Shimano GRX 400 Schalthebel im Test: Alles, was du über die Gravel-Gruppe wissen musst

In diesem Artikel werden alle nützlichen Informationen zur aktuellen Shimano GRX Gravel-Gruppe von A-Z aufgelistet. Es wird erläutert, für welche Anforderungen welche GRX Gruppe geeignet ist.

Was ist Graveln?

Abseits von viel befahrenen Straßen, auf unwegsamen Strecken, auf Wald- oder Schotterwegen - das Gravel Bike macht es möglich, Asphalt und Gelände zu verbinden, ohne sich für ein Rennrad oder ein Mountainbike entscheiden zu müssen. Gravelbikes nehmen also eine Hybridstellung zwischen Rennrad und Mountainbike ein.

Shimano GRX: Der Vorreiter im Gravel-Bereich

Shimano war hierbei einer der Vorreiter und hat 2019 mit der GRX Gruppe ihren Ansatz für den Gravelbereich auf den Markt gebracht. Die GRX-Serie folgt der Analogie von Shimano und bietet drei Abstufungen hinsichtlich des Preises und der Qualität.

Die verschiedenen GRX-Gruppen im Überblick:

  • RX800: Die Top Gruppe der GRX Serie, erhältlich als mechanische sowie als elektronische Di2 Variante.
  • RX600: Vergleichbar mit Shimano 105, etwas schwerer, dafür preislich günstiger als das Topmodell.
  • RX400: Die Einstiegs-Komponenten, ausschließlich mit zweifach Kettenblättern und hinten 10-fach Ritzel erhältlich.

Je nach gewünschten Übersetzungsverhältnissen und Einsatzzweck des Gravelbikes empfiehlt es sich vorne mit einem einfach- oder zweifach-Kettenblatt zu fahren. Auf dem europäischen Markt sind bei Gravelbikes Kurbeln mit einem Kettenblatt weit verbreitet. In den USA ist inzwischen zu beobachten, dass erfahrene Gravel-Renn- und Freizeitfahrer zurück zu klassischen Zweifach-Antrieben wechseln - und von feineren Abstufungen zwischen den Gängen profitieren wollen.

Besondere Merkmale der Shimano GRX Gruppe

Schaltwerk mit Dämpfer

Das Schaltwerk wird wie im Mountainbike-Bereich mit einem Schaltwerk Dämpfer ausgestattet. Diese Technologie mit dem Namen Shimano Shadow Plus verhindert Kettenschlagen und sorgt für Ruhe im Antriebsstrang. Dadurch schlug die Kette auch auf holprigem Untergrund kaum auf die Kettenstrebe, der Schaltwerkskäfig blieb in allen Situationen stabil.

Speziell entwickelte Schaltbremshebel

Ein besonderes Highlight der Shimano GRX Gruppe sind die speziell entwickelten Schaltbremshebel. Der Drehpunkt der Hebel wurde nach oben gesetzt, was zu einer erhöhten Hebelkraft der Bremshebel und somit zur besseren Bremswirkung führt. Zusätzlich zu den für Gravel-Lenker entwickelten Bremshebeln mit ihrer individuell einstellbaren Griffweite lassen sich weitere Bremshebel mittig am geraden Teil des Lenkers anbringen. Diese erlauben es, dass auch in der Oberlenkerhaltung gebremst werden kann. Im Test überzeugten die wegen ihrer auffälligen Form auch „froglegs“ genannten Hebel: Sie ermöglichen es, dass man auch bei einem plötzlich schlechter werdenden Untergrund nicht „umgreifen“ muss, um schnell bremsen zu können.

Gravel-spezifische Lenker

Kontrolle und Komfort: Diese beiden Eigenschaften sind auf ruppigen und unbefestigten Fahrbahnen entscheidend. Gravel-spezifische Lenker sind daher in der Regel breiter und weisen den sogenannten „Flare“ auf: Der Unterlenker ist seitlich ausgestellt.

Reifen

Das verbaute Vittoria-Modell Terreno mit 38 Millimetern Breite und starkem Profil überzeugte auch auf anspruchsvollen Trails mit Wurzeln und gröberen Steinen. Dank der Tubeless-Montage ohne Schlauch konnten sie mit wenig Luftdruck gefahren werden. Unserem 70 Kilogramm schweren Tester boten sie bei rund drei Bar gute Dämpfungseigenschaften, viel Grip und dadurch eine sehr gute Traktion.

Kompatibilität

Die GRX- Komponenten sind über die einzelnen Serien hinweg miteinander kompatibel und auch mit solchen aus Shimanos Mountainbike- und Rennrad-Gruppenfamilien kombinierbar.

Shimano GRX 12-fach Gruppe

Mit der Shimano GRX 12-fach Gruppe bringen die Japaner ein großes Upgrade für ihre Gravel-Gruppe. Sämtliche neuen GRX Komponenten schalten auf zwölf Gängen. Das heißt auch direkt, dass ein Mischen mit den „alten“ GRX Bauteilen nicht möglich sein wird. Wie schon beim Vorgänger wird es auch bei der neuen GRX Gruppe verschiedene Kategorien geben. Die Komponenten der 800er Serie bilden dabei nach wie vor die Speerspitze und zielen auf ambitionierte Gravel-Fahrer, wohingegen sich die günstigeren 600er Bauteile eher an Einsteiger richten.

Mit dem Sprung auf zwölf Gänge und breiter abgestuften Kassetten kann Shimano einen der wahrscheinlich größten Nachteile der bisherigen GRX Gruppe ausmerzen. Wer nämlich bislang auf einen Umwerfer verzichten wollte bzw. musste (z.B. weil viele Rahmen gar keinen Platz mehr dafür haben), bekam im GRX-Kosmos zwar ein 1×11 Setup, das jedoch in puncto Bandbreite weit hinter der US-Konkurrenz von Sram zurücklag.

Bei den verwendeten Kassetten setzt Shimano sinnvoller Weise auf das, was man bereits aus dem MTB-Bereich im Programm hat. Neben der breit abgestuften 10-51er Kassette trifft das auch auf die enger abgestufte 10-45er Variante zu, die sich damit auch eher an ambitionierte, fitte Fahrer richtet, die auf einen leichten Berg-Gang verzichten können.

Im Falle der neuen GRX heißt das, dass man mit einem 2×12 Setup das beste aus beiden Welten bekommt. Wie schon bei den Konfigurationen ohne Umwerfer setzt Shimano auch hier auf Kassetten, die sich bereits im Portfolio befinden. Neben der 11-34 Kassette aus der Ultegra-Reihe betrifft das auch den 11-36er Kranz der neuen 105 Di2 Gruppe. Bei den Kurbeln gibt es entweder eine 48/31er Abstufung für die 800er Baureihe oder eine etwas leichtere 46/30 bei der 600er Kurbel.

Die Schaltvorgänge sind weiterhin schnell und präzise, die Ergonomie an den 800er STIs nach wie vor exzellent. Keine Experimente also, keine Revolution - die neue GRX 12-fach ist eine direkte Fortführung der bisherigen Gruppe; mit größerer Bandbreite, mehr Optionen und kleinen Verbesserungen im Detail.

Die Shimano GRX im Praxistest

Im Fahreindruck überzeugte die mechanische Gruppe: Im Praxistest gab es kein Kettenschlagen, keine -abwürfe, -klemmer oder anderen Probleme. Im Gegenteil: Der Antrieb arbeitete präzise, geräuscharm - und schaltete etwas knackiger als die gewohnten Straßenkomponenten.

Shimano GRX Schalthebel

Auch die Schalthebel unterscheiden sich in einigen Details von den Brems-Schalthebeln der Rennrad-Gruppen. Um für mehr Bremskraft auf Schotterabfahrten zu sorgen, wurde der Drehpunkt der Bremshebel nach oben versetzt. So erhöht sich die Hebelkraft des Bremshebels. Außerdem gibt es trotz hydraulischer Bremsleitungen wieder die Möglichkeit, zusätzliche Bremshebel am Oberlenker zu montieren. So kann auch in der Oberlenkerposition gebremst werden. Für den 1-fach Betrieb gibt es auch spezielle linke Schalthebel - entweder mit starrem Bremshebel ohne interne Mechanik oder, wie bekannt, mit nach innen schwenkendem Bremshebel, an dem ein Zug für eine absenkbare Sattelstütze eingehängt werden kann.

Shimano GRX Bremsen und Laufräder

Die GRX Gruppe gibt es nur mit hydraulischen Scheibenbremsen. Komplettiert wird das Shimano GRX-Sortiment mit zwei Alu-Laufradsätzen. Die GRX-Laufräder sind Tubeless ready, kommen mit 21,6mm Maulweite und in den Größen 28 Zoll und 650B.

Tabelle: Shimano GRX Gruppen im Vergleich

Gruppe Schaltung Kettenblätter Ritzel Besonderheiten
RX800 Mechanisch/Di2 Einfach/Zweifach 11-fach Top Gruppe, elektronische Option
RX600 Mechanisch Zweifach 11-fach Preisgünstiger
RX400 Mechanisch Zweifach 10-fach Einstiegsgruppe

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