Shimano GRX Schaltzug Wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Die Gänge lassen sich nicht mehr schnell einlegen, die Kette rattert nach dem Schaltvorgang oder der Schalthebel hat Spiel? Dann ist es Zeit, die Schaltzüge zu wechseln, um die optimale Funktion wieder herzustellen. Schalt- und Bremszüge werden in der Technik nach ihrem Erfinder Ernest Monnington Bowden auch Bowdenzüge genannt.

Werkzeug und Material

Für den Wechsel der Schaltzüge benötigst du folgendes Werkzeug und Material:

  • Zughüllenschneider (Cable Cutter)
  • Inbussatz
  • Klebeband
  • Teflonspray
  • Schaltzugset
  • Liner
  • Zugendhülsen
  • Endkappen

Schwierigkeitsgrad: Mittel
Zeitaufwand: ca. 45 Minuten

Allgemeine Vorbereitung

Vom Lenker aus gibt es mehrere Möglichkeiten, die Züge zu führen. Optisch ansprechend, da in gleichmäßigen Bögen, laufen die Zughüllen von der Vorderseite des Lenkers auf die jeweils gegenüberliegende Seite am Rahmen. Der Bogen jeder Zughülle vom Lenker bis zum Anschlag am Rahmen sollte so lang sein, dass maximales Einschlagen des Lenkers gerade noch möglich ist. So laufen die Züge in harmonischen, nicht zu langen Bögen zum Zuganschlag.

Die Zughülle zum Schaltwerk darf nicht in einem zu engem Bogen geführt werden, um die Reibung möglichst gering zu halten. Bei den Zughüllensets der Schaltungshersteller (wie Shimano, Sram, Campagnolo, FSA, Microshift, Rotor) sind die Hüllen für alle Rahmengrößen verwendbar. Ergo sollte die Länge der Zughülle so abgelängt werden, dass der Radius den geringsten Reibwiderstand bietet und an der Rahmen- sowie an der Schaltwerksaufnahme ca. zwei Zentimeter senkrecht herausragt, bevor die Zughülle einen Bogen macht. Im Zweifel lieber länger lassen!

Schaltzüge wechseln: Tipps für außen verlegte Züge

Die Schrauben zum Justieren der Zugspannung (sog. Zugeinsteller) lassen sich bei außen verlegten Zügen am vorderen Zuganschlag einfach anbringen. Montiere diese praktischen Teile zwischen Zughülle und Anschlag, so kannst du später auch während der Fahrt die Zugspannung nachstellen, wenn die Schaltung mal rattern sollte.

Ob die beiden Schaltzüge am Unterrohr kreuzen oder nicht, ist eine "Glaubensfrage". Wenn die Zughüllen vom Lenker bis zum Zuganschlag auf der jeweils gegenüberliegenden Seite am Rahmen führen, kannst du die Züge kreuzen, damit der Bogen sanfter läuft. So sind sie auch besser am Unterrohr geführt und man bleibt weniger schnell daran hängen.

Die Zugführung unter dem Tretlager sollte immer sauber sein - vergiss dieses versteckte Teil nicht, wenn du deinen Renner reinigst. Kontrolliere es auch auf Kanten oder Beschädigungen, und gebe nach jeder Reinigung etwas Teflon-Spray auf die Führung, damit die Züge hier möglichst leicht laufen.

Sogenannte Donuts, kleine gelochte Gummistücke zum Auffädeln auf die Züge, verhindern nerviges Klappern am Rahmen und schützen diesen gleichzeitig ein wenig vor Scheuerstellen.

Schaltzüge wechseln: Tipps für innen verlegte Züge

Das Verlegen der Schaltzüge im Rahmen bei integrierter Zugverlegung ist meist etwas tricky und erfordert Geduld. Bevor du loslegst, überlege die Schritte genau.

Bevor du die alten Züge herausziehst, schiebe passend abgelängte Innenhüllen, sog. Liner, auf jeden Zug, der durch den Rahmen geführt wird. Diese Montagehilfen, die das Verlegen neuer Züge spürbar erleichtern, sind im Fachhandel erhältlich. Fädel jeweils vom Ende des Zuges, also ab Schaltwerk/Umwerfer, eine Hülle ein, bis sie unter dem Tretlager wieder aus dem Rahmen kommt. Von dort ziehst du einen weiteren Liner bis zu den oberen Zuganschlägen am Steuer-/Oberrohr ein. Fixiere die Liner mit Klebeband und ziehen nun die alten Züge heraus.

Exkurs: Ziehe niemals einen Schaltzug einfach so aus einem Liner, wenn dieser nicht an den jeweiligen Rahmenaufnahmen herausschaut! Dann kann es passieren, dass der Liner sich irgendwo im Rahmen versteckt, du aber das Ende niemals wieder zum Einfädeln erreichst. Bist du dir unsicher, pack am besten alles ein und geh zur Werkstatt, bevor du den Zug herausziehst.

Zuganschläge im Rahmen sind häufig ein Grund für schlechte Funktion der Schaltung. Kontrolliere regelmäßig, ob jede Zugendhülse satt in der Rahmenaufnahme sitzt und ob die Zughülle darin festen Halt findet. Die Zugaußenhülle weist einen Innendurchmesser von 4 mm auf, dementsprechend ist der Innendurchmesser der Zughülse ein klein wenig größer, etwa 4,2 mm.

Exkurs: Bremszugaußenhüllen haben in der Regel einen Außendurchmesser von 5 mm.

Checke auch, ob der Zug an scharfen Kanten reiben könnte. Defekte Anschläge ersetzen! Der Hersteller des Rahmens sollte Ersatzteile im Sortiment führen. Sollte die Zugöffnung am Rahmen selbst eine scharfe Kante aufweisen, führe eine Zughülse mit Teflon-Liner ein. Dann rutscht der Bowdenzug über das Teflon und nicht über die Kante. Am Rahmen selbst solltest du keine Ausbesserungen vornehmen, es besteht Bruchgefahr und die Gewährleistung erlischt.

Zugeinsteller lassen sich bei innen verlegten Zügen einfach nachrüsten: Setze die praktischen Teile in der Zughülle zwischen Lenker und vorderem Zuganschlag ein - an einer auch während der Fahrt gut erreichbare Stelle. Dazu trenne einfach die Zughülle und setze das wenige Zentimeter kurze Teil ein - idealerweise für Umwerfer. An den Schaltwerken befindet sich ein Zugeinsteller immer an der Schaltzugaufnahme. Hier kannst du dir den Zugeinsteller am Lenker sparen und damit auch Gewicht.

Hüllen (Liner) erleichtern nicht nur das Verlegen von Zügen im Rahmeninnern, es senkt auch den Reibwiderstand des Schaltzuges an Knicken und Rundungen am Tretlager. In einem neuen Rahmen mit interner Zugführung sollten diese Liner als Montagehilfe bereits stecken. Fädel die Züge ganz durch diese dünnen Hüllen, bis sie hinten wieder aus dem Rahmen und der Zughülle austreten, ziehe anschließend die Liner nach hinten aus dem Rahmen. Unbedingt für den nächsten Zugwechsel aufheben!

Die Zugführung unter dem Tretlager liegt bei innen verlegten Zügen mal offen, mal unter einem Deckel. Hier sammelt sich gern Schmutz und kann die Schaltfunktion spürbar beeinträchtigen. Reinige diese sensible Stelle daher regelmäßig mit Wasser und geben danach etwas Teflon-Spray auf die gesamte Führung, um die Zugreibung zu verringern.

Nun fädelst du die neuen Züge in die Liner ein: vom oberen Zuganschlag zur Montageöffnung im Tretlager, dann weiter zum Schaltwerk. Ist der neue Zug durchgefädelt, kannst du die Liner - die dir als Montagehilfe dienten - wieder entfernen.

Klappern Züge im Rahmen, gibt es leider keine Patentlösung. Die bereits erwähnten "Donuts" können helfen, lassen sich aber nur schwer einfädeln. Liner mit einigen daran befestigten Kabelbindern (oder mit Styropor) ummantelt sind eine wirksame Lösung - sie lassen sich durch die Montageöffnung unter dem Tretlager einfädeln.

Scheuernde Zughüllen sind bei innen verlegten Zügen häufig ein Problem, da die Zuganschläge sehr nah am Rahmen liegen. Schütze den Rahmen an potenziellen Scheuerstellen mit durchsichtiger, selbstklebender Folie - die man in verschiedenen Größen, Farben und Formen im Fachhandel erhält.

Gedichtet oder ungedichtet Zughüllenendhülsen - welche ist die richtige?

Gedichtete Zugendhülse schützen die Zughüllen gut vor eindringendem Wasser und Schmutz, sie sind daher ein heißer Tipp für Vielfahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind. Allerdings erhöhen sie die Zugreibung etwas und sind deutlich teurer als die ungedichteten. Wer meist bei Trockenheit fährt, kann also bedenkenlos ungedichtete Endkappen verwenden.

Die offiziellen Vorgaben der Hersteller sind hier übrigens uneinheitlich: Campagnolo verwendet von Haus aus nur gedichtete Zugendkappen, Shimano empfiehlt ungedichtete Modelle, Sram bietet beide Varianten als Ersatzteile an. Die Erfahrung zeigt aber, dass beide Varianten gut funktionieren. Übrigens erkennen Sie gedichtete Zugendkappen bei Shimano an 4 eingeprägten Rillen (im Bild rechts), bei Sram und Jagwire an einem kleinen Nippel, der am Kappenende absteht.

Zu guter Letzt schützt du die Enden der Bowdenzüge durch Zugendkappen vor dem Aufspleißen. Die kleinen Kappen für Schaltzüge haben einen Innendurchmesser von 1,2 mm und sind im Fachhandel erhältlich. Die ziehst du über das Ende des Schaltzuges und drückst diese mittig mit einer Flach- spitz oder speziellen Bowdenzugzange fest zusammen, sodass die Endkappe nicht mehr runterrutscht.

Schritt-für-Schritt Anleitung für den Schaltzugwechsel

  1. Vorbereitung: Schalte die Kette aufs kleinste Ritzel. Löse dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk).

  2. Entfernen des alten Zuges: Damit sich das Seil aus der Hülle ziehen lässt, musst du das Ende mitsamt der Quetschhülse abschneiden. Zum Herausziehen des alten Schaltseils die Zugwechsel-Öffnung am Schalthebel öffnen:

    • Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich.
    • Sram: Gehäusedeckel oben.
    Anschließend das Schaltseil durch den Hebel herausziehen. Die Außenhülle verbleibt vorerst im Rahmenrohr!

  3. Verlegen der neuen Außenhülle (bei durchgehenden Hüllen): Nun wird die neue Außenhülle mit Hilfe eines RockShox Connectors an die alte Hülle geschraubt (Ein- oder Ausgang spielt keine Rolle). An den Flanschen des Connectors sitzen unterschiedliche Gewinde (Links- und Rechtslauf), deshalb schraubt sich das Teil gleichzeitig in beide Außenhüllen. Wichtig: Beim Einführen der neuen Außenhülle mehr schiebend als ziehend arbeiten! Nicht, dass sich der Connector löst.

  4. Ablängen der Außenhülle: Das endgültige Ablängen der neuen Außenhülle erledigst du am besten, nachdem sie an Ort und Stelle im Rohr sitzt. Achte darauf, die Hülle in harmonischen Bögen und weder zu knapp noch zu lang zu verlegen (Lenker muss sich in beide Richtungen voll einschlagen lassen).

  5. Vorbereitung der Außenhülle: Bevor du den neuen Seilzug einführst, weite die Enden der Außenhüllen mit einem Nagel etwas auf. Denn selbst mit dem Bowdenzugschneider wird der Liner meist etwas gequetscht. Und nicht vergessen, die PVC-Endhülsen aufzustecken!

  6. Verlegen des neuen Zuges: Schaltseil durchfädeln, System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.

Anleitung für den Fall, dass die Außenhüllen nicht durchgehend verlegt sind

  1. Vorbereitung: Schalte die Kette aufs kleinste Ritzel. Dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen.

  2. Entfernen des alten Zuges: Nun kannst du die Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter wegziehen und damit das Stahlseil freilegen. Dort musst du es abschneiden! Jetzt kannst du das zwischen Lenker und Rahmenrohr sitzende Segment der Außenhülle abziehen, so dass das blanke Schaltseil noch aus dem Rahmen hängt. Ebenso unten am Tretlager die Außenhülle wegziehen.

  3. Verwenden eines Liners: Nun kommt das Anfangs erwähnte Liner-Röhrchen zum Einsatz: Schiebe den Liner über den alten Seilzug bis er unten wieder aus dem Rohr kommt. Erst jetzt den alten Zug nach unten aus dem Liner ziehen. Aufpassen, dass der Liner im Rohr an Ort und Stelle bleibt! Er dient gleich als Führung für das neue Schaltseil.

  4. Ablängen der Außenhüllen: Inzwischen kannst du die neuen Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen schneiden. Übrigens eine gute Gelegenheit, die Verlegung zu optimieren, falls die alten Hüllen vielleicht zu lang oder kurz waren. Vor dem Aufstecken der PVC-Endhülsen hilft der Trick mit dem Nagel, um die Einlässe zu Weiten (siehe oben).

  5. Verlegen des neuen Zuges: Um das neue Schaltseil einfädeln zu können, musst du am Hebel die Zugwechsel-Öffnung aufschrauben (Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich. Sram: Gehäusedeckel oben). Der alte, abgeschnittene Seilrest lässt sich leicht heraus schieben. Jetzt das neue Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle fädeln. Anschließend mit Gefühl durch den Liner im Rahmenrohr. Sobald das Seil unten auftaucht kannst du den „Hilfs-Liner“ mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen ziehen.

  6. Abschluss: Der Rest ist reine Formsache: Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk fädeln. System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.

Abschließende Hinweise

Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei Mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.

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