Die Shimano GRX Schaltgruppe hat seit ihrer Einführung großes Interesse geweckt, da sie die einzige von Shimano speziell für Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Fahrer entwickelte Gruppe ist. Sie soll eine durchdachte Lösung für das Breitreifensegment unterhalb des Mountainbikes bieten. Aber wie bewährt sich die Gruppe im Alltag?
Erster Eindruck und Ergonomie
Beim Losfahren fallen die Brems- und Schaltgriffe auf, die sich spürbar von den bekannten Shimano-Griffen der 105er- oder Ultegra-Serie unterscheiden. Der Hebelpunkt ist leicht versetzt, die Hebel sind leicht nach außen gestellt und ergonomischer geformt; der Bereich für die Handablage ist schön breit und rutschfest. Der erste Eindruck von der neuen GRX ist äußerst positiv. Der Druckpunkt ist hervorragend gewählt, die Bedienkraft ist genau richtig.
Die ST-RX810-Schalthebel fallen groß aus, was Fahrern mit Handschuhen oder großen Händen entgegenkommt. Bergab bieten sie massig Grip durch die Profilierung auf dem Gummiüberzug. Der Drehpunkt des Schalt-/Bremshebels wurde sinnvoll verändert, was die Bremsleistung in den Hoods verbessert.
Positiv ist die Funktion der Beschichtung hervorzuheben. Auch ohne Handschuhe hat man bei nassen Bedingungen stets genügend Grip.
Schalt- und Bremsverhalten
Zum Schaltverhalten kann man nur sagen: Das flutscht. Die Gruppe funktioniert einwandfrei, ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen.
Das Bremsverhalten ist sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt. Die Brems-Performance der GRX-Bremsen ist erste Sahne.
Die hydraulischen Scheibenbremsen lassen sich butterweich ansteuern, auch Schaltwerk und Umwerfer führen klaglos alle Befehle von oben aus. Präzision und Performance der Schaltvorgänge liegen auf Niveau der Straßengruppe Shimano 105; mindestens.
Ein frei belegbarer Zusatzknopf, der bisher unter dem Griffgummi auf der Oberseite des Höckers versteckt war, wanderte an die Innenseite des Hebels in Daumenreichweite.
Langlebigkeit und Verarbeitung
Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln. Zum anderen gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik durch die „halboffene“ Bauweise der Hebel.
Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach und die Funktionstüchtigkeit des Hebels nicht mehr vollständig gegeben war. Überraschend war, dass die kleine Wippe lediglich von zwei kleinen Federn, beziehungsweise Drähten abhängt. Nach langem Hin und Her wird der rechte Hebel schließlich auf Garantie ersetzt.
Die ST-RX810-Bremshebel sehen schnell mitgenommen aus, da bereits der kleinste Kontakt sofortige Kratzer verursacht. Allerdings verschwindet das Logo recht schnell, wenn man mit dem Fuß an die Kurbel herankommt.
Ein Schwachpunkt ist die Befestigung der Bremsbeläge: Shimano verwendet hier eine Schlitzschraube als Befestigung, die unterwegs mit dem Multitool schnell beschädigt werden kann.
Übersetzung und Bandbreite
Die Übersetzungsbandbreite der GRX eröffnet zweifellos neue Möglichkeiten. Dabei erwies sich die Gruppe nicht nur für Räder abseits der Straße geeignet: Sie passt auch hervorragend ins Lastenheft der modernen Randonneure und Bikepacker auf der Straße. Selbst mit Gepäck sollte die GRX-Übersetzung jeglichen Bergen und Passfahrten ihren Schrecken nehmen.
Wer im hochalpinen Gelände und überwiegend offroad unterwegs ist, wird mit einem 1-fach-Setup zufrieden sein. Durch den Verzicht auf einen Umwerfer wird Gewicht eingespart und man erhält mit einer großen Kassette trotzdem eine beachtliche Bandbreite.
Die Abstufung der montieren 11-34T-Kassette ist clever gewählt und stellt für jede Situation das richtige Ritzel zur Verfügung.
Shimano GRX Di2
Die neue GRX Di2 macht technisch vieles richtig, setzt aber keine neuen Akzente. Das schmale Angebot an Übersetzungen ist auf die breite Masse zugeschnitten und wird der wachsenden Vielfalt in der Gravel-Welt nicht gerecht. Vor allem die fehlende Option, mit nur einem Kettenblatt fahren zu können, dürfte viele Interessenten stören.
Die Griffe sind jetzt wie bei den aktuellen Rennradgruppen per Funk mit den Schaltkomponenten verbunden, für die Knopfzellen verspricht Shimano eine Lebensdauer von bis zu vier Jahren. Form und Befestigung wurden etwas an die ausgestellten Lenkerenden typischer Gravelbike-Lenker angepasst, sodass der Übergang zum Lenker ergonomischer gestaltet ist und die Bremshebel weniger zur Seite abstehen.
Auch die GRX Di2 wird wieder viele Käufer finden. Vor allem attraktive Komplettrad-Angebote werden zur Verbreitung beitragen, die je nach Marke um 5000 Euro liegen und damit vergleichbar sind mit Rädern mit SRAM Force. Die wird dann nur wählen, wer keinen Umwerfer möchte.
Alternativen und Vergleich
Die Entscheidung für oder gegen eine GRX-Schaltung hängt stark vom individuellen Einsatzbereich ab. Wer überwiegend im Gelände unterwegs ist, könnte von der Einfach-Ausführung mit weit abgestufter Kassette profitieren. Wer indes auch auf der Straße und auf gemischten Untergründen unterwegs ist, fährt besser mit einem Zweifach-Antrieb.
SRAM setzt konsequent auf ein Kettenblatt mit zwölf Gängen in Reihe. Die zweite GRX-Generation von Shimano bekommt ebenfalls ein zwölftes Ritzel spendiert. Doch sie wird, wie an unserem Testrad von Arc8, bis auf Weiteres nur mit den gewohnten Schaltbremsgriffen und Bowdenzügen bedienbar sein.
Die Apex von SRAM könnte für bestimmte Zielgruppen aber attraktiver sein. Sie besticht vor allem durch ihr simples Handling, und die AXS-Version versprüht eher den Charme von High-End-Technik. Vor allem Gravelbike-Neulinge könnten sich für die Apex entscheiden, sofern sie keine Berührungsängste mit der Elektronik haben.
Shimano GRX RX827
Mit der GRX RX827 bringt Shimano erstmals eine kabellose 1×12-fach Di2-Gruppe fürs Gravelbike auf den Markt. Zentrales Bauteil ist das überarbeitete Schaltwerk mit integriertem Akku. Shimano verabschiedet sich damit im Gravelbereich vom bisherigen Di2-Akku im Rahmen und der fummeligen Kabelverlegung. Stattdessen sitzt der Energiespeicher nun direkt im Gehäuse des RD-RX827, ist geschützt untergebracht, entnehmbar und wird - ganz wie bei SRAM - extern geladen.
Technisch lehnt sich das GRX-Schaltwerk stark an die XTR an: ein flaches, keilförmiges Profil soll bei Kollisionen eher ableiten als verhaken. Neu ist auch das Kettenmanagement: Statt einer Clutch setzt Shimano auf eine doppelt gefederte Konstruktion für höhere Kettenspannung.
Mit der neuen GRX Di2 Wireless bringt Shimano erstmals kabellose Mullet-Setups ans Gravelbike - ein kleiner, aber entscheidender Schritt in Richtung Modularität und Zukunft. In unserem Test überzeugt das neue Schaltwerk mit leiser, präziser Schaltperformance.
Fazit
Das Schalt- und Bremsverhalten ist insgesamt sehr überzeugend. An der Haltbarkeit und Verarbeitungsqualität muss Shimano allerdings noch arbeiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Shimano GRX eine vielseitige und leistungsfähige Schaltgruppe für Gravelbikes ist. Ihre Ergonomie, Schaltperformance und Übersetzungsbandbreite machen sie zu einer guten Wahl für verschiedene Fahrstile und Einsatzbereiche. Allerdings gibt es bei der Langlebigkeit und Verarbeitung noch Verbesserungspotenzial.
| Komponente | RX800 | RX600 | RX400 |
|---|---|---|---|
| Gänge | 2x11 oder 1x11 | 2x11 oder 1x11 | 2x10 |
| Schaltung | Mechanisch oder elektronisch (Di2) | Mechanisch | Mechanisch |
| Bremsen | Hydraulische Scheibenbremsen | Hydraulische Scheibenbremsen | Hydraulische Scheibenbremsen |
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