Shimano GRX RX400 Schaltwerk im Test: Die Gravel-Revolution

Das Interesse an der Shimano GRX Gruppe ist groß, da es sich um die erste Gruppe von Shimano handelt, die speziell für Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Fahrer entwickelt wurde. Bislang war es üblich, klassische Rennradkomponenten zu verwenden, doch Shimano möchte nun eine eigenständige Lösung für das Breitreifensegment anbieten.

Doch welche Version von Shimano GRX passt am besten zu Deinem Gravel? Hier ein detaillierter Überblick.

Warum Shimano GRX?

Die Gravellücke im Angebot von Shimano, die der Konkurrent SRAM mit seinen Apex-, Rival- und Force-Komponenten bedient hat, ist nun endlich gefüllt. Und zwar ordentlich!

Bislang hatten es Gravel-Fahrer, die nicht zu SRAM Komponenten wechseln wollten, ziemlich schwer. Im Sommer 2018 kam die Ultegra RX zu Hilfe, eine Kettenschaltung mit Schaltzügen für Rennräder und einer Käfigdämpfung. Trotzdem war es nicht das, worauf wir gewartet haben, denn die Ultegra RX hatte ein wesentliches Problem: Der Käfig war nur mit Kassetten bis zu 34 Ritzeln kompatibel.

Abhilfe hat hier die Shimano GRX-Gruppe geschafft, die endlich eine Kettenschaltung für Rennrad-Schalthebel hat, die eine Käfigdämpfung und einen Käfig für Kassetten mit einer maximalen Reichweite von 11t-42t aufweist.

Allgemeine Änderungen und Design

Abgesehen von den offensichtlichen ästhetischen Aspekten, denn die Shimano GRX gehört unserer Meinung nach zu den schöneren Schaltgruppen, fällt auch das neue Design der Schalthebel schnell auf. Der Griff selbst ist breiter und bietet einen sichereren Halt und Bremsen. Zusätzlich ist die Bremshebelachse angehoben, so dass die Kraft, die man zum Bremsen aufbringen muss, reduziert wird. Dadurch bedarf das Bremsen noch weniger Kraft, und die Modulation ist genauer.

Wichtig ist auch, dass sich das Unternehmen komplett von mechanischen Bremsen verabschiedet hat - keine der Shimano GRX-Subgruppen hat mechanische Bremshebel. Das Nächste, worauf Shimano setzt, ist, nach der aktuellen Mode auf breitere Reifen zu setzen. In diesem Fall haben wir hier eine geänderte Kettenlinie - die Kurbel steht 2,5 mm nach außen.

Die Shimano GRX-Familie: RX400, RX600 und RX800

Analog zu Dura Ace, Ultegra und 105 bzw. XTR, XT und SLX gibt es auch innerhalb der GRX Produkte qualitative und preisliche Abstufungen. Konkret heißt das: Die Top-Gruppe bekommt das Kürzel RX800, ist sowohl als mechanische als auch als Di2 Variante erhältlich, schaltet hinten über elf Ritzel und vorn wahlweise mit einem oder zwei Kettenblättern. Die Mittelklasse hört auf den Namen RX600, ebenfalls 11-fach, ein paar Gramm schwerer und ebenfalls mit einem oder zwei Kettenblättern. Die Einstiegs-Komponenten aus der RX400 Gruppe sind ausschließlich für eine 2x10 Übersetzung ausgelegt.

Der eingeschlagene Gravel-Sonderweg zieht sich auch bei der Auswahl der Komponenten innerhalb der einzelnen Untergruppen fort: So sind nämlich nur in der Top-Gruppe alle Einzelkomponenten erhältlich, während die RX600 ohne eigenes Schaltwerk auskommt, dafür aber neben einer 11-fach Kurbel auch eine 10-fach Variante für die RX400 Komponenten mitbringt.

Shimano GRX RX400 im Detail

Die billigste GRX-Schaltgruppe, RX400, hat eine Kettenschaltung mit einem Umfang von 11-36t und eine Kurbel, genau wie die RX600, mit 46-30t Kettenblättern. Damit erhält man die niedrigste Umsetzung die man in Shimanos neuer Ausrüstung finden kann, d.h. von 4,18 bis 0,83. Die RX400 Serie bildet den Einstieg in die speziell für den Gravel- und Cross-Einsatz konzipierten GRX Schaltgruppen.

Wie bei allen GRX Schaltwerken bedienen sich die findigen Entwickler des japanischen Branchen-Riesen auch beim GRX RX400 10-fach Schaltwerk der, aus dem Mountainbike-Sektor bereits lange bewährten, Shadow RD+ Technologie, die durch einen zuschaltbaren Reibungsdämpfer die Vor- und Rückwärtsbewegung des Schaltwerks stark abbremst. Dadurch wird die Gefahr einer schlagenden und abspringenden Kette sowie des Verschaltens und die Geräuschentwicklung erheblich reduziert. Leise, leichtgängige, präzise und zuverlässige Schaltvorgänge auch in sehr anspruchsvollem Gelände sind somit stets gewährleistet.

Technische Daten des Shimano GRX RX400 Schaltwerks

  • Material: Aluminium, Stahl
  • 10-fach kompatibel
  • Max. größtes Ritzel: 36 Zähne
  • Min. größtes Ritzel: 32 Zähne
  • Max. kleinstes Ritzel: 11 Zähne
  • Min. kleinstes Ritzel: 11 Zähne
  • Max. Differenz vorne: 16 Zähne
  • Gesamtkapazität: 41 Zähne
  • Gewicht: ca. 303 g

Empfohlene Kassetten und Ketten

  • CS-HG500 10-fach-Zahnkranz 11 - 34 & 11 - 32
  • CS-HG50 10-fach-Zahnkranz 11 - 36
  • CN-HG54 HG-X 10-fach

Technologien

Das GRX RD-RX400 2x10-fach Schaltwerk zeichnet sich durch leise, leichtgängige, präzise und zuverlässige Schaltvorgänge auch in anspruchsvollstem Gelände aus, für das vor allem das als SHADOW RD+ bezeichnete Kettenstabilisierungssystem verantwortlich ist. Es verhindert das Schlagen der Kette und überflüssige Bewegungen des Schaltwerkskäfigs und stellt so unterbrechungsfreie Schaltleistung sicher.

Weitere GRX-Optionen

Eine Schaltung für Gruppen mit zwei Kettenblättern nimmt maximal eine 11-34t-Kassette auf. Die Kurbeln hingegen bieten Kombinationen von 46-30t (RX600) und 48-31t (RX800). Auch hier kann man sehen, dass für die höhere Gruppe intuitiv, je nach Fortgeschrittenheitsgrad, höhere Gänge zur Verfügung stehen. Mit der RX600 erhält man also ein Verhältnis von 4,18 bis 0,88 und mit der RX800 ein Verhältnis von 4,36 bis 0,91.

1x11-Kettenschaltungen funktionieren offiziell mit Kassetten bis 42t (inoffiziell schaffen sie es auch mit 44t und 46t), so dass mit ihnen die meisten Bergauffahrten machbar sind. Bei einem 1x11 Antrieb kann außer dem Bremsen der linke Brems- und Schalthebel auch einen Dropper-Post betätigen! Dies gibt uns eine großartige Möglichkeit, das Cockpit von überflüssigen Dingen zu befreien und es maximal zu ordnen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die RX400 ist natürlich die preiswerteste Option, die nur in der 2x10-Variante erhältlich ist. Wenn es Dir an Shimano GRX liegt, Du aber keinen Wert auf den 1x11-Antrieb legst und so viel wie möglich sparen möchtest, wird Dir diese Option genügen. Das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat natürlich, ähnlich wie die Shimano 105, die mittlere RX600 Gruppe. Sie hat bereits eine vollständige Auswahl an Gängen - 1x11 oder 2x11, was für jede Reise ausreicht. Das Schalten ist zuverlässig und leise, die Kettenschaltung macht auch unter Last eine gute Figur. Die 2x11-Version ist ideal für die eher zum Endurance-Bike neigende Version eines Gravelbikes.

Die Shimano GRX RX800 ist in manchen Fällen ein Overkill. Gewicht und Verarbeitungsqualität sind auf noch besserem Niveau, aber die Überlegenheit in Hinsicht der Betriebskultur ist minimal. Der offensichtliche Unterschied ist natürlich nach dem Umstieg auf die Di2-Version spürbar.

Shimano GRX vs. SRAM Apex

Shimano und SRAM präsentieren Produkte, die gezielt für preiswerte Räder konzipiert sind, auf dem Papier aber dennoch mit High-End-Technik punkten. SRAM belebt dafür die frühere Rennrad-Gruppe Apex wieder und macht sie zum spezialisierten Antrieb fürs Gelände. Shimano setzt seine Erfahrungen mit der populären GRX, der ersten erklärten Gravel-Gruppe überhaupt, in einer zweiten Generation um.

SRAM sieht die Zukunft im Einfach-Kettenblatt und dem elektronisch gesteuerten Gangwechsel. Die Amerikaner machten Antriebe mit einem einzelnen Kettenblatt einst salonfähig, für die neue Apex gibt es nun gar keinen vorderen Umwerfer mehr. Die Gruppe ist die bislang preiswerteste Variante, eine Schaltung auf dem neuesten Stand der Technik zu fahren: elektronisch über Funk betätigt, mit zwölf Ritzeln am Hinterrad. Eine mechanische Variante der Apex gibt es seit September auch, doch der Fokus liegt bei SRAM klar auf der elek­tronischen AXS-Plattform.

Die zweite GRX-Generation von Shimano bekommt ebenfalls ein zwölftes Ritzel spendiert. Doch sie wird, bis auf Weiteres nur mit den gewohnten Schaltbremsgriffen und Bowden­zügen bedienbar sein. Eine elektronische Di2-Version, die es in der ersten Generation parallel gab, ist zum Marktstart nicht erhältlich. Der Zweifach-Antrieb mit Umwerfer dagegen ist am Gravelbike noch eine selbstverständliche Option - auch wenn Shimano das Angebot an Einfach-Übersetzungen jetzt deutlich ausgebaut hat. Zusätzlich zur getesteten GRX 820 gibt es eine preiswertere GRX 610, die auf einige technische Finessen verzichtet. Die Gruppen sind untereinander fast uneingeschränkt kompatibel und bilden eine Art Baukasten.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Shimano wirklich sein Bestes gegeben hat und sich die Änderungen gegenüber anderen Gruppen nicht nur auf das Aussehen beschränken. Die Shimano GRX ist eine wirklich gut durchdachte Ausrüstung, die dauerhaft ihren Platz in der Fahrradgeschichte einnehmen wird.

Die neuen Offroad-Gruppen von Shimano und SRAM sind besser auf die Bedürfnisse von Gravelbikern abgestimmt als je zuvor. Mit sinnvollen Übersetzungen, einfacher Bedienung und gelungener Ergonomie überzeugen sie Einsteiger wie Vielfahrer gleichermaßen.

Shimanos mechanische GRX bietet mit der Zweifach-Kurbel ein breites und fein abgestuftes Getriebe, das vor allem Renn- und Reiseradler anspricht. Die elektronische SRAM Apex AXS punktet mit einfacher Bedienung sowie unkomplizierten und präzisen Gangwechseln in jeder Situation.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0