Die Gravel-Gruppe GRX von Shimano erhält ein lang ersehntes Update, parallel zur neuen mechanischen Shimano 105. Die neue 12-fach-Gruppe kombiniert Shimanos Road- und MTB-Know-how und bietet auch eine Variante für 2-fach-Freunde.
Die neue Shimano GRX 12-fach Gruppe
Endlich präsentiert Shimano die langersehnte GRX jetzt auch mit 12-fach-Kassette! Mit den mechanischen Ausführungen RX820 und RX610 ist Shimano also wieder am Puls der Zeit. Doch Gravel-Fans, die nach dem Schalten auf Knopfdruck verlangen, müssen wohl vorerst zurückstecken.
Wie es bei Shimano üblich ist, gestaltet sich der GRX-Dschungel keineswegs leicht durchschaubar. Immerhin setzt sich die Gruppe aus zwei verschiedenen Schaltwerken, zwei Kurbelgarnituren, vier Kassetten, einem Umwerfer und der Bremseinheit inklusive STIs zusammen. Die Vorliebe für Umwerfer und zwei Kettenblätter in Shimanos Gravel-Welt scheint noch nicht der Vergangenheit anzugehören. Daher präsentiert die neue GRX zwei Kurbelgarnituren.
Kurbelgarnituren und Schaltwerke
Die 1-fach-Kurbel FC-RX820-1 steht in den Kurbelarmlängen 170, 172,5 und 175 mm zur Verfügung und ist mit Kettenblättern in 40T bzw. 42T ausgestattet. Die Entscheidung zwischen zwei Schaltwerken beeinflusst nicht nur die wählbare Kassette, sondern auch die kompatible Kurbelgarnitur.
Für eine große Bandbreite am Heck steht das Schaltwerk RD-RX822-GS / SGS bereit, dabei muss jedoch auf die 2-fach-Kurbel verzichtet werden. Wie von anderen Shimano-Schaltwerken bereits bekannt, gibt es zwei von der Kassette abhängige Schaltkäfig-Längen. Neu ist jedoch, dass die Länge nachträglich durch den Austausch des Schaltkäfigs verändert werden kann.
In der mittellangen Version mit der Endung GS kann die Mountainbike-Kassette CS-M8100-12 mit einer Abstufung von 10-45 Zähnen gefahren werden. Das SGS-Schaltwerk mit langem Käfig hingegen kann die größte Shimano-Kassette mit 10-51T aufnehmen. Beide Schaltwerke sind, wie bereits bei den vorherigen GRX-Versionen, mit Shimanos Clutch „SHADOW RD+“ ausgestattet.
Kompatibilität und Kassetten
Da es sich bei den Kassetten um MTB-Produkte handelt, setzen diese auf den MICRO SPLINE-Freilauf und sind nicht rückwärtskompatibel mit den alten HG-Freiläufen. Sogar Shimanos neuester Road-Freilauf HG L2 kann die Kassetten nicht aufnehmen.
Für all jene, die sich für die 2-fach-Option begeistern, ist das RD-RX820-Schaltwerk eine passende Wahl. Es funktioniert mit Shimanos Road-Kassetten mit einer Bandbreite von 11-34 oder 11-36 und ist mit HG- und HG L2-Freiläufen kompatibel.
Ergonomie und Bremsen
Die frischen STIs der GRX wecken zumindest optisch starke Erinnerungen an ihre Vorgänger. Doch laut Shimano hat sich besonders in Bezug auf Ergonomie nochmal einiges getan, und die schon für besonders hohe Ergonomie bekannten Hoods sollen noch ein Stück besser geworden sein. Dank einer überarbeiteten Konstruktion der Befestigungsschellen wird laut Hersteller der Druck auf die Hände beim Greifen in die Hoods reduziert. Eine super Neuerung, vor allem für passionierte Langstreckenfahrer.
Gleichzeitig soll eine rutschfeste Beschichtung auf den Bremshebeln optimalen Halt gewährleisten, selbst unter widrigsten Bedingungen. Im Bereich der Bremsen bringt Shimano die neuesten Innovationen wie etwa die vereinfachte Entlüftung der Road-Gruppen zu den Gravel-Enthusiasten.
Die 600er-Komponenten
Nicht allein die hochpreisige 800er-Reihe präsentiert sich nun als 12-fache Gruppe. Auch die beliebten 600er-Komponenten erfahren eine wohlverdiente Aktualisierung. Die erschwinglicheren Teile werden nun zusammen mit den passenden STIs und Bremsen angeboten. Dabei bringen sie dieselben Innovationen mit sich, wie beispielsweise eine verbesserte Ergonomie, Griffe mit texturierter Oberfläche und Bremshebel mit rutschfester Beschichtung.
Geringfügige Veränderungen sind an den Übersetzungen der Kurbeln zu verzeichnen. Im Zweifach-Setup werden nun 46/30 Zähne angeboten, während das Einfach-Setup ein 40er-Kettenblatt aufweist.
Neue Gravel-Laufräder RX880
Zusätzlich präsentiert Shimano eine spannende Ergänzung: neue Gravel-Laufräder namens RX880. Mit einem Gewicht von 1.395 g sind diese Räder sogar etwas leichter als ihre Vorgänger. Die Carbonfelge mit 32 mm Höhe und 25 mm Innenbreite bietet genügend Raum für gängige Gravel-Reifen und Reifenbreiten. Dank des „DIRECT ENGAGEMENT“, das bereits bei DURA-ACE zum Einsatz kommt, verspricht die Nabe ein unmittelbares Fahrgefühl.
Die neue Shimano GRX Gravel-Gruppe ist ein wichtiger Schritt für Shimanos Gravel Segment. Mit der Integration der großen MTB-Kassette und dem Beibehalten von Umwerfer und 2-fach-Kurbel lässt sich mit den Komponenten das Traum-Setup bauen. Doch die Wahl des MICRO SPLINE-Freilaufs ist durch die geringe Verbreitung an Dropbar-Bikes eine kleine Hürde, die es zu überwinden gilt. Performance-Hungrige wird zudem das Fehlen einer elektronischen Di2-Version der Schaltung sauer aufstoßen.
Erste Eindrücke und Testkilometer
Vier Jahre ist es her, dass Shimano mit der GRX die erste dezidierte Gravel-Gruppe einführte. Jetzt kommt der Nachfolger auf den Markt. Unser Chefredakteur Alexander Walz konnte die Schaltgruppe bereits auf rund 100 Kilometern testen.
Die wichtigsten Neuerungen sind: größere Bandbreite durch das zusätzliche Ritzel und andere Kassettenabstufungen, teils feinere Abstufungen mit kleineren Gangsprüngen, dazu eine weiter optimierte Ergonomie der Schalt-/Bremshebel, die zudem im Bereich der Handauflage an moderne Gravel-Lenker mit Flare angepasst wurde.
Auch die Bremsen wurden dezent überarbeitet. Wieder in Sandwich-Bauweise (Alu/Stahl) hergestellt, sollen die Ice-Tech-Scheiben Wärme besser ableiten und sich beim Heißbremsen weniger verziehen, die Beläge haben 10 % mehr Abstand zur Scheibe als beim Vorgänger. Die Bremsen sollen deshalb weniger geräuschanfällig sein.
Praxistest der neuen Shimano GRX
Das zwölfte Ritzel ist ein willkommenes Upgrade, soviel steht fest - egal in welcher GRX-Konfiguration. Die größere Bandbreite gefällt, die Gangsprünge sind im 1-by-Set-up naturgemäß größer als mit der 2-fach-Kurbel. Auf welch hohem Niveau mechanische Schaltungen heute funktionieren, zeigte die neue GRX einmal mehr in der Praxis: mit minimaler Handkraft, kurzen Hebelwegen und prompten Kettenwechseln überzeugte das Schaltwerk.
Die neu gestalteten STIs liegen gut in der Hand, die Ergonomie überzeugt - auch mit kleineren Händen sind die Hebel gut zu erreichen und mit wenig Handkraft zu bedienen. Die beschichteten Hebel bieten viel Grip und sollten auch mit schweißnassen oder regenfeuchten Händen sicher bedienbar sein.
GRX 610 Serie
Wie bislang auch wird es mit der RX610 genannten Serie einen günstigeren Ableger geben - nun ebenfalls mit 12 Ritzeln, wahlweise ebenfalls in 1-by (mit 38T- o. 40T-Kettenblatt) oder 2-by-Ausführung (46/30). Die Kassetten sind gleich abgestuft wie bei der RX820.
Ebenfalls neu vorgestellt hat Shimano einen zur GRX passenden Laufradsatz (WH-RX880) mit 32 mm hohen Carbon-Felgen, zeitgemäßer Maulweite von 25 mm, der komplette Satz nur knapp 1400 Gramm schwer. Der Satz ist wahlweise mit Micro Spline- oder HG L2-Freilaufkörper zu haben, der sich bei Bedarf problemlos tauschen lässt.
Langzeittest der Shimano GRX
Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Die Aufregung um die Gruppe war von Anfang an gewaltig und das Interesse an ihr ist nach wie vor groß. Es handelt sich hierbei nämlich um die einzige Gruppe von Shimano, die ausdrücklich für die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte vorgesehen ist.
Die Gruppe wurde im harten Alltagseinsatz im Gelände bewährt und das Schaltverhalten ist einwandfrei, ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend.
Ein Vorteil von 1-fach wird nicht gesehen. Auch im Gelände möchte man den Luxus von relativ engen Gangabstufungen genießen.
Probleme und Haltbarkeit
Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln. Zum anderen stellt sich die Frage, warum die Bauweise der Hebel „halboffen“ ausgeführt ist. Dadurch gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik. Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach und die Funktionstüchtigkeit des Hebels nicht mehr vollständig gegeben war.
Die Kettenblätter zeigen bereits deutliche Verschleißzeichen und werden daher nach dem nächsten Kettenwechsel ebenfalls gewechselt werden. Die Beschichtung der Kurbel scheint relativ robust zu sein.
Bremsen
Das Bremsverhalten ist sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt. Entlüften musste man bisher nicht. Die mitgelieferten Bremsbeläge halten außerordentlich lange.
Fazit zum Langzeittest
Das Schalt- und Bremsverhalten ist insgesamt sehr überzeugend. Die Übersetzungsbandbreite der GRX eröffnet zweifellos neue Möglichkeiten. An der Haltbarkeit und Verarbeitungsqualität muss Shimano allerdings noch arbeiten.
Shimano GRX Di2
Das neue GRX Di2 Modell von Shimano macht technisch und funktional viele Sachen richtig. Jedoch bringt es keine neuen Innovationen für das Gravelbike mit, die von einem High-End-Produkt erwartet werden könnten. Das begrenzte Sortiment an Übersetzungen ist auf den Massenmarkt ausgerichtet und passt somit nicht zu der wachsenden Vielfalt der Gravelfahrrad-Welt. Insbesondere dass keine Option für nur ein Kettenblatt vorhanden ist, könnte potentielle Käufer abschrecken.
Die elektronische Apex AXS punktet mit einfacher Bedienung sowie unkomplizierten und präzisen Gangwechseln in jeder Situation. Shimanos mechanische GRX bietet mit der Zweifach-Kurbel ein breites und fein abgestuftes Getriebe, das vor allem Renn- und Reiseradler anspricht.
Haptik an den Kontaktpunkten
Das ansprechende Design der Schaltgriffe ist nach wie vor unübertroffen, insbesondere wenn die Hände auf den Griffkörpern liegen. Die Handauflage ist groß und rutschfest; der kleine, steil aufstehende Griff am vorderen Ende bietet guten Halt. Die Griffe sind zudem sehr schlank, damit auch kleinere Hände sie gut greifen können, besonders bei ruppiger Fahrt. Die Finger finden auch auf den Bremshebeln eine breite Auflagefläche.
Das Schaltenverhalten
Wie erwartet, ist das Schaltverhalten der neuen Shimano GRX Di2 sowohl vorne als auch hinten hervorragend, allerdings arbeitet der Umwerfer ziemlich laut. Das heulende Motorgeräusch erinnert an die frühen Di2-Generationen, während die aktuellen Rennrad-Umwerfer deutlich leiser und optisch unauffälliger sind. Das neue Schaltwerk am Hinterrad arbeitet schnell und präzise.
Im Gegensatz zur mechanischen Version ist das Schaltwerk nicht dafür ausgelegt, Ritzel mit mehr als 36 Zähnen zu bewältigen. Auch eine Alternative zum Zweifach-Kurbelsatz mit 48/31 Zähnen ist nicht verfügbar. Daher ist der Betrieb mit einem Einfach-Kurbelsatz ohne Umwerfer schlicht bei der neuen GRX Di2 nicht möglich.
Fazit zur neuen Shimano GRX Di2 Gravelbike-Schaltung
Das Fehlen einer Antriebsoption mit einem Kettenblatt könnte Shimano Kunden kosten, denn die einfache Bedienung dieser Antriebe ist für viele Fahrer inzwischen ein wichtiges Kaufkriterium. Trotzdem ist klar: Die Shimano GRX Di2 wird wieder viele Käufer/innen finden.
Tabelle: Shimano GRX Komponenten im Vergleich
| Komponente | GRX 820 | GRX 610 | GRX Di2 |
|---|---|---|---|
| Kurbelgarnitur | 1-fach und 2-fach | 1-fach und 2-fach | Nur 2-fach |
| Kassette | 12-fach | 12-fach | 12-fach |
| Schaltwerk | RD-RX822-GS / SGS, RD-RX820 | RD-RX822-GS / SGS, RD-RX820 | 11-fach |
| Bremsen | Hydraulisch | Hydraulisch | Hydraulisch |
| Ergonomie | Verbessert | Verbessert | Optimiert |
Shimano GRX vs. SRAM Apex
Die neuen Offroad-Gruppen von Shimano und SRAM sind besser auf die Bedürfnisse von Gravelbikern abgestimmt als je zuvor. Mit sinnvollen Übersetzungen, einfacher Bedienung und gelungener Ergonomie überzeugen sie Einsteiger wie Vielfahrer gleichermaßen - und folgen dennoch komplett unterschiedlichen Konzepten.
Top-Technik, bezahlbar
SRAM sieht die Zukunft im Einfach-Kettenblatt und dem elektronisch gesteuerten Gangwechsel. Shimano setzt seine Erfahrungen mit der populären GRX, der ersten erklärten Gravel-Gruppe überhaupt, in einer zweiten Generation um.
Optisch sieht bei Shimano alles aus wie gewohnt, fein poliertes, dunkel eloxiertes Alu bestimmt den Eindruck. Doch schon beim Erstkontakt mit den neuen GRX-Hebeln fällt auf, dass an deren Form gefeilt wurde. Die Bremshebel sind weit nach außen angestellt, extrem breit und bieten den Fingern eine satte Auflagefläche; von oben lassen sie sich wunderbar greifen, und man kann viel Kraft aufbauen.
- Vorteile der Shimano GRX:
- Breite Palette von Übersetzungsvarianten
- Option auf zwei Kettenblätter
- Verzicht auf Elektronik
- Interessant für Reiseradler und Pendler
- Vorteile der SRAM Apex:
- Simples Handling
- AXS-Version versprüht Charme von High-End-Technik
- Eher den Charme von High-End-Technik
- Vor allem Gravelbike-Neulinge
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