Shimano GRX RX810 Umwerfer Einstellen: Eine Anleitung

Die korrekte Einstellung der Schaltung ist entscheidend für ein reibungsloses Fahrerlebnis. Egal, ob du mit Shimano oder SRAM unterwegs bist, die präzise Justierung moderner 12-fach Schaltungen kann eine Herausforderung darstellen. Mehr Gänge bedeuten schmalere Ketten und feinere Distanzen zwischen den Gangstufen, was eine sehr genaue Einstellung erforderlich macht.

Diese Anleitung konzentriert sich auf die Einstellung des Shimano GRX RX810 Umwerfers, um sicherzustellen, dass deine Schaltung optimal funktioniert. Mit ein paar Tricks lassen sich aber auch die 12 fach Schaltungen problemlos einstellen.

Grundlegende Parameter der Schaltungseinstellung

Beim ersten Einstellen einer Fahrradgangschaltung neigt man oft dazu, unkontrolliert an allen Einstellschrauben zu drehen, was die Situation meist verschlimmert. Die richtige Einstellung ist jedoch weniger kompliziert als es scheint und lässt sich im Wesentlichen in drei Parameter unterteilen. Diese drei Parameter treffen im übertragenden Sinn sogar auf elektronische Schaltungen zu.

  • Umschlingung der Kette
  • Die Anschläge
  • Seilspannung

Vorbereitung: Überprüfe die Komponenten

Bevor du verzweifelt versuchst, deine Schaltung einzustellen und zu keinem brauchbaren Ergebnis kommst, solltest du sicherstellen, dass alle Komponenten intakt und voll funktionsfähig sind. Dies gilt besonders, wenn du dein Bike schon länger fährst oder viel im Gelände unterwegs bist. Häufig funktioniert eine Schaltung aufgrund eines schwergängigen Schaltseils oder wegen eines verbogenen Schaltauges nicht ordentlich. Dann kann auch der beste Profi die Schaltung nicht mehr ordnungsgemäß einstellen. Bist du also nicht erfolgreich mit der Einstellung, solltest du diese Faktoren untersuchen.

1. Umschlingung der Kette

Als Umschlingung wird der Winkel bezeichnet, den die Kette die Kassette umschlingt. Normalerweise ist dieser wichtig, um die Umschlingung der kleinen Ritzel richtig einzustellen, bei den 12 fach Antrieben ist er allerdings fest vorgegeben. An den Shimano Schaltwerken befindet sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs eine Markierung, die sich mit dem größten Ritzel der Kassette decken soll. Das Schaltwerk wird auf den leichtesten Gang geschalten und so eingestellt, dass sich die äußersten Zähne des größten Ritzels mit der Markierung decken.

2. Die richtige Einstellung der Anschläge

Mit den Anschlägen wird verhindert, dass die Kette über das größte oder kleinste Ritzel hinaus kann und in die Speichen gerät oder den Rahmen beschädigt. Bei falscher Einstellung der Anschläge kann es auch passieren, dass die Kette beispielsweise nicht in den größten oder kleinsten Gang wechselt und im Gang davor hängen bleibt.

Es gibt zwei Anschlagsschrauben, eine für jedes Ende der Range. Bei Shimano sind diese mit einem L und einem H gekennzeichnet, was für Low- und High-Speed steht. Low begrenzt also den Anschlag zum größten Ritzel mit der meisten Zähne Zahl (für langsame Geschwindigkeiten) und High ist für das kleinste Ritzel mit der niedrigsten Zähne Zahl (für hohe Geschwindigkeiten) zuständig.

Die Anschläge sollten so eingestellt werden, dass die Kette leicht auf das entsprechende Ritzel wechselt, ohne darüber hinaus Schalten zu können. Besonders die Einstellung des H-Anschlags ist wichtig, denn sie kann bei falscher Einstellung die Seilspannung beeinflussen.

Einstellung High-Speed Anschlag

Um die Einstellung des H-Anschlags zu prüfen, Schalte auf das kleinste Ritzel und löse den Schaltzug vom Schaltwerk, um den Einfluss der Seilspannung zu eliminieren. Jetzt sollte die Kette genau mittig unter dem kleinsten Ritzel laufen. Wenn du das Schaltwerk per Hand nach oben drückst und wieder loslässt, sollte die Kette problemlos und schnell auf das kleinste Ritzel schalten. Mit dem Hineindrehen des Anschlags sitzt das Schaltwerk weiter innen und umgekehrt.

Einstellung Low-Speed Anschlag

Bei der Einstellung des Low-Speed Anschlags ist wichtig, dass die Kette auf keinen Fall über das größte Ritzel hinaus schalten kann. Schaltest du also alle Gänge bis zum größten Ritzel hinauf, darf sich der Schalthebel auf dem größten Ritzel nicht oder nur noch minimal drücken lassen und das Schaltwerk sollte sich nicht mehr in Richtung Speichen bewegen. Ist der Anschlag zu weit innen eingestellt, schaltet die Kette nicht oder nur schwer auf das größte Ritzel.

3. Einstellung der Seilspannung

Mit der Seilspannung wird die Position des Schaltwerks unter allen Ritzeln kontrolliert. Das heißt, wenn die Kette die Kassette nicht nach oben steigen möchte, braucht das Schaltwerk etwas mehr Seilspannung und du musst die Einstellschraube herausdrehen.

Zusätzliche Hinweise zur Umwerfer-Einstellung

Die Einstellung des Umwerfers umfasst im Prinzip nur die Ausrichtung dieses Leitblechs zu den Kettenblättern und ein paar Vorgaben, wie weit es sich in welche Richtung bewegen kann. Hast Du den Umwerfer einmal korrekt montiert und eingestellt, solltest Du für eine Weile Ruhe haben.

Da Du beim Justieren immer wieder Schalten musst und sich das Hinterrad dafür frei drehen können muss, empfehlen wir Dir, Dein Bike in einen Montageständer zu hängen. Ein Ständer, der nur das Hinterrad anhebt, tut es natürlich auch. Beim Einstellen des Umwerfers ist es auch nötig, hinten zu schalten. Das Schaltwerk solltest du darum also schon eingestellt haben.

Die korrekte Montage des Umwerfers

Bevor Du den Umwerfer an Deinem Mountainbike einstellen kannst, solltest Du sicherstellen, dass er korrekt montiert ist. Von oben betrachtet sollte das Leitblech parallel zu den Kettenblättern stehen. Außerdem ist die Höhe wichtig. Zu niedrig montiert, stößt der Umwerfer gegen die Zähne des Kettenblattes. Zu hoch und er schaltet nicht korrekt. Die Leitbleche müssen parallel zur Kette verlaufen. Zwischen Leitblech und Kettenblatt sollten an der engsten Stelle ca. 2-3 mm Abstand sein. Von der Seite geschaut, sollte zwischen dem Leitblech und Deinem größten Kettenblatt eine Lücke von etwa zwei bis drei Millimeter zu sehen sein.

Beide Parameter - also die Richtung und die Höhe des Leitblechs - kannst Du variieren, indem du die Schelle oder Direct-Mount-Befestigung des Umwerfers leicht löst und nach dem Ausrichten des Leitblechs wieder festziehst. Achte dabei auch auf die empfohlenen Drehmomente!

Unterer Anschlag: die Begrenzung des Umwerfers nach innen

Damit die Kette beim Schaltvorgang nicht in Richtung Rahmen vom Kettenblatt fällt oder am Leitblech des Umwerfers schleift, stellst Du zuerst die Begrenzung nach innen ein. Das ist der untere Anschlag. Schalte dazu hinten auf das größte Ritzel. Wenn schon ein Bowdenzug geklemmt ist, dann schalte vorne auf das kleinste Kettenblatt. Wenn noch kein Zug montiert ist, steht der Umwerfer ohnehin ganz unten. Einige Modelle kommen mit einem Kunststoffblock etwas vorspannt, um die Ausrichtung zu erleichtern. Entferne diesen, wenn das der Fall ist.

Mit der Schraube für den unteren Anschlag kannst Du nun begrenzen, wie weit sich das Leitblech in Richtung Rahmen bewegen kann. Die Schraube ist meist mit einem L markiert (für „Low“). Wenn Du keine Markierung findest, dann schau am besten in der Anleitung, welche der beiden Anschlagschrauben die richtige ist. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), dann bewegt sich der Umwerfer vom Rahmen weg und umgekehrt.

Der untere Anschlag ist richtig eingestellt, wenn das innere Leitblech im leichtesten Gang etwa einen Millimeter von der Kette entfernt ist und beim Kurbeln gerade so nicht schleift. Mit der L-Schraube stellst Du den unteren Endanschlag des Umwerfers ein.

Zug klemmen und Spannung einstellen

Ist der untere Anschlag eingestellt, kannst Du im nächsten Schritt den Bowdenzug klemmen oder die Spannung überprüfen, wenn er schon geklemmt ist. Achte dabei auch auf den Zustand der Zughülle - sie hat einen großen Einfluss auf die Schaltpräzision. Das beste Ergebnis bekommst Du immer mit einem neuen Bowdenzug und einer neuen Hülle. Die Zughülle sollte in gleichmäßigen Kurven verlegt sein.

Wie der Zug genau am Umwerfer zur Klemmung geführt wird, unterscheidet sich stark von Modell zu Modell. Schau daher am besten in den Hinweisen des Herstellers nach. Achtung bei sogenannten Dual-Pull-Umwerfern: Sie können je nach Zugführung des Rahmens von unten oder von oben angesteuert werden. Der Zug wird dann am selben Umwerfer unterschiedlich geführt. Achte darauf, dass Dein Schalthebel im korrekten Gang steht, drehe die Zugspannungsschraube am Schalthebel komplett rein und wieder eine Umdrehung heraus. Ziehe den Zug leicht straff und fixiere ihn mit der Klemmschraube am Umwerfer. Achte dabei auf das korrekte Drehmoment. Den Überschuss kannst Du bis auf einige Zentimeter mit einer Bowdenzugzange kürzen und das Ende mit einer Endtülle vor Ausfransen schützen. Einstellen der Zugspannung am Schalthebel.

Nun kannst Du auf das zweite Kettenblatt schalten. Wenn die Kette nicht auf das größere Blatt wechselt, dann erhöhe die Zugspannung, indem Du die Spannungsschraube am Schalthebel etwas herausdrehst. Gehe dabei in kleinen Schritten von etwa einer Viertelumdrehung vor und probiere den Schaltvorgang erneut. Wenn Dein Umwerfer erfolgreich aufs zweite Blatt schaltet, dann kannst Du einmal hinten die Kassette durchschalten, um zu prüfen, welche Gänge einwandfrei laufen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Kette am Leitblech des Umwerfers schleift, wenn Du vorne auf dem mittleren Blatt und hinten auf den größten oder kleinsten beiden Ritzeln bist. Mit der Zugspannung kannst du den nutzbaren Bereich feinjustieren.

Oberer Anschlag: die Begrenzung des Umwerfers nach außen

Nachdem Du die Zugspannung eingestellt hast, ist der obere Anschlag an der Reihe. Bei einer Zweifachkurbel bist Du schon auf dem größten Kettenblatt. Bei einer Dreifachkurbel schaltest Du jetzt vom mittleren aufs größte Kettenblatt. Mit dem oberen Anschlag kannst du nun begrenzen, wie weit der Umwerfer maximal vom Rahmen weg schwenken kann. Liegt die Begrenzung zu weit außen, kann das Leitblech die Kette zu weit drücken und sie fällt herunter. Ist die Begrenzung zu weit innen, kannst Du nicht hochschalten.

Eingestellt wird der obere Anschlag mit der zweiten Schraube - meist mit einem H für „High“ markiert. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), rückst Du die Begrenzung nach innen, also näher zum Rahmen und umgekehrt. Korrekt eingestellt hast Du den oberen Anschlag, wenn die Kette gerade so nicht am äußeren Leitblech schleift, während sie hinten auf dem kleinsten Ritzel läuft. Mit der H-Schraube stellst Du den oberen Endanschlag des Umwerfers ein.

Funktionsprüfung

Hast Du beide Anschläge und die Zugspannung eingestellt, bist Du im Prinzip fertig. Schalte zur Kontrolle noch alle möglichen Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln durch. Achte dabei auf den Schräglauf der Kette und in welchen Gängen sie eventuell am Umwerferleitblech schleift. Wenn das bei der Kombination der größten ein oder zwei Ritzel mit dem größten Kettenblatt der Fall ist, dann ist das nicht schlimm. Den extremen Schräglauf der Kette solltest Du sowieso vermeiden. Gänge mit der gleichen Übersetzung hast Du auch zur Verfügung, wenn Du auf das mittlere Kettenblatt und auf kleinere Ritzel schaltest. Das gleiche gilt für die Kombination des kleinen Kettenblattes mit den kleinsten Ritzeln.

Alles funktioniert, wie es soll? Dann solltest Du eine Probefahrt auf dem Trail unternehmen!

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