Shimano GRX Bremsbeläge wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Die Bremse ist eine wichtige Komponente am Fahrrad, auf die sich jeder Radfahrer zu 100 % verlassen können muss. Deshalb ist ein regelmäßiger Check (und gegebenenfalls eine Erneuerung) unerlässlich.

Wichtige Vorabinformationen

Eine Scheibenbremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Wer daran selbst rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem gründlich arbeiten. Ohne ausreichende Schraubererfahrung schadet es nicht, eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen und sich Rat bei Experten zu holen.

Wann sollten die Bremsbeläge gewechselt werden?

Einen generellen Ratschlag, wann die Bremsbeläge rechtzeitig getauscht werden sollten, gibt es nicht. Je nach Art, Material und Güte der Bremsbeläge, eigenem Fahrverhalten und vieler weiterer Faktoren, kann man den Wechsel nicht an der gefahrenen Kilometerleistung festmachen. Die einfachste Möglichkeit, die "Fahrtüchtigkeit" der Scheibenbremsbeläge zu beurteilen, ist die Begutachtung der Dicke der Beläge. Diese sollte auf keinen Fall 1 mm unterschreiten. Bei 1 mm oder mehr sind Sie noch auf der sicheren Seite. Profis, die Ihr Bike sehr regelmäßig kontrollieren und warten, können die Beläge auch weiter herunterfahren und mit dem Wechsel etwas länger warten.

Tipp: Die Bremsbeläge sollten bei einer Stärke von 0,5 mm gewechselt werden bzw. wenn die Feder die Bremsscheibe berührt. Sind sie plan und nahezu identisch abgefahren, scheint die Bremse in Ordnung zu sein. Sind sie jedoch eher einseitig abgenutzt, sollte sich ein Fachhändler die Bremse anschauen.

  • Prüfen Sie die Bremsklötze regelmäßig, besonders vor längeren Fahrradtouren.
  • Checken Sie die Beläge immer hinten UND vorne.

Oft bremst man nämlich nur mit den hinteren Bremsen. Die vordere Bremse kommt oft nur bei Vollbremsungen oder nur sehr dezent zum Einsatz. Von daher verschleißen die Bremsbeläge vorne und hinten nie gleichmäßig.

Können Sie die Belagdicke nicht richtig beurteilen, weil Sie die Bremsbeläge nicht optimal einsehen können, dann sollten Sie sie ausbauen und sich genau anschauen, ob die Dicke der Beläge noch mindestens 1 mm beträgt. Einige Bremsbacken besitzen ebenfalls sogenannte Indikatoren, die Ihnen signalisieren das ein Wechsel ansteht.

Erkennungszeichen für verschlissene Bremsbeläge

Sind die Beläge bei Scheibenbremsen komplett runtergefahren, macht sich dieses beim Bremsen mit einer verminderter Bremswirkung und vor allem mit einem scharrenden und kratzenden Geräusch auf sich aufmerksam. In diesem Fall reibt das Metall der Belagplatte des Bremssattels bereits mit der Bremsscheibe aneinander. Ist es bereits so weit gekommen, ist vom Bremsbelag anscheinend nicht mehr viel vorhanden. Sie sollten die Beläge nun dringend wechseln und testen, wie gut das Bike derzeit überhaupt noch bremst und sich überlegen, die Weiterfahrt überhaupt noch fortzuführen.

Benötigtes Werkzeug und Material

  • Neue Bremsbeläge (passend für Ihre Shimano GRX Bremsanlage)
  • Etwas Bremsenreiniger
  • Ein sauberes Tuch
  • Einen speziellen Bremskolben-Spreizer von Park Tool oder einen stabilen, möglichst breiten Reifenmontierhebel oder einen breiten Schlitz-Schraubenzieher, um die Bremskolben zurückzudrücken
  • Einen spitzen, dünnen Gegenstand, um den Führungsstift/-splint zu entfernen
  • Passendes Werkzeug zum Entfernen des Führungsbolzens (Inbusschlüssel oder Zange)

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Wechseln der Bremsbeläge

  1. Vorbereitung:
    • Als erstes klemmt ihr das Fahrrad an einen Montageständer oder hängt es mit dem Sattel auf eine stabile Stange.
    • Laufrad ausbauen: Um an der Bremse vernünftig arbeiten zu können, muss man als erstes das Laufrad ausbauen.
  2. Demontage der alten Bremsbeläge:
    • Entfernt zunächst die Sicherung der Beläge.
    • Belagsicherung entfernen: Entnehmen Sie den Sicherungssplint und lösen Sie die Belaghalteschraube. Bei den meisten Modellen klappt das nach oben, manche Beläge muss man allerdings nach unten aus dem Sattel entnehmen. Heben Sie sich die Feder auf, denn manchmal ist bei neuen Bremsbeläge keine neue Feder dabei.
    • Im Anschluss entweder den Splint mit einer Zange oder die Schraube mit dem entsprechenden Werkzeug herausziehen.
    • Führungsbolzen entfernen und Bremsbeläge herausziehen Nachdem das Rad demontiert ist, kann der Führungsbolzen entfernt werden. Hierbei kann es sich je nach Hersteller um eine Inbusschraube handeln, die Du mit einem passenden Inbusschlüssel herausdrehen kannst. Ist ein einfacher Splint verbaut, kann dieser zum Beispiel mit einem Seitenschneider gerade gebogen und herausgezogen werden.
    • Ist der Führungsbolzen entfernt, kannst Du die Bremsbeläge aus der Bremszange ziehen.
    • Tipp: Schau Dir kurz die alten Bremsbeläge an. Sind diese plan und nahezu identisch abgefahren, scheint die Bremse in Ordnung zu sein. Sind sie aber deutlich einseitig abgenutzt, deutet das auf einen feststehenden Kolben hin. Auch können die Beläge nicht plan, sondern schief abgenutzt sein. Ist dies der Fall, könnte ein Kolben leicht schief im Bremssattel stehen oder dieser war schief montiert.
  3. Reinigung und Vorbereitung des Bremssattels:
    • Bremskolben herausdrücken: Als nächstes drückst Du die Bremskolben ca. Dazu einfach vorsichtig den Bremshebel betätigen. Fährt nur ein Kolben aus der Zange, kannst Du diesen mit dem Bremskolben-Spreizer festhalten, sodass sich der andere bewegen kann.
    • Achtung: Achte darauf, dass die Kolben nicht zu weit heraus gedrückt werden. Ansonsten können sie aus der Zange fallen, was zum Auslaufen der Bremsflüssigkeit führt.
    • Im Übrigen solltet ihr die Bremskolben regelmäßig reinigen, da sie im Laufe der Zeit durch Bremsstaub und äußere Einflüsse verschmutzt werden. Dazu könnt ihr SHIMANO Mineralöl verwenden.
    • Bremskolben reinigen Sind die Kolben ca. 2mm aus dem Sattel gedrückt, entferne vorhandene Ablagerungen an den Bremskolben mit dem Bremsenreiniger und einem sauberen Tuch.
  4. Zurückdrücken der Bremskolben:
    • Saubere Bremskolben mithilfe von Bremsflüssigkeit wieder zurückdrücken Die sauberen Bremskolben müssen nun wieder in den Bremssattel zurückgedrückt werden. Bei diesem Schritt solltest Du besonders sorgfältig sein, damit die Bremse wieder einwandfrei funktioniert. Bevor die Kolben wieder in den Sattel gedrückt werden, empfiehlt es sich, etwas Bremsflüssigkeit auf die Kolben zu tröpfeln. Dies erleichtert das Zurückdrücken und macht die Dichtungen wieder geschmeidig.
    • Hast Du etwas Bremsflüssigkeit auf die Kolben gegeben, können diese am besten mit dem Bremskolben-Spreizer durch vorsichtiges Hebeln zurückgedrückt werden. Hast Du keinen solchen Spreizer in der Werkzeugkiste, kann dies auch mit einem stabilen Reifenheber geschehen. Achte darauf, dass Du die Kolben nicht schief in den Sattel zurückdrückst und sie vielmehr leicht in den Sattel gleiten.
    • Musst Du etwas mehr Kraft aufwenden, um die Kolben wieder zurückzudrücken oder waren die Bremsbeläge stark einseitig abgefahren, müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu einfach die Kolben öfter aus dem Sattel pumpen und wieder hineinhebeln. Sind alle Kolben gängig und vollständig in den Bremssattel gedrückt, wische die überschüssige Bremsflüssigkeit mit einem Tuch ab.Mit einem Tuch nochmal im Zwischenraum überschüssiges Öl abwischen.
    • Bevor Du die neuen Bremsbeläge wieder eingesetzt, kannst Du durch vorsichtiges und kurzes Ziehen am Bremshebel die Funktion der Bremse und der Dichtungen überprüfen. Dabei sollten sich alle Kolben gleichzeitig aus dem Sattel bewegen und nach dem Loslassen wieder ein Stück zurückfahren. Ist dies nicht der Fall, einfach die Schritte 4 und 5 nochmal wiederholen. Hilft auch das nichts, müssen letztlich alle Dichtungen, Kolben und die Bremsflüssigkeit erneuert werden.
  5. Einsetzen der neuen Bremsbeläge:
    • Neue Beläge einbauen: Die Beläge formschlüssig in die Feder einsetzen und als Paket zusammengedrückt in den Bremssattel schieben.
    • Neue Bremsbeläge einsetzen Nachdem die Kolben nun wieder schön gleiten und vollständig zurückgedrückt sind, kannst Du die neuen Bremsbeläge einsetzen. Dazu einfach die Feder zwischen die beiden Beläge legen und zusammendrücken. So können dann die Beläge in der richtigen Stellung wieder in den Bremssattel geschoben werden.
    • Es gibt Bremsbeläge, die eine Laufrichtung besitzen. Diese einfach entsprechend in den Sattel legen.
  6. Sichern der Bremsbeläge:
    • Beläge sichern: Sichern Sie die Beläge mit Sicherungsschraube und Splint bzw. dem Sicherungssplint.
    • Führungsbolzen montieren Sind die Bremsbeläge richtig im Sattel positioniert, kann der Führungsbolzen sauber gemacht und hineingeschraubt werden. Achte darauf, dass Du die kleine Sicherungsklammer wieder aufsteckst. War ein Splint verbaut, einfach einen neuen Splint einsetzen und dessen überstehendes Ende mit einer Zange oder einem Schlitzschraubenzieher aufspreizen.
  7. Überprüfung der Bremsscheibe:
    • Nach dem Ausbau könnt ihr direkt die Bremsscheibe überprüfen. Sie sollte eine Mindestdicke von 1,5 mm haben. Das könnt ihr mit einem Messschieber messen.
    • Bremsscheibe auf Verschleiß prüfen und ggf. austauschen Bevor Du das Laufrad wieder einsetzen kannst, solltest Du unbedingt auch die Bremsscheibe untersuchen, da auch diese verschleißen kann. Dazu mit dem Finger die Reibfläche und den Stern abfahren. Ist dort am Übergang eine deutliche Kante oder Einbuchtung zu spüren bzw. zu sehen, solltest Du auch die Bremsscheibe austauschen.
    • Muss diese erneuert werden, achte beim Kauf der Scheibe auf die richtige Größe und auf die richtige Befestigungsart. Nachdem Du die verschlissene Bremsscheibe demontiert hast, die Nabe an der entsprechenden Stelle mit einem Tuch abwischen, anschließend die Bremsscheibe auflegen und die Schrauben mit den Sicherungsfedern ansetzen. Auch hier auf die Laufrichtung der Bremsscheibe achten. Sind alle Schrauben angesetzt, diese dann zuerst über Kreuz leicht anziehen und anschließend in einem zweiten Durchgang nochmal alle gut nachziehen. So vermeidest Du, dass sich die Bremsscheibe verspannt.
    • Kannst Du die alte Bremsscheibe aber noch verwenden, solltest Du diese mit Bremsenreiniger und einem Tuch reinigen.
  8. Abschlussarbeiten:
    • Ist nun die Bremsscheibe sauber bzw. ersetzt worden, kannst Du das Laufrad wieder einbauen.
    • Laufrad einbauen und Bremssattel zentrieren Ist das Laufrad eingebaut und der Druckpunkt wieder hergepumpt, solltest Du noch überprüfen, ob der Bremssattel richtig zentriert ist. Dies sollte vor allem dann geschehen, wenn die alten Bremsbeläge nicht plan, sondern schief abgenutzt waren. Dazu drehst Du an dem entsprechenden Rad. Läuft dieses geräuschlos und stehen die Bremsbeläge parallel zur Bremsscheibe, musst Du nichts mehr machen.
    • Ist jedoch ein permanentes Schleifen zu hören oder die Bremsbeläge stehen nicht parallel zur Scheibe, muss der Bremssattel zentriert werden. Dazu einfach die beiden Schrauben lösen, mit denen der Bremssattel befestigt ist und den Bremshebel betätigen. Mit dem gezogenen Bremshebel die Schrauben wieder zuerst leicht anziehen und erst dann nochmal fest nachziehen.
    • Nun das Laufrad wieder drehen lassen. Sollte Du immer noch ein schleifendes Geräusch hören, einfach das Ganze wiederholen. Ist nur ein kurzes bzw. unterbrochenes Geräusch zu hören, ist die Bremsscheibe leicht verbogen. Dies kannst Du durch leichtes Biegen mit einer Zange an entsprechender Stelle in entsprechende Richtung korrigieren. Dazu das Laufrad drehen lassen und die Bremsscheibe beobachten, wie sie durch den Bremssattel läuft. So lässt sich ein vorhandener Schlag leicht erkennen.
    • Ist letztlich alles erledigt, kannst Du das Fahrrad wieder vom Montageständer holen.

Wichtige Hinweise

  • Wichtig ist, dass man die neuen Bremsbeläge nicht einzeln in den Bremssattel fummelt, sondern als Paket samt Feder einsetzt.
  • Nach dem Bremsbelagwechsel kann es sein, dass man den Bremssattel neu einstellen und justieren muss, weil die neuen, dickeren Beläge an der Bremsscheibe schleifen.
  • Falls Du nach der Reparatur auf dem Kopf keinen Druckpunkt bei der Bremse spürst, betätige den Bremshebel ein paar Mal.
  • Wenn Du Deine Scheibenbremse jedoch regelmäßig entlüftest und Du außerdem mehrmals den Bremshebel betätigst, bevor Du Dich nach der Reparatur wieder aufs Bike setzt, ist dies in der Regel unproblematisch.
  • Wenn Du die Brembeläge Deiner Scheibenbremse selber wechseln möchtest, solltest Du Dir dafür Zeit nehmen und sorgfältig vorgehen - schließlich geht es hier um Deine Sicherheit!
  • Außerdem: Die Bremsbeläge sollten am besten immer zuhause gewechselt werden, da Du dort einfach das bessere Werkzeug parat hast und zur Not noch schnell in das nächste Bike-Geschäft gehen oder online etwas nachbestellen kannst.
  • Trotzdem empfiehlt es sich, unterwegs immer ein Paar Ersatzbeläge dabei zu haben. Schließlich hast Du auch immer ein Multitool und einen Reifenheber in der Tasche.

Bremsbeläge einbremsen

Hat man Bremsbeläge und Laufrad wieder eingebaut muss man die Bremse nun wieder neu einbremsen. Dazu die Bremse in kontrolliertem Umfeld mehrmals richtig heiß bremsen, damit sie ihre volle Bremsleistung entfalten kann.

Material der Bremsbeläge

Die Eigenschaften von Bremsbelägen sind vom verwendeten Material abhängig. Diese unterscheiden sich insbesondere bei Scheibenbremsen hinsichtlich der Kraftübertragung, Dosierbarkeit, Lebensdauer und Geräuschentwicklung bei Nässe. Bei Felgenbremsen spielt weiterhin die Hitzeentwicklung beim Bremsen eine Rolle.

Organische Bremsbeläge

  • Hohe Bremskraft von Anfang an
  • Geringe Hitzeentwicklung
  • Kaum Quietschanfällig
  • Höherer Verschleiß

Sintermetallbeläge

  • Höhere Hitzeentwicklung als organische Beläge
  • Neigen zum Quietschen
  • Halten länger als organische Beläge

Semimetallbeläge

  • Geringster Verschleiß der drei Beläge
  • Hohe Bremskraft
  • Sehr Hitzebeständig
  • Neigen zum Quietschen

Gummibremsbeläge

Gummibremsbeläge sind der Standard bei Felgenbremsen. Sie werden aus unterschiedlichen Gummimischungen hergestellt und haben damit unterschiedliche Eigenschaften. Im Allgemeinen sind Bremsbeläge aus Gummi recht langlebig und haben eine gute Bremskraftentwicklung. Sie eignen sich gut für die Nutzung in Verbindung mit Alufelgen. Für Carbonfelgen solltest du auf Bremsbeläge zurückgreifen, die für diese ausgelegt sind. Diese sind oft aus Kork.

Korkbremsbeläge

Korkbremsbeläge haben den entscheidenden Vorteil, dass sie weniger Hitze entwickeln als Gummibremsbeläge. Sie sind daher für Carbonfelgen geeignet. Diese sind empfindlicher gegenüber Hitze als Alufelgen und haben andere Oberflächeneigenschaften. Korkbeläge verschleißen in der Regel deutlich schneller als solche aus Gummi.

Fazit

Gut funktionierende Bremsen sind für die Sicherheit beim Mountainbiken das A und O. Zum Glück brauchst Du dafür Dein Mountainbike nicht in die Werkstatt bringen und lange auf die Reparatur warten. Denn die Bremsbeläge Deiner Scheibenbremse kannst Du auch ganz einfach selber wechseln.

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