Shimano Deore Schaltungsgruppe im Test: Eine umfassende Analyse

Vor etwa einem Jahr präsentierte Shimano die XT Di2 und die SLX-Schaltung mit 11 Ritzeln. Nun haben sich die Japaner die Mittelklasse-Gruppe Deore vorgenommen. Die neueste Evolutionsstufe hört auf das Kürzel Deore M6000.

Und das Wichtigste vorneweg: Anders als vielleicht vermutet bleibt die Shimano Deore auch weiterhin eine 10-fach-Schaltgruppe! Doch sie übernimmt einige bekannte Details von höherwertigen Antrieben und macht auch designtechnisch einen Schritt nach vorne.

Neue Deore M6000: Optionen und Vielfalt

Zukünftig hat man auch bei der Deore die Wahl, ob man ein Zweifach- oder Dreifach-Set-up fahren will. Der Zweifach-Antrieb der Shimano Deore knüpft damit in Sachen Übersetzungsbandbreite an XTR, XT und SLX an.

Die Vierarm-Kurbeln kommen im bewährten Hollowtech II-Design. Verfügbar ist die Zweifach-Kurbelgarnitur in den drei Übersetzungsvarianten 38-28, 36-26, 34-24 Zähnen und alternativ als B-Version mit drei Millimeter weiter außen liegender Kettenlinie für Rahmen mit Boost-Standard.

Wem der 10-Zähne-Sprung der Zweifach-Kurbeln nicht reicht, greift zur Dreifach-Kurbel mit einer Abstufung von 40-30-22 Zähnen.

Außerdem ergänzt eine neue Kassette die Deore-Gruppe: Die CS-HG500 mit Dyna-Sys-Technologie garantiert mit 11-42er-Abstufung eine große Spreizung der zehn Ritzel. Damit können auch Biker mit 10fach-Antrieb erstmals eine 11-42er-Kassette fahren.

Die bewährten Kassetten mit 11-32er, 11-34er- und 11-36er-Abstufung wird es aber auch weiterhin geben.

Schaltwerk und Umwerfer

Hinten sorgt bei beiden Deore-Versionen ein Shadow RD+-Schaltwerk für präzise und reibungslose Gangwechsel und mehr Kettenzug, wenn es ruppig bergab geht.

Da es keine 1x10-Version der Deore gibt, braucht man immer einen Umwerfer. Drei Typen stehen zur Wahl: Side Swing (seitlich angelenkt), Top Swing oder Down Swing.

Um die Verwirrung beim Umwerfer komplett zu machen und für die unterschiedlichsten MTB-Rahmen passende Modelle zu haben, gbit es zusätzlich fünf Montageoptionen - einmal mit hoher, mittlerer und tiefer Klemmschelle, dann eine Direct-Mount-Version und schließlich als E-Type.

Schalthebel und Bremsen

Angelenkt und bedient werden Schaltwerk und Umwerfer mittels Rapidfire Plus-Schalthebeln, mit denen man mehrere Gänge mit einem Daumendruck schalten kann.

Zudem verfügen die Deore-Schalthebel über eine optische Ganganzeige, die den aktuell gewählten Gang auf einen Blick erkennen lassen. Auch in Sachen Scheibenbremsen gleicht sich die neue Shimano Deore den Top-Gruppen an.

Die neuen hydraulischen Scheibenbremsen mit leistungsstarken Servo-Wave-Hebeln und wärmeisolierten Bremssätteln lassen sich nämlich nun optional auch mit Ice-Tech-Belägen bestücken.

Boost-Laufräder für die Shimano XT

Zwei neue 29- und 27,5-Zoll-Laufradsätze erweitern künftig das Lineup der XT-Laufräder mit breiteren Naben - einer mit breiteren Felgen für Trail- und Touren-Bikes und einer mit schmaleren Felgen für den Cross-Country-Einsatz. Am Vorderrad wächst die Einbaubreite um zehn Millimeter auf 110x15, hinten beträgt der Zuwachs sechs Millimeter auf 148x12.

Zudem stehen zwei neue Steckachsen zur Verfügung, die komplett neu konstruiert wurden. Dabei wurde der Einstellmechanismus für den Schnellspannhebel im Inneren der Achse statt an deren Außenseite untergebracht. Der Vorteil: Trotz geringerer Gesamt-Außenbreite wächst der Freiraum zwischen Schnellspannhebel und Nabenflansch bzw. Speichen oder Bremssätteln.

Gruppenlose MTB-Komponenten

Auf einem ähnlichen Niveau wie die neue Deore-Gruppe legt Shimano auch eine neue gruppenfreie 2x11-Kurbel mit 36-26 Zähnen nach, die sich durch verschleißarme Zähne und die Dyna-Sys-Technologie auszeichnet. Erhältlich ist die Kurbel sowohl mit herkömmlicher als auch im Boost-Design. Auch eine Ausführung für 10fach-Antriebe wird es geben.

Als gruppenfreie Variante der Deore-Scheibenbremsen bietet die neuen Stopper BL/BR-MT500 die perfekte Ergänzung zu diesen Kurbeln. Zudem steht mit dem PD-ED500 ein neues doppelseitiges SPD-Pedal mit erleichterter Ausklickfunktion zur Verfügung. Auf SLX-Niveau kommt eine neue preiswertere Kassette mit 11-46 Zähnen für MTB-Antriebe mit einem Kettenblatt.

Trekking-Komponenten

Für Trekkingfahrer legt Shimano wert auf das breite Spektrum einer 3×10 Schaltung mit bekannter Abstufung: 48-36-26 Zähne an der Kurbel und 11-32, 11-34 oder 11-36 Zähne an der Kassette. Neu ist das erstmals im Trekkingsegment eingesetzte Shadow-Schaltwerk. Es zeichnet sich durch eine besonders flache Bauweise aus und ist dadurch weniger anfällig für Schäden. In den Mountainbike-Gruppen gehört es längst zum Standard.

Nach eigenen Angaben ist es Shimano nun gelungen, Schaltkomfort und flaches Profil auch für Trekkingfahrer ansprechend zu kombinieren. Speziell für die Bedürfnisse von Trekkingfahren sind auch die neuen 3-Finger-Bremshebel angepasst. Per „i-spec“ lassen sie sich so montieren, dass das Cockpit aufgeräumt ist. Für Bremsen und Bremsscheiben bedient sich Shimano aus dem eigenen schon bekannten Portfolio.

Shimano Schaltgruppen im Vergleich

Je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für den Durchschnittmountainbiker reicht auch eine Alivio oder Deore Schaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich.

Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.

  • Shimano Tourney: Konzipiert für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder, bietet eine einfache Schaltung mit ausreichend Gängen und ist preisgünstiger.
  • Shimano Altus: Eine der Einstiegs-Schaltgruppen von Shimano, bietet eine solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
  • Shimano Acera: Ermöglicht erste Erfahrungen im Gelände.
  • Shimano Alivio: Eine hochwertige Komponentengruppe, die für Alltagsfahrten und leichtes Gelände geeignet ist und sich durch reibungslose und präzise Schaltvorgänge auszeichnet.
  • Shimano Deore: Eine hochwertige und leistungsstarke Schaltgruppe, die für den Einsatz im Gelände und für Mountainbike-Touren geeignet ist und sich durch ihre Robustheit und Zuverlässigkeit auszeichnet.
  • Shimano SLX: Bietet viele Vorteile für Mountainbiker, ist langlebig, zuverlässig, leicht, kompakt und bietet ein reibungsloses Schaltverhalten.
  • Shimano Deore XT: Eine hochwertige Komponentengruppe für Mountainbikes, die sich durch ihre zuverlässige Schaltleistung, ihre präzisen Gangwechsel und ihre robuste Bauweise auszeichnet.
  • Shimano XTR: Entwickelt für Fahrer, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen und bietet eine schnelle und präzise Schaltung für anspruchsvolle Trail-Sessons oder Alpencross.

Shimano DEORE XT Di2

Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten. Die Anforderung an eine E-Bike-Schaltung sind hoch: Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran.

Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist. Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen.

Funktionsweise und Praxis

Die Hardware und Integration der Schaltung in das Motorsystem sind top. Die Shimano DEORE XT Di2 kommuniziert mit dem Display und dem Motor. Die Tasten des ergonomischen Schalthebels lassen sich individuell belegen und auch mit der Belegung der Motor-Remote-Tasten tauschen. Betätigt man beim Pedalieren die Schaltwippe, wechselt die Schaltung zuverlässig die Gänge ohne jegliches Drama. Die MULTI SHIFT-Funktion wurde von den bereits bestehenden Shimano Di2-Schaltungen übernommen: Hält man die Schaltwippe gedrückt, wechselt sie je nach Einstellung gleich zwei, drei oder unbegrenzt viele Gänge. Der neue Schalthebel der Shimano XT Di2 besitzt neben den zwei Schaltwippen noch einen dritten Knopf, um die Schaltmodi zu wechseln.

Aktiviert man die FREE SHIFT-Funktion in der App, kann man die Gänge manuell wechseln, ohne zu pedalieren. Das ist besonders für ambitionierte Trailpiloten auf Sekundenjagd praktisch: Rollt man z. B. durch eine langgezogene Kurve, hinter der ein Sprung wartet, kann noch in der Kurve ein schwererer Gang eingelegt werden. Der Motor dreht das Kettenblatt dann von alleine an, die Schaltung wechselt automatisch die Gänge.

AUTO SHIFT-Funktion

Speziell für die Trekking- und Citybiker-Fraktion hat Shimano die neue DEORE XT Di2 LINKGLIDE zusätzlich mit der AUTO SHIFT-Funktion ausgestattet. Neben dem manuellen Modus lassen sich zwei Profile für vollautomatisches Schalten per App aktivieren und konfigurieren. In der E-TUBE PROJECT App gibt man das Fahrszenario (MTB oder Asphalt) und eine bevorzugte Trittfrequenz zwischen 50 und 80 Umdrehungen pro Minute an.

Der Motor liefert Daten zur Geschwindigkeit, dem Pedaldruck und der Trittfrequenz. Ein Schaltalgorithmus „vermischt“ diese Werte und leitet daraus die Fahrsituation und eine entsprechende Gangempfehlung ab. Nehmen Geschwindigkeit und Trittfrequenz ab - bei gleichzeitiger Zunahme des Pedaldrucks - vermutet die Schaltung, dass es bergauf geht und wechselt automatisch in einen kleineren Gang. Geht es schnell und ohne zu pedalieren eine Straße hinab, wählt die Shimano-Schaltung einen höheren Gang. Rollt man langsam auf eine rote Ampel zu, schaltet die DEORE XT Di2 bis zu einem vordefinierten Startgang herunter.

Probleme und Ausblick

Trailshredder werden mit der Automatik trotz Manual Override allerdings nicht glücklich. Zwar lässt sich die Schaltung in einem App-Untermenü feintunen, von schaltfaul bis hin zu übereifrig. Es ist jedoch nicht möglich, sie auf die hohe Varianz und Dynamik von Trailfahrten abzustimmen.

Für die Schaltung ist ein Lernmodus angedacht, der dem Schaltalgorithmus einzelne Fahrsituationen antrainieren kann. Nutzt man an steilen Anstiegen immer den Manual Override, um in einen leichteren Gang und eine höhere Kadenz zu wechseln, könnte die Schaltung diese Präferenz wiedererkennen und sich entsprechend anpassen.

Die neue Shimano DEORE XT Di2 LINKGLIDE 2023 bringt für schaltfaule City-und Tourenbiker mit der AUTO SHIFT-Funktion eine spannende Neuerung. Sportliche E-Mountainbiker profitieren hingegen eher von der FREE SHIFT-Funktion, dem “pedalierlosen” Schalten.

Shimano Deore M6100 1x12-fach Schaltung

Die Shimano Deore M6100 ist jetzt auch als 1 x 12-Antrieb erhältlich und soll rund 280-290 Euro kosten (ohne Bremse). Wie bei Shimano üblich, darf die jüngste Gruppe die Techniken der Etablierten erben.

Die langlebige Edelstahl-Kassette hat harmonisch abgestufte Ritzel mit 10-51 Zähnen, was eine Bandbreite von 510 Prozent ergibt. Leicht ist die Deore-Gruppe allerdings nicht, vor allem die Kassette und die Alu-Kurbeln drücken auf die Waage.

Leistung auf dem Trail

Die Hebel schmiegen sich prima am Finger an, zudem lässt sich der kleinere mit dem Daumen nach vorne oder mit dem Zeigefinger nach hinten drücken - eine tolle Funktion. Hoch schaltet die Deore zwar "nur" drei Gänge auf einen Rutsch, dies funktioniert aber auch unter Last ordentlich. Dafür ist jedoch eine sehr penible, mitunter etwas zeitraubende Einstellung der Schaltung nötig. Beim Runterschalten spürt man hin und wieder eine kleine Verzögerung - das machen XT & Co. besser, aber eben nicht zu diesem Preis.

Vergleichsweise gering sind die notwendigen Fingerkräfte. Dank des zuschaltbaren Reibungsdämpfers steht das Schaltwerk auch im harten Downhill stabil.

Bewertung

Viel Schaltung für wenig Geld! Die ganze Deore-Gruppe kostet nicht viel mehr als ein XTR-Schaltwerk, macht dafür einen tollen Job.

Merkmal Bewertung
Gewicht Mittel
Bandbreite Sehr hoch (510%)
Montage/Einstellung Penibel, zeitaufwendig
Ergonomie Prima
Schaltperformance Gut, leichte Verzögerung beim Runterschalten
Verarbeitung Hochwertig

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