Shimano EP8 630Wh Reichweite im Test: Wie weit kommt man wirklich?

Die neue Light-Klasse hat massig Sex-Appeal. Leicht, schlank und leise - so unauffällig und elegant waren E-MTBs noch nie! Epische Trails mit Leichtigkeit erkunden: Das ist die Kernkompetenz leichter Trail-Bikes. Wenn die Tour etwas länger werden soll, brauchen Light-E-MTBs genügend Reichweite!

Im Rahmen unseres großen Vergleichstests der acht heißesten neuen Light-E-MTBs sind wir einem weiteren Schlüsselkriterium auf den Grund gegangen: der Reichweite. In einem ausgeklügelten Feldtest haben wir den E-Bikes und Antrieben unter exakt vergleichbaren Bedingungen auf den Zahn gefühlt und sie in puncto Kilometerleistung verglichen. Ebenfalls mit dabei: Ein klassisches E-MTB mit dickem 720er-Akku, das Canyon Spectral:On CFR. Verliert der schwerere Brummer durch sein Gewicht deutlich an Effizienz? Oder fährt er der Light-Konkurrenz um die Ohren?

Übrigens: Welche Stärken und Schwächen die E-Bike-Motoren haben, wieviel Power sie liefern und welcher Light-Antrieb für welchen Einsatz der Beste ist, haben wir in unserem ausführlichen Labor- und Praxistest erläutert.

Die E-Bike Motoren im Vergleich: der Reichweitentest

  • BH Bikes 2EXMag, 540 Wattstunden
  • Fazua Ride 60, 430 Wattstunden
  • Forestal F60-S1, 360 Wattstunden
  • Shimano EP8, 375 Wattstunden // 504 Wattstunden // 720 Wattstunden
  • TQ HPR 50, 360 Wattstunden

Reichweite am Light E-Bike: Wie wichtig ist das?

Wieviel Wert man auf die Ausdauer eines Light-E-MTBs legt, muss jeder anhand seines persönlichen Einsatzprofils entscheiden. Wer den Motor nur als leichten Rückenwind bei minimaler Power nutzt und auf Tour auch mal weite Strecken ohne E-Schub pedaliert, für den ist das Kriterium unter Umständen kaum relevant. Wer allerdings einen Ersatz für ein klassisches E-MTB sucht, dem Light E-Bike auch gerne volle Leistung abverlangt, um fiese Uphills zu meistern und lange Touren abzureißen, der wird mit den Mini-Antrieben schnell an die Reichweitengrenze kommen. Und für den können die Unterschiede der Antriebe in Sachen Ausdauer absolut kaufentscheidend sein. Denn, soviel sei schonmal verraten: Unser Test hat gravierende Unterschiede in Effizienz und Reichweite hervorgebracht.

Viele Bikes haben die Batterie fest verbaut. Dann ist eine ausreichende Reichweite besonders wichtig! Bei Bikes mit fest eingebauten Akkus helfen Range Extender, die Reichweite zu erhöhen. Von BH-Bikes (links, 180 Wh, 984 Gramm) und TQ (rechts, 160 Wh, 1053 Gramm) gibt es Zusatz-Akkus, die in den Flaschenhalter passen. Fazua und Forestal haben ähnliche Lösungen für 2023 angekündigt.

Der Reichweiten-Check: So haben wir die E-Bike Motoren getestet

Um die Reichweite der Light E-Bikes fair und realistisch miteinander zu vergleichen, haben wir einen aufwändigen Feldtest mit Wattmesstechnik von Garmin durchgeführt. Für perfekte Vergleichbarkeit haben wir dazu alle Motoren über die U-Stufen und die App-Feineinstellungen auf eine einheitliche Leistung von rund 250 Watt angeglichen. Das ist knapp die Hälfte der Power eines klassischen E-MTB-Motors à la Bosch oder Shimano. Heißt: Jeder Motor muss dasselbe leisten, jedes Bike fährt in annähernd gleicher Geschwindigkeit bergauf. Während dieser Motor-Output für einen Shimano EP8 gerade einmal “Halblast” bedeutet, fuhren die schwächeren Motoren von TQ und BH Bikes schon im oberen Bereich ihrer maximalen Leistungsfähigkeit.

Die Fahrerleistung haben wir konstant bei 175 Watt (Trittfrequenz 80 bis 85 U/min) gehalten und mit hochwertiger Messtechnik von Garmin überwacht und aufgezeichnet. Das Fahrergewicht lag bei 90 Kilo inklusive Ausrüstung. In diesem Modus haben wir einen konstanten Anstieg ohne Flachstücke so oft wiederholt, bis der Akku komplett entleert war. Die Daten des Berges: Gut 300 Höhenmeter auf 3,6 Kilometer. Das ergibt eine durchschnittliche Steigung von 8,4 Prozent. Für einen Anstieg à 300 Höhenmeter benötigten wir mit diesen Parametern rund 16 Minuten und 30 Sekunden. Die Abfahrten wurden mit ausgeschaltetem Motor absolviert.

Die Ergebnisse: Light Motoren im Reichweitentest

Die erste Erkenntnis ist wenig überraschend: Je größer der Akku, desto mehr Reichweite liefern die E-Bikes. Das klingt wenig spektakulär. Deutlich interessanter ist, dass wir zwischen E-MTBs mit vergleichbarer Akku-Größe erstaunliche Reichweitenunterschiede ermittelt haben. Ein Blick auf die Klasse um 360 Wattstunden macht das besonders deutlich. Forestal mit 360 Wattstunden, der TQ HPR 50 in Trek und Simplon mit 360 Wattstunden und der Shimano EP8 im Rotwild R.X 375 mit 375 Wattstunden.

Das Rotwild mit Shimano-Antrieb erkletterte in unserem Test 1285 Höhenmeter, und damit deutlich mehr als die Antriebe von TQ und Forestal. Die Bikes mit TQ HPR 50 kamen nur auf rund 900 Höhenmeter (Simplon 893 und Trek 925) und erkurbelten dann nochmal 133 bzw. 148 Höhenmeter bei deutlich reduzierter Leistung auf den letzten zehn Prozent Akku. Mit 1007 Höhenmetern plus 79 bei reduziertem Schub kommt das Forestal Cyon mit dem F60-S1 etwas weiter. Besonderheit dabei: Bis null Prozent Akku schiebt der Motor voll an, danach liefert er nochmal reduzierte Kraft für einige Minuten, in unserem Test ergab das nochmal 79 Höhenmeter. Wichtig für die Interpretation dieser Ergebnisse: Die Höhenmeter im reduzierten Notlauf-Modus werden zum Großteil vom Fahrer erstrampelt, nicht vom Motor!

Mit 430 Wattstunden haben die Fazua-Bikes den nächstgrößeren Akku an Bord. Haibike und Focus erzielten in unserem Test 1423 bzw. 1359 Höhenmeter. Das ist deutlich mehr als die TQ-Konkurrenz. Das Höhenmeter-Plus von rund 40 Prozent ist dabei erheblich größer, als man es durch den nur knapp 20 Prozent größeren Akku erwarten würde. Die Fazua-Bikes schieben übrigens bis zum letzten Akku-Prozent mit der vollen Power von rund 250 Watt, die wir für unseren Test angelegt haben.

Das BH Bikes iLynx Trail kommt mit dem größten Akku mit 540 Wh insgesamt am weitesten, der Antrieb schaltet aber früh in einen Notlauf-Modus mit minimaler Unterstützung. 1338 Höhenmeter plus 285 bei reduziertem Schub lassen nicht auf die allerbeste Effizienz schließen. Das Storck e.drenalin mit Shimano EP8 und 504 Wattstunden erklettert 1583 Höhenmeter bei vollem Motorschub, was die gute Effizeinz des Shimano EP8 unterstreicht.

Zum Vergleich haben wir ein klassisches E-MTB mit 720er-Akku in unserem Test mitlaufen lassen. Das Canyon Spectral:On CFR wiegt 22,3 Kilo und ist damit rund zwei bis vier Kilo schwerer als die Light-Kandidaten. Die Motorunterstützung des Shimano EP8 haben wir dabei auf das identische Leistungs- bzw. Geschwindigkeits-Level eingepegelt, mit dem wir auch die Light-Bikes gefahren sind. Wenig verwunderlich: Mit dem deutlich größeren Akku erklettert das Canyon bei identischen Bedingungen und gleicher Fahrweise mit Abstand am meisten Höhenmeter. Nämlich satte 2096 Höhenmeter. Der Vergleich zeigt deutlich, dass Höhenmetersammler bei sparsamer Fahrweise aus einem klassischen E-MTB deutlich mehr Reichweite herausholen können als aus den besten Light-Bikes. Das ist zwar eigentlich logisch, doch das Marketing der Hersteller erweckt teils einen anderen Eindruck.

Die Ergebnisse im Überblick

Hier eine Übersicht der im Test ermittelten Reichweiten:

Antrieb Akku Höhenmeter Zusätzliche Höhenmeter (gedrosselt)
BH Bikes 2EXMag 540 Wh 1338 285
Fazua Ride 60 (Haibike) 430 Wh 1423 -
Fazua Ride 60 (Focus) 430 Wh 1359 -
Forestal F60-S1 360 Wh 1007 79
Shimano EP8 (Rotwild) 375 Wh 1285 -
Shimano EP8 (Storck) 504 Wh 1583 -
Shimano EP8 (Canyon) 720 Wh 2096 -
TQ HPR 50 (Simplon) 360 Wh 893 133
TQ HPR 50 (Trek) 360 Wh 925 148

Was bedeuten unsere Ergebnisse für Euch als E-Biker?

Leider könnt ihr Eure Tourenplanung nicht anhand unserer Ergebnisse durchführen! Die Werte, die wir ermittelt haben, zeigen nicht, wie weit Ihr auf Eurer Hausrunde mit Motor X oder Akku Y kommt. Denn hierbei spielen zu viele individuelle Parameter eine Rolle. Fahrergewicht, Unterstützungsstufe, Streckenprofil, Untergrund, Temperatur und vieles mehr. Warum ist unser Test dennoch aussagekräftig? Weil wir die Systeme fair und objektiv miteinander verglichen haben. Das heißt: Das Bike, das in unserem Testprozedere am weitesten kommt, ermöglicht auch Euch die größte Reichweite, längste Tour oder die meisten Trail-Loops. Antriebe, die hier am hinteren Ende landen, werden auch auf Euren Touren schneller zu Akku-Problemen führen.

Die gefühlte Reichweite eines E-Bike Motors

Unsere Werte spiegeln ein fair vergleichbares Bild der Antriebe wider. Sie lassen direkte Rückschlüsse auf die Effizienz und die technologische Entwicklung zu. Die “gefühlte Reichweite” kann in der Praxis aber ganz anders ausfallen. Das liegt vor allem an den deutlichen Unterschieden in der Maximalleistung, die die E-Bike-Motoren der Light-Klasse haben. Ein starker Motor, wie ein Shimano EP8 oder Forestal F60-S1, verleitet in der Praxis dazu, den Turbo einzulegen. Doch die Power-Modi der starken Aggregate sind natürlich entsprechend stromhungrig. Wer die Motoren nicht sparsam einsetzt, wie es die Entwickler vorsehen, kann in der Praxis zu ernüchternden Ergebnissen kommen. Besonders eklatant ist das beim Forestal-Antrieb, dessen “Nitro-Mode” extrem Drehmomentstark, aber auch super stromhungrig ist. Auch der leistungsstärkste Motor, der Shimano EP8, zieht bei vollem Boost-Modus sehr viel Strom. Für die meisten Anwendungsfälle ist das zu viel für den kleinen 375er-Akku im Rotwild. In diesen Fällen kann bei “falscher” Anwendung der Akku in deutlich unter einer Stunde Fahrzeit sich verausgaben.

Im Gegenzug können eher schwächere Antriebe, wie ein BH 2EXMag oder ein SL 1.1 von Specialized, sehr sparsam und reichweitenstark wahrgenommen werden. Denn: Selbst wer hier auf maximale Power stellt, bekommt verhältnismäßig wenig Motorschub. Beide liefern nur rund die Hälfte der Maximalleistung eines Shimano EP8. Der Akku hält dadurch selbst bei höchster U-Stufe relativ lange. In der Praxis bedeutet das: Wer mit seinem Light-Bike lange Touren fahren möchte, muss mit Akku- und Motor-Power sorgsam umgehen, und sich mit den Parametern beschäftigen. Am besten funktioniert das, wenn man die Unterstützungsstufen via App auf ein gemäßigtes Niveau drosselt.

Der Karwendelrunde Reichweitentest Shimano EP8

Die Karwendelrunde muss wieder herhalten für den ultimativen Reichweitentest Shimano EP8. Das Gefährt meiner Wahl ist ein Ducati TK 01 RR. Dieses Alu-eBike, das in die Kategorie Allmountain/Enduro eMTB fällt, vergleiche ich mit dem Ghost ASX 6.7 mit einem Bosch Performance Line CX Antrieb mit 625 Wh und dem Lapierre eZesty mit Fazua-Antrieb als Leicht-eMTB mit 2x 250Wh. Dieser Test wird auf der gleichen Strecke, der Karwendelrunde, gefahren. Alle drei Tests bin ich, euer Autor Patrick, gefahren. Mein Körpergewicht war ungefähr das gleiche mit ca. 77 kg. Die Ausstattung war auch ähnlich. Aber ich bin kein zertifiziertes Testinstitut. Und auch mein Fahrstil mag variiert haben. Die Karwendelrunde ist immer eine besondere Herausforderung. Vor allem deswegen, weil sie knapp 1.800 Höhenmeter auf ca. 67 km mitbringt.

Für den Reichweitentest Shimano EP8 lag meine grundsätzlich Strategie sehr schnell fest: das Systemgewicht fast genauso wie beim Ghost, die Nennleistung mit 85 Nm wie beim Ghost und 630 Wh Akku fast wie beim Ghost. Also wollte ich auch mit dem Eco-Modus den größten Teil der Ansteige schaffen.

Für die Berge empfehle ich den Eco-Modus auf 42 Nm einzustellen, den mittleren Trail-Modus auf 63 Nm und den Boost-Modus auf 85 Nm mit sofortigem Ansprechen zu fixieren. Das ist also etwas mehr auf allen drei Stufen, aber wir sind ja schließlich auch in den Bergen.

Bei schönstem Spätsommer-Wetter geht es in Mittenwald an den Start. Mein Ducati TK 01 RR wartet mit vollem Akku auf die Herausforderung. Wir rollen ein bis Scharnitz. Zum Karwendeltal geht es jetzt scharf links über die noch sehr kleine Isar, die im nächsten Tal ihren Ursprung hat. Der erste Anstieg hat es sofort in sich. Zu allem Überdruss habe ich auch noch ein kleines Zeitproblem im Gepäck. Am Vormittag habe ich einen Geschäftstermin gehabt und es ist schon 14:30 beim Start. Mit einem Bio-Bike wäre die Tour jetzt schon zu Ende. Mit viel Boost geht es den ersten Anstieg hoch ins Karwendeltal. Im Tal selbst versuche ich die Leistung deutlich zu reduzieren und möglichst wenig Unterstützung abzurufen. Nach 20 km Strecke geht es dann gut 500 Höhenmeter am Stück nach oben. Oben kann man sehr gut eine Pause einlegen, etwas essen oder auch die Akkus aufladen. Dafür habe ich heute keine Zeit - und ich will auch nur mit einer Akkuladung die gesamte Strecke schaffen. 630 Wh im Akku müssen ausreichen.

Am höchsten Punkt, dem Hochalmsattel auf gut 1.800 Meter über Null, zeigt mir der Akku noch 3 Balken an. Nicht viel, aber jetzt geht es erst mal wieder runter. Im Eiltempo jage ich in Richtung Kleiner Ahornboden. Und jetzt kann auf der groben Strecke das wunderschöne Ducati eEnduro auch endlich seine Stärken ausspielen. Die Pirelli Reifen sind hart im nehmen. Die Federung von Öhlins in der Gabel und im Dämpfer überzeugt voll. Wo ich mit RockShox (Ghost, Simplon) oder Fox (Lapierre) immer wieder an meine Grenzen gekommen bin, habe ich beim Öhlins Federwerk immer ausreichend Reserven. Kleine Sprünge oder fiese Löcher sind auch bei höheren Geschwindigkeiten keine Schwierigkeit. Im kleinen Ahornboden mache ich eine kleine Pause. Die Hälfte der Strecke ist geschafft, und mehr als die Hälfte der Höhenmeter liegen auch schon hinter mir. Der Akku zeigt mir immer noch drei Balken und ich bin zufrieden.

Nach Hinterriß folgt der zweite große Anstieg. Der Akku verliert recht schnell einen Balken, obwohl ich vorwiegend im Eco-Mode unterwegs bin. Dann geht es durch den Fermersbach und mit nassen Füßen den letzten Anstieg hoch. Und kurz nach der Bachdurchquerung schlägt die letzte Stunde, nein: der letzte Balken. Und hier zeigt der Shimano EP8, dass er mit dem letzten Balken eben auch nur den Eco-Modus als Unterstützung anbietet. Ich finde diese Bevormundung zwar etwas vorlaut, aber irgendwie auch gut passend. Mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit geht es dann die letzten Höhenmeter hoch. Der letzte Trail ist nochmal eine echte Herausforderung an die Technik. Aber nicht die Technik des Ducati eEnduro, sondern meine Technik. Unten angekommen fahre ich dann die letzten 5 Kilometer komplett ohne Unterstützung bis nach Mittenwald. Ich drehe die letzte Runde vor dem Biker Bahnhof und lasse mich auf der Terrasse in einen Café-Sessel plumpsen.

Jetzt sehe ich mir die Zeiten an und staune: mit 3 Stunden und 43 Minuten bin ich trotz der letzten „langsamen“ Bio-Meter 2 Minuten schneller als mit dem Ghost-Akku, der die komplette Runde gehalten hat. Der Grund liegt in der stärkeren Unterstützung, die ich mir mit dem Shimano bergauf gegönnt habe.

Für mehr Informationen während der Fahrt sorgt das Smartphone, das mit der E-TUBE RIDE-App zum Navi und Bike-Display wird; eine zusätzliche Smartphone-Halterung ist jedoch nötig. Wünschenswert wäre hier eine ins Ökosystem integrierte Halterung, damit man wie bei dem Bosch SmartphoneHub die E-TUBE RIDE-App per Remote steuern kann.

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