Der Freilauf an Ihrem Fahrrad ist ein zentrales Element und Ihr ständiger Begleiter. Er ist die Schnittstelle zwischen der Kassette und dem Hinterrad. Wenn Sie in die Pedale treten, überträgt er die Kräfte vom Ritzel auf die Nabe. Wenn Sie die Beine hochnnehmen, ist er es, der Ihnen ermöglicht, mühelos dahinzurollen.
Manche schätzen ihn für sein individuelles Klangbild - wie einen guten Ohrwurm. So kann er sogar die Fahrradklingel ersetzen. Wenn Sie Ihre Schaltung umrüsten, kann ein Tausch des Freilaufkörpers nötig sein. Wenn Sie eine neue Hinterradnabe oder einen neuen Laufradsatz aussuchen, ist die Art des Freilaufs ein wichtiger Faktor.
In den folgenden Absätzen erfahren Sie, worauf Sie bei der Wahl und beim Wechsel des Freilaufkörpers achten sollten. Wir geben eine Übersicht, welcher Freilauf mit welcher Schaltung kompatibel ist und erklären, wie der Freilauf an Ihrem Fahrrad funktioniert.
Freilaufkörper passend zu Kassette und Nabe: So finden Sie den richtigen Freilauf
Auch wenn die Wahl des richtigen Freilaufs beim Neukauf eines Rades, einer Hinterradnabe oder eines Systemlaufradsatzes ein wichtiger Faktor ist - beim Umbau, Upgrade oder Tuning spielt der Freilaufkörper sogar die Hauptrolle. Er stellt eine Vielzahnverbindung zur Kassette her, auf die Ihre Beinkraft über die Kette übertragen wird. Dabei gibt es verschiedene Standards.
Wenn Sie also Ihren Antriebsstrang tunen oder umbauen wollen, müssen Sie besonders auf den Freilaufkörper achten. Es gibt zwei wichtige Kriterien bei der Wahl:
- Er muss für die gewünschte Kassette geeignet sein.
- Er muss auf Ihre Hinterradnabe passen.
Die meisten Nabenhersteller bieten Umrüst-Kits für die Montagestandards verschiedener Kassetten- bzw. Antriebshersteller an.
Entscheidend ist aber die Freilaufkompatibilität der gewünschten Kassette. Ein zentrales Element am Fahrrad: Vom Freilauf sieht man zwar nicht viel, spürt dessen Arbeit aber jeden Meter, den man beim Fahren nicht in die Pedale tritt.
Umbau des Freilaufkörpers
Wie genau der Umbau des Freilaufkörpers vonstattengeht, ist von Nabenhersteller zu Nabenhersteller verschieden. Viele Hersteller wie Hope, DT Swiss, SRAM oder Shimano ermöglichen einen werkzeugfreien Umbau: Der Freilaufkörper ist einfach gesteckt.
Ob das bei Ihrer Nabe auch so ist oder wie ein Wechsel stattdessen funktioniert, verrät Ihnen die Bedienungsanleitung oder unser Service-Team. Etwas Werkzeug brauchen Sie, um vorher das Rad auszubauen und die Kassette zu demontieren.
Beim Umrüsten müssen Sie darauf achten, dass Freilaufkörper und Kassette zueinander passen.
Übersicht: die gängigsten Montagestandards
Damit Sie beim Einkauf den Überblick behalten, haben wir die gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten kurz zusammengefasst. Wenn Sie einen schnellen Überblick suchen, finden Sie den weiter unten.
Shimano MTB (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-MTB-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn- und Elf-Gang-Mountainbikekassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 34,9 Millimeter lang und hat neun Rillen.
Shimano bezeichnet den Standard auch als „HG spline M“. Achtung: Acht-, Neun-, und Zehn-Gang-Rennradkassetten von Shimano passen ebenfalls.
Shimano Road (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-Road-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölf-Gang-Rennradkassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 36,75 Millimeter lang und hat neun Rillen.
Acht- bis Zehnfach-Kassetten können Sie mit Hilfe eines Spacers montieren. Shimanos Bezeichnung ist „HG spline L“. Achtung: Die Elffach-Road-Kassetten CS-HG800 und CS-HG700 benötigen ebenfalls einen Spacer.
Shimano Road Zwölffach (HG+)
Shimanos Zwölffach-Dura-Ace-Hinterradnaben verfügen über einen spezifischen Freilauf, der in Kombination mit Dura-Ace-Laufrädern ausgeliefert wird. Die Zwölffach-Kassette greift hier in 18 Rillen, die 37,65 Millimeter lang sind. Shimano nennt den Freilauf „HG spline L2“.
Achtung: Der Freilauf ist lediglich mit Zwölffach-Kassetten kompatibel.
Shimano Micro Spline
Mit dem Schritt zu Zwölf-Gang-MTB-Antrieben hat Shimano den Micro-Spline-Standard eingeführt. Er erlaubt die Verwendung eines kleinsten Ritzels mit zehn Zähnen und ist kompatibel mit Zwölf-Gang-MTB-Kassetten von Shimano. Die Kassette sitzt auf 23 Rillen, die 26 Millimeter lang sind.
Shimano lizensiert die Verwendung der Micro-Spline-Technologie an andere Hersteller von Kassetten oder Hinterrad-Naben. Achtung: nicht verwendbar mit SRAM-XD- und XDR-kompatiblen Kassetten.
SRAM XD
Der XD-Standard wurde von SRAM mit der Einführung der Elf-Gang-MTB-Antriebe als offener Standard eingeführt, um die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel mit zehn Zähnen oder weniger (z. B. e*thirteen mit einem Neuner-Ritzel) zu ermöglichen. Er ist kompatibel mit Elf- und Zwölf-Gang-Kassetten von SRAM und diversen Drittanbietern.
Achtung: nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten (HG). Nicht verwendbar mit SRAM-XDR-Kassetten (Zwölf-Gang-Road).
SRAM XDR
Im Gegensatz zu SRAM XD hat der XDR-Standard eine um 1,85 mm vergrößerte Aufnahme. Er ist zur Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von zehn Zähnen oder weniger gedacht und kompatibel mit SRAM-Road-12-Gang-Kassetten.
Bei Verwendung eines 1,85-mm-Abstandshalters (Spacer) ist er rückwärts-kompatibel mit SRAM-XD-Kassetten (s. o.). Achtung: Nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten.
Campagnolo
Der italienische Hersteller Campagnolo verwendet einen eigenen Freilauf-Standard mit acht unterschiedlich geformten Rillen, auf denen die Kassette sitzt. Es passen Kassetten der Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölffach-Rennradgruppen.
Achtung: nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
Campagnolo N3W
Seit 2020 gibt es von Campagnolo einen weiteren Freilauf: N3W. Der Freilaufkörper hat die gleiche Verzahnung wie der klassische Campa-Freilauf mit acht Rillen. N3W ist allerdings kürzer, um Platz für die kleinsten Ritzel (neun und zehn Zähne) von 13-fach-Kassetten zu lassen.
Mit einem Adapter ist N3W kompatibel mit älteren Kassetten aus dem Hause Campagnolo. Achtung: nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
Singlespeed/Fixie
Für Singlespeed- und Trial-Bikes gibt es spezielle Naben mit schmalen Freilaufkörpern, die meist ausreichend Platz bieten, um mit Spacern die Kettenlinie anzupassen. Der schmale Freilauf erlaubt breiter stehende Nabenflansche, die den Bau symmetrischer und steiferer Laufräder ermöglichen.
Eine nachträgliche Umrüstung auf eine Schaltung mit Kassette ist bei solchen Naben allerdings nicht möglich. Andersherum können Sie aber Freilaufkörper für Shimano Road, MTB und SRAM (nicht XD oder XDR) mit entsprechenden Spacern und Singlespeed-Ritzeln zum Ein-Gang-Betrieb umrüsten.
Einige Singlespeed-Ritzel haben eine breitere Aufnahme, um den Freilaufkörper zu schonen. Eine andere Variante sind Singlespeed-Naben mit Schraubgewinde. Für diese Bauweise benötigen Sie ein Ritzel mit integriertem Freilauf, sprich ein Freilaufritzel.
Bahnräder und Fixies haben gar keinen Freilauf. Hier wird das Ritzel direkt auf den Nabenkörper geschraubt und mit einem Konterring gesichert. Wenn sich das Hinterrad dreht, drehen sich auch Ritzel und Kurbel.
Materialien: Alu, Stahl, Titan
Freilaufkörper werden in verschiedenen Materialien angeboten. Aluminium-Freiläufe sind sehr weit verbreitet. Sie sind leicht, können aber bei Verwendung mit Kassetten, die aus einzelnen Ritzeln bestehen, durch die Antrittskraft Kerben bekommen.
Bei vielen Kassetten sitzen darum fast alle Ritzel auf einem Träger mit voller Freilaufbreite. Stahlfreiläufe sind robuster, aber schwerer. Ganz noble Naben kommen auch mal mit Freilaufkörpern aus Titan, die geringes Gewicht und Robustheit miteinander verbinden.
Bei Freilaufkörpern kommen 3 Materialien zum Einsatz (v. l. n. r.): Aluminium, Titan oder Stahl.
Zahnscheibe
An den meisten Fahrrädern sind Freiläufe entweder mit sogenannten Sperrklinken oder als Zahnscheibenfreiläufe konstruiert.
Sperrklinkenfreilauf
Ein Sperrklinkenfreilauf hat an dem Teil, der in der Nabe sitzt, mehrere kleine Sperrklinken, die von Federn nach außen gedrückt werden. Ein verzahnter Ring im Nabenkörper bildet das Gegenstück. Treten Sie in die Kurbel, greifen die Sperrklinken fest in die Verzahnung und bewegen so die Nabe mit.
Da die Sperrklinken und die Verzahnung nur in eine Richtung zueinander passen, kann sich die Nabe vorwärts drehen, auch wenn der Freilaufkörper stillsteht (wenn Sie rollen, ohne zu treten). Dann rutschen die Klinken über die Zähne im Nabenkörper - meist deutlich hörbar.
Es gibt unterschiedliche Ausführungen, wie viele Klinken ein Freilauf hat und wie viele davon gleichzeitig greifen. Bekannte Beispiele für hochwertige Naben mit Sperrklinkenfreilauf sind die Modelle des englischen Herstellers Hope.
Zahnscheibenfreilauf
Das zweite bedeutende Konstruktionsprinzip ist der Zahnscheibenfreilauf. Vor allem DT Swiss und Chris King setzen auf dieses Prinzip, das geringen Wartungsbedarf und mechanische Belastbarkeit verspricht. Hier greifen während des Tretens zwei Zahnscheiben ineinander, die von Federn aufeinandergedrückt werden.
Eine davon sitzt im Nabenkörper und die andere im Freilaufkörper. Anders als bei Sperrklinkenfreiläufen greifen bei Zahnscheiben immer alle Zähne gleichzeitig. Das sorgt für eine sehr große Kontaktfläche und macht die Freiläufe auch bei hohen Krafteinträgen sehr robust.
Auch hier passt die Verzahnung nur in eine Richtung. In die andere Richtung rutschen die Zahnscheiben hörbar übereinander.
Rasterpunkte und Lautstärke
Je feiner die Rasterung des Klinkeneingriffs oder der Zahnscheiben ist, desto mehr Rastpunkte haben Sie bei jeder Umdrehung der Nabe zur Verfügung. Der Eingriffs- oder Auslösewinkel beim Treten wird geringer. Anders gesagt: Der Leerweg der Kurbel sinkt und nach dem Rollen haben Sie nahezu unmittelbar wieder Kraftschluss.
Das ist vor allem für Trial-, Mountain- und Gravelbiker wichtig. Am Renn- oder Triathlonrad, wo Sie ohnehin eine konstante Pedalumdrehung anstreben, ist das weniger entscheidend. Hier können weniger, aber dafür größere Sperrklinken durch höhere Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen Ihre Beinkraft glänzen.
Die Rasterung ist auch verantwortlich für das Geräusch, das Sie beim Dahinrollen hören. Je mehr Rastpunkte Ihre Nabe hat, desto höher wird das Surren. Wie definiert und laut Ihr Freilauf klingt, hängt von den Details ab, wie der Hersteller die Zahnscheiben oder Sperrklinken dimensioniert hat - und von der Schmierung.
Kassette, Felgen und sogar der Rahmen können das Geräusch als Resonanzkörper noch verstärken. So hat jedes Bike seinen individuellen Road- oder Trail-Soundtrack.
Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?
| Art des Freilaufs | Welche Kassetten passen vom Profil? | Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? | Spacer benötigt? |
|---|---|---|---|
| Shimano MTB (HG spline M) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) | Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | Nein |
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1,85 + 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein | ||
| Shimano Road (HG spline L) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) | Zwölffach-Road | Nein |
| Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) | Nein | ||
| Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | 1,85 mm | ||
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | 1,85 mm | ||
| Shimano 12-fach Road (HG spline L2) | Shimano | Zwölffach-Road | Nein |
| Shimano 12-fach Micro Spline | Shimano | Zwölffach-MTB | Nein |
| SRAM XD | SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) | Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein |
| SRAM XDR | SRAM | Zwölffach (Road) | Nein |
| Elf-/Zwölffach (MTB) | 1,85 mm | ||
| Campagnolo | Campagnolo Ultra-Drive | Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive | Nein |
| Campagnolo N3W | Campagnolo N3W | 13-fach | Nein |
| Elf-/Zwölffach | Adapter (Art-Nr. 78166) |
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Hardtail Fahrrad: Alles, was du über Definition und Eigenschaften wissen musst!
- Unvergessliche Camping-Erlebnisse bei MotoGP & Formel 1 in Spielberg – Die besten Tipps und Tricks!
Kommentar schreiben