Das Orbea Rise stellt die Frage, ob es sich um ein E-Mountainbike oder ein Mountainbike handelt, in Zukunft nicht mehr. Es vereint exzellentes Handling mit einer starken Motorintegration und einem modularen Akkukonzept. Damit muss es sich im Downhill nicht vor der Konkurrenz ohne Motor verstecken und zieht im Uphill alle mit einem dicken Grinsen ab!
Es braucht deutlich mehr, als in ein erfolgreiches Mountainbike einen Motor zu stecken. Auch wenn sich das Orbea Rise nicht nur optisch, sondern auch technisch an seinem analogen Bruder Occam orientiert, ist jede Menge Entwicklungsarbeit in das komplett neue (E-)Mountainbike geflossen.
Shimano EP8 RS Motor: Das Herzstück des Orbea Rise
Herzstück des Rise ist der Shimano EP8 RS-Motor, der von Orbea für ein natürlicheres Fahrgefühl neu abgestimmt und auf 60 Nm maximales Drehmoment begrenzt wurde. Seine Energie zieht er aus einem 360-Wh-Akku, der im Inneren des Unterrohrs fest verbaut sitzt. Für besonders lange Touren wird er von einem optional erhältlichen 252-Wh-Range Extender (Aufpreis) unterstützt, der trotz seines Gewichts von 1,5 kg sicher im Flaschenhalter untergebracht werden kann.
Display und Remote des Shimano-Motors sind kompakt und modular. Zusätzlich lassen sich die Unterstützungsstufen und -charakteristika via App individualisieren.
Konfiguration und Ausstattung
Nicht nur der Look, sondern auch die Ausstattung des Orbea Rise lässt sich in kleinem Umfang im MyO-Konfigurator anpassen. Das FOX Factory-Fahrwerk unseres Test-Bikes besteht aus einer FOX 36 mit GRIP2-Dämpfung mit 150 mm und einem DPX2-Dämpfer, der 140 mm Federweg am Heck generiert.
Statt der XTR FREEZA-Scheiben verbaut Orbea GALFER-Scheiben mit 200 mm und 180 mm, die von Shimano XTR-Vierkolbenbremsen gestoppt werden. So kommt das Rise mit einem 29” Race Face Turbine R30 Alu-Laufradsatz, auf dem MAXXIS Minion-Reifen in der pannenanfälligen EXO-Karkasse aufgezogen sind. Auch das steife Cockpit mit 780 mm breitem Carbon-Lenker kommt von Race Face. Am Lenker setzt Orbea auf den ergonomischen I-SPEC Standard von Shimano und kombiniert die Shimano Dropper-Remote mit einer FOX Transfer-Sattelstütze.
Die Shimano XTR-Schaltung verwaltet ihre 12 Gänge trotz extra Belastung durch den Elektromotor problemlos, präzise und schnell.
Optionen im MyO-Konfigurator
Im MyO-Konfigurator könnt ihr zwischen einer FOX 36 Factory GRIP2 mit 150 mm Federweg oder einer FOX 34 Factory mit FIT4-Dämpfung und 140 mm Federweg wählen.
Fahrgefühl und Handling
Nicht nur die Silhouette, auch das Fahrwerk und die Geometrie des in vier Größen erhältlichen Orbea Rise ist an das analoge Orbea Occam angelehnt. Durch den Motor wachsen die Kettenstreben jedoch auf 445 mm an. Den langen Hinterbau kombiniert Orbea mit einem geräumigen Front-Center.
Der Sitzwinkel des Rise ist relativ steil, sodass es seinen Fahrer zentral über dem Bike positioniert. Für lange Touren in der Ebene lastet deshalb etwas viel Druck auf den Händen. Wird es steiler, ist das Rise hingegen in seinem Element. Der EP8-RS-Motor lässt sich in allen Unterstützungsstufen intuitiv über den Druck am Pedal und die Trittfrequenz kontrollieren: Das vermittelt in Kombination mit dem leisen Motor ein sehr natürliches Fahrgefühl.
Während eure Kumpels mit analogen Bikes fluchend auf der Forststraße strampeln, erklimmt ihr mit dem Rise den Gipfel mit maximalem Fahrspaß auf dem Singletrail. Im Drift in eine Kurve, im Powerwheelie aus ihr raus? Mit dem Rise kein Problem: und zwar bergauf!
Neigt sich der Singletrail Richtung Tal, merkt man dem Orbea Rise nicht an, dass ein Motor und Akku in ihm stecken. Mit einer Einschränkung: Denn rein akustisch kämpft auch das Rise mit einem für den Shimano-Motor typischen Problem. Bereits bei kleinen Schlägen klappert es metallisch aus dem Inneren des sonst so leisen Motors … schade!
Ähnlich wie das Canyon Spectral - ganz ohne Motor - hat auch das Orbea Rise einen unbändigen Hunger nach Geschwindigkeit auf dem Trail, wird seinem Appetit aber auch mit hoher Laufruhe gerecht. Das Orbea liegt super satt auf dem Trail und beschleunigt trotz der Masse von 18,46 kg durch aktives Pushen willig. Nicht unbeteiligt daran ist unter anderem das straffe Fahrwerk, durch das sich das Rise, ebenso wie das Levo SL, problemlos an jeder Kante in die Luft ziehen lässt.
Dem Fahrwerk des Orbea Rise gelingt es aber dennoch, auch auf feuchten Wurzeln Traktion zu generieren und gleichzeitig bei harten Einschlägen gelassen zu bleiben.
Denn das Rise fordert vor allem in offenen Kurven einen aktiven Fahrstil, bei dem die Front belastet wird.
Das Orbea Rise H10 im Detail
Der Rahmen des Orbea Rise H 10 sieht dem Carbonrahmen des in 2020 vorgestellten Rise zum Verwechseln ähnlich und unterscheidet sich von diesem nur in Nuancen. Auch hinsichtlich der Geometrie sind beide identisch und sollten dadurch ein ähnliches Fahrverhalten aufweisen.
Der Shimano EP8-RS Antrieb findet sich sauber integriert im Rahmen wieder, wobei die blaue RS-Plakette beim Betrachten heraussticht. Sonst unterscheidet sich der Antrieb nicht vom Standard-Motor, wohl aber die Software, die den Motor künstlich auf 60 Newtonmeter begrenzt.
Das Rise H 10 bringt eine Batterie mit 540 Wh mit, die fest eingebaut ist und im Unterrohr des E-Mountainbikes integriert wird. Wer mehr Kapazität möchte, kann sich einen Range Extender mitbestellen, der weitere 252 Wh ins System einbringt. Für unseren Test reichte aber die Standardbatterie gut aus.
Ein Display sucht man beim Orbea Rise H 10 vergebens, stattdessen verbauen die Basken das Shimano EW-EN100 Junction, welches als Schnittstelle zwischen Smartphone, Garmin und Antriebssystem dient und per LEDs den aktuellen Status signalisiert. Ein Upgrade ist im Konfigurator aber möglich.
Die Unterstützungsstufen wechselt man mittels der bekannten, kompakten Shimano-Schalter am linken Lenkergriff, das Ein- und Ausschalten des Systems übernimmt ein Druckschalter, der über dem Antrieb im Rahmen sitzt und blau leuchtet, wenn das Antriebssystem eingeschaltet ist.
Am Sattelrohr links findet sich die Ladebuchse, die von einem abgedichteten Klappdeckel mit Feder bei Nichtbenutzung verschlossen wird.
In Sachen Federung ist beim 2022er-Modell eine Fox 34 Float Gabel und der Fox Float DPS Dämpfer verbaut, beide in der Factory-Version und jeweils mit 140 mm Federweg. Auch bei Schaltung und Bremsen geizt Orbea beim Rise H 10 nicht und verbaut eine 12-fach-Schaltung und Vierkolbenbremse aus der XT-Serie, leider steht hinten aber maximal nur eine 180er-Scheibe von Galfer zur Auswahl, vorne wenigstens eine desselben Herstellers mit 203 mm Durchmesser.
Auf den Race Face Turbine-Laufrädern sind Reifen von Maxxis aufgezogen, vorne der Dissector und hinten der Rekon, beide 2,4″ Zoll breit, hinten aber wenigstens mit stabilerer EXO+ Karkasse. Die hauseigene Variostütze lässt den Fizik Taiga S Sattel auf die gewünschte Höhe bewegen.
Technische Daten: Orbea EP8 RS (Shimano)
- Gewicht Motor: 2,65 kg
- Gewicht Akku: 2,78 kg (540 Wh)
- Akku-Optionen: 360 Wh, 540 Wh; optionaler Range Extender: 250 Wh (1,5 kg)
- Fahrstufen: Eco, Trail, Turbo
- Dichtigkeit: k. A.
- Connectivity: Bluetooth, ANT, Garmin-App
Das Akku-Konzept des EP8 RS
Aktuell hat Orbea drei E-Mountainbikes mit EP8 RS im Portfolio. Alle setzen dabei auf einen fest verbauten Akku im Unterrohr, der durch einen Range Extender im Trinkflaschenformat aufgestockt werden kann. Das Top-Fully Rise M mit Carbonrahmen ist auf Gewicht getrimmt, drum sitzt hier ein 360-Wattstunden-Akku drin. Das günstigere Alu-Modell Rise H kommt mit größerem 540er-Akku und damit beachtlicher Reichweite.
In der Praxis
Von außen wirkt das Orbea Rise H 10 vielleicht durch die Rahmengestaltung etwas gedrungen und kurz. Das relativiert sich aber, wenn man aufsitzt. Wir hatten Rahmengröße L und für den Fahrer mit 1,78 m hat es gut gepasst, der Reach wirkte gut ausbalanciert und die Sitzposition war angenehm. Komfortabel genug, um auch längere Strecken auf Forststraßen und in der Ebene unterwegs zu sein.
Auf dem Trail zeigt sich das Rise H 10 dann sehr agil und auch verblockte Uphills mit engen Kurven konnten gut bewältigt werden. Das liegt wohl an der kurzen Kettenstrebe von 445 mm, die im Zusammenspiel mit dem recht steilen Sitzwinkel für eine gute Positionierung des Fahrers am Berg gesorgt hat. Die Unterstützung des Shimano EP8-RS wurde dabei als ausreichend gut empfunden. Man merkt zwar, dass die Leistung reduziert wurde, allerdings lässt einen der Antrieb nicht völlig im Stich.
Für die Strapazen entschädigt hat uns das Orbea Rise H 10 dann mit seiner Performance im Downhill. Hier zeigt es sich agil und spritzig, hat dank des straff abgestimmten Fahrwerks in Anliegern und Passagen mit hoher Compression guten Gegenhalt erzeugt und den Rider so auch mal richtig attackieren lassen.
Auf der Jumpline zieht das Orbea Rise H 10 auch alle Register und lässt sich dank poppigen Fahrwerk leicht abziehen und je nach Lust und Laune auch in der Luft querlegen. Hier kommt das geringere Gewicht zum Tragen, welches richtig Spaß bringt.
Orbea Rise H 10 2022
- Motor: Shimano Steps EP8-RS, 250 W, 60 Nm
- Batterie: Orbea RS Internal, 540 Wh (opt. 252 Wh)
- zul. Gesamtgewicht: n/a
Tabelle: EMTB-Bewertung und Messwerte
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Max. Drehmoment | 56 Nm |
| Spitzenleistung | 339 W |
| Power | 5/6 Punkte |
| Durchzug hohe Kadenz | 4/6 Punkte |
| Fahrt um 25 km/h | 4,5/6 Punkte |
| Motor-Sound | 3,5/6 Punkte |
| Bedienelemente | 4,5/6 Punkte |
Shimano EP801
Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten.
Wie sein Vorgänger reiht sich der Shimano EP801 als Spitzenmodell in das Portfolio ein und siedelt sich über dem etwas günstigeren, aber fast baugleichen und ebenso drehmomentstarken Shimano EP6 an, der durch ein günstigeres Alu-Gehäuse etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt.
Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen.
Ein weiterer Ableger des Shimano Motor EP801 ist der EP801 RS. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm.
Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt.
Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen.
Die Displays und Remotes des Shimano EP8 kommen auch am neuen EP801-Modell zum Einsatz. Das am Lenker neben dem Vorbau geschützt angebrachte Farbdisplay zeigt den Akkustand in 20%-Schritten an und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar.
Das neue Orbea Rise 2025
2020 hat die spanische Performance-Marke Orbea ihr erstes Light-E-MTB, das Rise, gelauncht und für ordentlich Wirbel gesorgt. Ein gedrosselter Shimano EP8-Motor hat 60 Nm Drehmoment geliefert und trotz robuster Ausstattung und ausreichend Federweg hat es weniger als 19 kg gewogen.
Das neue Orbea Rise 2025 setzt - wie auch seine Vorgänger - auf einen Shimano-Motor. Um genau zu sein auf einen Shimano EP801, der nun auch beim Rise die vollen 85 Nm Drehmoment abrufen kann. Orbea verpasst dem Motor zudem einen knalligen RS-Badge, was auf die speziell von Orbea angepasste Software hinweisen soll.
Kombiniert wird der Shimano-Motor wahlweise mit einem 420 oder einem 630 Wh großen Haupt-Akku, der fest im Rahmen verbaut ist. Selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin einen Range-Extender in eurem Flaschenhalter befestigen, der dann zusätzliche 210 Wh liefert.
Das neue Orbea Rise 2025 gibt es zudem in einer Long-Travel- und einer Short-Travel-Version - kurz LT und SL -, die beide auf 29”-Laufräder und einen Vollcarbon-Rahmen setzen. In der LT-Variante besitzt das neue Rise dann stolze 160 mm Federweg an der Front und 150 mm Federweg am Heck. Die SL-Variante setzt auf 140 mm an Front und Heck.
Durch den sogenannten MyO-Konfigurator könnt ihr beim Kauf dann unzählige Komponenten auswählen, um das neue Rise perfekt an eure Bedürfnisse anzupassen.
So findet sich eine einseitige Verstrebung zwischen Unterrohr und Sitzrohr, was die Steifigkeit des Carbon-Rahmens maßgeblich beeinflusst. Zudem wurden die Form und Größe der Sitz- und Kettenstreben verändert, um einerseits das Gewicht zu reduzieren, aber andererseits auch die Steifigkeit anzupassen.
Neu im Konfigurator ist die Kombinationsmöglichkeit mit einem ASSEGAI in weicher MaxxGrip-Gummimischung und EXO+ Karkasse an der Front und einem Minion DHR2 mit härterer MaxxTerra-Gummimischung am Heck, in der robusten Doubledown-Karkasse. Das ist die optimale Reifenkombination für das neue Rise in der LT-Variante und wir würden jedem empfehlen, diese Kombination zu wählen.
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