Shimano Deore XT Bremsbeläge im Test: Leistung, Standfestigkeit und Verschleiß

Die Reibflächen der Bremsbeläge sind nur wenige Quadratzentimeter groß, entscheiden aber im Ernstfall über Sicherheit. Um herauszufinden, welche Beläge die Hitzeschlacht auf dem Trail am besten überstehen, wurden 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff.

Die Bedeutung des Einfahrens von Bremsbelägen

Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann.

Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist - Gleich und Gleich reibt sich eben am besten.

Nur, wenn Beläge und Scheiben aufeinander eingestimmt werden, funktionieren die Bremsen optimal. So geht es:

  1. Einschleifen: Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.
  2. Reibschicht erzeugen: Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.
  3. Heiß bremsen: Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!

Testverfahren im Detail

Drei Wochen wurden im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest.

Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht.

So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps. Zwei weitere eingebremste Sätze wurden schließlich im Zeitraffer verschlissen.

Die 1000 Bremszyklen dauerten im Labor knapp eine Stunde. Auf dem Trail würden die meisten dafür wahrscheinlich eine ganze Saison benötigen.

Testkandidaten und Klischees

Zum Test angetreten waren die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden. Jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

Bremsbeläge stammen meist aus Fernost - und nicht selten aus derselben Fabrik. Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. So können manche organische Beläge bei einer Temperatur von über 300 °C noch deutlich an Leistungsfähigkeit zulegen, weil dann erst alle flüchtigen Bestandteile aus dem Harz verdampft sind. Andere befinden sich hier schon an der oberen Temperaturgrenze.

Bei Sintermetallbelägen fängt hier meist der Spaß erst richtig an, die Bremskraft erreicht ihr Maximum, und vorher nervtötende Geräusche verschwinden plötzlich.

Ergebnisse im Überblick

Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, wurde die Bremsleistung für jedes Bremsmodell individuell bewertet. Auffällig, aber nicht in der Bewertung berücksichtigt: der hohe Scheibenverschleiß der organischen Beläge von Reverse und Sixpack. Jeder raspelte die Hälfte der dünnen Edelstahlschichten der XT Ice-Tech-Scheibe ab. Damit wandelten sie in unserem Test fast 25 Euro in Wärme um. Sonst spielte Verschleiß bei den Scheiben eher keine Rolle.

Getestet auf SHIMANO DEORE XT:

  • Reverse Air-Con
  • Reverse Disc Organic
  • Shimano G02A* (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Shimano J02A
  • Sixpack Organic
  • Sixpack Sinter

Detaillierte Testergebnisse der Shimano Deore XT Bremsbeläge

Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?

Reverse Air-Con

  • Preis / Infos: 22,90 Euro
  • Gewicht (Paar, o. Zubehör): 25,7 Gramm
  • Träger- / Belagmaterial: Alu + Stahl / organisch
  • Träger- / Belagdicke: 1,0 + 1,0 / 1,89 mm
  • Belagverschleiß / Kosten²: 20 % / 4,57 Euro
  • Bremskraft³ / Laufleistung⁴: 263 / 5010
  • Bewertung:
    • Bremsleistung: 3 von 6 Punkten
    • Verschleiß: 4 von 6 Punkten
  • Fazit: Ein guter Systembelag mit separater, gut funktionierender Kühlplatte. Gute Bremskraft. Aber das leichte Initial-Fading kostet Punkte.
  • BIKE-Urteil: GUT

Reverse Disc Organic

  • Preis / Infos: 13,90 Euro
  • Gewicht (Paar, o. Zubehör): 18,5 Gramm
  • Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
  • Träger- / Belagdicke: 1,65 / 2,34 mm
  • Belagverschleiß / Kosten²: 41,9 % / 5,82 Euro
  • Bremskraft³ / Laufleistung⁴: 317 / 2387
  • Bewertung:
    • Bremsleistung: 3 von 6 Punkten
    • Verschleiß: 2 von 6 Punkten
  • Fazit: Noch gute Bremskraft, jedoch starkes Fading. Belagverschleiß gerade noch befriedigend. Aber: sehr hoher Verschleiß an der XT-Scheibe!
  • BIKE-Urteil: BEFRIEDIGEND

Shimano G02A

  • Preis / Infos: ca. 7 Euro
  • Gewicht (Paar, o. Zubehör): 9,5 Gramm
  • Träger- / Belagmaterial: Aluminium / organisch
  • Träger- / Belagdicke: 1,55 / 2,48 mm
  • Belagverschleiß / Kosten²: 9,3 % / 0,65 Euro
  • Bremskraft³ / Laufleistung⁴: 356 / 10762
  • Bewertung:
    • Bremsleistung: 5 von 6 Punkten
    • Verschleiß: 6 von 6 Punkten
  • Fazit: Sehr niedriger Verschleiß und höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe. Leichtes Fading ab 300 °C verhindert die volle Punktzahl.
  • BIKE-Urteil: SUPER

Shimano J02A

  • Preis / Infos: ca. 15 Euro
  • Gewicht (Paar, o. Zubehör): 18,5 Gramm
  • Träger- / Belagmaterial: Aluminium / organisch
  • Träger- / Belagdicke: 1,55 / 2,53 mm
  • Belagverschleiß / Kosten²: 10,4 % / 1,56 Euro
  • Bremskraft³ / Laufleistung⁴: 351 / 9609
  • Bewertung:
    • Bremsleistung: 5 von 6 Punkten
    • Verschleiß: 6 von 6 Punkten
  • Fazit: Genauso bärenstark und langlebig wie der G02A-Belag. Aber auch der J02A zeigt ab 300 °C ähnliches Initial-Fading wie der Bruder - damit verspielt er ein paar Punkte.
  • BIKE-Urteil: SUPER

Weitere Erkenntnisse

  • Eine penible Ausrichtung der Bremse ist wichtig, um Verschleiß und Geräuschentwicklung gering zu halten.
  • Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen.
  • Organische Beläge sind meist leise und scheibenfreundlich. Typisch: der beißende Geruch beim Ausgasen des Harzes. Fading-Gefahr bei extremer Hitze!
  • Sintermetall-Beläge sind extrem hitzebeständig und gelten als Fading-resistent, können aber sehr laut werden. Achtung: leiten viel Hitze in den Bremssattel!
  • Beläge mit Kühlrippen sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.

Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

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