Die Wahl der Schaltgruppe ist eine wichtige Entscheidung beim Kauf eines Fahrrads, bei der Montage eines Rahmens oder beim Aufrüsten deines Fahrrads. Auf dem Markt gibt es im Wesentlichen drei Hersteller: Shimano, SRAM und Campagnolo. Der japanische Hersteller Shimano ist dabei Branchenführer und bietet eine breite Palette an Schaltgruppen speziell für Rennräder in verschiedenen Preisklassen.
Die Schaltgruppe, die das Antriebs- und Bremssystem umfasst, ist eines der wichtigsten Teile eines Fahrrads. In diesem Artikel findest du eine Übersicht, um die beste Shimano-Schaltung für dein Rennrad zu finden!
Die Marktführer: Shimano & SRAM
Seit der Einführung der bekannten Dura-Ace-Gruppe im Jahr 1973 hat sich Shimano im Rennradsport gegenüber Campagnolo durchgesetzt. Bei der Tour de France 2020 fuhren 17 der 22 Teams die elektronische Dura-Ace-Gruppe (Di2), während die Campagnolo Super Record EPS nur von drei Teams verwendet wurde. Der Anteil von SRAM-Gruppen ist von acht Teams im Jahr 2010 auf zwei Teams im Jahr 2020 gesunken. Auch wenn alle drei Hersteller eine große Auswahl an Rennrad-Gruppen anbieten, so hat Shimano mittlerweile in jeder Rennrad-Preisklasse deutlich die Oberhand gewonnen.
Die High-End-Komponenten für Rennräder hören bei Shimano auch weiterhin auf den Namen „Dura-Ace“, während die Rennrad-Gruppen darunter die Bezeichnung „Ultegra“, „105“ (11-fach), „Tiagra“ (10-fach), „Sora“ (9-fach) und „Claris“ (8-fach) tragen. 2019 kam die Gravelgruppe „GRX“ dazu, die sich durch ihre offroadtaugliche Bauweise auszeichnet und als 10- und 11-fach-System erhältlich ist.
Im Gegensatz zu Shimano bietet SRAM Rennradgruppen als 10-, 11- und 12-fach an. Die preiswerteste SRAM-Apex-Gruppe (2×10) ist daher eher schon mit der Shimano Tiagra zu vergleichen. Sowohl die „Apex“ als auch die nächsthöheren Gruppen „Rival“ und „Force“ sind auch als 1×11-Gruppe - für Gravel- und Cyclocrossbikes - erhältlich. Die Top-Gruppen „Force“ und „Red“ gibt es als kabellose „eTap“-Varianten und in der „AXS“-Ausführung nun mit 12 oder 24 Gängen.
Was gehört zu einer Rennrad-Gruppe?
Eine komplette Rennrad-Gruppe besteht aus folgenden Komponenten:
- Schalt-/Bremshebel
- Kurbelgarnitur (Kurbel, Innenlager, Kettenblätter)
- Umwerfer
- Kassette
- Schaltwerk
- Kette
- Naben/Laufräder
- Bremskörper (Scheiben- oder Felgenbremse, hydraulisch oder mechanisch)
Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen
Die Rennrad-Gruppen von Shimano & SRAM werden den entsprechenden Ausstattungsklassen zugeordnet. Mit dem Bike-Guide kannst du nicht nur das Level der Ausstattung auf einen Blick erkennen, sondern auch, ob das Rad vom Einsatzbereich und Terrain zu deinen Vorstellungen passt.
Durch die Einordnung der Gruppen in den Ausstattungs- und Preisklassen wird deutlich, dass sich SRAM eher in den oberen Preisklassen bewegt, während Shimano auch Rennradgruppen in der Einstiegsklasse bereithält. Zudem lassen sich die Gruppen von Shimano und SRAM aufgrund leicht unterschiedlicher Preise und Ausrichtungen nicht direkt miteinander vergleichen. Dennoch werden die Rennradgruppen detailliert - anhand der drei Level - durchgegangen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Schaltgruppen erklärt.
Level 1: Einstiegsklasse (Rennräder ab 700 Euro)
Shimano bietet für Rennräder der Einstiegsklasse die Gruppen Claris (R2000) und Sora (R3000) an. Beide Gruppen sind nur mit mechanischen Felgenbremsen erhältlich. Die Gruppen richten sich zwar an Rennradeinsteiger, kommen aber beide im Bereich der Kurbel bereits mit dem hochwertigen „Hollowtech II“-Design daher, dass auch bei den Top-Gruppen verwendet wird. Hierbei besitzt die zweiteilige Kurbel eine Hohlachse, die für geringes Gewicht und in Kombination mit dem außenliegenden Lager für hohe Steifigkeit und bessere Haltbarkeit sorgt. Die aktuellen Claris- und Sora-Gruppen sind mit moderner Zweifach-Kompaktkurbel und 50-34 Kettenblättern wie auch als Dreifachkurbel verfügbar. Die Bedienung erfolgt vom Lenker ebenfalls wie bei allen anderen Shimano-Rennrad-Gruppen über eine Kombination aus Brems- und Schalthebel, auch „Shimano Total Integration“ - kurz „STI“ - bekannt. Die Unterschiede zwischen Claris (8-fach) und Sora (9-fach) liegen also hauptsächlich in der Anzahl der Gänge des Schaltwerks beziehungsweise der Kassette.
Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab 1.300 Euro)
Wer ein leichteres Rennrad mit besserer Performance sucht, ist in der Mittelklasse gut aufgehoben. Die Auswahl an Rennrädern für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrer ist zudem deutlich größer. Dies spiegelt sich auch im Bereich der Schaltgruppen wider. Zusätzlich zu der Tiagra (R4700) und 105 (R7000) von Shimano gibt es auch von SRAM mit Apex und Rival zwei Optionen. Alle genannten Gruppen gibt es aktuell noch gleichermaßen mit der herkömmlichen Felgenbremse als auch mit einer modernen, hydraulischen Scheibenbremse.
Sowohl bei der Tiagra von Shimano als auch der Apex von SRAM handelt es sich um 10-Fach-Schaltungen. Beide Gruppen sind durch bessere Verarbeitung zum einen nochmals leichter und zum anderen präziser als die der Einstiegsklasse. Die nächsthöhere Shimano 105 und die SRAM Rival 22 bieten dann den nächsten Performance-Schritt. Wie der Name der „Rival 22“ bereits ankündigt, handelt es sich um 2×11-Schaltungen. Beide Gruppen profitieren von einigen Technologien der Top-Gruppen des jeweiligen Herstellers. Beispielsweise ist die Kurbel der 105er optisch und technisch schon sehr nah an den Topmodellen Ultegra und Dura-Ace. Die hohlen Kurbelarme sind nochmal etwas leichter und auch die Kettenblätter sind aufwändig bearbeitet worden. Einige Meinungen gehen sogar so weit, dass die aktuelle 105 die „Dura-Ace von gestern“ sei. Aussagen wie diese machen deutlich, dass auch die Schaltungen in der Mittelklasse in den letzten Jahren einen großen Leistungssprung vollzogen haben.
Der große Unterschied zwischen SRAM und Shimano liegt bei den mechanischen Gruppen in der Bedienung. Bei Shimano dient der große Bremshebel bei seitlicher Bewegung auch zum Runterschalten und es gibt einen weiteren Hebel zum Hochschalten. SRAM setzt hingegen auf „einen Bremshebel, der bremst und einen Schalthebel, der schaltet.“ Der Schalthebel funktioniert daher in beide Richtungen. SRAM nennt diese Technologie „DoubleTap“. Zum Hochschalten muss der Schalthebel nur angetippt werden und zum Runterschalten über einen gewissen Punkt hinausbewegt werden. Welche der beiden Varianten du bevorzugst ist natürlich reine Geschmackssache, da beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.
Level 3: Spitzenklasse (Rennräder ab 2.000 Euro)
Im High-End-Bereich hören die Gruppen bei Shimano auf die Namen „Ultegra“ und „Dura-Ace“. SRAM schickt die Gruppen „Force“ und „Red“ ins Rennen. Dabei ist die Shimano Ultegra die wahrscheinlich beliebteste Rennrad-Schaltgruppe überhaupt. Und das hat seine Gründe: Die aktuelle Ultegra R8000 wiegt als Ausführung mit Scheibenbremse gerade einmal knapp 2300 Gramm und ist somit 150 Gramm leichter als die 105er-Gruppe. Diese Diät hat die Ultegra dem Einsatz von hochwertigerem Material und der verbesserten Fertigung zu verdanken. Beispielsweise bestehen die Bremshebel aus Carbon und die Ritzel der Kassette sind auf einem Spider aus Aluminium montiert. Auch absolute Profis schätzen die Shimano-Ultegra-Reihe daher sehr.
Die SRAM Force 22 spielt in einer ähnlichen Liga und wiegt nochmal 80 Gramm weniger. SRAM hat zudem 2019 mit der Red und Force als „eTap AXS“ fast zeitgleich mit Campagnolo die ersten elektronischen 12-fach-Gruppen für Rennräder vorgestellt. Die Besonderheit ist dabei neben der kabellosen Funktionsweise, die Möglichkeit die Schaltungen sowohl bei Straßenrennrädern als auch bei Gravelbikes einzusetzen. Shimano geht mit der Dura-Ace einen anderen Weg und richtet die Gruppe mit Komponenten aus Carbon und Titan rein auf die Renntauglichkeit aus. Auch wenn SRAM am oberen Ende der Fahnenstange Shimano gegenüber voraus zu sein scheint, so kursieren doch einige Gerüchte, dass Shimano mit einer kabellosen 12-fach-Dura-Ace bald nachziehen wird.
Shimano Rennradgruppen im Detail
Im Folgenden werden die einzelnen Shimano Rennradgruppen im Detail betrachtet.
Shimano Claris
Die Shimano Claris Gruppe ist für Fahrräder gedacht, die für Anfänger geeignet sind oder ein Fahrrad mit kleinem Budget suchen. Sie ist mit 2 x 8 Gängen und 3 x 8 Gängen für die Liebhaber von Dreifach-Kettenblättern erhältlich.
Shimano Sora
Die Shimano Sora Gruppe ist für viele Fahrer geeignet, die eine zuverlässige und effiziente Gruppe suchen. Sie kann sowohl für Rennräder als auch für Trekking- und Stadtfahrräder verwendet werden.
Shimano Tiagra
Die Tiagra-Gruppe ist heute mit 10 Gängen (2 x 10v und 3 x 10v) erhältlich und ermöglicht es, ein Straßen- oder Stadtfahrrad kostengünstig auszustatten, ohne an der Zuverlässigkeit zu sparen.
Shimano 105
Die Shimano 105 Gruppe ist die Gruppe mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie ist mit den neuesten Technologien (z. B. 4-Speichen-Kurbelgarnitur) ausgestattet und ist mit 11 Gängen (aber auch mit 10 Gängen) erhältlich. Sie können sie perfekt mit der SHIMANO 105/SLX-Kette kombinieren. Die 105er Gruppe ist in vielen Kompletträdern der bekanntesten Marken wie Trek, BMC, Cube usw. verbaut.
Shimano Ultegra
Die Shimano Ultegra-Gruppe profitiert von Shimanos Know-how, leichte und präzise Komponenten anzubieten, die es ermöglichen, die Erwartungen der anspruchsvollsten Enthusiasten und Wettkämpfer zu erfüllen. Im Sommer 2017 hat Shimano das neueste Mitglied seiner Ultegra-Reihe herausgebracht, die Ultegra R8000-Gruppe (2 x 11 Gänge), die weitgehend von den Innovationen der Dura-Ace-Reihe inspiriert wurde (4-Speichen-Tretlager, Direct Mount-Bremsen, Ultegra-Kette usw.).
Shimano Ultegra Di2
Die Shimano Ultegra Di2 ist die gleiche Version wie die oben genannte, jedoch mit elektrischer Schaltung. Die elektrische Schaltung ermöglicht einen flüssigeren Gangwechsel und optimiert den Komfort des Fahrers.
Shimano Dura-Ace
Die Dura-Ace- und Dura-Ace Di2-Gruppe ist das Aushängeschild von Shimano und wird an hochwertigen Fahrrädern und von Shimano gesponserten Profiteams eingesetzt.
Shimano Dura-Ace Di2
Es bietet seinen Besitzern die gleiche Qualität wie das Dura Ace, aber in einer elektrischen Version.
Die Wahl deiner Shimano-Gruppe hängt hauptsächlich von deiner Fahrpraxis ab. Erfahrene Radfahrer werden nämlich ein Doppelkettenblatt bevorzugen, um Gewicht zu sparen. Liebhaber von Bergpässen oder langen Touren wählen ein Dreifach-Kettenblatt, mit dem sie viele Entwicklungen kombinieren können und mehr Geschwindigkeit bei Anstiegen haben. Schließlich ist zu beachten, dass das Doppel- und Dreifach-Kettenblatt tendenziell durch die Kompaktgruppe ersetzt wird, die die gleichen Entwicklungen wie ein Dreifach-Kettenblatt ermöglicht, aber weniger Gewicht hat.
Ein weiteres Element, das Sie bei einem Gruppenwechsel auswählen sollten, ist die Kompatibilität Ihres Freilaufs, der sich an Ihrem Hinterrad befindet.
Die Rangordnung der Shimano-Gruppen
Die Gruppen unterscheiden sich natürlich vom Preis und der Qualität her. Von unten aufsteigend sieht die Reihenfolge so aus: Tourney, Claris, Sora, Tiagra, 105, Ultegra, Dura-Ace. Es gibt auch Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2, aber der einzige Unterschied besteht dabei darin, dass die Schaltung elektrisch und nicht mechanisch ist.
Generelle Unterschiede zwischen den Schaltgruppen
Von Gruppe zu Gruppe werden hochwertigere Materialien und genauere Fertigungstoleranzen verwendet. Das bedeutet, dass die hochwertigen Gruppen aufwändiger zu fertigen sind und die hochwertigen Materialien zusammen mit dem größeren Herstellungsaufwand einen höheren Preis, allerdings auch eine genauere Schaltperformance und geringeres Gewicht erzeugen. Beispielsweise wiegt eine 11-28 Zähne Kassette der Dura Ace Gruppe 193g und eine 105er Kassette mit gleicher Abstufung 284g. Dieser Gewichtsvorteil wird durch einen Carbon Ritzelträger und Titanritzel erzielt. Die 105er Kassette ist damit also knapp 50% schwerer als die Dura Ace Kassette, allerdings auch ca. 80% günstiger.
Vor- und Nachteile mechanischer Rennradschaltungen:
- + Gewicht
- - Verschleiß der Züge
- + Leichte Reparatur unterwegs (z.B. bei gerissenen Zügen)
- - Schwergängig bei ungünstiger Verlegung der Züge
- + (relativ) preiswert
Vor- und Nachteile elektronischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Abhängigkeit von Stromquelle
- + Relativ unempfindlich gegen Schmutz
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- - Meist höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
Vor- und Nachteile hydraulischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- + Tausch oder Nachstellen von Zügen nicht nötig
- - Höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
- + Weniger anfällig, schwergängiger in der Funktion als mechanische Schaltungen
Übersicht der Shimano Rennradgruppen
Die folgende Tabelle bietet einen schnellen Überblick über die Rennradgruppen von Shimano mit der jeweiligen Zielgruppe, den voraussichtlichen Kosten und den verfügbaren Optionen.
| Rennradgruppe | Gangschaltungen | Bremse | Schaltung | Kosten Fahrrad mit Gruppe | Kosten Gruppe ohne Fahrrad | Zielgruppe |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Tiagra | 2x10 / 3x10 | Felge oder Disc | mechanisch | ~800€ - 1.600€ | ~300 - 400€ | Hobby-Radler |
| 105 | 2x11 | Felge oder Disc | mechanisch | ~1.400 - 2.000€ | ~400 - 500€ | Einsteiger, Trainingsrad |
| Ultegra | 2x11 | Felge oder Disc | mechanisch oder elektrisch (Di2) | ~2.000 - 5.000€ | ~600 - 1.000€ | Amateursportler, gelegentlich Teilnahme an Radrennen wie Cyclassics |
| Dura-Ace | 2x11 | Felge oder Disc | mechanisch oder elektrisch-kabellos (Di2) | ~3.000 - 12.000€ | ~1.000 - 4.000€ | Profisportler, regelmäßige Touren und Radrennen |
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