalten des Antriebs. Darüber signalisieren euch fünf im Halbkreis angeordnete LED die aktuelle Akku-Kapazität. Im unteren Teil der ovalen Bedieneinheit befindet sich ein zweiter, etwas kleinerer Taster. Wichtig: Alle Komponenten des Antriebes dieser Motorengeneration sind nicht abwärtskompatibel.

ABS

Vollkommen losgelöst vom Thema des automatischen Schaltens ist Shimanos zweite, richtig bemerkenswerte Neuheit. Denn auch an E-Bikes mit diesen Antrieben kann künftig ein Antiblockiersystem (ABS) arbeiten. Für dieses Projekt hat sich der Hersteller tatkräftige Unterstützung von Blubrake geholt. Die Italiener haben vor einigen Jahren das erste ABS für E-Lastenräder auf den Markt gebracht und stecken entsprechend tief drin in der Materie.

Der Beschreibung nach klingt die Funktionsweise sehr ähnlich zu dem, was Bosch mit der Überarbeitung seines ABS getan hat. Ein an der Bremsscheibe angebrachter Geschwindigkeitssensor überwacht die Raddrehung. Sobald das Vorderrad stärker verzögert, als es die aktuelle Fahrgeschwindigkeit erwarten lässt, wird das ABS ausgelöst. Laut Shimano funktioniert dies sowohl auf nassem als auch auf trockenem Asphalt sowie auf Schotter.

Beim sportlichen Fahren im Gelände hält sich der Hersteller mit seinen Aussagen spürbar zurück. Seine Lösung eigne sich explizit nicht „für steile Abfahrten oder aggressives Bergfahren“. Da lehnt sich Bosch deutlich weiter heraus. Dessen ABS Trail ist ja genau auf diese Anwendung ausgelegt.

In Bezug auf die Integration scheinen beide Hersteller auf einem vergleichbaren Niveau. Shimanos Steuereinheit wirkt auf den Bildern nur unwesentlich größer als die von Bosch. Bei passenden Rahmen soll selbst eine komplette Integration möglich sein. Die Nase vorn hat Shimano, wenn es um das nachträgliche Ausstatten mit dem ABS geht. Das lässt sich nämlich hier bewerkstelligen. Für die zur externen Montage vorgesehene Version der Steuereinheit gibt es eine Flaschenhalterbefestigung. Unter Umständen kommt auch das Befestigen an Rahmen oder Gabeln in Frage.

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