Shimano GRX: Unterschiede zwischen den Modellen

Die Shimano GRX ist eine speziell für Gravelbikes entwickelte Schaltgruppe, die die Vorteile von Rennrad- und Mountainbike-Komponenten vereint. Sie bietet eine breite Palette an Ausstattungsmöglichkeiten, darunter 10-fach, 11-fach, Einfach- und Zweifach-Antriebssysteme. Shimano bietet verschiedene GRX-Gruppen an, darunter die 800er, 600er und 400er Versionen, um unterschiedlichen Ansprüchen und Budgets gerecht zu werden.

Warum Shimano GRX?

Immer mehr sportliche Straßenradler entdecken Forst- und Waldwege als neues Revier. Gravelbikes boomen in den Shops. Mit der GRX-Antriebsgruppe reagiert der Marktführer Shimano auf den Offroad-Trend und präsentiert die ersten gravel-spezifischen Komponenten der Welt. Ein Gravelbike ist eine Mischform aus Rennrad und Trekkingbike. Und ein paar Mountainbike-Gene wirbeln ebenfalls durch seine DNA. Genau das richtige Bike also, wenn du flott auf der Straße und im leichten Gelände unterwegs sein willst. Eigentlich logisch, dass diese speziellen Bedingungen besondere Anforderungen an die Komponenten stellen.

Gerade weil der Gravel-Bereich so populär geworden ist und die Einsatzmöglichkeiten vielfältig sind, war die Entwicklung der GRX-Gruppe nur folgerichtig. Sie kombiniert die Vorteile aus beiden etablierten Bereichen, MTB und Rennrad, in eine neue Gruppe. Besondere Highlights sind dabei klar die Bedienelemente am Lenker, inklusive Bremssystem, das auf Offroad abgestimmte Schaltwerk und die Kombinationen.

Dieses Interesse ist der Premiere einer sehr stark angekündigten neuen Gruppe zu verdanken - der Shimano GRX. Das japanische Unternehmen hat es endlich geschafft! Die Gravellücke in ihrem Angebot, die der Konkurrent SRAM mit seinen Apex-, Rival- und Force-Komponenten bedient hat, ist mittlerweile ausgefüllt. Und zwar ordentlich. Aber warum gibt es so viele Varianten der neuen Schaltgruppen? Welche Version von Shimano GRX passt am besten zu Deinem Gravel?

Die Shimano GRX-Familie im Überblick

GRX 800: Das Top-Modell

Das Top-Modell, die 800er-Version, ist die einzige Variante, die nicht nur mechanisch, sondern auch elektronisch mit Di2 angeboten wird. Auch die 800er ist mit nur einem Kettenblatt vorne erhältlich, hier aber mit der Option, statt 40 Zähnen sogar 42 zu wählen. Auch die Zweifach-Garnitur gibt es hier mit größerer Übersetzung (48-31). Bei dieser Technologie werden die Bremsbeläge bereits bei geringer Betätigung der Bremse zur Bremsscheibe geführt. Dabei bleibt noch ein großer Teil des Hebelwegs bestehen, um diesen für entweder mehr Kraft zu nutzen oder um feinfühliger zu bremsen.

GRX 600: Die Mittelklasse

Dabei liegt die 600er qualitativ auf dem Level der 105er-Serie, die du aus dem Rennrad-Bereich bereits kennst. Sie hat bereits eine vollständige Auswahl an Gängen - 1x11 oder 2x11, was für jede Reise ausreicht. Das Schalten ist zuverlässig und leise, die Kettenschaltung macht auch unter Last eine gute Figur. Das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat natürlich, ähnlich wie die Shimano 105, die mittlere RX600 Gruppe.

GRX 400: Der Einstieg

GRX 400 ist natürlich die preiswerteste Option, die nur in der 2x10-Variante erhältlich ist. Wenn es Dir an Shimano GRX liegt, Du aber keinen Wert auf den 1x11-Antrieb legst und so viel wie möglich sparen möchtest, wird Dir diese Option genügen. Die Shimano GRX 400 Gruppe ist die ideale Gruppe für Gravelbike-Einsteiger. Du kannst diese Gruppe mit der Shimano Tiagra Gruppe für Rennräder vergleichen. Im Vergleich zu den anderen GRX-Gruppen ist die GRX 400 eine 10-Gang-Gruppe.

Wichtige Unterschiede im Detail

Schalt-/Bremshebel (STI)

An den Schalt-/Bremshebeln sieht man besonders deutlich, dass sich die Shimano-Entwickler intensiv mit den Anforderungen beim Gravelbiken auseinander gesetzt haben. Damit der Fahrer die Schaltung auch während grober Erschütterungen treffsicher bedienen kann, sorgt eine Anti-Rutsch-Beschichtung auf den Schwenkhebeln für Grip. Außerdem ist die Drehachse der Hebel 18 Millimeter höher platziert als bei den reinen Rennrad-Hebeln. Das hilft beim Treffen der gewünschten Gangstufe, da die Schaltwege etwas weiter sind. Die Hebel gibt es in mechanischer Version (ST-RX810/RX600/RX400 und ST-RX810-LA) und mit elektrischer Übertragung der Schaltimpulse (Di2: ST-RX815).

Die Shimano GRX RX800 ist in manchen Fällen ein Overkill. Gewicht und Verarbeitungsqualität sind auf noch besserem Niveau, aber die Überlegenheit in Hinsicht der Betriebskultur ist minimal. Der offensichtliche Unterschied ist natürlich nach dem Umstieg auf die Di2-Version spürbar.

Abgesehen von den offensichtlichen ästhetischen Aspekten, denn die Shimano GRX gehört unserer Meinung nach zu den schöneren Schaltgruppen, fällt auch das neue Design der Schalthebel schnell auf - der Griff selbst ist breiter und bietet einen sichereren Halt und Bremsen. Zusätzlich ist die Bremshebelachse angehoben, so dass die Kraft, die man zum Bremsen aufbringen muss, reduziert wird. Dadurch bedarf das Bremsen noch weniger Kraft, und die Modulation ist genauer.

Bremsen

Ein Pluspunkt ist sicher die Tatsache, dass die GRX-Gruppe in allen Qualitätsstufen mit hydraulischen Scheibenbremsen angeboten wird, die mittels Flatmount-Systems verbaut werden. Das System ist mittlerweile auch im Rennrad-Bereich zum Standard geworden, da es ein schlankeres und leichteres Design ermöglicht. Wie oben schon erwähnt gibt es noch die Möglichkeit, weitere Bremsen am Oberlenker zu montieren, die ebenfalls in der Hydraulik integriert sind.

Besonders im Gravelsport sind Scheibenbremsen heute nicht mehr wegzudenken. Komplettiert wird die Bremsanlage daher mit den hydraulischen GRX Bremssätteln BR-RX810 und BR-RX400. Trotz ihres kompakten Designs sorgen sie bei allen Wetterbedingungen für kraftvolle Verzögerung. Ohne Wenn und Aber! Den Flat-Mount-Standard kennt man bereits von den Rennrad-Scheibenbremsen her. Ebenso das ICE-Tech Kühlsystem mit Kühlrippen an Scheiben und Bremsbelägen.

Schaltwerk

Das Schaltwerk wird mit der sogenannten Shadow RD+ Technologie ausgestattet. Dabei handelt es sich um einen kleinen Hebel direkt am Schaltwerk, mit dem du eine Käfigdämpfung aktivieren kannst. Der Vorteil dieser Option ist, dass die Kette etwas „straffer“ gehalten wird. Dadurch kann es nicht so schnell passieren, dass die Kette unangenehm schlägt oder schlimmstenfalls sogar abspringt. Im Rennradbereich auf flachen Strecken ist diese Funktion natürlich überflüssig. Im Gelände, wo kleinere Sprünge durchaus möglich sind, ist es ein gutes Feature.

Abhilfe hat hier die Shimano GRX-Gruppe geschafft, die endlich eine Kettenschaltung für Rennrad-Schalthebel hat, die eine Käfigdämpfung und einen Käfig für Kassetten mit einer maximalen Reichweite von 11t-42t aufweist.

Kurbelgarnituren

Wichtigster Unterschied zu normalen Rennradkurbeln: Die Kettenblätter sitzen 2,5 Millimeter weiter außerhalb des Tretlagers. Durch die breitere Kettenlinie können Rahmen an Kettenstreben und Hinterbau breiter gebaut werden. Was wiederum die Montage von breiteren Reifen erlaubt. Fünf verschiedene Kurbeln stehen zur Wahl: FC-RX810-1 (1×11), FC-RX810-2 (2×11), FC-RX600-1 (1×11), FC-RX600-11 (2×11) und FC-RX600-10 (2×10). Interessantes Detail: Die hochwertige 2-fach Variante FC-RX810-2 sorgt mit 48- und 31-Zähne-Kettenblättern für die breiteste Übersetzung im Shimano-Sortiment.

Laufräder

Im Gelände sind die Laufräder extremen Belastungen ausgesetzt. Dem trägt Shimano mit zwei neuen GRX Laufradsätzen Rechnung, die in den Größen 700c und 650B erhältlich sind (WH-RX570-TL-F12/R12). Die letzten Ziffern weisen auf das 12-Millimeter-E-Thru-Steckachsensystem hin, das für präzise und verwindungssteife Montage in Rahmen und Gabel sorgt. Mit jeweils 24 Speichen an Vorder- und Hinterrad kann man die Laufräder auch mal hart rannehmen, ohne dass sofort mit Seiten- und Höhenschlägen zu rechnen ist.

Übersetzungsmöglichkeiten

Neben den unterschiedlichen Preisen und der Qualität der drei Gravelgruppen sind die von Shimano empfohlenen Kombinationen von Kettenblättern und Kassetten von Bedeutung. Eine Schaltung für Gruppen mit zwei Kettenblättern nimmt maximal eine 11-34t-Kassette auf. Die Kurbeln hingegen bieten Kombinationen von 46-30t (RX600) und 48-31t (RX800). Auch hier kann man sehen, dass für die höhere Gruppe intuitiv, je nach Fortgeschrittenheitsgrad, höhere Gänge zur Verfügung stehen. Mit der RX600 erhält man also ein Verhältnis von 4,18 bis 0,88 und mit der RX800 ein Verhältnis von 4,36 bis 0,91. Die billigste GRX-Schaltgruppe, RX400, hat eine Kettenschaltung mit einem Umfang von 11-36t und eine Kurbel, genau wie die RX600, mit 46-30t Kettenblättern. Damit erhält man die niedrigste Umsetzung die man in Shimanos neuer Ausrüstung finden kann, d.h. von 4,18 bis 0,83.

Es bietet einen eher standardmäßigen Übersetzungsumfang von 11-42t. Bei den Kurbeln hat man die Wahl zwischen RX800 (40t, 42t) und RX600 (40t). Fährt man also viel auf Asphalt, so ist es besser, eine Kurbel aus einer höheren Gruppe mit 42 Zähnen zu nehmen, sie wird uns die höchste Übersetzung von 3,82 bieten, statt 3,63 bei ein 40t-Ritzel. Die leichteste Übersetzung, die man erreichen kann, ist 40/42 also 0,95.

Shimano GRX der zweiten Generation

Der japanische Hersteller Shimano hat die zweite Generation der GRX Gravelbike-Schaltgruppe vorgestellt. Die neue Schaltgruppe verfügt über zwölf Ritzel am Hinterrad und kann entweder mit einem oder zwei Kettenblättern kombiniert werden. Es gibt zwei Qualitätsstufen: GRX820 und die preiswertere GRX610. Die bisherige günstigste Variante, GRX400, wird nicht mehr angeboten. Die Komponenten sind untereinander austauschbar und bilden einen Baukasten. Im Vergleich zur ersten Generation ist der Baukasten nun übersichtlicher gestaltet. Allerdings gibt es vorerst keine elektronische Di2-Variante für den Zwölffach-Antrieb, wie sie noch parallel zur Elffach-Gruppe angeboten wurde.

Neue Übersetzungen für Einfach-Antriebe

Antriebe mit nur einem Kettenblatt werden immer beliebter bei Gravelbikes. Shimano hat daher das Angebot an Einfach-Konfigurationen erweitert. Die GRX verwendet dafür Kassetten aus der Mountainbike-Gruppe XT. Es gibt eine sportliche 10-45-Abstufung und eine breitere 10-51-Abstufung. Aber: Diese Kassetten sind nur mit Microspline-Freilauf kompatibel und nicht mit dem klassischen HG-Freilauf. Für die beiden Kassetten werden unterschiedliche Schaltwerkskäfige benötigt, wobei die größere einen längeren Käfig erfordert. Glücklicherweise lassen sich bei den neuen Schaltwerken einfach die Käfig wechseln, so dass beim Austausch der Übersetzung nicht das gesamte Schaltwerk austauschen muss. Das goldene Mittelmaß für die Kurbel ist ein 40er-Kettenblatt, aber für die GRX820 gibt es auch ein 42er und für die GRX610 optional ein 38er Blatt.

2x12 Gänge für sportliche Ambitionen

Fans von gleichmäßigen Gangsprüngen bei großer Bandbreite werden mit dem Zweifach-Setup der neuen Shimano GRX Gruppe zufrieden sein. Die Kurbeln bieten eine Abstufung von 48/31 (GRX820) bzw. 46/30 (GRX610). Als Kassetten werden eine 11-34 und eine 11-36 aus dem Rennrad-Portfolio empfohlen. Sie passen auch auf 11-fach-Freiläufe im Shimano HG-Standard, sodass sie auch mit älteren Laufrädern kompatibel sind. Die Kettenlinie ist um zwei Millimeter nach außen versetzt, was bedeutet, dass der Umwerfer offiziell bis zu 42 Millimeter breite Reifen zulässt.

Neue Ergonomie der Hebel

Die Schaltbremsgriffe der GRX hat Shimano für die zweite Generation der Gravelgruppe überarbeitet. Die Hebel der GRX820 wurden speziell für die seitlich ausgestellten Gravel-Lenker angepasst, um eine waagerechte Auflagefläche für die Hände zu bieten. Die Befestigungsschelle wurde entsprechend verändert. Die GRX610 Hebel sind von dieser Änderung nicht betroffen. Wenn Sie keine Umwerfer-Konfiguration verwenden, können Sie auch linke Bremshebel ohne Schaltmechanik wählen. Alternativ steht Ihnen ein spezieller Hebel zur Verfügung, mit dem Sie eine mechanisch angesteuerte, versenkbare Sattelstütze bedienen können.

GRX610 ist funktional und preisgünstiger

Die Shimano GRX820 Schaltgruppe richtet sich an erfahrene Gravelfahrerinnen und -fahrer und bietet modernste Technologie. Die GRX610 Gruppe hingegen ist die preisbewusste Alternative für Einsteiger und Kunden, die ein Bike im Preisbereich um 2000 Euro suchen. Optisch unterscheidet sich die GRX610 von der teureren GRX820 durch eine matte Oberfläche anstelle des hochglanzpolierten Finishes. Bei der GRX610 müssen Fahrer jedoch auch auf einige technische Raffinessen verzichten, wie zum Beispiel die ServoWave-Technologie, die die Handkraft bei starkem Bremsen reduziert. Außerdem sind die Hebel nicht speziell für moderne Flare-Lenker angepasst wie bei der GRX820. Die Kurbel der GRX610 ist zweiteilig und dadurch deutlich schwerer als die Hollowtech II-Kurbel der Shimano GRX820.

Shimano Carbon-Laufräder für den Graveleinsatz

Shimano präsentiert mit den RX880 Laufräder für den Graveleinsatz, die zur GRX-Serie passen sollen. Die Carbonfelgen mit einer Höhe von 32 Millimetern sind tubeless-ready und haben eine recht schmale Maulweite von 25 Millimetern, was sie laut Hersteller für Reifenbreiten von 32 bis 50 Millimetern ausweist. Ein besonderes Merkmal ist die einfache Austauschbarkeit des Freilaufkörpers, sodass die Laufräder sowohl für Einfach- als auch Zweifach-Setups geeignet sind und die Übersetzungen leicht angepasst werden können.

Gravelbikes mit der GRX610 Variante werden voraussichtlich um die 2000 Euro kosten, während diejenigen mit der GRX820 Variante etwa 3000 Euro kosten dürften. Eine elektronische GRX-Variante wird es jedoch vorerst nicht geben.

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