Shimano und SRAM MTB Schaltgruppen: Ein umfassender Kompatibilitätsüberblick

Klassischerweise besteht eine komplette Mountainbike-Gruppe aus allen Komponenten des Antriebs und der Bremsen. Im Einzelnen sind dies: Schalthebel, Schaltwerk, Schaltkäfig, Umwerfer, Kassette, Kurbel, Tretlager, Kette, Bremshebel, Bremszug oder -leitung, Bremssattel, Bremsscheibe und Bremsbeläge. Während Shimano komplette Gruppen aus Schaltung, Bremsen und sogar Laufrädern anbietet, umfassen die SRAM-Gruppen „nur“ die Schaltung. Unabhängig von den Schaltungsgruppen bietet Sram jedoch verschiedene Bremsen an.

Im Folgenden konzentrieren wir uns daher auf die MTB-Schaltgruppen der beiden größten Hersteller Shimano und Sram und gehen nur am Rande auf die Bremsen ein.

Funktionsweise einer Mountainbike-Schaltung

Eine Mountainbike-Schaltung ist in der Regel eine Kettenschaltung. Indem die Kette in Fahrtrichtung über verschiedene Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln geführt wird, ergeben sich verschiedene Übersetzungsverhältnisse. An der Kurbel sind ein bis drei Kettenblätter montiert, während sich an der Hinterradnabe eine Ritzelkassette mit meist 10 bis 12 Ritzel befindet.

Beim Schalten zieht oder hebt der Umwerfer die Kette auf das gewünschte Kettenblatt. Das Schaltwerk hingegen ist dafür zuständig, die Kette auf eines der Ritzel zu leiten. Je größer das Kettenblatt und je kleiner das Ritzel, über das die Kette läuft, desto größer ist die Übersetzung. Ein Ritzel am Hinterrad, das größer ist als das Kettenblatt, bewirkt dagegen eine Untersetzung.

Um die Übersetzung zu berechnen, teilt man die Anzahl der Zähne des Kettenblatts durch die Anzahl der Zähne des Ritzels. Das Ergebnis gibt an, wie viele Umdrehungen das Hinterrad bei einer Kurbelumdrehung macht.

Für einen schnellen Schaltvorgang sind die Teile der MTB-Schaltung wie Kette, Ritzel und vor allem Schaltwerk und Umwerfer aufeinander abgestimmt. Außerdem sorgen Umwerfer und Schaltwerk im optimalen Zusammenspiel für präzise Schaltvorgänge, bei denen auch Gänge übersprungen werden können. Spitzengruppen können dies unter widrigsten Bedingungen und lassen sich zudem an Vorlieben oder ergonomische Besonderheiten des Fahrers anpassen.

Mechanisch oder Elektrisch?

Für die Betätigung von Schaltwerk und Umwerfer gibt es derzeit zwei Systeme, die hauptsächlich bei einer Schaltung eingesetzt werden:

  • mechanisch
  • elektronisch

Bei Mountainbikes ist die mechanische Schaltung noch am weitesten verbreitet. Hier sind die Schalter über Schaltzüge mit Schaltwerk und Umwerfer verbunden. Durch Betätigung des Schaltgriffs wird der Schaltzug um eine bestimmte Länge verkürzt oder freigegeben. Dies führt zu einer horizontalen Bewegung der Schaltkomponenten, die die Kette in die gewünschte Position bringt.

Shimano (Rapid Fire) und SRAM (Trigger) bieten Schalthebel an, die während der Fahrt leicht zu bedienen sind. Sie können mit Daumen und/oder Zeigefinger bedient werden. Eine andere Variante sind Drehschalter wie bei der Grip Shift von SRAM oder Revoshift von Shimano. Bei diesem System wird durch Drehen des Griffes um den Lenker geschaltet. Dadurch wird der Schaltzug auf- oder abgewickelt, was zum Gangwechsel führt.

Beide Hersteller haben auch elektronische Schaltungen im Sortiment, bei der die die Schaltimpulse elektronisch an die Schaltkomponenten übertragen. Kleine Motoren sorgen dann für die nötige Bewegung. Während Shimano seine beiden Spitzengruppen in einer elektronischen DI2-Variante anbietet, gibt es Srams AXS-System bereits in der Einstiegsgruppe. Zudem hat Sram in Deutschland eine elektronische Steuereinheit entwickelt, die mit einem Servomotor und eigenem Akku den Schaltimpuls direkt per Funk überträgt, Shimano setzt weiterhin auf Kabel.

Clutch-Technologie

Shimano und SRAM setzen seit einigen Jahren auf die sogenannte Clutch-Technologie. Was bei Shimano „Shadow Plus“ und bei SRAM „Type 2“ bzw. „Type 3“ heißt, beschreibt eine erhöhte Federspannung, bei der der Schaltwerkkäfig durch eine zusätzliche Feder nach hinten gezogen und die Kette auf höherer Spannung gehalten wird. Kettenschlagen und ungewollte Schaltsprünge können so deutlich reduziert werden.

Die Clutch-Technologie findet sich bei Mountainbikes, die für den sportlichen Einsatz konzipiert sind. Bei SRAM sind alle Schaltwerke ab der X7 Gruppe in der Type 2 Version erhältlich. Shimano konstruiert die Schaltwerke ab der Deore Gruppe als Shadow Plus.

Übersicht: Die Schaltungen von Shimano und SRAM

Der Schaltungsmarkt ist groß und manchmal unübersichtlich. Das liegt daran, dass die beiden großen Schaltungshersteller Shimano und SRAM mittlerweile nicht nur Schaltungen in unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten, sondern ihre Gruppen auch auf verschiedene Einsatzbereiche im Mountainbikesport abgestimmt haben. Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach.

Die folgende Übersicht gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie der beiden Hersteller. Die Reihenfolge orientiert sich dabei von der hochwertigsten und auch teuersten Schaltung hin zu den preiswerteren Varianten.

Doch was zeichnet nun eine teure High-End-Gruppe aus, die ein Vielfaches einer günstigeren Schaltung kostet? Die Funktion des Gangwechsels wird letztlich von allen Schaltungen erfüllt. Unterschiede gibt es bei:

  • Übersetzungsbereich
  • Materialien
  • Anpassung an Fahrer und Einsatzgebiet
  • Kompatibilität bzw. Kombination mit anderen Gruppen
  • Steuerung und Bedienbarkeit
  • Gewicht
  • Genauigkeit
  • Leichtgängigkeit
  • Abstufung der Gänge untereinander

Die teuren, hochwertigen Gruppen sind in jedem Fall deutlich leichter als die preiswerteren. Das liegt an der Menge und Masse der verwendeten Materialien, außerdem gibt es mehr Anpassungsmöglichkeiten an Fahrer und Einsatzzweck. Hochwertige Antriebe erreichen auch einen wesentlich größeren Über- und Untersetzungsbereich.

Wo bei preiswerten Gruppen Druckguss und einfache Kunststoffe anzutreffen sind, finden sich bei den höherwertigen Gruppen verschiedenste Legierungen in aufwendigen Fertigungstechniken verarbeitet. Wo bei den preiswerten Modellen Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen, sind es bei den höherwertigen Schaltungen sogar Legierungen aus Titan, Magnesium und Kohlenstoff. Diese werden beispielsweise im von Shimano selbst entwickelten Hollowtech-Schmiedeverfahren hergestellt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass immer alle Teile der Schaltgruppen benötigt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest.

Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.

Als Entscheidungshilfe gehen wir hier auf die einzelnen Gruppen von Shimano und SRAM ein.

Shimano MTB Schaltgruppen

Shimano Altus

Die Shimano Altus Schaltung ist eine preiswerte Einsteigergruppe. Auch hier umfasst das Repertoire bis zu 3x9 Gänge. Viele Funktionen aus der Oberklasse stehen zur Verfügung. Auch hier können Alivio und Acera Komponenten kombiniert werden. So kann auch im Einsteigerbereich eine gute Performance je nach Einsatzbereich für Trekking, Freizeit oder Mountain erreicht werden.

Abfahrtsorientierte Gruppen von Shimano

Im abfahrtsorientierten Bereich des Mountainbikesports, Freeride und Downhill, sind die Anforderungen an die Schaltung dadurch definiert, dass man auch in den ruppigsten Passagen die Kette nicht „verlieren“ möchte und auch bei hohen Abfahrtsgeschwindigkeiten noch schalten und beschleunigen kann. Dementsprechend ist hier keine große Übersetzungsbandbreite erforderlich. Shimano bietet mit den Gruppen „Saint“ und „Zee“ Gruppen an, die diesen Anforderungen gerecht werden.

Shimano Saint

Die Shimano Saint ist eine Freeride- und Downhillgruppe auf XTR-Niveau. Sie ist für 1x10 Gänge ausgelegt. Die Gruppe ist mit einer Kettenführung ausgestattet, die ein Abspringen der Kette verhindert.

Shimano Zee

Stürze und Defekte gehören im Gravity-Bereich zum Alltag. Die Zee-Gruppe mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist daher eine gute Wahl, wenn du von deinen Komponenten hohe Leistung zu einem fairen Preis erwartest. Von der Qualität und vom Preis her ist die Zee-Gruppe mit der SLX-Gruppe vergleichbar. Sie schaltet ebenfalls 1x10 Gänge.

SRAM MTB Schaltgruppen

SRAM XX1

Die SRAM XX1 wurde durch die XX1 Eagle als Spitzengruppe im Cross Country und Marathon-Bereich abgelöst, wird aber immer noch gebaut. Es handelt sich um eine 1x11-Gangschaltung.

SRAM X1

Mit der SRAM X1 begann SRAMs Erfolgsgeschichte im Bereich der 1-fach Schaltungen. Auch sie schaltet 1x11 Gänge und ist prädestiniert als Einsteigermodell. Dank der “Mix and Match”-Philosophie von SRAM lässt sich die X1 später gut aufrüsten.

SRAM NX

Die SRAM NX Schaltung ist der günstigste Einstieg in die Welt der 1x11-fach Schaltungen von SRAM. Dennoch ist sie sehr robust und verfügt über eine ausreichende Übersetzungsbandbreite. Sie wird daher gerne an drehmomentstarken Pedelecs und e-MTBs eingesetzt.

SRAM XX

Die XX-Gruppe ist die Spitzengruppe für den Marathon- und Cross-Country-Einsatz. Jedes „X“ steht - wie im Römischen - für eine „10“. Somit stehen dem Fahrer 2x10 Gänge zur Verfügung.

SRAM X0

SRAM X0 ist wie im 1-fach-Segment das eher abfahrtsorientierte Pendant zur SRAM XX für den Gravity-Bereich. Hier können die 10 Ritzel hinten mit 1-3 Kettenblättern vorne kombiniert werden.

Die Übersetzung: 1-, 2- oder 3-fach?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Einfachschaltung mit elf Ritzeln und einem Kettenblatt durchgesetzt hat. Der moderne Ein-Gang-Antrieb bietet Gewichtsvorteile, da er ohne Umwerfer und ohne zweite Gangschaltung auskommt. So hat der Fahrer die linke Hand für die wichtige Vorderradbremse frei und kann sich auf die Strecke und das Schalten konzentrieren.

Wo Licht ist, ist auch Schatten - beim Ein-Gang-Antrieb ist es die Abstufung der Gänge. Im Vergleich zu 2- und 3-fach-Schaltungen liegen die Gänge weiter auseinander, was für Umsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der ambitionierte Fahrer gleicht dies durch die Wahl des richtigen Kettenblattes aus. So kommen bei Enduro- und Trailbikes meist 30er oder 32er Kettenblätter zum Einsatz. XC- und Marathonfahrer greifen gerne auf ein 34er oder 36er Kettenblatt zurück. Wer sich hier unsicher ist, kann getrost auf die Werkseinstellung vertrauen und bei Bedarf auf ein anderes Kettenblatt umrüsten.

Bremsen: Kurzüberblick

Eine hydraulische Scheibenbremse findet sich an jedem guten Mountainbike. Generell kann gesagt werden, dass es kaum schlechte Bremsen gibt. Viel entscheidender sind der Einsatzbereich, die Fahr- bzw. Bremstechnik und der Fahrstil. So wäre eine “kleine und leichte” Bremse für XC und Marathon am Downhiller unterdimensioniert und eine Bremse aus dem Gravity-Bereich (Downhill, Freeride) sicherlich überdimensioniert.

Shimano bietet zu jeder Schaltgruppe auch eine Bremse an. Sram hat drei Bremsen im Programm. Beide Hersteller ermöglichen eine individuelle Abstimmung durch verschiedene Bremsbeläge, Bremsscheiben und Bremsgriffe. In den oberen Gruppen können zudem Ansprechverhalten, Druckpunkt und sogar der Hebelweg an die Vorlieben des Fahrers angepasst werden.

Unterschiede gibt es vor allem bei der Bremsleistung. Obwohl beide über kräftige Vierkolbenbremsen verfügen, ist die Bremswirkung unterschiedlich. Wer sich gerne an den Bremspunkt herantastet und immer einen Finger am Hebel hat, ist mit Sram gut beraten. Shimano hat den etwas festeren Biss, allerdings sollte man nicht zu lange mit schleifender Bremse fahren.

Ein weiterer Unterschied zwischen Shimano und Sram ist die Befestigung des Schalthebels am Bremsgriff. Bei Shimano ist dies ab der SLX-Gruppe der Fall. Sram hat hier eine Klemme für alle, man kann also eine einfache Schaltung mit der Top-Bremse an einer Klemme kombinieren.

Individuell zusammengestellte Gruppen

Wenn die Komplettgruppen in unserem Shop Deine persönlichen Vorstellungen vom Antrieb für Dein Custom-Bike nicht abdecken, kannst Du Dir natürlich auch eine individuelle Lösung zusammenstellen. Du kannst innerhalb eines Herstellers meist die Gruppen durchmischen, solange die Bauteile für die gleiche Anzahl Gänge ausgelegt sind.

Hier ein paar Beispiele:

Es ist kein Problem, eine Shimano XTR-Kurbel mit SLX-Schaltwerk und XT-Kassette zu betreiben und dazu Deore Schalthebel zu benutzen. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Komponenten gleich viele Schaltstufen haben, also 10, 11 oder 12 Gänge. Komponenten mit unterschiedlichen Schaltstufen kannst Du nicht miteinander kreuzen - da ist die Fehlfunktion vorprogrammiert.

Ähnlich bei SRAM: Du kannst eine GX-Kurbel mit XX1 Kette betreiben, dazu einen NX-Schalthebel verwenden und Kassette und Schaltwerk aus der X01 Gruppe daran hängen. Aber auch hier müssen die Schaltstufen gleich sein. Zudem ist zu beachten, dass Komponenten aus dem SRAM Transmission-Ökosystem nur untereinander, nicht mit den älteren SRAM Eagle Komponenten kompatibel sind.

Es liegt in der Natur der Sache, dass hochpreisige Komponenten technisch ausgereifter und oft langlebiger oder beides sind. Doch die Relevanz ist bei den einzelnen Komponenten unterschiedlich ausgeprägt. Wenn es um Haltbarkeit und Schaltqualität geht, ergibt es Sinn, eine sehr hochwertige Kette zu montieren.

Da die Kette sowohl Kassette als auch Kettenblatt sowie Schalträdchen umschlingt und so für den Verschleiß aller dieser Komponenten verantwortlich ist, kann eine präzise gefertigte Kette den Verschleiß des gesamten Antriebs reduzieren. Gleichzeitig verschleißt die Kette selber auch langsamer. So empfehlen wir bei Shimano eine XT- oder XTR-Kette und bei SRAM eine X01- oder XX1-Kette, auch wenn der Rest des Antriebs aus günstigeren Serien stammt. Oft ist es auf Dauer kostengünstiger, auf einem Mittelklasse-Antrieb eine teure Kette zu fahren.

Achtung: Mische niemals Shimano- und SRAM-Komponenten. Dies wird unweigerlich Probleme machen - vom unsauberen Schalten bis hin zur kompletten Fehlfunktion und Totalausfall. Es gibt allerdings ein paar Fremdhersteller, die kompatible Kurbeln und Kettenblätter für Shimano- und SRAM-Gruppen anbieten, zum Beispiel Hope, Race Face oder e*thirteen. Wenn Du dazu tendierst, achte sorgsam auf die Kompatibilität zum Rest der Gruppe. Für eine absolut reibungslose und garantierte Performance empfehlen wir immer noch, komplett „markentreu“ zu bleiben.

Kompatibilitätsübersicht: Shimano Rennradgruppen

Die folgende Tabelle bietet einen schnellen Überblick über die vier Rennradgruppen von Shimano - mit der jeweiligen Zielgruppe und voraussichtlichen Kosten (wobei Fahrräder im Angebot weitaus günstiger sein können), aber auch welche Optionen man bei der Gruppe hat (Scheibenbremse, elektrische Schaltung).

Rennradgruppe Gangschaltungen Bremse Schaltung Kosten Fahrrad mit Gruppe Kosten Gruppe ohne Fahrrad Zielgruppe
Tiagra 2x10 / 3x10 Felge oder Disc mechanisch ~800€ - 1.600€ ~300 - 400€ Hobby-Radler
105 2x11 Felge oder Disc mechanisch ~1.400 - 2.000€ ~400 - 500€ Einsteiger, Trainingsrad
Ultegra 2x11 Felge oder Disc mechanisch oder elektrisch (Di2) ~2.000 - 5.000€ ~600 - 1.000€ Amateursportler, gelegentlich Teilnahme an Radrennen wie Cyclassics
Dura-Ace 2x11 Felge oder Disc mechanisch oder elektrisch-kabellos (Di2) ~3.000 - 12.000€ ~1.000 - 4.000€ Profisportler, regelmäßige Touren und Radrennen

Shimano Tiagra

Es ist eine schwere Entscheidung, wenn es darum geht, welche der Shimano-Gruppen die erste „echte“ (sprich: wettkampftaugliche) Rennradgruppe darstellt. Offiziell fängt es bei Shimano schon mit der Tourney (A070) an. Anderorts beginnt die Liste der Shimano-Rennradgruppen mit den nächsthöheren Gruppen Claris oder Sora. Diese Komponentengruppen bestehen ohne Frage aus effektiven und hochwertigen Fahrradteilen - wer mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelt oder als Hobby quer durchs Land radelt, der wird mit diesen Gruppen voll zufrieden sein. Wenn es aber um den Radsport geht, ist das mit diesen Gruppen so, als würde man nur mit den Zehenspitzen ins Wasser tauchen. Daher fängt unsere „seriöse“ Auflistung erst mit Tiagra an.

Preislich gesehen kann man sich aber auch mit einem Tiagra-Rennrad noch im dreistelligen Bereich bewegen (was mit den hochwertigeren Gruppen relativ unmöglich ist), wenn man Glück hat. Trotzdem kann sich die Tiagra-Gruppe von der Qualität her voll mit der 105 messen. Es ist bloß so, dass die Tiagra gewissermaßen noch eine Vorstufe zu den anderen Rennradgruppen von Shimano darstellt. Die Tiagra ist eher noch im Bereich der All-Rounder anzusiedeln (Fitnessbikes, Cyclocross-Bikes, Reiseräder) - das sieht man auch daran, dass man die Tiagra wahlweise mit 2×10 oder 3×10 Gängen bekommt (Zweier-Kurbel oder Dreier-Kurbel). Die Version mit 3×10 Gängen erlaubt dem Fahrer mehr unterschiedliche Drehzahlverhältnisse, was ein Gefühl von Kontrolle gibt. Aber im Radsport hat man eigentlich nur Zweier-Kurbeln und konzentriert sich auf maximal 22 Gänge - alles, was mehr Gänge hat, ist eher ein Freizeitrad.

Prinzipiell besteht eine weitreichende Kompatibilität zwischen den verschiedenen Shimano-Gruppen, doch eine volle Kompatibilität hat man nur, wenn die Anzahl der Gänge gleich ist. Daher kann es kompliziert sein, von Tiagra zu den höheren Rennradgruppen aufzurüsten (welche ausschließlich 2×11 Gänge haben).

Stärken der Shimano Tiagra

  • Guter Einstieg in qualitätsgeprüfte Komponentengruppen
  • Preiswert

Schwächen der Shimano Tiagra

  • Höhere Fertigungstoleranzen in der Herstellung, geringere Qualität als höherpreisige Komponentengruppen
  • einfachere / reduzierte Mechanik
  • reduzierte Gänge am Ritzel (10-fach)
  • geringere Qualität der verwendeten Materialien der Komponentenbestandteile

Shimano 105

Die 105er-Gruppe stellt die Einstiegsklasse unter den hochwertigeren Shimano-Gruppen dar. Denn die 105 teilt sich viele Eigenschaften mit Ultegra und Dura-Ace. Das wohl wichtigste Kriterium: Alle dieser Gruppen gibt es ausschließlich mit 2×11 Gängen. So sind diese drei Gruppen untereinander vollends kompatibel und man bekommt ungefähr das gleiche Fahrgefühl. Daher ist die 105 unsere klare Kaufempfehlung als erste Rennradgruppe für alle Radsport-Interessenten - später kann man das Rennrad progressiv mit einzelnen Ultegra- und Dura-Ace-Teilen aufrüsten (nur bei schon veralteten 105-Gruppen kann es Probleme geben).

Wie auch die anderen Rennradgruppen von Shimano bekommt man die Shimano 105 mit unterschiedlich großen Kassetten und Kettenblättern, wodurch unterschiedliche Drehzahlverhältnisse zu Stande kommen. Kurz gesagt: Eine Gruppe mit großen Kettenblättern (53/39 Zähne) und kleinen Kassetten (11-28 Zähne) wird am ehesten im professionellen Radsport eingesetzt, um eine möglichst hohe Übersetzung zu bekommen. Die Kurbel wird dabei als „Standardkurbel“ bezeichnet. Die Version mit der „Kompaktkurbel“ hat kleinere Kettenblätter (50/34 Zähne) und größere Kassetten (11-32 Zähne), was eine komfortablere Übersetzung für Bergauffahrten erlaubt. Dazwischen gibt es auch eine Semi-Kompakt- bzw. Mid-Compact-Version.

Stärken der Shimano 105

  • Auf Augenhöhe mit Profi-Komponenten in der Mechanik
  • Preiswert
  • Etabliert und hohe Innovation
  • Hohe Qualität durch hochwertige Komponentenbestandteile und enge Qualitätsprüfung

Schwächen der Shimano 105

  • Höheres Gewicht als Profi-Komponenten
  • Innovativ, aber nicht die Speerspitze der neuesten Komponentengenerationen
  • Keine elektrische Schaltung verfügbar

Shimano Ultegra

Die Ultegra-Gruppe stellt den Bestseller unter den Rennradgruppen von Shimano dar. In bestimmten Sparten findet man ausschließlich Ultegra an den benutzten Rennrädern - gemeint sind ambitionierte Amateursportler, die auch mal bei Jedermannrennen (Cyclassics, Veloton) oder anderen Rennrad-Touren mitmachen (aber „noch“ keine Sponsoren haben). Von der Funktionalität gibt es kaum Unterschiede zwischen Ultegra und Dura-Ace, der Spitzenklasse von Shimano. Der größte Unterschied besteht im Material, weshalb die Ultegra-Gruppe ein höheres Gewicht auf die Waage bringt. Shimano Ultegra (wie auch die 105) werden von Profis oft an den Trainingsrädern benutzt.

Man hat bei der Ultegra die gleichen Optionen wie auch bei 105, was die Kettenblätter und Kurbeln angeht. Doch was ab Ultegra auch möglich ist: eine elektrische Schaltung (Di2). Es handelt sich bei Ultegra dabei um eine elektrische Schaltung mit Kabel - nur die Dura-Ace bekommt man mit einer kabellosen Schaltung. Elektrische Schaltungen werden oft als höheres Level an Professionalität eingestuft, doch dabei fahren Profis sowohl mit elektrischen als auch mit mechanischen Schaltungen. Bei einer elektrischen Schaltung kann man an verschiedenen Stellen am Lenker Schalter zum Anpassen des Gangs haben und die Schaltpräzision ist höher - aber dafür wiegt das System etwa 80g mehr.

Stärken der Shimano Ultegra

  • Auf Augenhöhe mit Profi-Komponenten in der Mechanik
  • Sehr geringes Gewicht
  • Höchste Innovation
  • Elektrische Schaltung verfügbar
  • Höchste Qualitätsprüfungsstandards und Fertigungstoleranzen

Schwächen der Shimano Ultegra

  • Hoher Preis

Shimano Dura-Ace

Die Dura-Ace-Gruppe stellt das Flaggschiff und die Spitzenklasse unter den Rennradgruppen von Shimano dar. Bei den Profirädern der Tour de France ist die Dura-Ace am häufigsten zu finden. Doch wie bereits bei Ultegra geschildert, besteht der hauptsächliche Unterschied im verwendeten Material der Komponentengruppe. Bei Dura-Ace kommt eine Mischung von Aluminium, Carbon und Titan zum Einsatz, wodurch sie etwas leichter ist - die Gruppe kommt in der Regel auf unter 2kg. Außer den Profisportlern ist die Dura-Ace aber nur für die absoluten Optimierungs-Freaks und Fahrradfahrer mit Höchstambitionen von Interesse. Man bekommt hier das Beste vom Besten - ein besseres Fahrgefühl bekommt man mit keinem anderen Fahrrad (mit Shimano Komponenten), das es auf dieser Erde zu finden gibt.

Wie auch die Ultegra bekommt man die Dura-Ace wahlweise mit mechanischer oder elektrischer Schaltung (Di2). Im Unterschied zu Ultegra kommt die elektrische Schaltung hier jedoch ganz ohne Kabel aus, was einen weiteren Vorteil gegenüber Ultegra darstellt.

Stärken der Shimano Dura Ace

  • Höchste Innovation, allerneueste Komponentengenerationen
  • Geringstes Gewicht
  • Profi Equipment
  • Höchste Qualitätsprüfungsstandards und Fertigungstoleranzen

Schwächen der Shimano Dura Ace

  • Hoher Preis

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