Shimano EP8 RS: Der spezielle E-Bike-Motor im Detail

Das Orbea Rise ist eines der erfolgreichsten Light-E-MTBs auf dem Markt und setzt auf ein besonderes Konzept: Es wird von einem modifizierten Shimano EP8 angetrieben, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. In diesem Artikel werden wir den EP8 RS genauer unter die Lupe nehmen und seine Eigenschaften, Leistung und Besonderheiten beleuchten.

Der EP8 RS im Vergleich

Der Orbea EP8 RS ist hardwareseitig identisch mit dem klassischen Shimano EP8, hat aber gewichtstechnisch einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz, die auf Light-Antriebe spezialisiert ist. Mindestens 600 Gramm muss man für das Aggregat draufzahlen. Dafür ist der Motor mit exklusiver Orbea-Software verhältnismäßig kräftig und robust.

Mit ordentlicher Leistung, kräftigem Drehmoment und großem Akku kann der EP8 RS fast mit klassischen E-MTB-Motoren mithalten. Das Systemgewicht ist allerdings entsprechend hoch und liegt deutlich über dem der anderen Light-Kandidaten im Vergleichstest. Umso erstaunlicher ist, wie leicht die Bikes von Orbea ausfallen: ab 16,2 Kilogramm!

Technische Daten des Orbea EP8 RS (Shimano)

Merkmal Wert
Gewicht Motor 2,65 kg
Gewicht Akku 2,78 kg (540 Wh)
Akku-Optionen 360 Wh, 540 Wh; optionaler Range Extender: 250 Wh (1,5 kg)
Fahrstufen Eco, Trail, Turbo
Connectivity Bluetooth, ANT, Garmin-App

Das Akku-Konzept des EP8 RS

Aktuell hat Orbea drei E-Mountainbikes mit EP8 RS im Portfolio, die alle auf einen fest verbauten Akku im Unterrohr setzen. Dieser kann durch einen Range Extender im Trinkflaschenformat erweitert werden. Das Top-Fully Rise M mit Carbonrahmen ist auf Gewicht getrimmt und hat einen 360-Wattstunden-Akku. Das günstigere Alu-Modell Rise H kommt mit einem größeren 540er-Akku und damit beachtlicher Reichweite. Alle Bikes sind mit dem externen Zusatz-Akku um 250 Wattstunden erweiterbar. Die internen Akkus lassen sich zum Laden oder Wechseln auf Tour nicht herausnehmen.

Der schlanke Zusatz-Akku liefert 250 Wattstunden und passt in den Flaschenhalter. Gewicht: 1,5 Kilo.

Fahrgefühl und Kraftentfaltung

Der EP8 RS ruft seine volle Leistung im Grund-Setup des Turbo-Modus schon bei geringem Fahrer-Input ab, wodurch er sich in der Praxis kräftiger anfühlt, als die Laborwerte vermuten lassen. Im Vergleich der Leicht-Klasse ist die Kraftentfaltung schon bei niedriger Trittfrequenz gut, was technische Anstiege erleichtert. Im Turbo-Modus fehlt dem EP8 RS jedoch die Spritzigkeit bei sehr hohen Kadenzen, was sich beim sportlichen Beschleunigen negativ bemerkbar macht. Im Trail-Modus wird das Fahrgefühl harmonischer. Über die E-Tube-App kann man auch den Turbo-Modus dynamischer einstellen und so die Motor-Power besser an den Fahrer-Input koppeln.

Das Orbea Rise M mit Carbonrahmen, 360er-Akku und leichten Anbauteilen wog im Test 17,96 Kilo.

Der EP8 RS im Labortest

Die Labormessungen bescheinigen dem Orbea EP8 RS eine maximale Leistung von 339 Watt und ein Drehmoment von 56 Newtonmetern. Im Light-Vergleich steht der Motor damit gut im Saft. In der Praxis fühlt sich der Antrieb sogar noch etwas kräftiger an. Seine volle Leistung ruft der EP8 RS schon bei geringen Trittfrequenzen ab und hält sie über ein großes Drehzahlband konstant. Bei sehr hohen Kadenzen über 100 bricht die Leistung allerdings ein.

Leistung & Drehmoment - Motorkennlinien des Orbea EP8 RS (Shimano): Der EP8 RS hält seine Leistung über ein breites Drehzahlband, nur bei sehr hoher Trittfrequenz geht ihm spürbar die Puste aus.

Der Orbea Motor im Dauerlast-Betrieb

Der EP8 RS ist prädestiniert für steile Anstiege, schwere Fahrer und lange Touren, da er hardwareseitig auf deutlich höhere Belastungen ausgelegt ist. Auch Dauer-Turbo-Fahrer werden mit diesem Motor keine Probleme bekommen. Mit 540 Wattstunden bietet Orbea den größten Akku im Light-Segment. Bei standardisierten Messfahrten schob der EP8 RS im Turbo-Modus 1386 Höhenmeter den Berg hinauf und lieferte 63 Minuten Turbo-Schub.

Das Orbea Rise H ist mit seinem 540-Wattstunden-Akku der Dauerläufer unter den Light-E-MTBs. Gewicht mit Alu-Rahmen: Knapp über 20 Kilo.

Geräuschentwicklung

Der Motor-Sound des EP8 RS ist leiser als der des klassischen EP8 und wird von den meisten Testern als wenig unangenehm beschrieben. Im Vergleich der Light-Motoren landet der EP8 RS im Mittelfeld. Allerdings konnte auch Orbea das Getriebeklappern, das alle EP8-Motoren haben, nicht austreiben. Trail-Abfahrten werden von einem permanenten Klackern begleitet.

Bedienelemente

Die Bedienelemente des Orbea-Antriebs stammen komplett aus Shimanos Steps-Linie. Wahlweise gibt es die Bikes mit Display oder minimalistischer Drahtloseinheit. Die minimalistische Drahtloseinheit liefert nicht mal eine Balkenanzeige für den Akku-Stand. Der Steps-Bedienhebel ist schlicht und top-funktional. Die Shimano-Displays sind übersichtlich und bei Stürzen gut geschützt. Hier vermisst man lediglich eine prozentgenaue Akku-Anzeige.

Bedienelemente und Apps des EP8 RS

Shimanos E-Tube-App ermöglicht die individuelle Justierung der Fahrmodi. Es können zwei Profile bzw. Pre-Sets eingestellt werden, die dann direkt am Display auch ohne App aktiviert werden können. System-Updates und die Analyse von Fehlern sind ebenfalls über die E-Tube-App möglich. Eine weitere Möglichkeit, Daten vom RS-Antrieb anzeigen zu lassen, ist die Garmin-App “Orbea RS Toolbox”.

Alternativen und Nachfolger

Auf der Eurobike hatte Shimano mit dem EP801 einen Nachfolger des EP8 vorgestellt. Noch ist dieser Antrieb allerdings nicht auf dem Markt, und es ist unklar, inwieweit sich der Motor und seine Charakteristik verändert. So oder so: Es ist davon auszugehen, dass auch Orbea seinen EP8 RS auf die neue 801-Technologie aufrüstet.

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