Gravelschuhe müssen mehr können als Rennrad-Modelle. Sie müssen komfortabel sein und dennoch für eine gute Kraftübertragung sorgen. Sie sollen auf dem Pedal wie auch auf dem Boden performen, denn während Offroad-Touren gehören Geh- beziehungsweise Schiebepassagen oftmals dazu. Daher sollten auch der Gehkomfort, die Trittsicherheit und der Sohlengrip passen. Jeder Fuß ist anders, den idealen Schuh für alle gibt es demnach nicht.
Größen und Passform
Einige Hersteller wie etwa Fizik, Northwave, Rapha, Shimano, Sidi, Specialized, Suplest bieten halbe oder gar Zweidrittel-Größen. Letzteres gilt für Adidas und Mavic. Wer Größen außerhalb der Norm von 38 bis 47 benötigt, wird für kleine Schuhe bei Fizik, Northwave, Rapha, Specialized - die Größen ab 36 bieten - und vor allem Adidas fündig. Hier sind sogar 35er-Modelle erhältlich. Wer auf großem Fuß lebt, findet Größe 49 bei Specialized, während Adidas und Shimano sogar Größe 50 anbieten. Spezifische Herren- und Damenmodelle finden sich nur bei Shimano und Sidi.
Sollte am Ende ein Schuh doch nicht passen, bieten Bontrager und Triban eine 30-Tage-Rückgabegarantie.
Materialien und Komfort
Damit der Schuh auch nach Stunden angenehm sitzt, gehen die Hersteller unterschiedliche Wege. So findet sich bei Adidas eine integrierte Socke, die Staub und Dreck aus dem Schuh hält. Bei DMT und Rapha gibt es gewebte Materialien, die besonders geschmeidig und luftig ausfallen. Specialized setzt auf die leichte Hightech-Faser Dyneema, die einigen aus dem Kletterbereich bekannt sein dürfte. Sie fällt besonders reiß- und abriebfest aus. Bei Sidi überzeugt der Materialmix Politex durch sein generelles Wohlfühlklima.
Generell ist beim Obermaterial ein luftiges Design vorteilhaft, weil so das Fußklima nicht zu schwitzig wird. Geräumige Zehenboxen, wie sie vor allem bei Bontrager, Fizik, Northwave, Specialized und Triban zu finden sind, steigern den Tragekomfort während langer Touren und bieten Platz beim Abrollen auf Gehpassagen. Bei Adidas, DMT und Suplest hingegen sind die Platzverhältnisse im Vorfußbereich etwas beengt. Wer hier Probleme hat, sollte die Modelle länger anprobieren. Beim Anprobieren fällt auf, dass Adidas und DMT keine Zunge besitzen.
Zu dem erforderlichen Tragekomfort trägt auch ein ergonomisches Fußbett bei. Hier glänzen Quoc, Rapha, Scott und Shimano durch nachjustierbare Modelle. Suplest nutzt sogar eine hochwertige Einlage des spezialisierten Sohlen-Produzenten Solestar.
Verschlusssysteme
Bei den Verschlüssen finden sich vier Systeme: Der klassische Klett ist im Vorfußbereich bei Shimano und in gesamter Länge bei Fizik zu finden. Ein Revival feiert bei sechs der Test-Gravelschuhe die klassische Schnürung. Die Bedienung mag für manche zwar umständlicher sein, aber beim Faktor Gewicht und der individuellen Feinjustierung kann das System weiterhin stark punkten. Und auch Ersatz ist relativ günstig und einfach zu besorgen. Ein Ratschen-Verschlusssystem kommt nur an den Triban-Schuhen zum Einsatz. Bei neun Herstellern finden sich indessen Drehräder. Sieben Hersteller setzen dabei auf die Modelle des Marktführers BOA.
Pedal-Kompatibilität und Sohlensteifigkeit
Da beim Graveln überwiegend mit MTB-Klickpedalen gefahren wird, lassen alle Schuhe die Montage von klassischen 2-Schrauben-Pedalcleats zu. Diese kennt man vor allem aus dem Mountainbike- und Cyclocrossbereich. Die Cleats werden im Bereich der Zehengrundgelenke montiert. Beim Pedalieren überträgt vor allem die Schuhbasis die Kraft aufs Pedal. Dazu sollte sie möglichst steif ausfallen.
Die Sohlen der Test-Schuhmodelle von Shimano, Specialized und Suplest sind sehr steif und daher vor allem für Racer interessant. Für viele andere Fahrertypen kann dagegen ein gewisser Flex der Sohle an manchen Stellen teils Sinn ergeben. Da man mit Klickpedalen nicht nur drücken, sondern auch ziehen kann, sollten die Schuhe auch in dieser Tretbewegung eine gute Führung bieten. Insbesondere Fizik, Shimano, Specialized und Suplest zeigen hier deutliche Stärken. Die Modelle von Adidas und DMT fallen hier aufgrund ihres recht weichen Materials etwas ab.
Weiterhin sollten die Fersen keinen oder wenig Schlupf aufweisen. Bis auf die Modelle von Adidas, Bontrager, Sidi und Triban zeigen hier kaum Testschuhe Auffälligkeiten. Anders verhält es sich mit der Steifigkeit beim Gehen. Hier kann ein ausgeprägter Flex, wie er etwa beim Vaude-Schuh festzustellen ist, sogar Vorteile bringen. Dass auch steife Schuhe mit einem guten Sohlendesign gut abrollen können, beweisen vor allem die Testmodelle von Rapha und Quoc.
Sicherheit und Umweltfreundlichkeit
Doch auch die Trittsicherheit spielt im Gelände eine elementare Rolle. Sie wird durch eine breite Auflagefläche unter der Ferse und im Mittelfußbereich sowie einem offenen Design samt griffigem Material spürbar verbessert. Mehr Trittsicherheit in tiefen Böden und bergauf bieten Schraubstollen. Sie können bei den Bontrager-, Gaerne-, Mavic-, Northwave-, Sidi-, Specialized- und Suplest-Schuhen montiert werden. Wer häufig auch in der Dämmerung und nachts unterwegs ist, profitiert von Reflexelementen zur passiven Sicherheit. Zu finden sind diese bei Adidas, DMT, Gaerne, Northwave, Quoc, Rapha, Sidi und Triban. Adidas und Vaude setzen an ihren Test-Modellen viele recycelte Materialien ein.
Shimano SH-RX600 Gravel Damen Schuhe
Der SH-RX600 Schuh mit frauenspezifischer Passform, kurz RX6 genannt, wurde von Shimano speziell für Graveltouren entworfen. Er hat einen BOA L6K-Drehverschluss zur schnellen Präzisionsanpassung und eine steife, carbonverstärkte Sohle, die auch auf langen Fahrten für Pedaliereffizienz sorgt. An dem breiten Außenprofil und der Fersenkappe kommen TPU-Stollen zum Einsatz, welche die Griffigkeit beim Fahren und Gehen erhöhen. Der umschließend konstruierte Oberschuh bietet viel Komfort und einen perfekten Sitz. Außerdem fördert die Shimano Dynalast-Schuhleistentechnologie die Kraftübertragung und wirkt einer vorzeitigen Ermüdung entgegen. In Kombination mit SPD-Pedalen entfalten die SH-RX600 ihre volle Performance.
Spezifikationen:
- Einsatzbereich: Gravel
- Pedalsystem: 2-Loch (SPD)
- Verschluss: Drehverschluss, Klettverschluss
- Steifigkeitswert der Sohle: 8 (auf einer Skala von 1 bis 12)
- Geschlecht: Damen
Features:
- Gravel-Damenschuhe mit perfekter Balance aus Steifigkeit und Gehkomfort
- Carbonverstärkte, leichte Sohle für dauerhafte Pedalierleistung bei langen Tagesfahrten
- Breites Profil mit TPU-Stollen für optimalen Komfort und Leistung beim Fahren und Gehen
- Umschließender Oberschuh für perfekte Passform
- BOA L6K-Drehverschluss für schnelle und präzise Feineinstellung
- Frauenspezifische Shimano Dynalast-Leisten
- Fersenkappe für festen Halt
- Auf den Einsatz mit SPD-Pedalen ausgelegt: ideal in Kombination mit PD-M8100 oder PD-ES600
Technologie:
Shimano Dynalast Die Dynalast-Technologie von Shimano ist ein Schuhleistendesign mit geringerer Zehenüberhöhung. Es bewirkt eine reibungslosere Aufwärtsbewegung beim Pedalieren, die energieeffizienter ist und somit die Leistungsfähigkeit verbessert. So geht weniger Kraft verloren und Du ermüdest weniger schnell.
Weitere getestete Modelle
Im großen Gravelschuh-Test wurden verschiedene Schuhe in unterschiedlichen Kategorien getestet:
- Gravelrennen & schnelle Touren
- Bikepacking, Abenteuer
- Nicht nur für “Problemfüße”
Schuhe für Abenteuer & Bikepacking im Schnell-Check
Offenliegende Carbonsohlen sind nicht unbedingt die beste Idee für abenteuerliche Touren, bei denen das Rad auch mal geschoben oder getragen werden muss. Steine können der Carbonsohle ganz schön zusetzen - und das Material bietet wenig Halt. Quoc kombiniert beim Grand Tourer XC eine steife Carbonsohle mit einem griffigen TPU-Material. So ist der Schuh einerseits steif, andererseits griffig beim Gehen. Beim Recon ADV macht Specialized es ähnlich und überzieht die Carbonsohle teilweise. Für sogenannte Hike-A-Bike-Passagen, also Streckenabschnitte, die zu steil oder zu unwegsam sind, um zu fahren, ist der Recon ADV zusätzlich etwas flexibel im Zehenbereich - für ein besseres Laufgefühl.
Das ist wichtig:
- Griffige Sohle
- Passformangenehm auf dem Rad und beim Gehen
Das ist weniger wichtig:
- Gewicht
- Steifigkeit
Gravelschuhe für Gravelrennen und Geschwindigkeit im Schnell-Check
In Rennen geht es um Geschwindigkeit. Und wenn es um Geschwindigkeit geht, spielt auch das Gewicht keine unwichtige Rolle. Für eine effiziente Kraftübertragung bedarf es einer steifen Sohle, häufig wird mit Carbonsohlen gearbeitet. Bei Gravelschuhen wie dem S-Works Recon liegt das Carbon frei.
Das ist wichtig:
- Steife Sohle für gute Kraftübertragung
- Gute Passform
- Kein Druckschmerz im Schuh
Das ist nicht so wichtig:
- Traktion
- Bequem beim Gehen
- Wasserdicht
Tipps für die richtige Passform
- Die richtige Größe: Barfuß oder mit Socken den Umriss beider Füße auf ein Blatt Papier malen und jeweils von Ferse bis zur längsten Zehenspitze messen. Fünf Millimeter addieren und dann in der Größentabelle des Herstellers nachschauen.
- Breite: Die Innensohle aus dem Schuh nehmen und draufstellen - passt die Breite?
- Fersensitz: Den Schuh anziehen und verschließen. Sitzt die Ferse gut im Schuh?
Die Bedeutung der richtigen Breite
Die richtige Breite der Gravelschuhe ist entscheidend für Komfort und Leistungsfähigkeit. Bei einer Umfrage in unserer Instagram-Community haben wir einige Rückmeldungen bekommen, dass ihr mit breiten Füßen Schwierigkeiten habt, passende Schuhe zu finden. Klassische Schuhleisten sind oft zu schmal und entsprechen nicht der natürlichen Form des Fußes, was zu einer Einengung im Vorfußbereich führen kann. Diese Enge kann Druckstellen verursachen und die Durchblutung beeinträchtigen. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch die Kraftübertragung auf das Pedal beeinträchtigen. Ein Radschuh soll eng und stabil am Fuß sitzen, trotzdem soll der Fuß nicht eingeengt und seiner natürlichen Form beraubt werden. Folgen von zu engen Schuhen können Schmerzen, Taubheitsgefühle und Kribbeln sein.
Verschlusssysteme im Überblick
Klettverschluss, Schnürsenkel oder ein Drehverschluss: Verschlussysteme für Radschuhe gibt es viele und sind letztendlich eine Frage der persönlichen Vorlieben und des Preises. Bei den Einstiegsmodellen werden die Schuhe häufig mit Klettverschluss geschlossen, was auch ausreichend ist, um den Schuh stufenlos an den Fuß anzupassen. Für einen klassischen Look sorgen Schnürsenkel. Damit lässt sich der Schuh ebenso individuell anpassen, kann aber nicht so schnell gelockert oder fester geschnürt werden wie bei den anderen Systemen. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass sich die losen Schnürsenkel nicht im Kettenblatt verfangen. Drehverschlüsse wie das BOA-System erlauben schnelle und einfache Anpassungen selbst während der Fahrt. Es besteht aus einem Drehknopf, der mit einem dünnen, aber starken Draht verbunden ist.
Klicksysteme: 2-Loch vs. 3-Loch
Beim Kauf von Radschuhen ist die Wahl des richtigen Klicksystems entscheidend, da es den Kontaktpunkt zwischen Schuh und Pedal bestimmt und somit die Effizienz und Kontrolle beeinflusst. Bei der Auswahl an Fahrradschuhmodellen gibt es drei gängige Systeme: Schuhe ohne Klicksystem für Plattformpedale, 2-Loch und 3-Loch. Vor dem Schuhkauf solltest du dich schon für ein Pedalsystem entschieden haben, da ansonsten Adapter verwendet werden müssen. Auf dem Gravelbike werden hauptsächlich Schuhe mit dem 2-Loch-System verwendet. Es zeichnet sich durch seine beidseitig einrastenden Cleats und eine Bauweise mit in der Sohle versenkten Cleats aus, die das Gehen im Gelände erleichtert. Außerdem funktioniert der Einrastmechanismus auch bei verschmutzten Cleats und Pedalen. Beliebte 2-Loch-Systeme sind SPD* von Shimano und das Easy Release-System* von Crankbrothers. Das 3-Loch-System wie Shimanos SPD-SL ist hingegen für den Rennradbereich konzipiert.
Zusammenfassung
Die Wahl des richtigen Gravelschuhs für Damen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Passform, die Materialien, das Verschlusssystem, die Sohlensteifigkeit und das Klicksystem. Es ist wichtig, verschiedene Modelle anzuprobieren und die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben zu berücksichtigen, um den optimalen Schuh für lange und komfortable Graveltouren zu finden.
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