Zur Eurobike 2022 präsentierte Shimano den neuen EP6-Motor zeitgleich mit dem Update des EP8 auf den neuen EP801. Was die beiden neuen E-Bike-Motoren der Japaner wirklich auszeichnet, blieb aber erstmal etwas unklar. Und es dauerte auch eine ganze Weile, bis E-Bikes mit den neuen Antrieben in die Läden rollten. Inzwischen sind sowohl das Topmodell EP801, als auch die günstige Variante EP6 am Markt angekommen. Und wir konnten beide Mittelmotoren in verschiedenen Testbikes ausführlich fahren. Zeit für einen Kassensturz. Sind EP801 und EP6 wirklich spürbar unterschiedlich?
Der Shimano EP6 im Detail
Den neuen Shimano EP801 konnten wir bereits ausführlich in Labor und Praxis testen. Jetzt folgt der Abgleich mit dem günstigeren EP6 - der mit komplettem Namen übrigens EP600 heißt. Durch den günstigeren Einkaufspreis soll der EP6 den Bike-Herstellern günstigere Einstiegspreise ermöglichen. In den meisten Fällen verbauen die Firmen an den günstigen Modellen den EP6, wo an teureren Ausstattungsvarianten der EP801 zum Einsatz kommt. Die Anschraubpunkte sind identisch, ebenso die Bauform und Größe. So kann man theoretisch problemlos zwischen den beiden Motoren wechseln.
Design und Bauweise
Äußerlich sind EP6 und EP801 auf den ersten Blick identisch. Auf den ersten Blick ist der Shimano EP6 mit dem EP8 identisch. Beim genauen Hinsehen zeigt sich das andere Logo und die andere Farbe: Schwarz statt Anthrazit. In der Realität sind die Unterschiede aber größer, als es der optische Eindruck vermuten lässt.
Der zweite markante Unterschied liegt im Material des Gehäuses. Während EP8 und EP801 auf ein besonders leichtes Magnesiumgehäuse setzen, ist der EP6 aus Aluminium. Das Gehäuse des EP6 ist aus Aluminium. Es ist schwerer als die Magnesiumhülle von EP8 und Ep801. Rund 300 Gramm beträgt der Gewichtsunterschied.
Während EP801 und EP8 (2,65 kg) im Klassenvergleich mit Bosch (2,9 kg) und Brose (3,1 kg) besonders leicht ausfallen, landet der EP6 - trotz geringerer Leistung - mit 3,0 Kilo gewichtstechnisch nur im Mittelfeld.
Leistung und Drehmoment
Zwar liefern beide Antriebe nominell 85 Newtonmeter maximales Drehmoment, doch die Spitzenleistung unterscheidet sich klar. 100 Watt soll der EP6 weniger liefern, als der EP801, sagt Shimano. Damit liegt er vom Leistungsniveau auf einer Ebene mit dem “alten” EP8(00), dem Vorgänger des aktuellen Topmodells. In unserem ausführlichen Test des neuen EP801 konnten wir den Leistungszuwachs und den Unterschied zum EP8 in Labor und Praxis deutlich machen.
Technische Daten des Shimano EP6
Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten des Shimano EP6:
- Gewicht: 3,0 Kilo
- Max. Drehmoment: 85 Nm
- Gehäuse: Alu- statt Magnesiumgehäuse beim EP8
- Spitzenleistung: 100 Watt weniger als EP801
- Kompatibilität: Kompatibel mit allen Steps-Komponenten der 2. Generation (wie EP801)
- Schaltung: Kompatibel mit Shimano Di2-Elektroschaltung mit Auto- und Freeshift
- Akku: Diverse Akku-Optionen und Größen, je nach Hersteller
- Unterstützungsstufen: Bis zu 15 U-stufen freischaltbar über E-Tube-App
Elektronik, App und Konnektivität
Entscheidender Grund für die Neuauflage von EP801 und EP6 war eine neue elektronische Infrastruktur. Das Ziel: Die Motoren mit den elektronischen Schaltsystemen Shimano XT Di2 und Cues Di2 zu kombinieren. Das heißt: Auch der günstige Shimano-Antrieb ist bei entsprechender Hardware mit den Funktionen Autoshift und Freeshift kompatibel.
Auch bei den App-Features orientiert sich der EP6 an seinem großen Bruder. Über die Applikation E-Tube können Updates auf alle Systemkomponenten gezogen werden. Außerdem lassen sich die Unterstützungsstufen auf persönliche Vorlieben oder besondere Einsatzgebiete einstellen.
Besonderheit: Shimano bietet zwei Presets an, die direkt am Display oder der Remote ausgewählt werden können. Im zweiten Preset können bis zu 15 Unterstützungsstufen freigeschaltet werden. Heißt: Auf Wunsch sind Biker nicht auf die drei Stufen Eco, Trail und Boost beschränkt - sondern können sehr fein gestufte Modi nach individuellen Bedürfnissen konfigurieren.
Stichwort Connectivity: Das Shimano-System kann über ANT+ mit Geräten à la Garmin gekoppelt werden. Hier gibt´s dann sogar eine prozentgenaue Akku-Anzeige, die die Steps-Displays nicht bieten.
Display und Remote
Bei den Displays und Bedienelementen steht den Bike-Herstellern eine recht breite Palette zur Auswahl. Klassisch sind die Farbdisplays, die gut geschützt hinter dem Lenker sitzen. Sie bieten einen gesunden Mittelweg aus schlankem Design und guter Informationstiefe. Eine echte Kommandozentrale gibt es unter den Displays nicht. Für Features wie die Navigation müssen Shimano-Biker auf Smartphone oder Bike-Computer zurückgreifen. Auch eine prozentgenaue Akkuanzeige bieten die Steps-Displays nicht.
Die klassische Remote SW-EN800 ist ebenfalls schlicht und schlank gehalten. Zwei ergonomische Knöpfe direkt am Griff, mehr nicht. Doch inzwischen wird auch immer häufiger die SW-EN600 verbaut. Der Taster ist nicht ganz so ergonomisch, dafür hat er LEDs und mehrere Bedienknöpfe an Bord. So kann er auch alleine, ohne separates Display, genutzt werden. Akkustand und Unterstützungsstufe werden dann sehr rudimentär über kleine LEDs angezeigt.
Eine komplette Stand-alone-Lösung ist das Bedienteil SC-E5000, bei dem ein kleines Schwarz-Weiß-Display direkt am Schalter mit am Griff sitzt. Die günstige Kombi aus Bedienteil und Display kann mit den teureren Steps-Komponenten nicht mithalten: mäßige Ergonomie, geringer Informationsgehalt. Außerdem fehlt eine Bluetooth-Schnittstelle, sodass der Motor für Feineinstellungen oder Updates nicht mit dem Smartphone gekoppelt werden kann.
Akkus für Shimanos EP6 E-Bike Motor
Auch hier bleibt Shimano seiner Philosophie treu: Der EP6 kann ebenso wie die anderen Steps-Antriebe mit diversen Akkus von anderen Zulieferern kombiniert werden. Das gibt den Bike-Herstellern viel Entfaltungsspielraum und Freiheit bei der Konzeption und führt dadurch zu einem bunten Angebot an Kombinationen. Die hauseigenen Shimano-Akkus (500 oder 630 Wattstunden) werden inzwischen eher selten verbaut.
Der Shimano EP6 im Praxistest
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Die Leistungsunterschiede zwischen EP801 und EP6 existieren nicht nur auf dem Papier. Im direkten Vergleich ist der günstigere Shimano-Motor spürbar schwächer. Auch das vergleichbare Niveau mit dem EP800 kann unser Popometer bestätigen. Wer auf maximalen Schub Wert legt, wird im Vergleich zu einem Bosch CX, Shimano EP801 oder Brose Drive SMag klare Abstriche wahrnehmen.
Der Unterstützungscharakter ist typisch Shimano: Schon bei gemächlichem Tritt gibt der Motor im Boost-Modus seine volle Leistung ab. Im “Bummel-Modus” kann er sich dadurch sogar deutlich stärker anfühlen, als ein Performance CX. Auch beim Drehmoment, also bei sehr niedrigen Trittfrequenzen, schiebt er kernig an. Einen Schwachpunkt teilt er sich mit seinem großen Bruder: Bei extrem hohen Trittfrequenzen geht dem Motor zu früh die Puste aus und die Leistung lässt nach. Im klassischen Fahrbetrieb spürt man das nicht, doch beim dynamischen Beschleunigen, zum Beispiel vor Stufen und Hindernissen in kniffeligen Anstiegen, kann das den Flow und die Kletterstärke drastisch einbremsen.
Ebenfalls auf ähnlichem Niveau wie EP8 und EP801: Die Geräuschkulisse. Bergauf ist der Motor immer klar hörbar, brummt aber in einer recht angenehmen Frequenz. Bergab klappert auch der EP8 beim rollen über Hindernisse recht deutlich. Diesen Bug hat er auch mit Boschs CX gemein. Die Geräuschkulisse variiert von Bike zu Bike - selbst mit identischem Motor. Im Schnitt aller Testbikes mit Shimano-Motoren können wir keinen Sound-Unterschied zwischen EP6 und EP801 ausmachen.
Der Shimano EP801 im Fokus
Auch wenn man Shimano-Motoren in zahlreichen E-MTBs findet, so ist es um die E-Entwicklungen der Japaner etwas stiller geworden. Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten.
Shimano ist aus der Bike-Welt nicht mehr wegzudenken. Egal, ob Bremsen, Schaltungen oder andere Anbauteile, die Japaner gehören zu den größten Komponenten-Herstellern weltweit. Shimano zählt aber auch zu den E-Bike-Pionieren und mischt schon seit den Anfängen im E-Bike-Segment mit. Shimano-Motoren sind stark im Markt vertreten und kommen an einer Vielzahl von Bikes zum Einsatz.
Wie sein Vorgänger reiht sich der Shimano EP801 als Spitzenmodell in das Portfolio ein und siedelt sich über dem etwas günstigeren, aber fast baugleichen und ebenso drehmomentstarken Shimano EP6 an, der durch ein günstigeres Alu-Gehäuse etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt. Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen. Das Update auf EP801 erlaubt auch erstmals die Verbindung mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe, die mit cleveren Funktionen aufwarten kann. Ein weiteres Feature ist das Shimano-ABS, das in Zusammenarbeit mit Blubrake entwickelt wurde.
Ein weiterer Ableger des Shimano Motor EP801 ist der EP801 RS. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm - auch wenn man beim RS-Emblem im ersten Moment mehr Power erwarten würde. Der EP801 RS kommt nur am Light-E-MTB Orbea Rise zum Einsatz.
Ähnlich wie Bosch verfügt Shimano über ein gutes und globales Netzwerk. Als Anlaufstelle dienen die Shimano Service Center, von denen in so gut wie jeder größeren Stadt eins zu finden ist. So hat man die Möglichkeit, sein Bike checken oder reparieren zu lassen.
Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf.
In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren. Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen. Auch wenn wir die 630-Wh-Akkus als goldene Mitte für viele Anwendungsbereiche ansehen, so wäre eine größere Akku-Option aus dem Hause Shimano wünschenswert. An einigen Bikes mit Shimano Motor EP801 sind größere Akkus von Drittanbietern mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh zu finden.
Wer von einem EP8-Bike auf ein EP801-Bike umsteigt und den alten Akku im neuen Bike weiter verwenden will, sollte bedenken, dass diese nicht mehr kompatibel sind. Durch die überarbeitete Elektronik und ein Update bei den Battery-Management-Systemen sind Akkus mit altem BMS nicht mehr nutzbar.
Die Displays und Remotes des Shimano EP8 kommen auch am neuen EP801-Modell zum Einsatz. Das am Lenker neben dem Vorbau geschützt angebrachte Farbdisplay zeigt den Akkustand in 20%-Schritten an und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar. Dazu gibts noch Anzeigen zur Dynamik des Motors, die mit einem wandernden Balken visualisiert werden, sowie die Anzeigen zur Geschwindigkeit und der aktuell gewählten Unterstützungsstufe.
Die Darstellung auf dem Display ist aufgeräumt und auf das Nötigste reduziert, sodass man nicht mit unnötigen Informationen überschüttet wird. Als Alternative ist für den EP801-Motor auch ein kleines Schwarz-Weiß-Display möglich, das in die etwas klobige SC-E5003-Remote integriert ist. Neu hinzugekommen sind die eigentlich für den günstigeren Shimano Motor EP6 gedachten Remotes und Displays, die aber auch mit dem EP801-Motorsystem kompatibel sind. Für ein cleanes Cockpit ganz ohne Display hat Shimano noch den minimalistischen EW-SW310-Schalter im Programm.
Die Schnittstelle zum Motor ist die Shimano E-TUBE PROJECT Cyclist-App. Hier habt ihr die Möglichkeit, zwei Fahrprofile nach euren persönlichen Vorlieben zu konfigurieren. Im Basic-Mode können die Power, das Unterstützungslevel und das Ansprechverhalten in den drei Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost angepasst werden. Das spricht vor allem E-Bike-Veteranen an, die lieber auf ein vertrautes Interface zurückgreifen wollen.
Der Fine-Tune-Mode lässt, wie der Name schon sagt, eine feiner abgestimmte Unterstützung zu. Beim ersten Mal wird man von der schieren Menge an Kurven und Graphen erschlagen. Mit ein wenig Einarbeitungszeit ermöglicht er aber dank 15 fein abgestimmter Unterstützungsstufen eine präzisere Kontrolle. Hier fühlen sich jedoch eher Connectivity-Nerds wohl, die gerne mit Diagrammen und Zahlen jonglieren und ihr Motorsetup bis ins kleinste Detail verfeinern wollen. Für alle anderen ist der Basic-Mode vollkommen ausreichend.
Um Routen zu erstellen, die ihr dann später mit eurem E-MTB abfahren könnt, müsst ihr euch also zuerst eine zweite App herunterladen. Der Shimano EP801 überzeugt auf dem Trail mit seinem gutmütigen Charakter. Auch im stärksten, dem Boost-Modus in der Standardeinstellung, lässt er sich gut dosieren und reagiert berechenbar.
Beim Anfahren spricht er jedoch etwas direkter an als der Bosch Performance Line CX (Gen 4), der hier etwas zurückhaltender und smoother reagiert. Als Fahrer erhält man immer die richtige Dosis an Unterstützungsleistung zurück, und auch Einsteiger mit einem unrunden Tritt werden von dem Motor nicht aus dem Sattel geworfen, denn der Motor kaschiert Kadenzschwankungen gekonnt und ist so für Anfänger intuitiv zu fahren.
Durch die Anhebung der Maximalleistung beim EP801 hat sich der Abstand mittlerweile verringert. Dennoch liefert der Japaner im Boost-Modus in der Praxis nach wie vor spürbar weniger Power als der Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) mit den gleichen Eckdaten. Das zeigt sich auch im Labor, denn egal, bei welcher Trittfrequenz, die Shimano EP801-Leistungskurve verläuft immer etwas unterhalb der Bosch Performance Line CX-Leistungskurve (Gen 4).
In Kombination mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe hält der EP801-Antrieb einige clevere Features bereit. So ermöglicht es die Schaltgruppe wie bei der Pinion MGU E1.12 Motor-Getriebe-Einheit, mit der FREE SHIFT-Funktion die Gänge zu wechseln, ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen. AUTO SHIFT erkennt Fahrszenarien selbständig und wählt dann automatisch den richtigen Gang. Gerade für schaltfaule Tourenbiker ist das eine coole Option.
Auf ebenen Forstwegen summt der Shimano Motor EP801 angenehm vor sich hin und zählt zu den leisesten Full-Power-Motoren im Testfeld. Sobald sich der Trail Richtung Tal neigt, ändert sich die Geräuschkulisse und gibt vor allem im roughen Terrain das typische Klappern von sich, was auch schon beim alten Shimano Motor EP8 ein großes Manko war. Die Geräuschkulisse ist auch vom Bike, in dem der Motor steckt, abhängig - da der Rahmen als Resonanzkörper hierbei auch eine Rolle spielt.
Der Shimano Motor EP801 ist zwar keine Revolution, sondern vielmehr eine sinnvolle Evolution. Er überzeugt in der Praxis mit gutmütigem Charakter, der Anfänger nicht überfordert und reduziert die Lücke zum Bosch Performance Line CX, kann aber mit der Power der stärksten im Test nicht mithalten. Das Motorsystem komplettiert das breite Angebot an Displays, Remotes und Akkus, in dem auch Drittanbieter eigene Produkte beisteuern und die Auswahl für die Bike-Hersteller und letztendlich den Kunden nochmals vergrößern. Nur die Klappergeräusche in der Abfahrt trüben den guten Gesamteindruck.
Die Fakten zum Shimano EP801
- Gewicht: 2,65 Kilo
- Akkugrößen: Diverse Hersteller von 360 bis 900 Wattstunden, große Auswahl
- Fahrstufen: Eco, Trail, Boost / Optional bis zu 15 Stufen individuell konfigurierbar
- Leistungsdaten (max.) aus dem Labor: 79 Newtonmeter, 545 Watt
- Besonderheiten: Mit Shimano Di2 automatische Schaltung möglich, Systemupdates über die App möglich
Charakter des Shimano EP801
Charakterbildend für den Steps-Antrieb EP801 ist nach wie vor der drehmomentstarke Schub von unten, also bei niedriger Trittfrequenz und geringem Fahrerinput. Positiv fällt auch die geschmeidige Modulation und das sanfte Einsetzen des Vortriebs auf - das gelingt besser als beim Vorgänger. Lediglich beim Pendeln um 25 km/h stört der On-off-Charakter und der deutlich spürbare Wechsel von ein- und ausgeschaltetem Motor.
Die Geräuschkulisse ist nicht gerade die große Stärke des EP801. Bergauf gehört er zu den lauteren Antrieben, vergleichbar mit dem Bosch Performance CX. Die Frequenz des Shimano ist allerdings etwas tiefer und wird von den meisten Testern eher positiv wahrgenommen. Bergab klappert der Motor leider deutlich, was je nach Bike unterschiedlich störend ausfällt.
Kraftentfaltung des Shimano EP801
Der EP801 schiebt im Boost-Modus schon bei gemäßigtem Tritt mit voller Leistung an. Dazu passt das kernige Drehmoment. Wer sich vom Motor mit geringem Kraftaufwand auf den Berg schieben lassen möchte, bekommt vom EP801 bereits maximalen Schub - mehr als von der Konkurrenz. So kann sich der Shimano-Motor bei entsprechender Fahrweise deutlich stärker anfühlen, als ein Bosch Performance CX.
Auffällig: Schon bei geringem Fahrerinput von 110 Watt gibt der EP801 seine maximale Leistung ab. Das macht so drastisch kein anderer Antrieb im Test. Leistung und Drehmoment liegen in der Spitze auf Bosch-CX-Niveau.
Die Spitzenleistung ist grob auf Augenhöhe mit den Besten, fällt allerdings bei hoher Kadenz zu früh ab. Das kann in schwierigen Uphills ein deutlicher Nachteil sein. Wer vor einer Stufe stark Beschleunigen will, um Schwung zu holen, fällt in dieses Leistungsloch und wird vom EP801 im Stich gelassen. Auch bei einer Trittfrequenz zwischen 80 und 90 liegt die Leistung etwas unterhalb eines Bosch CX, Brose Drive SMag oder Pinion MGU.
Auffällig im Labortest ist der drastische Leistungsabfall des Shimano EP801 bei sehr hohen Trittfrequenzen. Auch wenn im konstanten Fahrbetrieb kein E-Biker deutlich über 100 Umdrehungen tritt - bei kurzen Beschleunigungen auf dem Trail ist diese Charakteristik ein deutlicher Nachteil.
Im Vergleich mit der Konkurrenz wird deutlich: Über weite Strecken verläuft die Leistungskurve des EP801 nahezu identisch mit Bosch CX und Pinion MGU. Doch bei sehr hoher Trittfrequenz bricht die Leistung ein, wo andere Motoren weiter durchziehen.
Display und Remote des Shimano EP801
Die klassischen Steps-Displays (SC-EM800 und SC-EN600) sitzen kompakt und gut geschützt hinter dem Lenker. Die Ablesbarkeit ist gut, die Informationstiefe eher gering. Navigationsansichten und eine prozentgenaue Akkuanzeige gibt’s bei den schlanken Shimano-Screens nicht. Allerdings lässt sich der Antrieb unkompliziert via Bluetooth mit Garmin und Co. connecten. Hier ist dann auch ein genauer Akkustand in Prozent abrufbar. Insgesamt ist der Kompromiss aus dezenter Optik, guter Ablesbarkeit und Informationsgehalt bei Shimano gelungen und gefällt vor allem sportlichen Bikern.
In Kombi mit dem 800er-Display sitzt der super schlanke und gelungene Taster SW-EM800 am Griff.
Das Shimano SC-EN600 sieht dem EM800 sehr ähnlich, verzichtet aber auf den Knopf, an dem durchs Menü gescrollt werden kann. Dafür wird der Akku-Stand in zehn statt fünf Schritten angezeigt.
Dazu passt der Remote-Hebel SW-EN600 mit LED-Anzeige, der auch standalone ohne Display funktioniert. Die Ergonomie ist nicht so gut wie beim klassischen 800er-Drücker.
Die günstige Kombilösung SC-EN500 ist Taster und Display in einem. Wenig Infos, mäßige Ergonomie und obendrein keine Schnittstelle zur E-Tube-App - hier lohnt ein Update auf hochwertigere Kombis!
Akkus für den Shimano EP801
Bei den Batterien gibt Shimano den Bike-Herstellern viel Freiheit. Kombis mit Akkus von Drittherstellern sind möglich. So kommen die allermeisten E-MTBs mit Shimano-Motor inzwischen nicht mehr mit den eher sperrigen und schweren Original-Shimano-Batterien. Entsprechend groß ist die Vielfalt am Markt. Von der 360er-Minibatterie (Orbea) bis zum 900er-Riesenakku (Canyon und Norco) gibt es zig Varianten, teils auch mit Range Extender.
App und Connectivity beim EP801
Besonderheit bei Shimanos E-Tube-App ist der Finetune-Modus. Hier können nicht nur die Unterstützungs-Modi individuell angepasst, sondern auch bis zu 15 verschiedene Stufen aktiviert werden. Wer eine besonders feine Abstufung der Unterstützungsmodi wünscht, wird hier glücklich. Auch gut: Es können zwei unterschiedliche Presets eingestellt werden, die direkt am Display angewählt werden können. So kann man zum Beispiel eine akku-schonende Einstellung zum Höhenmeter sammeln auf langen Touren und ein zweites Setup für volle Power auf kurzen Rides voreinstellen. Auch Systemupdates gibt es unkompliziert übers Smartphone.
Gelungen ist dagegen die Kompatibilität mit anderen Geräten. Egal ob Garmin, Wahoo, Sigma und Co. Der Computer zeigt dann auch einen genauen Akkustand in Prozent und Infos zur Einstellung der Schaltautomatik an und übernimmt sogar die Geschwindigkeitsinformationen vom Hinterrad des E-Bikes. So wünschen wir uns das!
EMTB Bewertung des Shimano EP801
Der Shimano EP801 gehört zu den lauteren E-MTB-Motoren. Das Fahrgefühl ist nicht aggressiv, der starke Schub bei geringem Fahrerimpuls vermittelt aber auch nicht gerade dezent-natürliches Fahrgefühl.
Stärken und Schwächen des Shimano EP801
- Stärken:
- Kraftvoll bei geringem Gewicht
- Viele Akku-Optionen
- Option auf Automatik-Schaltung
- Sportlich-schlanke Display-Optionen
- Optional bis zu 15 fein abgestufte Fahrmodi
- Kompatibilität mit Garmin und Co.
- Schwächen:
- On-off-Charakter an der Abschaltgrenze
- Leistungsloch bei sehr hoher Trittfrequenz
- Klappert bergab
Alternative E-Bike Motoren
Neben Bosch und Shimano gibt es noch weitere Hersteller von E-Bike Motoren. Hier eine kurze Übersicht:
- Yamaha
- Brose
- Panasonic
- Specialized
- Rocky Mountain
- Sachs
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Unglaubliche Vorteile: So Verändert 50 km Radfahren Täglich Deinen Körper!
- Spinning Bike Testberichte: Die Top-Modelle für Ihr perfektes Training enthüllt!
Kommentar schreiben