In der aktuellen Lage der Fahrradbranche, die von Unsicherheiten geprägt ist, nimmt der Komponentenhersteller Shimano eine zentrale Rolle ein. Trotz mehrfacher Verschiebungen aufgrund von Corona-bedingten Einschränkungen präsentierte Shimano schließlich die neueste Auflage der Rennrad-Gruppe Dura-Ace R9200 und die neue Ultegra 12fach-Gruppe R8100.
Erste Eindrücke und Fahreigenschaften
Die neuen Komponenten waren kurz vor ihrer offiziellen Präsentation noch rar gesät, was die Tests erschwerte. Dennoch konnte die neue Shimano Dura-Ace R9200 auf einer Mehrtagestour durch die tschechischen Mittelgebirge unter verschiedenen Bedingungen getestet werden.
Schon am Start überraschten die schlanken Griffkörper positiv, die sich auch mit kleinen Händen gut umgreifen lassen. Die leicht nach innen geneigten Höcker bieten eine gute Griffposition, und die Schalttasten sind klar voneinander abgegrenzt. Die Schaltbefehle gelangen nun per Funk zum Schaltwerk, was die Montage vereinfacht.
Die Innovationen im Detail
Zwölf Ritzel für feinere Abstufung
Die Dura-Ace kommt mit 12 Ritzeln, was besonders in welligem Gelände von Vorteil ist. Die verbaute 12-30-Kassette bietet eine zusätzliche Feinabstimmung. Wahlweise gibt es auch eine 11-34-Kassette für bergtaugliche Übersetzungen.
Die Schaltvorgänge der neuen Dura-Ace sind weicher und schneller, insbesondere beim Herunterschalten unter Last. Die neuen Kassetten passen auf die Elffach-Freiläufe aller Shimano-kompatiblen Laufräder.
Verbesserter Umwerfer und Schaltwerk
Der schlankere Umwerfer arbeitet hörbar schneller. Auch das Schaltwerk soll laut Shimano über 50 Prozent zügiger wechseln als bislang. In der Praxis ist der Unterschied jedoch marginal.
Scheibenbremsen mit Mountainbike-Technologie
Die Scheibenbremsen der Dura-Ace bieten dank der vom Mountainbike übernommenen Technologie „Servo Wave“ ein überragendes Ansprechverhalten. Hohe Bremsleistung und beste Bremskraft-Kontrolle sind die Folge.
Auch die neue Bremsscheibe kommt von der Mountainbike-Gruppe XTR und ist leichter sowie steifer. Allerdings kann es bei Nässe zu einem lauten Quietschen kommen.
Option für Felgenbremsen
Auch für Fans von Felgenbremsen gibt es eine gute Nachricht: Der Zwölffach-Antrieb lässt sich damit kombinieren. Die neuen Hebel ähneln dem Vorgängermodell und verzichten auf die Funktechnologie.
Zwölffach-Kette aus der XTR-Gruppe
Die Zwölffach-Kette stammt ebenfalls aus der XTR-Mountainbike-Gruppe und gehört zu den Besten in puncto Verschleißfestigkeit.
Weitere Aspekte und Details
Die Griffe der Shimano DURA-ACE Di2 ST-R9270 sind deutlich größer geworden und liegen vom Volumen her deutlich näher an denen der SRAM eTap AXS-Gruppen als am Vorgängermodell. Sie lassen sich aber sehr gut greifen und überzeugen mit einer Oberfläche, die angenehm weich und gedämpft in der Hand liegt. Durch die veränderte Form der Griffe passen jetzt auch drei breite Finger ohne Platznot hinter den Bremshebel, was sehr angenehm ist.
Das Schaltwerk ist bei der neuesten Generation der japanischen Top-Gruppe DURA-ACE zum Herzstück des Systems avanciert. Als Kopf des Systems empfängt das Schaltwerk nicht nur die Funksignale für sich selbst, sonder auch für den Umwerfer, die es dann per Kabel über den Akku weiterleitet.
Der Umwerfer der japanischen Top-Gruppe war aus Performance-Sicht schon vor dem Update seinen Konkurrenten von SRAM und Campagnolo überlegen. Seinen Vorsprung baut er in der jüngsten Ausbaustufe als FD-R9250 nochmals aus. Er schaltet unter allen Umständen absolut zuverlässig und wechselt die Gänge kraftvoll, schnell und akkurat.
Die Japaner haben an vielen Stellschrauben gedreht, um die Performance der Shimano DURA-ACE BR-R9270-Bremse zu verbessern. Der Bremssattel der Shimano DURA-ACE BR-R9270-Bremse ist aus einem Stück hergestellt.
Das Fazit
Shimano löst mit der neuen Dura-Ace keine Revolution aus, verbessert sich aber in vielen Details. Besonders die starken Bremsen bleiben in Erinnerung. Funktionsstörungen oder Ausfälle gab es keine. Nach 500 Kilometern war noch kein messbarer Verschleiß festzustellen.
Für das getestete Ensemble ruft Shimano knapp 4.200 Euro auf, was günstiger ist als der bisherige Listenpreis. Die Verfügbarkeit der Komponenten ist jedoch weiterhin eingeschränkt.
Die Dura-Ace R9150 Di2 ist mehr als ein aufpolierter Abkömmling. Neben intelligenter Software, Connectivity und digitaler Systemintegration hält auch die Scheibenbremse Einzug ins Pro-Tour-Peloton. Die Performance ist konstant stark. Der Akku hält lange und lädt schnell, sollte aber trotzdem im Auge behalten werden, da es unterwegs keine Lösung gibt.
Als unangefochtener Marktführer bestimmte Shimano die technische Entwicklung von Rennrad-Komponenten über Jahrzehnte fast im Alleingang. Die Japaner brachten mit der Di2 die erste elektronische Schaltung auf den Markt. Die aktuelle, vierte Generation ist die erste mit Funkübertragung und unter den drei Wettbewerbern am längsten auf dem Markt, die Einführung war 2022.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Aspekt | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Schaltung | Ruhiger Lauf, perfektes Schaltverhalten, relativ preiswerte Verschleißteile | Geringe Auswahl an Kassetten |
| Bremsen | Sensibles Ansprechverhalten, viel Bremskraft bei starken Bremsungen | Empfindliche Scheiben, Quietschen bei Nässe |
| Bedienung und Ergonomie | Bequeme Griffe, gut unterscheidbare Schalttasten, Zusatzknöpfe am Griffhöcker | - |
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