Shimano GRX Bremsbelag Test: Alternativen und Ergebnisse

Die akute Materialknappheit in der Fahrradwelt betrifft vor allem häufig benötigte Verschleißteile. Wer aktuell das Rennrad für die neue Saison fit machen will, könnte auf unerwartete Hindernisse stoßen, denn die akute Materialknappheit, die die gesamte Fahrradwelt mit der Corona-Pandemie erfasste, ist auch zwei Jahre nach deren Beginn bei Weitem nicht ausgestanden. Dabei müssen Verbraucher nicht „nur“ höhere Preise in Kauf nehmen, weil die Nachfrage hoch und das Angebot knapp ist.

Wer beispielsweise nach Belägen für die verbreiteten Shimano-Scheibenbremsen sucht, der findet: nichts. Die in Online-Shops prognostizierte Lieferzeit beträgt meist mehrere Monate und lässt kaum Hoffnung, dass sich die Versorgungslage in absehbarer Zeit ändert. Wer seinen Renner nicht wegen eines Paars fehlender Bremsklötze stilllegen will, muss also Alternativen auftun, denn Bremsbeläge (und Bremsscheiben) für Scheibenbremsen werden, je nach Nutzung, ähnlich häufig fällig wie Bremsklötze (und Felgen) an Felgenbremsen.

Wir haben nach Belägen und Scheiben für Shimanos Ultegra-Scheibenbremse gesucht, die auch zu den Dura-Ace-, 105- und GRX-Bremsen sowie einigen Mountainbike-Gruppen passen. Die meisten Beläge werden auch für Bremsen von SRAM oder Campagnolo angeboten, die Ergebnisse sind weitgehend übertragbar. Wir haben uns auf sogenannte organische Beläge konzentriert, deren Mischung aus Faserstoffen und wenigen Metallpartikeln besteht, die in Kunstharz eingebettet sind. Sie sind fürs Rennrad erste Wahl, weil sie das beste Ansprechverhalten bieten, zudem meist leise sind und die Scheiben schonen. Daneben gibt es Beläge aus Sintermetall, die vor allem mehr Hitze vertragen - sie werden allerdings am Rennrad kaum eingesetzt.

Auf unserem Bremsenprüfstand mussten die Kandidaten zeigen, wie es um Bremsleistung, Verschleiß und die Standfestigkeit in Extremsituationen bestellt ist.

Test und Ergebnisse kurz & knapp

Der Markt bietet eine große Auswahl an Alternativen für die (guten) Originalbeläge, wobei man auf die Herkunft achten sollte: Produkte von Billig-Anbietern sind nicht zu empfehlen, die Teile bekannter Zubehör-Marken ordentlich. Spezialisierte Hersteller können sogar bessere als die Originalbeläge bieten, ohne übertrieben teuer zu sein. Die Bremsscheiben unterscheiden sich hauptsächlich im Preis sowie im Gewicht und damit in der Standfestigkeit, bei der Bremsleistung dagegen kaum.

Interview mit Dipl.-Ing. Dirk Zedler über Bremsbeläge und Bremsscheiben von Fremdherstellern

Jens Klötzer hat mit dem Diplom Ingenieur Dirk Zedler, Sachverständiger und Experte für Fahrradsicherheit am Zedler-Institut über Bremsbeläge und Bremsscheiben von Fremdherstellern gesprochen.

TOUR: Bremsenhersteller warnen, dass mit Belägen oder Scheiben von Fremdherstellern sämtliche Garantie- und Gewährleistungsan­sprüche erlöschen. Was bedeutet das, wenn es mit der Bremse ein Problem gibt?

Zedler: Man muss genau unterscheiden zwischen Garantie und der Sachmängelhaftung, also der gesetz­lichen Gewährleistung. Die Garantie kann der Bremsenhersteller in jedem Fall ablehnen, denn sie ist eine freiwillige Zusatzleistung. Von der Sachmängelhaftung kann er sich aber nicht so einfach befreien. Es muss ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Mangel an der Bremse und der Modifikation bestehen. Das Problem muss also direkt auf die fremden Beläge oder Scheiben zurückzuführen sein, dann kann er die Haftung abwenden. Ein Billig-Belag würde vor Gericht Probleme machen.

TOUR: Kann ich mich auf den Hersteller der Beläge oder Scheiben berufen, der die Teile für eine bestimmte Bremse empfiehlt?

Zedler: Man sollte den Hersteller der Fremd­teile bei Problemen in jedem Fall einbeziehen. Namhafte Anbieter können im Zweifel nachweisen, dass ihre Produkte mit der jeweiligen Bremse funktionieren. Ich würde deswegen von billigen No-Name-Teilen abraten, auf denen nicht einmal ein Hersteller vermerkt ist. Sie würden vor Gericht wohl Probleme machen.

TOUR: Wie häufig sind Probleme mit Fremdbelägen?

Zedler: Wenn Teile von renommierten Zubehörmarken stammen, ist das nicht problematisch. Aktuell weichen auch viele Händler auf Fremdhersteller aus, und wir hören keine Klagen. Allerdings sind das meistens bekannte Marken, die ihre Fertigung gut kontrollieren. Aus dem Kraftfahrzeug-Bereich wissen wir, dass bei Billig-Belägen aus fragwürdigen Quellen vor allem die Toleranzen groß sein können - ein Belag kann passabel funktionieren, der nächste aber nicht.

Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.

Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Ein gewaltiger Aufwand. Denn jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

Drei Wochen haben wir im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann. Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist - Gleich und Gleich reibt sich eben am besten.

In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Zwei weitere eingebremste Sätze wurden schließlich im Zeitraffer verschlissen. Die 1000 Bremszyklen dauerten in unserem Labor knapp eine Stunde. Auf dem Trail würden die meisten dafür wahrscheinlich eine ganze Saison benötigen.

Zum Test angetreten waren die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden. Wobei die Bremsenhersteller betonen, dass nur eigene Originalteile optimal zu ihren Bremsen passen und bei Verwendung von Fremdprodukten Garantie-, Gewährleistungs- und Haftungsansprüche in der Regel verfallen.

Bremsbeläge stammen meist aus Fernost - und nicht selten aus derselben Fabrik. Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. So können manche organische Beläge bei einer Temperatur von über 300 °C noch deutlich an Leistungsfähigkeit zulegen, weil dann erst alle flüchtigen Bestandteile aus dem Harz verdampft sind. Andere befinden sich hier schon an der oberen Temperaturgrenze. Bei Sintermetallbelägen fängt hier meist der Spaß erst richtig an, die Bremskraft erreicht ihr Maximum, und vorher nervtötende Geräusche verschwinden plötzlich.

Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, haben wir die Bremsleis­tung für jedes Bremsmodell individuell bewertet. Auffällig, aber nicht in der Bewertung berücksichtigt: der hohe Scheibenverschleiß der organischen Beläge von Reverse und Sixpack. Jeder raspelte die Hälfte der dünnen Edelstahlschichten der XT Ice-Tech-Scheibe ab. Damit wandelten sie in unserem Test fast 25 Euro in Wärme um. Sonst spielte Verschleiß bei den Scheiben eher keine Rolle.

Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

Fazit Sebastian Brust, BIKE-Testredakteur: Die Qualität passt. Trickstuff liefert seinen bisher besten Belag, und Sram zeigt eindrücklich, dass organische Beläge ausfallsicher sein können. Mit der sensiblen Shimano-Ice-Tech-Scheibe harmonieren die erstklassigen und sehr günstigen Originale einfach am besten.

DAS WAR IM TEST

Organische Beläge

Faserstoffe aus der organischen Chemie ersetzten einst das krebserregende Asbest, daher der Name. Die Beläge sind meist leise und scheibenfreundlich. Typisch: der beißende Geruch beim Ausgasen des Harzes. Fading-Gefahr bei extremer Hitze!

Sintermetall-Beläge

Der unter Druck und Temperaturen nahe der Schmelzgrenze "gebackene" Metall-Pulver-Mix ist extrem hitzebeständig und gilt als Fading-resistent, kann aber sehr laut werden. Achtung: leiten viel Hitze in den Bremssattel!

Beläge mit Kühlrippen

Shimano war mit den Ice-Tech-Belägen Vorreiter, mittlerweile bieten auch einige Drittanbieter Modelle mit Kühlrippen an. Sie sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.

Die Bremsbeläge dieser Hersteller haben wir getestet:

  • Getestet auf MAGURA MT6:
  • Getestet auf SHIMANO DEORE XT:
  • Getestet auf SRAM GUIDE RSC:
  • Reverse Air-Con
  • BBB-39
  • Reverse Disc Organic
  • BBB-39S
  • Shimano G02A* (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Sram organisch (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Shimano J02A
  • Sram Sinter
  • Sixpack Organic
  • Trickstuff Power
  • Sixpack Sinter
  • Trickstuff Standard

EINBREMSEN, ABER RICHTIG

Nur, wenn Beläge und Scheiben aufeinander eingestimmt werden, funktionieren die Bremsen optimal. So geht es.

Einschleifen

Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.

Reibschicht erzeugen

Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.

Heiß bremsen

Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!

FAKTOR BREMSSCHEIBE

Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen.

  • Magura Storm HC 180 mm
  • Magura Storm SL 180 mm
  • Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm
  • Shimano XT (SM-RT86) 180 mm
  • Sram Centerline 180 mm
  • Sram Centerline X 180 mm

TEST BREMSBELÄGE: DIE ERGEBNISSE

Brems-Power, Standfestigkeit, Verschleiß: Im Labor mussten sich 18 Paarungen beweisen. Nicht alle überzeugten.

So testet BIKE

Von jedem Belagmodell wurden drei Paar auf unserem hauseigenen Bremsenprüfstand getestet - zwei im Verschleißtest und eins zur Ermittlung der Bremskraft sowie der Wärmestandfestigkeit. Jeder Belag wurde auf dieselbe Weise sorgfältig eingebremst, bis die Bremskraft ein konstantes Niveau erreichte. Getestet wurde auf drei Bremsen mit originalen 180-mm-Bremsscheiben. Bewertet wurden die Beläge jeweils nur individuell für das getestete Bremsmodell.

VERSCHLEISSTEST

Jeder Belag absolvierte 1000 Trockenbremsungen mit circa 315 N Bremskraft (Radumfangskraft) - etwa zwei Sekunden bei 45 km/h. Vor und nach dem Test wurden die Beläge genau vermessen.

BREMSLEISTUNG

Über je drei Trocken- und Nassbremsungen wurde die Bremskraft bei 80 N Handkraft gemittelt. Im anschließenden Wärmestandfestigkeitstest wurde die Bremskraft schrittweise bis zur Belastbarkeitsgrenze erhöht. Die Bewertung fasst die Bremskraft und die Wärmestandfestigkeit zusammen.

Testbremse: Magura MT6 mit Storm HC 180 Disc

Besonders Touren-Biker schätzen die Bremskraft und die Zuverlässigkeit der MT6. Die Beläge wurden, wie bei Shimano und Sram auch, auf einer 180er-Scheibe ermittelt.

Bremsbelag Preis / Infos Gewicht (Paar, o. Zubehör) Träger- / Belagmaterial Träger- / Belagdicke Belagverschleiß / Kosten² Bremskraft³ / Laufleistung⁴ BEWERTUNG
Kool-Stop D160 ¹ 22 Euro 20,0 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,18 mm 13,6 % / 3,00 Euro 319 / 7338 Bremsleistung 4 von 6 Punkten, Verschleiß 6 von 6 Punkten
Kool-Stop D160S¹ 27,50 Euro 23,0 Gramm Stahl / Sintermetall 1,6 / 2,33 mm 27,8 % / 7,66 Euro 368 / 3591 Bremsleistung 6 von 6 Punkten, Verschleiß 4 von 6 Punkten
Magura 7.C 15,90 Euro 21,1 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,29 mm 53,9 % / 8,58 Euro 352 / 1854 Bremsleistung 6 von 6 Punkten, Verschleiß 2 von 6 Punkten
Magura 7.P 19,90 Euro 20,6 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,30 mm 29,8 % / 5,93 Euro 349 / 3358 Bremsleistung 6 von 6 Punkten, Verschleiß 4 von 6 Punkten
Swissstop Disc 30¹ 24,30 Euro 19,7 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,18 mm 30,6 % / 7,45 Euro 348 / 3264 Bremsleistung 4 von 6 Punkten, Verschleiß 4 von 6 Punkten
Swissstop Disc 30 E¹ 19,80 Euro 20,3 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,3 mm 22,3 % / 4,42 Euro 230 / 4481 Bremsleistung 3 von 6 Punkten, Verschleiß 5 von 6 Punkten

Testbremse: Shimano Deore XT

Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?

Bremsbelag Preis / Infos Gewicht (Paar, o. Zubehör) Träger- / Belagmaterial Träger- / Belagdicke Belagverschleiß / Kosten² Bremskraft³ / Laufleistung⁴ BEWERTUNG
Reverse Air-Con¹ 22,90 Euro 25,7 Gramm Alu + Stahl / organisch 1,0 + 1,0 / 1,89 mm 20 % / 4,57 Euro 263 / 5010 Bremsleistung 3 von 6 Punkten, Verschleiß 4 von 6 Punkten
Reverse Disc Organic¹ 13,90 Euro 18,5 Gramm Stahl / organisch 1,65 / 2,34 mm 41,9 % / 5,82 Euro 317 / 2387 Bremsleistung 3 von 6 Punkten, Verschleiß 2 von 6 Punkten
Shimano G02A ca. 7 Euro 9,5 Gramm Aluminium / organisch 1,55 / 2,48 mm 9,3 % / 0,65 Euro 356 / 10762 Bremsleistung 5 von 6 Punkten, Verschleiß 6 von 6 Punkten
Shimano J02A ca. 15 Euro 18,5 Gramm Aluminium / organisch 1,55 / 2,53 mm 10,4 % / 1,56 Euro 351 / 9609 Bremsleistung 5 von 6 Punkten, Verschleiß 6 von 6 Punkten
Sixpack Organic¹ ...

Shimano GRX Schaltgruppe im Praxistest

Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt und richtet sich an die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte. Aber auch Reiserennradler und Randonneure dürften sich von ihrem breiten Übersetzungsspektrum angesprochen fühlen.

Das Schaltverhalten ist einwandfrei, ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen.

Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich bei mir recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln, die laut Werbeaussage von Shimano für extra „Grip“ sorgen soll. Zum anderen stellt sich mir die Frage, warum die Bauweise der Hebel „halboffen“ ausgeführt ist. Dadurch gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik.

Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach und die Funktionstüchtigkeit des Hebels nicht mehr vollständig gegeben war. Überraschend war für mich hierbei, dass die kleine Wippe nach genauer Inspektion lediglich von zwei kleinen Federn, beziehungsweise Drähten abhängt.

Man gewöhnt sich aber recht zügig an den Komfort, die automatische Belagsnachstellung und vor allem die Dosierbarkeit der Hydraulik. Das Bremsverhalten würde ich als sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt beschreiben. Entlüften musste ich bisher nicht. Die mitgelieferten Bremsbeläge halten außerordentlich lange: vorn nach ca. 6000km getauscht und hinten läuft immer noch der erste Satz. Ein baldiger Wechsel wird dort aber notwendig sein. Fading habe ich noch nicht gehabt: selbst bei einem 500 Meter langen Teilstück (ca.

Einen Schwachpunkt stellt jedoch die Befestigung der Bremsbeläge dar: Warum verwendet Shimano hier eine Schlitzschraube als Befestigung? Unterwegs ist mit dem Multitool schnell mal ein Malheur passiert und der Schraubenkopf beschädigt. Das sollte man schleunigst tauschen.

Scheibenbremsen im Vergleich: Shimano Ultegra, Sram Force, Campagnolo Chorus

ROADBIKE hat die wichtigsten Modelle von Shimano, Sram und Campagnolo getestet: Ultegra, Force und Chorus.

Wie hat ROADBIKE getestet?

Alle Bremsanlagen wurden nacheinander auf dem Scheibenbremsenprüfstand des Schweizer Bremsenspezialisten Swiss Stop im Beisein von ROADBIKE getestet. Dafür wurden auf dem Prüfstand Hebel, Bremssattel samt Belägen und Bremsscheibe montiert - alle Teile "gruppenrein", wie vom Hersteller geliefert. Bei den Tests wird per Hydraulik am Bremshebel gezogen und eine definierte Handkraft in Newton auf die Bremsanlage gegeben. Die Grundbelastung des Systems beträgt einheitlich 100 Kilogramm.

Bremskrafttest

Der Test ermittelt, wie viel Bremskraft die getesteten Bremsen bei identischer Handkraft entwickeln. Getestet wird sowohl bei trockenen wie auch bei nassen Bedingungen. Der von Swiss Stop entwickelte Test orientiert sich dabei an der ISO-Norm 4210-2 Teil 4, der die internationale Norm für Prüfverfahren für Fahrradbremsen darstellt.

Belastungstest

Der Test ermittelt, wie die verschiedenen Bremssysteme und ihre einzelnen Komponenten auf große Bremshitze reagieren. In drei Durchläufen wird jeweils viermal von 60 km/h bis zum Stillstand heruntergebremst. Die Handkraft beträgt dabei nacheinander 20, 40, 60 und 80 Newton. Gemessen wird die Strecke in Metern, die bis zum Stillstand benötigt werden. Anschließend werden die einzelnen Komponenten untersucht, insbesondere die Bremsscheiben und die Beläge.

Belagverschleiss

Durch Wiegen der Bremsbeläge wird erfasst, wie stark die einzelnen Tests die Beläge verschleißen. Dafür werden für die Bremskraft- und Belastungstests jeweils fabrikneue Beläge verwendet, die vorher und nachher gewogen werden.

Testergebnisse

Sowohl Shimanos Ultegra- als auch Srams Force- und Campagnolos Chorus-Scheibenbremsanlagen überzeugen im Trockenen. Mit vergleichsweise geringer Handkraft lässt sich eine starke Bremskraft aufbauen, die das Rennrad jederzeit sicher und gut kontrollierbar anhalten lässt.

Bei Nässe bietet Shimano bei geringen Handkräften deutlich die höchste Bremsleistung. Sram lässt beim Nässetest insbesondere bei der ersten Messung mit zwölf Newton Federn, aufgrund der starken Zunahme der Bremskraft lässt sich aber auch hier ein deutlich progressiverer Anstieg erwarten. Campagnolo überrascht mit vergleichsweise schwachen Werten und verlangt zum Verzögern im Nassen deutlich mehr Handkraft als die Modelle der Konkurrenz.

Campagnolo und Sram liegen quasi gleichauf und bremsen auch bei zunehmender Hitze im System verlässlich - mit steigender Handkraft wird auch der Bremsweg kontinuierlich kürzer. Anders die Ultegra-Bremsanlage von Shimano: Bei 20 Newton Handkraft noch Primus mit dem kürzesten Bremsweg, kann das System die Performance nicht über alle Testbremsungen hinweg halten - zu groß wird und bleibt die Bremshitze, die den Bremsscheiben und Belägen stark zusetzt.

Eindeutige Antwort: die von Sram. Nicht nur, dass die Bremsen der US-Amerikaner in der Addition aller vier Testbremsungen den kürzesten Bremsweg aufweisen - bei Testende stehen auch die Bremsscheiben, die phasenweise rot glühten, wie eine Eins und könnten problemlos weiterverwendet werden.

Shimanos organische Resin-Beläge L03A verschleißen im Vergleich zur Konkurrenz schneller. Am deutlichsten zeigte sich dies bei den Belastungstests: Während man mit den ebenfalls organischen Disc-Belägen von Sram und Campagnolo trotz großer Belastung noch problemlos weiterfahren könnte, sind die Shimano-Beläge vollständig runtergebremst - bis auf die Trägerplatte. Aber auch im "Normalbetrieb" zeigen die Shimano-Beläge den höchsten Verschleiß.

Fazit

Insgesamt setzt sich Srams Force in diesem Vergleich an die Spitze: Sie überzeugt mit beeindruckender Bremskraft, zeigt wenig Verschleiß, hat kurze Bremswege und trotzt selbst größter Bremshitze souverän. Bei Campagnolos Chorus-Gruppe, die als einzige nur mechanisch schaltet, erweisen sich die Bremsen ebenfalls als sehr hitzeresistent, schwächeln aber etwas bei Nässe. Shimanos neue Ultegra bremst vor allem mit geringer Handkraft beeindruckend stark, die Beläge verschleißen aber schneller, und unter ungünstigen Bedingungen und nicht optimaler Bedienung drohen schneller als bei der Konkurrenz hitzebedingte Schäden.

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