Shimano Funkschaltung MTB im Test: Ein umfassender Überblick

Was wäre ein modernes Mountainbike ohne eine hochwertige Schaltgruppe? Sie ist das Herzstück des Antriebs und ermöglicht erst das effiziente Vorankommen im Gelände. In diesem Artikel beleuchten wir die Welt der MTB-Schaltungen, insbesondere die von Shimano, und werfen einen detaillierten Blick auf die Funkschaltungen im Test.

Bestandteile einer Mountainbike-Gruppe

Eine vollständige Mountainbike-Gruppe besteht aus mehreren Schlüsselkomponenten:

  • Tretkurbel: Hier beginnt die Kraftübertragung. Sie umfasst Kurbelarme, Kettenblätter und die Tretlagerachse. Die Anzahl der Kettenblätter bestimmt die Anzahl der Gänge vorne.
  • Tretlager: Die Tretkurbeln werden auf der Tretlagerwelle befestigt, die in den Lagerschalen des Tretlagers sitzt.
  • Kassette (Ritzelpaket): Befindet sich am Hinterrad und besteht aus mehreren Zahnkränzen. Sie bestimmt die Anzahl der Gänge hinten, typischerweise zwischen 8 und 12.
  • Kette: Verbindet die Kettenblätter vorne mit der Kassette hinten und ist essentiell für den Antrieb.
  • Schaltwerk und Umwerfer: Verschieben die Kette über die Kettenblätter bzw. Ritzel. Bei Einfach-Schaltungen entfällt der Umwerfer.
  • Schalthebel: Befinden sich am Lenker und steuern den Schaltvorgang. Der Trigger-Schalthebel ist am weitesten verbreitet.
  • Bremsen: Inklusive Bremshebel, sind ebenfalls Bestandteil einer Mountainbike Gruppe, wobei der Trend zu einer Kombination verschiedener Komponenten geht. Scheibenbremsen sind mittlerweile Standard.

Gänge und Übersetzungen

Gänge ermöglichen eine konstante Kraftübertragung über eine große Übersetzungsbandbreite, um hohe Geschwindigkeiten bei jeder Steigung zu ermöglichen. Kleine Gänge sind beim Mountainbiken wichtig, um bei extremen Anstiegen und unwegsamen Passagen gut durchzukommen. Die Übersetzungsbandbreite bezeichnet die Spanne zwischen dem schwersten und leichtesten Gang.

Shimano vs. SRAM - MTB-Schaltungen im Detail

Im MTB-Bereich hat man häufig die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Hier ein Überblick über die Technologien und Hierarchien der einzelnen MTB-Schaltgruppen von Shimano:

Shimano Schaltgruppen im Überblick

  • Tourney: Die günstigste Gruppe, die auch bei Freizeit-Rädern und ATBs eingesetzt wird.
  • Altus: Eine Einsteiger-Gruppe, die gelegentlich bei Budget-Mountainbikes zu finden ist.
  • Acera: Eine weitere Einsteiger-Gruppe mit vermehrtem Einsatz von Aluminium.
  • Alivio: Die Top-Gruppe im Freizeit-Rad-Bereich mit einigen Technologien der speziellen MTB-Gruppen.
  • Deore: Die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe, sowohl für Neulinge als auch für Fortgeschrittene geeignet.
  • SLX: Das Arbeitstier unter den MTB-Gruppen mit geringfügigen Unterschieden zu teureren Gruppen.
  • Zee: Eine spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe.
  • Deore XT: Eine erstklassige Gruppe für ambitionierte Mountainbike-Sportler.
  • XT Di2: Die elektronische Version der XT mit elektronisch gesteuerten Servomotoren.
  • XTR: Die Meisterklasse von Shimano mit einer Mischung aus Carbonteilen, Titan und hochwertigem Aluminium.

Shimanos neue Funkschaltung im ersten Test: Die XTR Di2 M9200

Mit der neuen XTR M9200 Di2 schlägt Shimano zurück und präsentiert eine kabellose MTB-Schaltgruppe. Schnell, haltbar und edel soll der elektronische Antrieb sein. Die XTR Di2 M9200 kommt ohne Kabel oder Seilzug, dafür mit einer Vielzahl an Konfigurierungsmöglichkeiten für Crosscountry- und Enduro-Fahrer.

Erste Eindrücke von Karl Platt

Marathon-Legende Karl Platt testete die neue XTR an seinem Racebike und war begeistert: "Statt den Hebelkräften eines Schaltzugs gibt’s direktes Feedack. Bam, bam, bam: Das geht ab, wie im Porsche PDK! Unter Last den Gang reinknallen? Fühlt sich gut an. Steige ich von der neuen Di2 auf eine andere Funkschaltung, denke ich erst mal der Akku wäre leer. Die Schaltgeschwindigkeit der XTR M9200 macht richtig Laune."

Details und Funktionen der XTR Di2 M9200

  • Montage: Einfache Montage ohne spezielle Werkzeuge. Kompatibel mit Microspline-Freilauf und allen Schaltaugen (inklusive Sram UDH-Standard).
  • Einrichtung: Die Kopplung von Schaltwerk und -hebel erfolgt über die Shimano E-Tube-App.
  • Design: Das abgerundete Design des Schaltwerks bietet kaum Angriffsfläche zum Hängenbleiben.
  • Schaltgefühl: Definiertes Klacken beim Auslösen des Hebels, knackige Reaktion beim Wechseln der Ritzel.
  • Präzision: Die Gangwechsel funktionieren definiert und selbst unter Last problemfrei.

Die neue Kompakt-Kassette

Shimano bietet eine neue Kompakt-Kassette mit neun bis 45 Zähnen an. Der Gedanke dahinter: Mit kleinem Ritzel kann ohne Verluste bei der Übersetzungsbandbreite ein kleineres Kettenblatt gefahren werden. Tatsächlich hat das nun um einen Zahn kleinere Zahnrad eine nicht zu unterschätzende Wirkung.

So fahren sich die neuen Shimano-Bremsen

Die neue XTR-Bremse überzeugt mit einfacher Montage und Entlüftung sowie kurzer Einbremsdauer. Die Zweikolben-XTR legt eine ordentliche Power an den Tag und bietet einen zuverlässigen und konstanten Druckpunkt. Die Detailverbesserungen bei Ergonomie und Funktion fallen den meisten Bikern kaum auf, die Shimano XTR Stopper kommen von einem hohen Niveau und docken dort in der Neuauflage nahtlos an.

Die neuen Shimano XTR Laufräder

Die Carbon-Felgen der getesteten Enduro-Variante bauen optisch bullig und vermitteln ein gutes Gefühl in Sachen Haltbarkeit. Mit 1806 Gramm pro Satz bricht Shimano keine Rekorde, aber der Tubeless-Aufbau gelingt problemlos. Die Felgen mit 30 Millimeter Innenweite lassen sich mit wenig Luftdruck fahren und geben dem Reifen eine gute Basis zum Abstützen.

Shimano XT Di2: Revolutionäre Automatik-Funktionen im Test

Shimano will das Schalten noch einfacher machen und präsentiert die elektronische Di2-Schaltung mit Automatik-Funktionen. Nicht mehr der Fahrer wechselt manuell die Gänge, sondern ein Algorithmus entscheidet, welcher Gang gerade der Beste ist.

Kompatibilität der neuen Shimano XT Di2

Die neue Shimano Di2-Gruppen XT und Cues funktionieren ausschließlich mit der neuesten Generation der Shimano Motoren EP801 und dem EP6. Die größte Neuerung bei dieser Generation neben der höheren Spitzenleistung beim EP801 ist die neue Elektronik mit CAN-Port.

Di2-Schaltung mit Linkglide-Komponenten

Mit den Ketten und Kassetten mit Linkglide-Technologie bringt Shimano robuste Komponenten, die explizit auf die höheren Belastungen an E-Bikes ausgelegt sind. Statt zwölf (Hyperglide) bietet Linkglide nur noch elf Gänge. Die 11-fach-Kassette setzt auf dickere Ritzel und eine Abstufung von 11 bis 50 Zähnen (statt 10 bis 51 bei den bekannten 12fach-Hyperglide-Kassetten).

So fährt sich die neue Shimano XT Di2 Schaltung

Die Hebel sind sehr ähnlich platziert wie Mountainbiker es seit Jahren von mechanischen Schaltungen kennen. Umgewöhnung? Braucht es nicht! Einzig die Zwei-Wege-Bedienung mit dem Zeigefinger entfällt bei der Di2.

Di2 Schaltung mit Free-Shift: Schalten ohne Treten

Mit Free-Shift reicht ein Druck auf den Di2-Hebel, und der Motor lässt den Antriebsstrang auch ohne Pedalumdrehung rotieren. Solange das Bike rollt, ermöglicht das Gangwechsel, ohne zu treten.

Auto-Shift: Ghost-Shifting 2.0

Der Automatikmodus ist die revolutionärste Neuerung der elektronischen Shimano Di2 Schaltung. Damit man sich mit dem System wohlfühlt, ist eine Einstellung mit der App aber nahezu unumgänglich.

Tabelle: Shimano XTR Di2 M9200 - Gewichte und Preise im Überblick (Trail-/Enduro-Version)

Komponente Gewicht (g) Preis (Euro)
Schaltwerk (kurzer Käfig, inkl. Akku) 388 664,95
Schalthebel 101 234,95
Kassette (9-45 Z.) 322 504,95
Kette (ungekürzt) 269 78,95
Kettenblatt (30 Z.) 63 174,95
Kurbel (170 mm) 528 334,95
Innenlager (BSA) 75 50,95
Bremse (vorne / hinten) 296/312 je 314,95
Bremsscheibe (Centerlock, vorne 203 mm / hinten 180 mm) 165/136 N/A
Laufradsatz 1806 1649
Antriebsgruppe gesamt 1746 2044,65 (999 als Upgrade-Kit)

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