Shimano Flat Pedal Schuhe im Test: Ein umfassender Überblick

Die Wahl der richtigen Mountainbike-Schuhe ist entscheidend für Komfort, Leistung und Sicherheit auf dem Trail. Insbesondere bei Flatpedal-Schuhen kommt es auf eine gute Verbindung zum Pedal, ausreichend Grip und Schutz an. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Modelle und deren Eigenschaften.

Klickpedale vs. Flatpedale: Eine Frage des Fahrstils

Die Entscheidung zwischen Klickpedalen und Flatpedalen hängt stark vom persönlichen Fahrstil und den bevorzugten Einsatzbedingungen ab. Stefan Frey, BIKE-Testredakteur, bevorzugt klar Klickies:

"Ganz klar Klickies. Sie haben meist die steifere Sohle und bringen die Kraft besser aufs Pedal, das spart auf langen Touren Körner. Außerdem muss ich nicht ständig nach der optimalen Position auf dem Pedal suchen und kann mich voll auf den Trail konzentrieren. Aktuelle Modelle sind längst keine steifen “Stöckelschuhe” mehr. Griffige Sohlen, angenehme Laufeigenschaften und lässige Optik - Fahrradschuhe mit Klicksystem sind für mich die optimalen Allrounder für lange Touren."

Stefan Herrmann, Fahrtechnikprofi, sieht die Vorteile eher bei Flatpedalen:

"Wer es nicht eilig hat, sollte auf Flat-Schuhe setzen. Sie fördern einen aktiven Fahrstil, weil man für die Verbindung mit dem Bike eine Bogenspannung zwischen Fuß, Beinen, Rumpf und Armen erzeugen muss. So agiert man mehr, als sich mit einem defensiven Fahrstil auf die mechanische Verbindung zu verlassen. An kritischen Stellen kann ich zudem schnell den Fuß absetzen, dadurch bin ich mental offensiver. Schiebepassagen lassen sich ohne Cleats an der Sohle auch besser meistern."

Die wichtigsten Eigenschaften von Touren-Fahrradschuhen

Die Optik von Touren-Fahrradschuhen geht immer mehr von Wander-Boots zu Sneakern. Die Kernkompetenzen bleiben aber gleich: gute Kraftübertragung, Schutz vor Felskontakt, Grip und Komfort auf Schiebepassagen. Die wichtigsten Eigenschaften im Detail:

  1. Schutz: Eine TPU-verstärkte Zehenkappe bieten die meisten Schuhe. Wer mehr Schutz möchte, sollte ein Modell mit innen hochgezogenem Knöchelbereich wählen. Strick- oder Neopren-Gamaschen verhindern, dass Schmutz in den Schuh gelangt und Reibung verursacht.
  2. Belüftung: Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts verbessern die Belüftung an heißen Tagen und verhindern, dass man im eigenen Saft steht. Wer mehr Schutz vor Schlamm und Spritzwasser sucht, sollte auf nahtloses und geschlossenes Obermaterial setzen.
  3. Schnürung: Erstaunlich viele Hersteller gehen wieder zurück zur klassischen Schnürung. Vorteil: So lässt sich der Bike-Schuh über den kompletten Spann perfekt an den Fuß anpassen. Das gelingt mit den praktischeren Drehverschlüssen nicht immer. Zudem sind Boa und Co schmutz- und defektanfällig und unterwegs kaum zu reparieren. Dafür lassen sie sich auch während der Fahrt feinjustieren. Hochwertige Schnürsenkel sind ein Muss, an den Testschuhen fransen sie teils schon bei Kontakt mit den Klettverschlüssen aus. Tipp: Fädelt man die Schnürsenkel von außen nach innen, verbessert das den Halt erheblich.
  4. Laufsohle: Je steifer die Sohle, desto besser kommt die Kraft aufs Pedal. Umso schlechter rollt der MTB-Schuh in der Regel aber auch ab. Beim Schieben schlüpft dann schon mal die Ferse halb aus dem Schuh. Ein aufgebogener oder weicherer Zehenbereich verhindert Schlupf. Richtig grobes Profil, das auch auf felsigem Grund Halt gibt, bieten nur noch wenige Modelle. Für Alpen-Touren sollte man aber unbedingt ein Modell mit griffigem Gummi und ausreichend Profil wählen.
  5. Montagebereich: Laut Ergonomieexperten sollten die Cleats etwa unter den Zehen-Grundgelenken montiert sein. Je weiter vorne, desto besser ist die Kraftübertragung aufs Pedal. Wer eher bergab unterwegs ist, platziert die Cleats weiter hinten für einen stabileren Stand. Das entlastet auch die Muskulatur in der Abfahrt. Ein möglichst langer und abgeflachter Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg ins Pedal und verbessert die Selbstreinigung bei schlammigen Bedingungen.
  6. Einlegesohle: Die Einlegesohle ist maßgeblich für den Tragekomfort verantwortlich. Hier sparen viele Hersteller. Gute Sohlen gibt es bei Fox, Scott oder Specialized. Wer mehr Komfort und Effizienz will, greift zu Spezialsohlen wie Currex, Solestar oder SQlab.

Ausgewählte Modelle im Test

Im Folgenden werden einige ausgewählte Mountainbike-Schuhe detaillierter vorgestellt:

Crankbrothers Mallet E Boa

Mit dem Mallet liefern die US-Amerikaner einen top Allrounder. Per Klett und Boa-Drehrad ist der Fahrradschuh schnell angepasst und sitzt dank guter Polsterung bequem und ohne Druckstellen. Die steife Sohle und das zugfeste Material bringen die Kraft gut aufs Pedal. Weil der Mallet vorne etwas aufgebogen ist, läuft er sich auch angenehm, sein Profil erzeugt zudem viel Grip. Die Zehenbox bietet viel Schutz vor Felskontakt und Spritzwasser, an heißen Tagen wird der Schuh aber etwas schwitzig. Guter Einstieg dank angeschrägtem Cleat-Kanal.

Five Ten Trailcross CL

Der Five Ten Trailcross sticht nicht nur optisch aus dem Testfeld heraus. Er ist besonders leicht und gut belüftet. Das macht ihn zum angenehmen Begleiter an heißen Tagen. Gummi und Profil erzeugen viel Grip auf Schiebepassagen. Der Sitz im MTB-Schuh dagegen ist nicht allzu gut. In Verbindung mit dem leichten Material und der wenig steifen Sohle verpufft viel Kraft. Die Schnürung kann zudem durch die labbrige Zunge drücken. Nicht optimal. Somit ist der Trailcross eher ein Modell für gemäßigte Trail-Einsätze und entspannte Touren.

Fizik Gravita Tensor

Super Schutz, gute Kraftübertragung und sicherer Stand auf dem Pedal - der Fizik Gravita Bike-Schuh kommt dem Enduro-Ideal schon recht nahe. Die asymmetrische Neopren-Gamasche geht nahtlos in die Zunge über und schmiegt sich druckfrei um die Knöchel. Robustes , wasserabweisendes Ripstop-Material und die seitlich versetzte Schnürung bringen Zug auf den Fuß und lassen sich fein anpassen. Der abgeflachte Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg. Top beim Kurbeln. Andere Schuhe laufen sich aber besser.

Fox Union

Der neue Union von Fox sitzt angenehm unauffällig und trägt sich fast schon wie ein Sneaker. Bei enger Schnürung faltet sich das wenig flexible Obermaterial leicht auf. Die Schnürsenkel fransen schnell aus. Dank des großen Cleat-Kanals findet man leicht ins Pedal, der Fuß rückt dabei aber sehr nah an die Kurbel und kann sie streifen. Die Sohle dieses Mountainbike-Schuhs gehört zu den wenig steifen, daher eignet sich der Fox eher für Pedale mit großem Käfig. Gummi und Profil bieten nur mäßigen Grip beim Laufen. Für den Preis etwas mager ausgestattet.

Ion Rascal Select Boa

Schnell rein und raus sowie Anpassung während der Fahrt, das sind die großen Vorteile der Boa-Verschlüsse. Beim Ion Rascal lässt sich aber nur schwer ausreichend Zug damit aufbringen. Zusammen mit dem beweglichen Obermaterial steht man mit viel Flex auf dem Pedal, nicht optimal für Racer, aber gut für lange, entspannte Trail-Tage. Zudem ist dieser Fahrradschuh gut belüftet und an Zehen und Fersen solide geschützt. Die Sohle läuft sich angenehm, das Heck ist gegen Fersenschlupf aufgeraut. Das Profil bietet aber nur mäßig Grip.

Leatt 4.0 Clip

Umfangreich gepolstert, Zehen und Knöchel gut geschützt - der Leatt zielt eher auf Enduro-Biker. Schnürung und Klett fixieren den Fuß sicher im MTB-Schuh, die steife Sohle bringt ordentlich Kraft aufs Pedal. Beim Einstieg knautscht die Fersenpolsterung, die Schnürung läuft extrem schwergängig, zudem ist ständig der quer laufende Klett im Weg - nicht optimal. Großer Cleat-Kanal mit weitem Verstellbereich und guter Selbstreinigung. Der Cleat-Kanal liegt extrem tief, was den Einstieg ins Pedal erschwert.

Ride Concepts Tallac Clip

Sportlich geschnittener Trail-Schuh mit straffem Sitz. Die Schnürung passt das robuste Cordura-Gewebe gut an den Fuß an. In Verbindung mit der steifen Sohle bringt man viel Kraft aufs Pedal - gut für lange Anstiege. Trotzdem trägt sich der Fahrradschuh komfortabel. Auch im Gelände punktet der Tallac mit massig Grip und Traktion. Durchdacht ausgestattet und sauber verarbeitet, aber insgesamt recht schwer. Den Tallac gibt es auch als Damenversion (Flume Clip) und alternativ mit dem praktischen Boa-Drehverschluss. Recht teuer.

Scott MTB Shr-alp Boa Evo

Wenn der schlanke Schnitt passt, bekommt man mit dem Scott einen top Trail-Schuh, der viel Komfort und Schutz bietet und trotzdem ordentlich belüftet ist. Der einzelne Boa-Verschluss fixiert den Fuß erstaunlich sicher im Bike-Schuh, so steht man stabil und fest verbunden auf dem Pedal. Auch die Kraftübertragung stimmt. Dank breitem Cleat-Kanals findet man leicht in die Bindung. Der Shr-alp rollt beim Gehen angenehm ab, das grobstollige Profil funktioniert auf vielen Untergründen und bietet ausreichend Halt und Traktion.

Shimano Gravity-Schuhserie: ULTREAD Technologie im Fokus

Shimano hat mit seiner neuen Gravity-Schuhserie für Klick- und Flatpedale die ULTREAD Außensohle eingeführt, die ultimativen Grip bei maximaler Kontrolle in technischem Gelände verspricht. Die Kombination aus robuster Gummimischung und cleveren Profilmustern soll mehr Sicherheit und Komfort auf dem Trail gewähren.

Shimano Gravity-Enduro-Serie (GE)

Die Gravity-Enduro-Modelle sind SPD-kompatibel und sollen die Kontrolle auf dem Mountainbike in technischem Gelände optimieren und den Grip auf rutschigen Gehpassagen verbessern.

GE900: Das Top-Modell

Der GE900 verfügt über eine Torbal 2.0 Zwischensohle für mehr Bewegungsspielraum im Fersenbereich und hohe Flexibilität im Vorfußbereich. Eine Carbon-verstärkte EVA-Zwischensohle reduziert das Gewicht und verbessert die Effizienz beim Treten. Mit Boa L6 Spule und Klettverschluss bietet der GE900 ein präzises Verschlusssystem.

GE700: Performance-Enduro-Schuh

Wie der GE900 ist auch dieser Schuh mit Shimanos Torbal 2.0 Zwischensohle ausgestattet. Die Ultread GE-Außensohle soll den Grip optimieren, der ausgeprägte Pedalkanal für eine bessere Verbindung zwischen Schuh und Bike sorgen. Der GE700 verfügt über ein Schnürverschluss-System mit verstärkten Führungen sowie einen Klettverschluss für einen besseren Halt des Fußes.

GE500 und GE500W (Damen): Günstiges Enduro-Modell

Der GE500 ist als Herren- und als Damen-Version erhältlich und ebenfalls mit Shimanos Torbal Zwischensohle ausgestattet. Das atmungsaktive Obermaterial sorgt für eine gute Feuchtigkeitsregulierung und ist dennoch robust.

Shimano Gravity-Flat-Serie (GF)

Die neue Reihe soll sicheren Halt und Stabilität bieten und so für mehr Vertrauen auf dem Bike sorgen, auch bei technisch anspruchsvollen Trails.

GF600: Flat-Pedal-Schuh mit griffiger Gummimischung

Shimanos GF600 will totale Kontrolle in technischem, rauem Terrain bieten. Ausschlaggebend ist die neue Ultread GF-Außensohle. Die spezielle Gummimischung sorgt für Dämpfung, das breite, sechseckige Profil soll sicheren Halt und Stabilität auf dem Pedal gewährleisten.

GF800 GTX: Robuster Flat-Pedal-Schuh für schlechtes Wetter

Der GF800 GTX verfügt ebenso wie der GF600 über die neue Ultread GF Gummimischung, die für niedrige Temperaturen optimiert ist. Der Schuh verfügt über ein Boa L6 Verschlusssystem und ein integriertes, sockenähnliches Obermaterial mit wasserdichtem Gore-Tex-Futter.

GF400 und GF400W (Damen): Einstiegsmodell für Flat-Pedal-Piloten

Dank Ultread-Sohlentechnologie soll die Bike-Kontrolle auf dem Trail besonders gut sein. Das Pedalgefühl soll verbessert werden, ohne dass dabei Druckpunkte entstehen. Dank EVA-Zwischensohle werden Dämpfung und Komfort bei Gehpassagen erhöht.

Weitere empfehlenswerte Flatpedal-Schuhe

  • Five Ten Freerider Pro: Ein klarer Favorit mit maximalem Grip dank der gepunkteten Five Ten Stealth-Gummisohlen.
  • Ride Concepts Hellion Elite: Bietet ein ähnliches Gefühl wie die Freerider Pro, mit einem großartigen Mix aus Unterstützung und Halt.
  • Specialized 2FO 1.0: Sehr komfortabel mit beeindruckend griffigem SlipNot 2.0-Gummi.
  • Shimano GR5: Günstige Flatpedal-Schuhe im Skate-Stil mit ordentlich griffiger Gummimischung.
  • Five Ten Trailcross XT: Leichtes Textilobermaterial mit Stealth Phantom Gummisohle für guten Rückstoß und Dämpfung.

Tipps für die Auswahl des richtigen Schuhs

Ganz gleich, für welchen Schuhtyp du dich entscheidest, wenn der Schuh nicht richtig sitzt, ist er unbequem und bietet nicht die bestmögliche Leistung. Wir empfehlen dir, den Schuh vor dem Kauf anzuprobieren, denn jeder Fuß ist anders und die Hersteller verwenden unterschiedliche Größenangaben für ihre Schuhe. Achte darauf, dass deine Zehen genügend Spielraum haben und deine Ferse einen guten Halt hat, um Komfort und Kraftübertragung zu gewährleisten.

Die folgende Tabelle fasst einige der getesteten Modelle zusammen:

Modell Gewicht (Größe 44) Sohlenmaterial Verschluss Besonderheiten
Crankbrothers Mallet E Boa 910 g Carbon-Nylon-Mix Boa L6, Klettverschluss Gute Polsterung, steife Sohle
Five Ten Trailcross CL 841 g Nylon Schnürung, Klett Leicht, gut belüftet
Fizik Gravita Tensor 926 g Nylon Schnürung, Klett Hoher Schutz, gute Kraftübertragung
Fox Union 920 g Nylon Schnürung, Klett Angenehm unauffällig, wenig steife Sohle
Ion Rascal Select Boa 991 g TPU Boa-Verschluss Gut belüftet, solider Schutz

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