Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit einiger Zeit auf dem Markt und hat großes Interesse geweckt. Es handelt sich um die einzige Gruppe von Shimano, die speziell für Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Fahrer entwickelt wurde, aber auch Reiseradfahrer und Randonneure werden von ihrem breiten Übersetzungsspektrum angesprochen.
Nun tritt Shimano mit dem Anspruch an, erstmals eine eigenständige und vollständig „durchdachte Lösung“ für das Breitreifensegment unterhalb des Mountainbikes entwickelt zu haben: mit einer „auf Schotter abgestimmte[n] Halterungsergonomie“, robusteren Komponenten und geräuscharmen Antrieb. Doch wie schlägt sich die Gruppe in der Praxis?
Langzeittest der Shimano GRX
Die Shimano GRX wurde einem einjährigen Härtetest mit einer Laufleistung von 11000 Kilometern unterzogen. Anders als bei vielen Produkttests wurde die Gruppe nicht nur kurz ans Rad geschraubt, sondern musste sich im harten Alltagseinsatz im Gelände bewähren.
Schaltverhalten
Das Schaltverhalten ist ausgezeichnet. Die Gruppe funktioniert einwandfrei und ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer als auch am Schaltwerk geschmeidig, zuverlässig und schnell. Die Bedienung ist auch mit Handschuhen hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen. Beim Herunterschalten mag der Umwerfer allerdings keinen Druck.
Übersetzung und Kettenblatt
Die Übersetzungsbandbreite der GRX eröffnet neue Möglichkeiten. Dabei erwies sich die Gruppe nicht nur für Räder abseits der Straße geeignet: Sie passt auch hervorragend ins Lastenheft der modernen Randonneure und Bikepacker auf der Straße. Selbst mit Gepäck sollte die GRX-Übersetzung jeglichen Bergen und Passfahrten ihren Schrecken nehmen.
Ein Testfahrer bemerkte, dass er bei einer längeren Tour (184km/2200Hm) mit einer Tiagra 50/34 11-34 zu oft vom großen Kettenblatt (50Z.) runterschalten musste. Er überlegte, auf eine 46/30 GRX-Kurbel + Umwerfer umzurüsten, um diese Schalterei zu vermeiden.
Haltbarkeit und Verarbeitung
Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln. Zum anderen gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik, da die Bauweise der Hebel „halboffen“ ausgeführt ist. Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach. Die Kettenblätter zeigen bereits deutliche Verschleißzeichen und werden daher nach dem nächsten Kettenwechsel ebenfalls gewechselt werden. Die Beschichtung der Kurbel scheint relativ robust zu sein, allerdings verschwindet das Logo recht schnell, wenn man mit dem Fuß an die Kurbel herankommt. Die Schaltröllchen vom Shimano 105 Schaltwerk waren nach etwa 8000km verschlissen.
Bremsen
Das Bremsverhalten ist sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt. Entlüften musste bisher nicht. Die mitgelieferten Bremsbeläge halten außerordentlich lange: vorn nach ca. 6000km getauscht und hinten läuft immer noch der erste Satz. Einen Schwachpunkt stellt jedoch die Befestigung der Bremsbeläge dar: Shimano verwendet hier eine Schlitzschraube als Befestigung, die unterwegs mit dem Multitool schnell beschädigt werden kann.
Alternativen und Kombinationen
Es ist möglich, die GRX mit anderen Shimano-Komponenten zu kombinieren. So kann man beispielsweise eine SRAM-Kassette mit Shimano-Komponenten verwenden. Da es von der GRX keine Schellenversion gibt, kann man stattdessen auf Shimano 105 FD7000 setzen. Es gibt auch die Möglichkeit, die unterschiedlichen mechanischen Varianten mit einer SHIMANO ULTEGRA in Kombination verwenden.
Einige Fahrer haben auch überlegt, eine Tiagra mit einer GRX-Kurbel umzurüsten. Dabei stellt sich die Frage, ob man auf eine 11-fach Kassette wechseln muss. Grundsätzlich muss man nicht auf 11-fach wechseln, aber die Kombi mit 11fach Teilen kann Vorteile bieten. Es gibt für die Tiagra auch ein 48Z KB, aber die 2 Zähne machen den Kohl nicht fett, da würde man nach anderen KBs suchen die entsprechend kleiner sind oder auf eine komplett andere Kurbel wechseln.
GRX Di2
Shimano hat auch eine elektronische Version der GRX, die GRX Di2. Diese bietet ein hervorragendes Schaltverhalten, allerdings ist der Umwerfer ziemlich laut. Das neue Schaltwerk am Hinterrad arbeitet schnell und präzise. Der bewährte Dämpfer verhindert zuverlässig, dass die Kette bei Erschütterungen klappert. Die Übersetzung mit zwei Kettenblättern vorne und einer 11-36-Kassette dürfte für die meisten Anwendungen gut passen.
Im Gegensatz zur mechanischen Version ist das Schaltwerk nicht dafür ausgelegt, Ritzel mit mehr als 36 Zähnen zu bewältigen. Auch eine Alternative zum Zweifach-Kurbelsatz mit 48/31 Zähnen ist nicht verfügbar. Daher ist der Betrieb mit einem Einfach-Kurbelsatz ohne Umwerfer schlicht bei der neuen GRX Di2 nicht möglich.
Laufräder und Pedale
Zur Abrundung der Schaltgruppe führt Shimano mit der Zwölffach-Generation der GRX passende Laufräder und SPD-Pedale ins Programm. Der RX880-Laufradsatz kommt mit 32 Millimeter flachen Carbonfelgen bei 25 Millimetern Innenbreite; Shimano empfiehlt Reifen zwischen 32 und 50 Millimetern Breite. Besonderheit ist der schnell austauschbare Freilaufkörper; es gibt den klassischen HG-Standard sowie einen Microspline-Freilauf, der die Montage von XT-Mountainbike-Kassetten erlaubt.
Fazit
Das Schalt- und Bremsverhalten ist insgesamt sehr überzeugend. An der Haltbarkeit und Verarbeitungsqualität muss Shimano allerdings noch arbeiten.
Die Shimano GRX ist eine gute Wahl für Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Fahrer, die eine zuverlässige und vielseitige Schaltgruppe suchen. Die breite Übersetzungsbandbreite ermöglicht es, auch schwierige Strecken und lange Touren zu bewältigen.
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