Shimano Deore XT Schaltwerk verbogen: Reparatur und Ausrichtung

Sie feilen schon ewig an der Einstellung ihrer MTB-Schaltung und es hakelt immer noch? Dann sollten Sie das Schaltauge überprüfen. Denn wenn es beschädigt oder verbogen ist, müssen Sie es reparieren.

Woran erkenne ich ein verbogenes Schaltauge?

Wenn ihre MTB-Schaltung nach der peniblen Einstellung (z. B. Sram Eagle-Schaltung einstellen oder Shimano-Schaltung einstellen) immer noch nicht einwandfrei funktioniert, ist entweder die Kassette locker oder das Schaltauge verbogen. Bei einem intakten Schaltauge sollten die Schaltröllchen senkrecht in einer gedachten Linie unter dem Zahnkranz stehen.

Ob ein harmloser Sturz oder platzsparender Bike-Transport im Auto: Im Nu ist ein Schaltauge aus Aluminium verbogen. Denn das Schaltauge dient als Sollbruchstelle und soll das teure Schaltwerk schützen. Ein kleines, unscheinbares Ersatzteil mit großer Wirkung also.

Ein Schaltauge ist die Verbindung des Fahrradrahmens zum Schaltwerk. Die Funktion des Schaltauges ist, den Fahrradrahmen im Fall von Stößen auf das Schaltwerk (z. B. durch Umfallen oder Stürze) vor Beschädigungen durch Verbiegen oder Abbruch zu schützen.

Ein Schaltauge kann gebrochen bzw. verbogen oder das Gewinde vom Schaltauge bzw. der Befestigung am Rahmen defekt sein. Schaltaugen haben eine unterschiedliche Anzahl Löcher, manche dienen zur Befestigung am Rahmen, andere zur Befestigung des Schaltwerks.

Schaltauge überprüfen und richten

In den meisten Fällen kann man leicht verbogene Schaltaugen mit dem passenden Werkzeug in wenigen Minuten wieder geradebiegen. Das Schaltauge kann mit einem Spezial-Werkzeug nachjustiert werden.

Mit einer solchen Schaltaugenlehre kann man in wenigen Minuten das Schaltauge an seinem Bike selbst ausrichten. Für ambitionierte Hobby-Schrauber darf dieses Werkzeug in der Heimwerkstatt keinesfalls fehlen.

Werkzeug zum Ausrichten des Schaltauges

Richtwerkzeuge zum Ausrichten des Schaltauges gibt es ab 35 Euro (z. B. Cyclus Tools bei Rosebikes). Gute Schaltaugenlehren kosten etwa 70 bis 100 Euro. Deshalb ist es für Hobby-Schrauber oft günstiger ist, ein neues Schaltauge zu verbauen.

Alternativ: Neues Schaltauge verbauen

Schaltaugen für gängige MTB-Modelle kosten etwa 15-30 Euro. Da fast jeder Hersteller ein eigenes Schaltauge bzw. Ausfallende verbaut, ist die Auswahl an Schaltaugen riesig.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Richten eines Schaltauges ohne Spezialwerkzeug

Ist das Schaltauge verbogen, funktioniert die komplette Schaltung nicht mehr richtig. In solchen Fällen wird meistens empfohlen, das komplette Schaltauge auszutauschen. Shimano selbst stellt keine Ersatzschaltaugen her.

Allerdings kann man ein verbogenes Schaltauge meistens wieder gerade biegen - und ein Versuch ist das auf jeden Fall wert. Normalerweise benötigt man ein spezielles Schaltauge Fahrrad Richtwerkzeug. Allerdings gehen die Preise dafür bei ca. 30 € los und können sogar im 100-Bereich enden bei professionellen Werkzeugen.

Damit kann jeder versuchen, sein gebogenes Schaltauge wieder gerade zu biegen, und das ohne spezielles Schaltauge Richtwerkzeug. Und im schlimmsten Fall kauft man sich einfach ein neues Schaltauge, da es günstiger wird, als sich ein spezielles Werkzeug zu kaufen.

Benötigte Materialien:

  • 2 Gewindestangen M8 und M10 oder 2-mal M8
  • Passende Muttern und Unterlegscheiben
  • Fahrrad mit einem gebogenen Schaltauge
  • 20 Minuten Zeit

Statt Gewindestangen kann man auch lange Bolzen nehmen. Hauptsache, dass die Bolzen bzw.

Anleitung:

  1. Um das Schaltwerk abzubauen, muss die Schraube gelöst werden, mit der das Schaltwerk am Schaltauge befestigt ist.
  2. Die M8-Gewindestange wird am Schaltauge mit Muttern und Unterlegscheiben festgeschraubt.
  3. Die M10-Gewindestange wird an der Stelle am Rahmen verbaut, wo sonst die Hinterradachse hinkommt. Eine M8-Gewindestange geht hier auch.
  4. Nachdem die zweite Gewindestange mir Muttern und Unterlegscheiben am Rahmen festgemacht wurde, wird das Schaltauge durch das ziehen der an ihm befestigten Gewindestange wieder gerade gebogen.

Weitere Ursachen für Schaltprobleme

Neben einem verbogenen Schaltauge gibt es noch weitere Ursachen, die zu Schaltproblemen führen können:

  • Verschmutzungen an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen
  • Verschlissene Kassette
  • Verschlissenes oder defektes Schaltwerk
  • Schwergängiger oder defekter Schaltzug
  • Falsche Kettenlänge
  • Inkompatible Komponenten

Allgemeine Tipps zur Schaltungseinstellung

Die Schaltung eines Fahrrads ist ein etwas komplexeres System, in dem mehrere mechanische Bauteile zusammenwirken. Diese müssen optimal aufeinander eingestellt sein, um das Konzept Kettenschaltung reibungsarm und effizient werkeln zu lassen.

Essenziell ist das mechanische Verständnis. Drehe nicht nur an der Schraube, sondern schau, was genau dann passiert. Welchen Einfluss hat welche Schraube aufs System?

Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden.

Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion.

Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, dürfenst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Bauteile prüfen

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt.

Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen.

Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab.

Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Einstellung der Endanschläge

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang.

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0