Richtig eingestellte Bremsen sind für die Sicherheit beim Fahrradfahren unerlässlich. Ob lange Touren oder kurze Strecken, auf die Bremsen muss Verlass sein. Korrekt eingestellte Bremsen bieten Sicherheit und Kontrolle über Bremsweg und Bremskraft.
Wartung von Scheibenbremsen
1. Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen
Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen die Laufräder abmontiert werden. Zuerst sollte man prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennt man daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich "taumelt". Ein leichter Verzug ist oft akzeptabel und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden.
Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb durch ein leichtes, frequentes Pulsieren beim Bremsen spürbar sein. Solange dies nicht stört, kann die Scheibe weitergefahren werden. Ist die Scheibe jedoch stark verzogen, sodass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, muss sie möglicherweise ausgetauscht werden.
Nun wird die Reibfläche der Scheiben geprüft, die einem gewissen Verschleiß unterliegt. Mit dem Fingernagel kann man am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen eine "Stufe" spüren, die auf eine dünner gewordene Reibfläche hindeutet. Die genaue Dicke kann mit einem Messschieber gemessen werden. Ist die Dicke nahe der Verschleißgrenze oder darunter, muss die Scheibe getauscht werden. Die Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.
Rot- bis bläuliche Verfärbungen sind ein Indiz dafür, dass die Scheibe auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Dies ist nicht unbedingt ein Grund zum Austausch, es sei denn, die Scheibe sieht komplett "verglüht" aus. Eingebrannte Fragmente der Beläge auf der Reibfläche deuten darauf hin, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. In diesem Fall wäre ein Umstieg von organischen Belägen auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Abschließend sollte die Verschraubung der Scheiben an den Naben mit einem Drehmomentschlüssel geprüft werden. Die Drehmomentwerte sind auf der Scheibe bzw. dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Fehlt die Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7 Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40 Nm vorgesehen.
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verschmutzt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu verwendet man einen Bremsenreiniger auf einem öl- und fettfreien Lappen, mit dem beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt werden. Anschließend empfiehlt es sich, mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, da Bremsenreiniger Rückstände hinterlassen kann, die den Reibwert verringern.
2. Druckpunkt der Bremse verbessern durch Entlüftung
Wandert der Druckpunkt stark, tritt er erst kurz vor dem Griff auf oder ist er sehr weich, kann eine Entlüftung helfen. Es gibt zwei Methoden: die Schnellentlüftung und die komplette Entlüftung.
Werkzeug
- Shimano Mineralöl
- Spritze
- Trichter
- 7mm Gabelschlüssel
- Inbusschlüssel
Der Trichter dient als Auffangbehälter, eine Haushaltsspritze genügt als Entlüftungsspritze. Es ist wichtig, dass der aufgesteckte Schlauch fest auf Spritze und Entlüftungsnippel sitzt. Das original Mineralöl von Shimano ist Pflicht, da Additive in anderen Ölen die Dichtungen angreifen können.
Schnellentlüftung
Die Schnellentlüftung ist ideal, um den Druckpunkt schnell und einfach zu verbessern, besonders bei fortgeschrittenem Verschleiß der Bremsbeläge.Für die Schnellentlüftung müssen weder Laufrad noch Bremsbeläge ausgebaut werden. Der aufgeschraubte Entlüftungstrichter wird ca. zur Hälfte gefüllt, dann pumpt man am Hebel. Das Neigen des Bikes hilft, die Luft aus der Leitung nach oben zu befördern. Man pumpt solange, bis keine Blasen mehr zur Oberfläche steigen und der Druckpunkt wieder definiert ist. Abschließend den Verschlusspin in den Trichter stecken und diesen abschrauben.
Komplette Entlüftung
Für hartnäckige Fälle oder einen Bremsflüssigkeitswechsel ist die komplette Entlüftungsmethode erforderlich. Hierzu wird die Bremsflüssigkeit mit einer Spritze vom Bremssattel nach oben durch den Bremshebel in ein Auffangbehältnis gepumpt.
Demontiere das Laufrad und die Bremsbeläge an der Bremsanlage die du entlüften möchtest. So können weder Bremsscheibe noch Beläge mit Öl verunreinigt werden. Setzte nun den gelben Distanzblock in den Bremssattel ein, um ein Herausfahren der Kolben zu verhindern. Die Spritze wird mit Bremsflüssigkeit gefüllt und an den geöffneten Entlüftungsnippel am Bremssattel angeschlossen. Durch Drehen der Spritze kann man den Entlüftungsnippel nun öffnen und die Flüssigkeit aus der Spritze nach oben in den leeren Trichter drücken. Währenddessen sollte man den Bremshebel ein paar Mal langsam ziehen und wieder loslassen, um Luftblasen im Hebel zu lösen.
Nachdem keine Blasen oder Verschmutzungen mehr in den Trichter gespült werden, kann der Entlüftungsnippel am Bremssattel wieder geschlossen werden. Lass den Trichter noch auf dem Hebel montiert und verschließe diesen nur mit dem beiliegenden Deckel. Nachdem du das Laufrad und die Bremsbeläge wieder eingebaut hast, kannst du die Bremsbeläge noch mit der Flüssigkeit im Trichter zurück an die Scheibe pumpen und das Reservoir ist optimal gefüllt.
Für extrem hartnäckige Fälle
Bei manchen Rahmenkonstruktionen kann es schwierig sein, die Hinterradbremse ordentlich zu entlüften. Der Schlüssel ist, die Leitung so gerade wie möglich und den Austrittspunkt höher als den Eintrittspunkt der Entlüftung zu legen. Dazu kann man den Bremssattel losschrauben und herunterhängen lassen und das Fahrrad so positionieren, dass der Bremshebel so hoch wie möglich steht.
3. Zusätzliche Tipps
- Bremsbeläge prüfen: Vor der Entlüftung sollten die Bremsbeläge kontrolliert werden, da ein stark verschlissener Belag den Druckpunkt beeinflussen kann.
- Sauberkeit: Achte darauf, dass weder Bremsscheibe noch Beläge mit Öl verunreinigt werden.
Wartung von Felgenbremsen (V-Brakes)
Die Fahrradbremse ist eines der wichtigsten Bauteile am Rad und maßgeblich für die Sicherheit im Straßenverkehr verantwortlich. Eine 100%ige Funktionalität ist essenziell. Daher ist eine gute Pflege wichtig, insbesondere regelmäßige Kontrolle und Wartung.
V-Brakes sind eine häufig verbaute Bremsenart. Beim Einstellen der Shimano V-Brake Felgenbremse sollte man nicht nur die Bremse selbst, sondern auch die betroffenen Fahrrad-Komponenten wie die Felge berücksichtigen. Auch die weiteren betroffenen Fahrrad-Komponenten, wie z.B. die Fahrradfelge muss mit einbezogen werden.
Selbst die hochwertigste Bremse kann ihre volle Bremskraft nicht entfalten, wenn die Felgenflanken abgenutzt, verzogen oder zerbeult sind. Daher ist es wichtig, die Felge auf einen einwandfreien Zustand zu prüfen. Ebenso müssen die Bremsbeläge überprüft werden.
Werkzeug
- Kreuzschraubendreher
- Innensechskantschlüssel
Einstellschritte
- Die Schrauben am Bremshebel mittig einstellen: Einmal voll anziehen und dann ca. 7 Umdrehungen lockern.
- Die Schraube lockern, welche den Bowdenzug fixiert.
- Den Bremsarm Richtung Felge drücken und die Schraube des Bremsbelages vorsichtig festziehen.
- Den Bowdenzug zurück in die Führung setzen: Beide Bremsarme zusammendrücken und die Schraube wieder festziehen. (Abstand der Bremsarme zur Felge ca. 1-2 mm).
- Die Zugspannung über die Schraube an der Feder am Bremsarm regulieren.
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