Shimano Elektrische Schaltung: Funktion und Innovation

Shimano dringt mit dem neuen Q’Auto-System in bisher unerschlossenes Terrain vor. Der japanische Komponentenhersteller präsentiert eine automatische Di2-Schaltung, die speziell für nicht-motorisierte Alltagsräder konzipiert wurde.

Q’Auto: Autarke Di2-Schaltung für Alltagsräder

Im Gegensatz zu bisherigen elektronischen Schaltsystemen kommt Q’Auto ohne separaten Akku aus. Stattdessen erzeugt eine in die Hinterradnabe integrierte Dynamofunktion die benötigte Energie selbst. Damit richtet sich das System gezielt an Gravel-, Urban-, Trekkingbiker, die von den Vorteilen einer elektronischen Schaltung profitieren möchten, ohne sich um das regelmäßige Aufladen eines Akkus kümmern zu müssen.

Das Herzstück des Systems bildet die neu entwickelte Shimano Cues FH-U6060 Freehub Hinterradnabe. Sie vereint die Funktionen einer klassischen Freilaufnabe mit einem integrierten Dynamo sowie Sensoren für Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Neigungswinkel.

Diese Daten nutzt die Steuereinheit, um in jeder Fahrsituation den optimalen Gang zu wählen. Durch die Energieerzeugung direkt in der Nabe entfällt die Notwendigkeit eines externen Akkus, was das System besonders wartungsarm und alltagstauglich macht.

Adaptive Selbstlernfunktion für individuelles Schalterlebnis

Eine weitere Besonderheit von Q’Auto ist die integrierte Selbstlernfunktion. Das System analysiert kontinuierlich das Fahrverhalten und passt die Schaltvorgänge an die individuellen Vorlieben des Fahrers an. Wird ein automatischer Schaltvorgang beispielsweise manuell überstimmt, merkt sich Q’Auto diese Präferenz für zukünftige vergleichbare Situationen. So soll sich das System an jeden Fahrstil anpassen können. Je mehr das Fahrrad genutzt wird, desto präziser wird laut Shimano die Abstimmung auf die persönlichen Anforderungen.

Trotz der automatischen Funktion behält der Fahrer stets die volle Kontrolle. Über den kabellosen SW-EN605-R Schalter lässt sich jederzeit manuell in die Gangwahl eingreifen. Diese Interaktionen fließen wiederum in den Lernprozess des Systems ein. So verspricht Shimano, dass jeder Nutzer mit der Zeit ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Schalterlebnis erhält.

Kompatibilität und Komponenten des Q’Auto Systems

Q’Auto wurde mit Blick auf eine breite Kompatibilität entwickelt. Das System lässt sich mit Linkglide 1x10- oder 1x11-fach Kassetten kombinieren. Das speziell entwickelte RD-U8050-SGS/GS Schaltwerk ist zudem mit der kompletten Palette an kabellosen Shimano Di2 Schaltern und Schalt-/Bremshebeln für Flat- und Rennlenker kompatibel. Dies ermöglicht eine flexible Integration in verschiedene Fahrradtypen und Cockpit-Konfigurationen.

Die Shimano Cues FH-U6060 Freehub Hinterradnabe ist in Versionen mit 28, 32 und 36 Speichenlöchern erhältlich und nutzt den 142 x 12 mm E-Thru-Standard. Ein integrierter Li-Ionen-Kondensator speichert genügend Energie, um das System auch bei längeren Standzeiten betriebsbereit zu halten. Shimano gibt an, dass die gespeicherte Energie für mehr als ein Jahr ausreiche.

Einsatzbereich und Zielgruppe

Mit Q’Auto zielt Shimano besonders auf Alltagsradler und Pendler ab, die von den Vorteilen einer elektronischen Schaltung profitieren möchten, ohne sich immerzu um das rechtzeitige Laden von Akkus kümmern zu müssen. Mit dem System will Shimano unabhängig von Erfahrung oder Fahrkönnen noch mehr Menschen zum Radfahren motivieren, indem es eine stets optimale Gangwahl anbietet. Gerade im urbanen Umfeld mit häufigen Anfahrvorgängen und wechselnden Geschwindigkeiten könnte die automatische Schaltung ihre Stärken ausspielen.

Auch für Trekkingräder und Gravelbikes sieht Shimano Potenzial. Hier könnte Q’Auto besonders auf längeren Touren oder bei variablem Gelände seine Vorteile ausspielen, indem es den Fahrer entlastet und eine effiziente Kraftübertragung sicherstellt.

Shimano Di2: Elektronische Schaltung im Detail

Sie schalten schnell & präzise: Elektronische Schaltungen kommen inzwischen an vielen hochwertigen Fahrrädern zum Einsatz. Ein Überblick über die Systeme. An vielen High-End-Mountainbikes, -Rennrädern und -Gravelbikes findet man bereits ab Werk elektronische Schaltungen. Auch bei Individualaufbauten und als Upgrades werden sie immer beliebter.

Die meisten funktionieren mittlerweile wireless, andere semi-wireless, also mit einer Mischung aus Funktechnologie und Kabelübertragung. Alle bieten Vorteile gegenüber Schaltgruppen mit Bowdenzügen: Sie schalten präziser und zuverlässiger. Wie sich die Systeme unterscheiden und warum eine elektronische Schaltgruppe eine echte Alternative für Dein Fahrrad ist, erfährst Du hier. Umwerfer und Schaltwerk erhalten die Signale der Schalthebel entweder kabelgebunden oder über Funk.

Durch den Wegfall von Wartungsarbeiten sparst Du wertvolle Zeit, die Du von nun an auf dem Bike verbringen kannst!

Vorteile von E-Schaltungen gegenüber mechanischen Schaltgruppen

Der offensichtliche Vorteil elektronischer Schaltungen: Du musst Dich nicht mehr um Bowdenzügen kümmern. Vieles wird dadurch einfacher. Das betrifft Montage, Einstellung, Wartung und Verschleiß. Kabel oder Funkverbindungen müssen weder nachgestellt noch regelmäßig ausgetauscht werden. Einmal eingerichtet, liefern sie Dir konstante Schaltpräzision.

Zum Schalten drückst Du Knöpfe: Sie haben keine langen Hebelwege, erfordern keine großen Bedienkräfte und ihre Mechanik verschleißt nicht durch Schmutz. Motoren in Schaltwerk und Umwerfer übernehmen die Hauptarbeit - jedes Mal gleich schnell und stark. Optionale Erweiterungen erlauben Dir das Schalten auch von anderen Griffpositionen aus - etwa am Oberlenker oder Lenkeraufsatz Deines Rennrads.

Natürlich bieten elektronische Schaltsysteme auch Konnektivität. Sie können mit Deinem Trainingscomputer oder mit Apps auf Deinem Smartphone kommunizieren. Der Mehrwert reicht von einer vereinfachten Konfiguration der Tasten über Informationen in Echtzeit bis hin zu detaillierter Auswertung gesammelter Daten. Die verbundenen Endgeräte helfen Dir auch, den Ladezustand der Akkus im Blick zu haben und rechtzeitig ans Aufladen zu denken - denn ohne Energie bewegen sich die Stellmotoren in Schaltwerk und Umwerfer nicht.

Reine Funkschaltungen sind äußerst einfach zu montieren und erlauben ein besonders aufgeräumtes Bike. Dein Rahmen benötigt dafür keinerlei Kabelführungen. Du schraubst Schaltwerk und gegebenenfalls Umwerfer an den Rahmen, die Schalthebel an den Lenker und kannst die Funkverbindung aufbauen.

Ein Semi-Wireless-System arbeitet mit einer Funkverbindung zwischen Bremsschalthebeln und Schaltwerk sowie einer Kabelverbindung zwischen Schaltwerk, Umwerfer und dem zentralen Akku. Das Schaltwerk dient dabei als Gehirn der Gruppe. Es empfängt und verarbeitet die Schaltsignale und gibt sie via Kabel an den Umwerfer weiter.

Vereinfachte Schaltlogik mit oder ohne Umwerfer

Bei Gruppen mit mehreren Kettenblättern kann der elektronisch gesteuerte Umwerfer die Kettenlinie berücksichtigen - also die momentane Position der Kette auf der Kassette. Liegt Deine Kette zum Beispiel auf einem großen Ritzel, muss der Käfig nicht so weit bewegt werden, um vom großen aufs kleine Kettenblatt zu schalten, wie wenn sie weiter rechts auf einem kleinen Ritzel der Kassette liegen würde. Überschalten wird so effektiv vermieden.

Auch kannst Du (wenn Du möchtest) der intelligenten Elektronik die Entscheidung überlassen, wann das vordere Kettenblatt beim Schalten gewechselt wird. Du schaltest dann nur noch hoch oder runter, ohne darüber nachzudenken, ob Umwerfer oder Schaltwerk oder beide an der Reihe sind. Beim manuellen Wechsel des Kettenblattes kann das Schaltwerk automatisch ein paar Ritzel entgegenschalten, damit der Übersetzungssprung nicht so groß ausfällt.

Auch wenn Du sogenannte Einfach-Antriebe mit einem Kettenblatt fährst, profitierst Du von der verbesserten Schaltlogik der Elektronik, die ein Überschalten auf dem Ritzelpaket effektiv verhindert oder bei Bedarf in der Lage ist, mehrere Gänge zu überspringen.

Shimano Di2: Alle Gruppen für MTB, Rennrad & Gravel im Überblick

Shimanos elektronisches Schaltsystem ist länger am Markt als alle anderen und unter anderem bekannt für seine hohen Schaltgeschwindigkeiten. Die Abkürzung Di2 steht für „Digital Integrated Intelligence“. Waren die Di2-Gruppen zunächst semi-wireless, hat Shimano auch neue Schaltgruppen eingeführt, die komplett ohne Kabel auskommen.

Je nach Fahrradtyp stehen Dir folgende Gruppen zur Auswahl:

Radtyp Gruppe Schaltstufen Übertragung Mount-Type Erscheinung
MTB XTR Di2 M9200/XT Di2 M8200/Deore Di2 M6200 1 x 12 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025
E-MTB XTR Di2 M9200/XT Di2 M8200/Deore Di2 M6200 1 x 12 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025
Rennrad Dura Ace Di2 R9200/Ultegra Di2 R8100/105 Di2 R7100 2 x 12 semi-wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2021/2021/2022
Gravel GRX Di2 RX827/GRX Di2 RX825 1 x 12/2 x 12 wireless/semi-wireless Konventionell (Schaltauge, UDH) 2025/2024

Aufgepasst beim E-MTB: Die neuen Shimano E-MTB-Schaltwerke bieten Dir mit einem Shimano-EP8- oder -EP6-Motor ein optimal aufeinander abgestimmtes System. Dadurch kannst Du smarte Funktionen, wie etwa automatisches Schalten, nutzen.

Zusammen mit Shimanos 2025 vorgestelltem Q'AUTO-System bringt die CUES Di2 automatisches Schalten nun auch an nicht-motorisierte Urban- und Gravelbikes. Durch einen Dynamo in der Hinterradnabe wird das System mit dem notwendigen Strom versorgt - Du brauchst also nicht mal mehr einen Akku.

Shimano Di2: Ergonomie

Die Belegung der Schalter ist in der Standardkonfiguration an mechanische Schalthebel angelehnt: Du hast zwei Taster, einen zum Hoch- und einen zum Runterschalten. Beim Mountainbike sind die beiden Taster, wie gewöhnlich, unter dem Lenker montiert. Beim Rennrad befinden sich die beiden Schalter direkt hinter dem Bremshebel. Das gemeinsame Bewegen von Schalt- und Bremshebel entfällt - Kraft gespart!

Mit einer Zusatztaste am Brifter kannst Du außerdem durch das Menü Deines kompatiblen Bike-Computers scrollen. Über die E-Tube-Project-App kann jeder Knopf - eventuell nachgerüstete Zusatzschalter und die bereits vorhandenen - nach Deinen Wünschen konfiguriert werden.

Shimano bietet bei Di2 mit „Synchronized“, „Semi-Synchro“ und „Manuell“ drei verschiedene Schalt-Modi. Das bedeutet, dass Du nicht nur ein kabelfreies Cockpit wie bei den Semi-Wireless-Di2-Systemen hast, sondern komplett kabellos unterwegs bist. Der Akku sitzt hier im Schaltwerk.

Am Schaltwerk findest Du eine Status-LED für den Ladestand und den aktuellen Schaltmodus, den Einstellknopf für die Auswahl der Schaltmodi und beim Semi-Wirelss System den Ladeanschluss des Akkus. Über das Schaltwerk erfolgt auch die Kommunikation mit der E-Tube-Project-App und das Pairing mit externen Geräten, wie zum Beispiel einem Trainingscomputer.

Konfiguration und Individualisierung der Di2

Vorbei sind die Zeiten von mechanischen Nachstellarbeiten! Na ja, nicht ganz. Allerdings benötigt man für die Einstellung der neuen Di2 12-Fach Gruppen von Shimano nur noch sehr wenige mechanische Werkzeuge. Genau genommen reicht ein 3 mm Inbus. Der Großteil der Justierungen wird nämlich über die hauseigene “E-Tube” App vorgenommen, doch die Di2 Gruppen können noch viel mehr.

Mit der E-Tube App werden alle elektronischen Systeme von Shimano konfiguriert und eingestellt, bei denen das generell möglich ist. Dazu zählen die Di2 Schaltgruppen, aber auch die Steps-Motoren der E-Bikes und Leistungsmesser von Shimano.

Wenn du deine Di2 Gruppe mit der App verbunden hast, werden dir zuerst alle erkannten Komponenten angezeigt. Nachdem du dein System bestätigt hast, kommst du in die Hauptübersicht der App. Hier gibt es drei Übersichten:

  • Aktualisieren
  • Einstellungen
  • Wartung

Aktualisierung

Hier kannst du die neuesten Firmware Updates für die einzelnen Komponenten einsehen und natürlich auch übertragen.

Einstellungen

In diesem Menüpunkt kannst du die umfangreichen Individualisierungsmöglichkeiten des Di2 Systems komplett ausschöpfen. Im Untermenü “Schalten” hast du Zugriff auf die Funktionen vom Umwerfer und Schaltwerk. Unter “Taste” kannst du die Belegung der Schalthebel konfigurieren und im Menüpunkt “Drahtloseinstellungen” ist die Umbenennung deines Systems und die Anlegung des Passkeys möglich.

Schalten

Hier unterteilt Shimano die Konfigurierungen auf den Umwerfer und das Schaltwerk. Wir starten mit den Synchronized Shift Optionen am Umwerfer und folgen mit dem Multi-Shift-Modus am Schaltwerk und gehen als letztes noch auf die Drahtloseinstellungen ein.

Im Menüpunkt “Synchronized Shift” wird nochmal zwischen zwei Varianten unterschieden: Semi Synchronized Shift und Synchronized Shift.

Im Menüpunkt “Synchronized Shift” kannst du diesen Vorgang automatisieren und festlegen, wie viele Gänge das Schaltwerk kompensieren soll, wenn du den Umwerfer schaltest. Das nennt Shimano “Semi Synchronized Shift”.

Synchronized Shift automatisiert die Benutzung des Umwerfers komplett. Dadurch musst du nur noch das Schaltwerk hoch oder runter schalten. Der Umwerfer schaltet dann automatisch, wenn du einen höheren Gang benötigst. Du kannst in der App festlegen, ab welchem Ritzel der Umwerfer schalten soll und wie viele Gänge während des Schaltvorgangs vom Schaltwerk kompensiert werden sollen. Das kannst du sowohl für das Hoch-, sowie für das Herunterschalten individuell konfigurieren.

Mit der Mulit-Shift Einstellung legst du fest, ob du beim Gedrückthalten von einem der beiden Schaltknöpfe nur einen einzelnen Gang oder mehrere Gänge schaltest. Zusätzlich kannst du in diesem Menü auch die Schaltgeschwindigkeit während des Multi-Shift einstellen. Zur Auswahl stehen fünf Stufen von “sehr langsam” bis “sehr schnell”. Je nach Fahrweise und Vorlieben kannst du hier ausprobieren, welche Einstellung dir am besten gefällt.

Taste

Hier hast du freie Auswahl und kannst konfigurieren, was welcher Knopf an deinen Brems- Schalthebeln machen soll. Wo hoch- und wo runtergeschaltet wird, kannst du frei bestimmten und wenn du Synchronized Shift aktivierst oder nur eine 1-Fach Setup hast, kannst du die Knöpfe auch nach dem Prinzip einer Sram AXS Schaltung belegen, also beispielsweise den Schaltknopf am rechten Schalthebel zum Herunterschalten nutzen und den Schaltknopf am linken Schalthebel zum Hochschalten. Du hast die freie Wahl.

Wartung

Hier nimmst du die eigentliche Justierung von Umwerfer und Schaltwerk vor. Wir gehen in diesem Artikel nicht speziell darauf ein, wie du generell eine Schaltung einstellst, sondern erklären nur den Vorgang am Di2 System.

Shimano 105 Di2 im Test

Mit der Neuvorstellung der Rennradschaltungen Dura-Ace und Ultegra im Sommer 2021 befeuerte Shimano auch Spekulationen: Denn die beiden Top-Komponentengruppen des Marktführers, die das zukünftige Design und die Funktion des Rennrades prägen wie kaum ein anderes Produkt, schalten seither ausschließlich elektronisch mit der Energie eines Akkus.

Zumindest fürs Rennrad lässt sich diese Frage spätestens mit der neuen Shimano 105 Di2-Gruppe, die im Juli 2022 präsentiert wurde, wohl mit “Ja” beantworten. Denn auch die günstigere Gruppe des japanischen Komponentenriesen setzt beim Gangwechsel auf Schalter und Stellmotoren statt Hebel und Handkraft. Eine mechanische Variante auf gleicher Basis, wie es sie bei den vorangegangenen Generationen der elektronischen Di2-Gruppen noch gab, wird auch für die 105 nicht mehr angeboten.

So bietet die Shimano 105 Di2 die wichtigsten Schlüsseltechnologien der Profi-Gruppen: zwölf Ritzel am Hinterrad, elektrisches Schalten, Einstellung und weitere Funktionen per Smartphone-App und eine Signalübertragung via Funk.

Die Ergonomie ist deutlich verbessert, die Griffkörper bieten großen wie kleinen Händen eine komfortable Basis. Eine Neuerung im Innenleben sind die zwei Knopfzellen-Batterien, die in jedem Griffhöcker sitzen und den Funksender versorgen - Dura-Ace und Ultegra verfügen nur über eine Batterie pro Hebel.

Beim Wiegen der Komponenten wartet die nächste Überraschung: Der Unterschied zur Shimano Ultegra Di2 ist erstaunlich gering. Weniger als 200 Gramm liegen zwischen unseren Testgruppen, das ist weniger Abstand als bei bisherigen Generationen. Zum Vergleich: Die Dura-Ace ist gut 300 Gramm leichter als die Ultegra.

Allerdings verfügt die von der MTB-Gruppe Deore bekannte Kette, die Shimano der 105 beilegt, nicht über die sogenannte “Hyperglide+”-Technologie, die die Schaltvorgänge bei Dura-Ace und Ultegra noch einmal schneller und effizienter machen soll. Dass die Schaltvorgänge dadurch ein klein wenig lauter und langsamer ablaufen, kann man im direkten Vergleich wahrnehmen, wenn man darauf achtet; störend ist das allerdings nicht.

Auch bei den Bremsen der 105 fehlt eine Neuerung, die uns beim Test der Shimano Dura-Ace und der Ultegra überzeugt hatte: die Servo-Wave-Technologie, bei der sich mit zunehmender Handkraft die Bremskraft überproportional erhöht.

Es gibt mit 50/34 und 52/36 noch zwei Kurbeloptionen sowie zwei Kassetten mit den Abstufungen 11-34 und 11-36.

Ältere Laufräder mit Elffach-Freilauf können mit der neuen 105 weiterhin genutzt werden.

Shimano GRX RX827 Di2 für Gravel-Bikes

Shimano präsentiert mit dem GRX RX827 Di2 sein erstes vollständig drahtloses Schaltsystem für Gravel-Bikes. Die neue 1x12-Schaltgruppe erweitert das bestehende GRX-Sortiment um eine kabellose elektronische Option. Eine Version mit zwei Kettenblättern und Umwerfer wird parallel nicht angeboten. Laut Shimano vereint das System Technologien aus den Rennrad- und Mountainbike-Gruppen des Unternehmens.

Kernstück ist das neue RD-RX827 Schaltwerk, das auf dem XTR M9200 Mountainbike-Schaltwerk basiert. Es verfügt über ein kompaktes Design mit im Schaltwerk integriertem Akku, der sich zum Aufladen auch entnehmen lässt. Laut Shimano hält eine Akkuladung je nach Fahrbedingungen für 700 bis 1000 Kilometer. Bei Stößen oder Stürzen soll sich das Schaltwerk automatisch wieder in die Ausgangsposition zurückstellen. Die Stromversorgung des Schalthebels übernehmen die bekannten Knopfzellen.

Die Schaltgruppe ist mit allen 12-fach Di2-Komponenten von Shimano kompatibel, einschließlich der Schalthebel für Rennlenker. So können Fahrerinnen und Fahrer auch die drahtlosen Schalthebel der Rennradgruppen Dura-Ace, Ultegra oder 105 Di2 verwenden; die dann unbelegten linken Schaltknöpfe lassen sich individuell mit anderen Funktionen belegen, zum Beispiel der Bedienung des Radcomputers.

Die Ergonomie der Hebel wurde laut Shimano für Gravel-Bikes optimiert. Sie verfügen über eine griffige Oberfläche und sind für Lenker mit Flare-Bogen ausgelegt.

Alternativen zu Shimano Di2

Schwergängige Schaltungen waren gestern! Elektronische Schaltgruppen, die mit Hilfe von Drahtlos-Technik und hochpräzisen Stellmotoren blitzschnell die Übersetzung ändern, erobern rasant den Markt. Wir erklären wie sie funktionieren und geben eine Übersicht über die wichtigsten Hersteller und deren elektronische Schaltgruppen.

Die Erfindung der Seilzug-gesteuerten Schaltung war eine Revolution in der Fahrradtechnik. Und man muss sagen: Dieses Funktionsprinzip hat durch stetige Weiterentwicklung bis heute eine hohe Perfektion erreicht. Dennoch sind Bowdenzug-Systeme seit jeher anfällig gegen Verschmutzung und Verschleiß. Die Folge: Schwergängige und ungenaue Gangwechsel verbunden mit einem relativ hohen Wartungsaufwand.

Sram AXS

Der US-amerikanische Komponentenhersteller SRAM hat ganze 10 E-Gruppen für Rennräder und Mountainbikes im Programm. Zu erkennen sind die Komponenten am Namenszusatz AXS. Neuester Zuwachs sind die vier Transmission Gruppen, die grundsätzlich mit Strom schalten. Transmission ist die Bezeichnung der neu entwickelten Schaltwerke, die direkt am hinteren Ausfallende mit Hilfe der Steckachse montiert werden.

Die Übertragung der Schaltbefehle erfolgt bei SRAM stets kabellos. Die Montage einer SRAM Wireless-Schaltgruppe ist deshalb so einfach wie nie, denn es gibt auch keine Kabel, die zu einem separaten Akku führen. Denn dieser sitzt direkt am Schaltwerk, beziehungsweise am Umwerfer.

Auch bei der Bedienung und der Schaltlogik geht Sram seinen eigenen Weg. Beispiel Rennrad-Gruppen: An jedem Brems-/Schalthebel gibt es einen Schalthebel, die in Kombination wie die Lenkrad-Schaltwippen an einem Sportwagen funktionieren. Drücken links schaltet am Schaltwerk in einen leichteren Gang (Kette steigt). Drücken am rechten Hebel schaltet hinten in einen schwereren Gang (Kette fällt). Drückt man beide Taster gleichzeitig, schaltet der Umwerfer aufs große beziehungsweise aufs kleine Kettenblatt, je nachdem, wo die Kette gerade aufliegt.

Wie bei Shimano lassen sich optional erhältliche Zusatzschalter an Ober- oder Unterlenker montieren. Es handelt sich dabei um einfache Schaltknöpfe, so genannt Blibs.

Bei den Mountainbike-Gruppen sitzt ein kompakter Daumen-Schalter unterhalb des rechten Lenker-Griffs, so wie man es von herkömmlichen Daumen-Schalthebeln her kennt. Je nach Baureihe/Gruppe funktionieren sie wie kleine Wippschalter (AXS) oder über zwei separate Tasten zum hoch- und runterschalten (Transmission).

Wie bei modernen Systemen üblich lassen sich die elektronischen Sram Schaltgruppen über eine App feinjustieren und sogar auf die eigenen Bedürfnisse hin anpassen. Das geht so weit, dass man sogar die Schaltlogik ändern kann.

Campagnolo Wireless

Campagnolos Daumenschalter war ikonisch - und polarisierend. Mit dem Update der elektronischen, kabellosen Rennrad-Top-Gruppe Super Record ist er wieder zurück!

Radtyp Gruppe Schaltstufen Signalübertragung Mount-Type Erscheinung
Rennrad Super Record 13 2 x 13 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH oder Campagnolo Direct Mount) 2025
Rennrad Super Record Wireless 2 x 12 wireless Konventionell (Schaltauge, UDH oder Campagnolo Direct Mount) 2023

Bei der Super Record 13 wird mit dem Daumenschalter und einem Hebel hinter dem Bremshebel auf- und abgeschaltet. Zudem gibt es auf der Innenseite der Hoods je einen Zusatztaster, den Du ebenfalls mit einer Schaltfunktion belegen kannst oder Deinen über Bluetooth verbundenen Trainingscomputer steuern kannst.

Mit Hilfe der Smartphone-App MyCampy 3.0 kannst Du Daten auslesen, den Ladezustand sehen und die Schaltergonomie individuell anpassen. Du kannst verschiedene Schaltmodi mit alternativen Tastenbelegungen wählen und das System beispielsweise auch einhändig bedienen.

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