Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Die Aufregung um die Gruppe war von Anfang an gewaltig und das Interesse an ihr ist nach wie vor groß.
Was macht die Shimano GRX so besonders?
Es handelt sich hierbei nämlich um die einzige Gruppe von Shimano, die ausdrücklich für die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte vorgesehen ist. Aber auch Reiserennradler und Randonneure dürften sich von ihrem breiten Übersetzungsspektrum angesprochen fühlen.
Bislang war es in all diesen Bereichen üblich, klassische Rennradkomponenten zu fahren. Nun tritt Shimano jedoch mit dem Anspruch an, erstmals eine eigenständige und vollständig „durchdachte Lösung“ für das Breitreifensegment unterhalb des Mountainbikes entwickelt zu haben: mit einer „auf Schotter abgestimmte[n] Halterungsergonomie“, robusteren Komponenten und geräuscharmen Antrieb.
Wie aber schlägt sich die Gruppe in der Praxis? Ist Shimano hier tatsächlich der ganz große Wurf gelungen?
Praxistest: 11.000 Kilometer im Gelände
Ich habe die Shimano GRX jetzt seit einem Jahr mit einer Laufleistung von 11000 Kilometern auf Herz und Nieren geprüft. Anders als in den Produkttests vieler Hochglanzmagazine, wurde die Gruppe also nicht nur kurz fürs Foto ans Rad geschraubt, sondern musste sich bei mir im harten Alltagseinsatz im Gelände bewähren.
Schaltverhalten
Zum Schaltverhalten kann man nur sagen: Das flutscht. Man muss die Schaltlogik von Shimano mögen, aber die Gruppe funktioniert einwandfrei, ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen.
Beim Herunterschalten mag der Umwerfer allerdings keinen Druck. Einen Vorteil von 1-fach sehe ich nicht. Auch im Gelände möchte ich den Luxus von relativ engen Gangabstufungen genießen.
Da es von der GRX keine Schellenversion gibt, habe ich stattdessen auf Shimano 105 FD7000 gesetzt. Die Kassette von Sram harmoniert wunderbar mit den Shimano-Komponenten.
Langlebigkeit
Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich bei mir recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln, die laut Werbeaussage von Shimano für extra „Grip“ sorgen soll. Zum anderen stellt sich mir die Frage, warum die Bauweise der Hebel „halboffen“ ausgeführt ist. Dadurch gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik.
Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach und die Funktionstüchtigkeit des Hebels nicht mehr vollständig gegeben war. Überraschend war für mich hierbei, dass die kleine Wippe nach genauer Inspektion lediglich von zwei kleinen Federn, beziehungsweise Drähten abhängt. Nach langem Hin und Her wird mir der rechte Hebel schließlich auf Garantie ersetzt. Zuvor wurde immer wieder darauf verwiesen, dass der Schalthebel ein „Verschleißteil“ sei.
Die Kettenblätter zeigen bereits deutliche Verschleißzeichen und werden daher nach dem nächsten Kettenwechsel ebenfalls gewechselt werden. Die Beschichtung der Kurbel scheint relativ robust zu sein. Lediglich grobe Steine haben dem Lack etwas angetan. Allerdings verschwindet das Logo recht schnell, wenn man mit dem Fuß an die Kurbel herankommt.
Die Schaltröllchen vom Shimano 105 Schaltwerk waren nach etwa 8000km verschlissen. Vermutlich ist dies auch auf die veränderte Kettenlinie zurück zu führen (& das Fahren der „verbotenen“ Kombination zwischen Ritzel und Kettenblatt). Etwa zeitgleich musste ich die Ritzel meiner „Lieblingsgänge“ wechseln.
Bremsen
Von der Notwendigkeit hydraulischer Bremsen war ich lange nicht überzeugt: „Was macht man bei einem Defekt, wenn man mitten in in der Pampa steht?“ oder „Warum soll man eigentlich mit nur einem Finger den Hebel durchziehen können?“. Man gewöhnt sich aber recht zügig an den Komfort, die automatische Belagsnachstellung und vor allem die Dosierbarkeit der Hydraulik. Das Bremsverhalten würde ich als sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt beschreiben. Entlüften musste ich bisher nicht.
Die mitgelieferten Bremsbeläge halten außerordentlich lange: vorn nach ca. 6000km getauscht und hinten läuft immer noch der erste Satz. Ein baldiger Wechsel wird dort aber notwendig sein. Fading habe ich noch nicht gehabt: selbst bei einem 500 Meter langen Teilstück (ca.
Einen Schwachpunkt stellt jedoch die Befestigung der Bremsbeläge dar: Warum verwendet Shimano hier eine Schlitzschraube als Befestigung? Unterwegs ist mit dem Multitool schnell mal ein Malheur passiert und der Schraubenkopf beschädigt. Das sollte man schleunigst tauschen.
Fazit: Würde ich sie wieder kaufen?
Ich denke ja - schon allein wegen mangelnder Alternativen. Das Schalt- und Bremsverhalten ist insgesamt sehr überzeugend. Die Übersetzungsbandbreite der GRX eröffnet zweifellos neue Möglichkeiten. Dabei erwies sich die Gruppe nicht nur für Räder abseits der Straße geeignet: Sie passt auch hervorragend ins Lastenheft der modernen Randonneure und Bikepacker auf der Straße.
Selbst mit Gepäck sollte die GRX-Übersetzung jeglichen Bergen und Passfahrten ihren Schrecken nehmen. An der Haltbarkeit und Verarbeitungsqualität muss Shimano allerdings noch arbeiten.
Shimano GRX vs. Sram Red XPLR
Shimano oder Sram? 2 x 12 oder 1 x 13 Gänge? Mineralöl oder DOT? Wer sich für eine der neuen Topgruppen entscheidet, hat seine Gründe. Wir liefern die Fakten zum Streitgespräch.
Die zwei aktuell teuersten Komponentengruppen für den Gravel-Einsatz haben einige Gemeinsamkeiten: Sie schalten elektronisch auf Knopfdruck, Schaltbefehle werden per Funk übertragen. Die Disc-Stopper bremsen hydraulisch und brauchen nur wenig Handkraft. Und beide Gruppen glänzen mit hervorragender Ergonomie und Funktion.
Die Top Gravel-Schaltgruppen von Shimano und Sram
Doch die Liste der Unterschiede ist länger: Die Hydraulik arbeitet bei Shimano mit wartungsarmem Mineralöl, bei Sram mit DOT-Bremsflüssigkeit. Die ist temperaturstabiler, muss aber regelmäßig getauscht werden.
Shimano setzt auf einen zentralen, fest verbauten Akku für Schaltwerk und Umwerfer, beide sind per Kabel angebunden. Sram verbaut einen abnehmbaren Akku, der dafür nicht ganz so lange hält: nach unserer Erfahrung rund 500 km im Vergleich zu ca. 1000 km bei Shimano.
Das GRX-Schaltwerk kommt zierlicher und lässt sich an klassischen Schaltaugen befestigen. Es erfordert beim Set-up aber mehr Aufmerksamkeit als das mächtige Sram-Pendant. Das wird im Idealfall ohne Einstellarbeiten montiert, verlangt dafür einen Rahmen mit UDH-Ausfallende.
Der wichtigste Unterschied - und für viele wirklich eine Glaubensfrage: Die Red XPLR gibt’s nur als 1x-Gruppe, die GRX Di2 nur 2-fach. Die GRX im typischen 48/31 x 11-36-Set-up bietet einen etwas leichteren Berggang und eine dickere Übersetzung bei Top-Speed als die Red mit gängigen 40T x 10-46.
Shimano GRX Di2 im Detail
Etwas überraschend stellte Shimano vor einigen Monaten seine Top-Gravel-Gruppe GRX Di2 (RX 825) nur als 2 x 12-fach-Ensemble vor. Die bei den mechanischen 12-fach-Gruppen optional verfügbare, beliebte Variante mit 1 x-Kurbel? Fehlanzeige. Wer damit leben kann, erhält eine ausgereifte, in vielen Punkten optimierte Nachfolgerin der 11-fach-GRX Di2. Dass Shimano auch eine 1 x-Lösung zeigen wird, steht dennoch zu erwarten.
Wie schon der Vorgänger schaltet auch die neue GRX unter allen Bedingungen stets verlässlich und butterweich. Auch der Umwerfer - von manchen als unnötige Komplikation in einem Gravel-Antrieb verteufelt - bietet in der Regel keinen Anlass zur Sorge: In puncto Umwerferperformance setzt Shimano noch immer die Standards. Sauber eingestellt, erfolgt jeder Kettenblattwechsel mit der Akkuratesse eines japanischen Arbeiters: stets pünktlich, verlässlich und zur vollsten Zufriedenheit.
Shimano hat die Schalt-/Bremshebel so überarbeitet, dass sie sich besser an Lenker mit Flare anpassen, die Ergonomie gefällt noch etwas besser als beim Vorgängermodell. Wie bei den Straßengruppen gibt’s innen an den Hoods je einen Zusatzschalter, der sich wunschgemäß belegen lässt: zum Gangwechsel, zum Bedienen des Radcomputers oder als Ersatz für die etwas schlecht zugängliche Bedientaste direkt am Schaltwerk. Optional lassen sich weitere Schalttasten ins System einbinden.
Die Bedienlogik lässt sich für die serienmäßigen sechs Tasten via E-Tube-Project-App oder per PC an eigene Vorlieben anpassen. Auch die Bremsen mit den Ice-Tech-Scheiben überzeugten mit bekannter Performance: fein dosierbar, mit geringen Bedienkräften, bei Bedarf kräftig zupackend.
Optisch erinnert die neue Di2-GRX an die Vorgängergruppe, insgesamt wirken die Schaltungsbauteile vergleichsweise filigran und dank zentralem Akku fast zierlich. Alle nichtelektronischen Teile sind baugleich zu den mechanischen GRX-Gruppen.
Die Alu-Kurbel lässt optische Reize weitgehend vermissen und kommt recht nüchtern daher. Auf 800er-Niveau mit 48/31-Kettenblattabstufung, gibt es wahlweise noch eine günstigere Kurbel in 46/30 (600er-Serie). Größere GRX-Kettenblätter gibt es aktuell nicht, auch einen Powermeter bietet Shimano für die GRX nicht an. Weshalb Speed-Junkies oder alle, die mit Leistungsmesser fahren wollen, schon mal eine Road-Kurbel von Shimano am Gravelbike fahren.
Kassetten gibt’s in 11-34er- oder 11-36er-Abstufung, was für eine sehr ordentliche Bandbreite mit ausreichend kleinen Gangsprüngen sorgt.
Sram Red XPLR AXS
Seiner Topgruppe Red AXS mit 2 x 12 Gängen stellte Sram kürzlich die Red XPLR-Variante für Gravelbikes zur Seite: mit 1 x-Kurbel und 13-fach-Kassette. "Die ultimative Gravel-Gruppe", versprechen die Amerikaner. Wir konnten die neue XPLR bereits intensiv testen, mit erfreulichen Ergebnissen:
Gut 100 Gramm leichter als die Vorgängergruppe, glänzt die Red XPLR mit vielen pfiffigen Detaillösungen, souveräner Schalt- und Bremsperformance sowie der gelungenen Vernetzung mit dem hauseigenen Hammerhead-Computer und der AXS-Smartphone-App. Die Schalt-/Bremshebel, die Flat-Top-Kette und die Bremsen der neuen Gravel-Gruppe werden von der Straßen-Red durchgereicht.
Warum auch nicht: "Es braucht spürbar weniger Handkraft als bei anderen Sram-Bremsen, um viel Bremspower aufzubauen. Bremskraft, die sich fein dosieren lässt und das aus jeder Griffposition", zeigte sich GRAVELBIKE-Chefredakteur Alexander Walz nach einem Ausflug in die Alpen begeistert. Auch bei längeren Abfahrten auf Schotter mit dauerhaftem Bremseinsatz präsentierten sich die Stopper sehr geräuscharm, verlässlich und ohne Fading.
Die Ergonomie der einstellbaren Hebel gefällt. Der Verzicht auf Umwerfer und 2 x-Kurbel spart Gewicht und hilft, den Antrieb im Wortsinn einfach zu halten. Dank 13 Ritzeln reicht die Bandbreite dennoch für einen sehr weiten Einsatzbereich.
Am Testrad mit 40T-Blatt an der leichten Carbon-Kurbel und der aktuell einzigen 13-fach-Kassette in 10-46er-Abstufung ein sehr praxistaugliches, breitbandiges Set-up. Größter und kleinster Gang liegen indes enger beisammen als bei Shimanos 2 x-Set-up, dafür gibt es wahlweise Kettenblätter mit 38, 40, 42, 44 und 46 Zähnen. Wer weiß, was er will, kann die Konfiguration besser an die eigenen Bedürfnisse anpassen als bei Shimano.
Das riesige Schaltwerk lässt keine Zweifel aufkommen, dass es für Heavy-Duty-Einsätze gemacht wurde. Allerdings passt es nur an Rahmen mit UDH-Ausfallende (vgl. S. 19). Vorteil - neben der universellen und robusten Bauweise: Das Schaltwerk muss nicht eingestellt werden, das Feintuning erfolgt ggf. elektronisch. Fast alle Einzelteile lassen sich separat ersetzen.
Mehr als ein Gimmick ist das untere Schaltwerksröllchen ("Magic Wheel"), das nicht blockiert, selbst wenn sich etwa ein Ast darin verfängt.
Je ein Zusatzschalter in den Hoods wertet die Armaturen weiter auf, die Einbindung von Zusatzschaltern (Blips) ist möglich, ebenso die Konfiguration per AXS-App. Die Schaltung selbst funktionierte jederzeit problemlos, an Schalttempo und -performance gab’s nix auszusetzen. Sram-typisch ist die Red XPLR optional mit Powermeter zu haben, ohne kostet sie 500 € weniger.
Shimano GRX: Die Details im Überblick
Für welche Anforderungen welche GRX Gruppe?
Abseits von viel befahrenen Straßen, auf unwegsamen Strecken, auf Wald- oder Schotterwegen - das Gravel Bike macht es möglich Asphalt und Gelände zu verbinden, ohne sich für ein Rennrad oder ein Mountainbike entscheiden zu müssen. Gravelbikes nehmen also eine Hybridstellung zwischen Rennrad und Mountainbike ein. Shimano war hierbei einer der Vorreiter und hat 2019 mit der GRX Gruppe ihren Ansatz für den Gravelbereich auf den Markt gebracht.
Die GRX-Serie folgt der Analogie von Shimano und bietet drei Abstufungen hinsichtlich des Preises und der Qualität - vergleichbar grdsl. Die Top Gruppe der GRX Serie mit dem Namen RX800, ist als mechanische sowie als elektronische Di2 Variante möglich. Die RX600 ist vergleichbar mit Shimano 105, ist etwas schwerer, dafür preislich günstiger als das Topmodell. Die Einstiegs-Komponenten nennen sich RX400 und sind ausschließlich mit zweifach Kettenblättern und hinten 10-fach Ritzel erhältlich.
Je nach gewünschten Übersetzungsverhältnissen und Einsatzzweck des Gravelbikes empfiehlt es sich vorne mit einem einfach- oder zweifach-Kettenblatt zu fahren. Nachteil ist, dass einem ggf. Das Schaltwerk wird wie im Mountainbike-Bereich mit einem Schaltwerk Dämpfer ausgestattet. Diese Technologie mit dem Namen Shimano Shadow Plus verhindert Kettenschlagen und sorgt für Ruhe im Antriebsstrang.
Ein besonderes Highlight der Shimano GRX Gruppe sind die speziell entwickelten Schaltbremshebel. Der Drehpunkt der Hebel wurde nach oben gesetzt, was zu einer erhöhten Hebelkraft der Bremshebel und somit zur besseren Bremswirkung führt.
Shimano GRX Di2 - Das Wichtigste in Kürze
Shimano macht mit der neuen GRX Di2 vieles richtig. Technisch ist sie auf der Höhe der Zeit und funktional ohne Tadel. Doch neue Akzente fürs Gravelbike, wie man sie von einem High-End-Produkt erwarten könnte, setzt die Gruppe nicht. Das schmale Angebot an Übersetzungen ist auf die breite Masse zugeschnitten, wird jedoch der wachsenden Vielfalt in der Gravel-Welt nicht gerecht. Vor allem die fehlende Option, mit nur einem Kettenblatt fahren zu können, dürfte viele Interessenten stören.
Hintergrund der Shimano GRX Di2
Für Komponenten-Primus Shimano war die 2019 eingeführte GRX ein Selbstläufer. Mit der damals ersten ausgewiesenen Gravelbike-Schaltgruppe konnte man schließlich nicht viel falsch machen, wollte man einen der neuen Geländerenner ausstatten.
Beinahe blind vertrauten Kunden und Hersteller darauf, dass der Konzern mit jahrzehntelanger Expertise bei Mountainbike- und Rennrad-Schaltungen schon das Beste beider Welten kombinieren und gewohnte Shimano-Qualität liefern würde.
Entsprechend oft wurde die Gruppe in den verschiedenen Qualitätsstufen an Serienräder geschraubt. Egal ob als Einsteiger-Version mit nur zehn mechanisch betätigten Gängen oder mit Oberklasse-Flair als 2x11-Elektroschaltung: Mit dem Gravelbike-Boom gingen auch die dazu passenden Shimano-Komponenten weg wie geschnitten Brot.
Konkurrenz durch SRAM und Campagnolo
Die Antriebe ohne Umwerfer wurden durch SRAM vor allem an Gravelrädern populär - die Amerikaner erreichten bei hochpreisigen Bikes eine beachtliche Marktpräsenz, die Shimano eigentlich stören müsste.
Campagnolo setzte noch eins drauf und stellte 2020 die Ekar vor, die zwar nicht elektronisch schaltet, aber mit 13 Ritzeln das bislang kompletteste Einfach-Getriebe fürs Gelände darstellt. Da konnte Shimano nicht mithalten: Als 1x11-Gruppe war die GRX ein eher schlechter Kompromiss, als preiswerte 1x10 im Gelände annähernd unbrauchbar, weil die Übersetzungsbandbreite zu schmal ist.
Shimano GRX im Detail
Wie schlägt sich die Shimano GRX Di2 im Test?
Schon der erste Blick auf das neue Gravel-Flaggschiff des Marktführers zeigt, dass sich auch das Update der Elektronik-Gruppe auf ein vorsichtiges Facelift beschränkt. Es übernimmt die Bremsen und den Antriebsstrang der mechanischen Variante, lediglich Schaltbremshebel, Umwerfer und Schaltwerk sind wirklich neu. Wobei sich die Weiterentwicklung auch an diesen Komponenten in engen Grenzen hält, doch dazu später mehr.
Ergonomie und Komfort
In der Praxis kann man über die Funktion der Gruppe dennoch kaum meckern. Die Griffe sind jetzt wie bei den aktuellen Rennradgruppen per Funk mit den Schaltkomponenten verbunden, für die Knopfzellen verspricht Shimano eine Lebensdauer von bis zu vier Jahren.
Form und Befestigung wurden etwas an die ausgestellten Lenkerenden typisch Gravelbike-Lenker angepasst, sodass der Übergang zum Lenker ergonomischer gestaltet ist und die Bremshebel weniger zur Seite abstehen. Ansonsten hat sich an den Kontaktpunkten wenig geändert.
Das angenehme Design der Schaltgriffe sucht nach wie vor seinesgleichen, besonders wenn die Hände auf den Griffkörpern ruhen. Die Handauflage ist großflächig und rutschfest; der kleine, steil aufragende vordere Griffhöcker gibt guten Halt. Gleichzeitig sind die Griffe sehr schlank, sodass auch kleine Hände gut zupacken können, wenn es ruppig wird. Auch auf den Bremshebeln finden die Finger eine breite Auflagefläche.
Schaltverhalten
Das Schaltverhalten ist vorn wie hinten wie erwartet super, allerdings geht der Umwerfer recht laut zu Werke. Das jaulende Motorengeräusch erinnert an die ersten Di2-Generationen, die aktuellen Rennrad-Umwerfer arbeiten da deutlich dezenter - und tragen auch optisch weniger auf. Am Hinterrad arbeitet das neue Schaltwerk schnell und präzise.
Der bewährte Dämpfer verhindert zuverlässig, dass die Kette bei Erschütterungen schlägt. Die Übersetzung mit zwei Kettenblättern vorn und 11-36-Kassette - fertigungstechnisch auf 105-Niveau - dürfte für die meisten Anwendungen gut passen.
Shimano GRX 12-fach Gruppe: Das Upgrade für Gravel-Bikes
Mit der Shimano GRX 12-fach Gruppe bringen die Japaner ein großes Upgrade für ihre Gravel-Gruppe. Rund vier Jahre ist es her, dass Shimano mit der GRX die erste „echte“ Gravel-Gruppe vorgestellt hat.
Heute sind weder die Schotter-Allrounder noch die speziell dafür angepassten Komponenten mehr aus der Fahrradwelt wegzudenken. Vier Jahre sind in der schnelllebigen Zweirad-Branche eine halbe Ewigkeit, dennoch konnte sich die GRX sehr gut behaupten und ist auch für viele Schotter-Fans heute noch erste Wahl.
Dennoch ist es nun an der Zeit für Shimano, den Nachfolger ins Rennen um die Gravel-Krone ins Rennen zu schicken. Sämtliche neuen GRX Komponenten schalten auf zwölf Gängen. Das heißt auch direkt, dass ein Mischen mit den „alten“ GRX Bauteilen nicht möglich sein wird.
Wie schon beim Vorgänger wird es auch bei der neuen GRX Gruppe verschiedene Kategorien geben. Die Komponenten der 800er Serie bilden dabei nach wie vor die Speerspitze und zielen auf ambitionierte Gravel-Fahrer, wohingegen sich die günstigeren 600er Bauteile eher an Einsteiger richten.
Die Komponenten im Detail
STIs (Schalt-/Bremshebel)
Die STIs waren bislang zweifelsfrei das Highlight der GRX Gruppe und insofern verwundert es nicht, dass sich hier grundlegend nichts ändern wird. Laut eigener Aussage hat man einige ergonomische Verbesserungen vorgenommen, so hat man die Lenkerklemmung verbessert, um den Komfort beim Fahren auf den Hoods zu verbessern. Zudem sollen die STIs besser für die Kombination mit ausgestellten Lenkern optimiert sein.
Die STIs der 600er Baureihe unterscheiden sich - zumindest auf dem Papier - nur wenig von ihren höherpreisigen Pendants. Hier kommt nun auch der geriffelte, texturierte Griffgummi zum Einsatz, auf den man an den 600er STIs beim Vorgänger noch verzichten musste.
Kassetten
Mit dem Sprung auf zwölf Gänge und breiter abgestuften Kassetten kann Shimano einen der wahrscheinlich größten Nachteile der bisherigen GRX Gruppe ausmerzen. Wer nämlich bislang auf einen Umwerfer verzichten wollte bzw. musste (z.B. weil viele Rahmen gar keinen Platz mehr dafür haben), bekam im GRX-Kosmos zwar ein 1×11 Setup, das jedoch in puncto Bandbreite weit hinter der US-Konkurrenz von Sram zurücklag.
Bei den verwendeten Kassetten setzt Shimano sinnvoller Weise auf das, was man bereits aus dem MTB-Bereich im Programm hat. Neben der breit abgestuften 10-51er Kassette trifft das auch auf die enger abgestufte 10-45er Variante zu, die sich damit auch eher an ambitionierte, fitte Fahrer richtet, die auf einen leichten Berg-Gang verzichten können.
Shimano GRX 2x11: Brauchen wir eine spezielle Gravel-Schaltgruppe?
Die simple Antwort lautet: Ja, die brauchen wir! Klar, es gibt eine große Anzahl an verfügbaren Schaltgruppen für Bikes mit Rennrad-Lenker. Anstiege, die auf Asphalt im kleinsten Gang schon anstrengend sind, können auf Schotter aber schlicht unbezwingbar werden.
Die Lösung des Problems ist eine Vergrößerung der Bandbreite. Mit einer Verlagerung in Richtung der kleineren Gänge ist es nicht getan, da auch in der Ebene mit viel Druck auf dem Pedal und hoher Geschwindigkeit gefahren werden soll.
Wer im hochalpinen Gelände und überwiegend offroad unterwegs ist, wird mit einem 1-fach-Setup zufrieden sein. Durch den Verzicht auf einen Umwerfer wird Gewicht eingespart und man erhält mit einer großen Kassette trotzdem eine beachtliche Bandbreite.
Gravel ist jedoch weit mehr als nur das Fahren von Alpenpässen über Schotterwege. Unser Test-Bike, das Mason Bokeh GRX (zum Test), musste mit Bikepacking-Trips, Mixed-Gravel-Rides mit 50 % Straße und 50 % Schotter und dem täglichen Offroad-Commute zur Arbeit mehrere Disziplinen unter einen Hut bekommen - hier ist eine 2×11-Schaltgruppe mit einer feinen Abstufung und einer ausreichenden Bandbreite nach wie vor die beste Wahl.
Beides wäre mit einer bestehenden Schaltgruppe aus dem Rennrad-Bereich nicht abzudecken. 2-fach-Schaltgruppen sind alles andere als tot. In den letzten Monaten hatten wir so einige Gravel-Bikes im Test, die mit allen Varianten der Shimano GRX-Schaltgruppe ausgestattet waren. Wie aber schlägt sich die mechanische RX800 im harten Dauertest über knapp 2.000 km?
Die Komponenten im Dauertest
Schalthebel und Bremsen
Die ST-RX810-Schalthebel mit mechanischem Schaltsystem und hydraulischer Bremsanlage fallen wirklich groß aus, gerade im Vergleich zu den ST-RX815-Hebeln der elektronischen GRX Di2-Schaltgruppe. Optisch sind sie definitiv Geschmackssache.
Fahrer, die entweder in der kalten Jahreszeit mit Handschuhen fahren oder große Hände besitzen, werden sich jedoch über das große Volumen freuen, ermöglicht es doch viele Griffpositionen. Bergab wissen die ST-RX810-Schalthebel zu überzeugen und bieten durch die Profilierung auf dem Gummiüberzug, die sich auf langen Tagestouren mit 10 Stunden im Sattel jedoch merkbar in die Hände drückt, massig Grip.
Schaltwerk
Der Clutch-Mechanismus am Schaltwerk verhindert effektiv das Schlagen der Kette auf die Kettenstreben und sorgt dadurch für ein ruhiges Fahren auf holprigen Wegen. Hatte Shimano beim ULTEGRA RX-Schaltwerk noch Probleme mit dem Mechanismus, ist dieser beim Shimano GRX-Schaltwerk lösungsorientiert weiterentwickelt worden.
Kurbel
Die Shimano GRX 2-fach-Kurbel hat sich während der Testdauer komplett unauffällig verhalten. Es ist mit Sicherheit nicht die steifste Kurbel der Welt, für Graveler aber sehr angenehm zu fahren. Bei einem extrem steifen Modell wie beispielsweise der Shimano DURA-ACE-Kurbel bekommt man viel mehr von den feinen Mikrovibrationen mit, da zeigt sich die GRX-Gravel-Kurbel schon deutlich komfortabler.
Tabellarische Zusammenfassung der Shimano GRX Gruppen
| Gruppe | Niveau | Varianten | Kettenblätter | Ritzel |
|---|---|---|---|---|
| RX800 | Shimano ULTEGRA | Mechanisch, Di2 | Einfach, Zweifach | 11-fach |
| RX600 | Shimano 105 | Mechanisch | Einfach, Zweifach | 11-fach |
| RX400 | Shimano TIAGRA | Mechanisch | Zweifach | 10-fach |
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