Shimano GS Schaltwerk Erklärung: Eine umfassende Übersicht

Beim Aufrüsten eines Schaltwerks stellt sich oft die Frage nach der richtigen Käfiglänge. Die Bezeichnungen SS, GS und SGS geben Auskunft über die Länge des Schaltkäfigs am Schaltwerk. Diese Länge bestimmt, welche Kombinationen von Kettenblatt- und Ritzelgrößen möglich sind.

Schaltkäfiglängen: SS, GS und SGS

  • SS: Kurzer Käfig
  • GS: Mittellanger Käfig (bei Mountainbikes auch als kurzer Käfig bezeichnet)
  • SGS: Langer Käfig

Die Wahl des richtigen Schaltwerks hängt von der Gesamtkapazität ab, die sich aus der Differenz der Zähne vorne an der Kurbel und hinten am Zahnkranz ergibt. Zum Beispiel hat ein Shimano XT Schaltwerk mit GS-Käfig eine Gesamtkapazität von 35 Zähnen, während das SGS-Schaltwerk 45 Zähne aufnehmen kann.

Beispiel: Bei einer Kurbel mit der Abstufung 42-32-22 und einer Kassette mit 12-34 wird ein Schaltwerk mit langem Käfig (SGS) benötigt.

Technologien und Besonderheiten von Shimano Schaltwerken

Shimano Schaltwerke zeichnen sich durch verschiedene Technologien aus, die das Schalten verbessern und die Lebensdauer erhöhen.

Shadow-Schaltwerke

Ein Shadow-Schaltwerk ist besonders für eine wilde Fahrweise geeignet. Das Profil wurde stark verkleinert, was einige Vorteile mit sich bringt. Das Schaltwerk ist exakt positioniert und funktioniert perfekt. Die Bauweise verhindert, dass das Schaltwerk gegen die Kettenstrebe schlägt. Die größere vertikale Stabilität verringert das Schlagen des Schaltwerks auf unebenen Strecken.

Schaltwerk-Konstruktion

Die Konstruktion basiert auf einer Einfach-Vorspannung, die Federdruck ausübt und rasche Herunterschalten der Gänge ermöglicht. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Schaltwerk im Hinblick auf möglichst geringes Gewicht und knackiges Schalten für extreme Einsätze.

Schrägparallelogramm

Lange Zeit war es nicht möglich, fest gerasterte Schaltschritte am Schalthebel zu verwenden, weil die Schaltwerke kein Schrägparallelogramm hatten. Bei diesem um 25° schräg angeordnetem Parallelogramm schwenkt das Schaltwerk nicht nur nach innen, sondern auch gleichzeitig nach unten, was eine optimale Anpassung zum Ritzel ermöglicht.

Befestigung

Bei älteren Shimano Hone/Saint wird das Schaltwerk im Nabenbereich befestigt, dies ist wesentlich stabiler als über das Schaltauge.

Federspannung

Ein konventionelles Schaltwerk mit Schrägparallelogramm hat 3 Federn. Gerade im Gelände ist die Federspannung wichtig, damit die Kette nicht zu stark schlägt, vom Kettenblatt springt oder Ghostshifting entsteht. SRAM und Shimano haben hier spezielle Versionen (Type2,Shadow Plus) im Programm um die Kettenspannung durch Änderung der P-Tension Feder zu erhöhen.

B-Tension Feder

Mit der B-Tension Feder wird der Rotationswinkel des Schaltwerks eingestellt. Es bewegt sich durch Verstellung entweder nach hinten und unten oder nach vorne und oben. Normalerweise wird der Rotationswinkel des Schaltwerks, aber mit der sog. die sog. Umschlingung am Ritzel eingestellt und bewirkt auch eine Veränderung des Abstands von oberer Leitrolle zum jeweiligen Ritzel.

Während SRAM schon von Anfang an relativ harte B-Tension Federn benutzte. die Feder umsteckt.

Kettenspanner

Kettenspanner haben nicht nur eine Wirkung auf die untere Feder vom Käfig, sondern stabilisieren auch die obere Feder und reduzieren Ghostshifting drastisch.

Schaltkapazität

Die Schaltkapazität bezieht sich auf den schaltbaren Bereich an Ritzel/Kettenblätter. Dieser ergibt sich aus der Differenz kleinem/großem Ritzel + kleinem/großem Kettenblatt. von ca. 5-6cm, mittellang für MTB 2fach ca. 7-8cm und lang für MTB 3fach ca. 8,5-10cm.

Da bei den 12fach Schaltwerken die Schaltrollen größer wurden, kann man bei der Distanz Mitte Schaltrolle nicht 1:1 umrechnen.

Maximale Ritzelgröße

Wie groß das größte Ritzel maximal sein darf, hängt von einigen Faktoren ab.

Direct Mount

Relativ neu sind Rahmen mit Direct Mount Aufnahme fürs Schaltwerk. Bei MTB 11fach Shimano sollte der Abstand zum größten Ritzel so klein wie möglich eingestellt werden, ohne zu schleifen oder zu kollidieren. Für 10-51 gibt es eine Markierung auf dem Shimano 1fach Schaltwerk, der Abstand beträgt dort ca.

Einstellung des Schaltwerks

Wenn das Schaltwerk bzw. kann mit der laut Shimano sog. B-Schraube justiert werden, welche sich in der Nähe des Schaltauges befindet. Bei Campagnolo ist diese Schraube am Anfang des Käfigs zu finden und verändert nur den Winkel des Käfigs, nicht wie bei Shimano, den des kompletten Schaltwerks.

Auch darauf achten das der Winkel des Schaltwerks so eingestellt ist, das die Kette möglichst fest gespannt ist und nicht durchhängt. Sonst kann es passieren der Umwerfer nicht mehr sauber schaltet, die Kette z.b. zwischen die Kettenblätter fällt. Deswegen drehe ich die Schraube bei Campa soweit hinein wie möglich.

Begrenzerschraube

Die Begrenzerschraube für das große Ritzel muss auf jeden Fall so eingestellt werden, daß die Kette nicht über das größte Ritzel hinausgeschaltet werden kann sonst kann es sehr teuer werden.

Schaltzug

Den Schaltzug relativ stramm klemmen, dazu auf das kleinste Ritzel schalten. Benötigt man noch höhere Spannung z.B. Schaltwerk mit Kette auf vorletztes Ritzel ausrichten und erst dann klemmen. Den Schaltzug immer in der Führung klemmen, beachtet man dies nicht, schaltet es unsauber.

Qualitätsunterschiede bei Rennrad-Schaltgruppen

Genau wie im Mountainbike Bereich gibt es auch bei den Rennrädern, Cyclocrossern und Gravelbikes diverse Qualitätsunterschiede zwischen den Schaltgruppen, die an den Bikes verwendet werden. Auch für Rennräder werden sehr günstige Schaltgruppen angeboten. Aufgrund des rein sportlichen Einsatzbereiches von Rennrädern empfehlen wir allerdings nicht unter einer Shimano Tiagra einzusteigen und gehen deshalb auch nicht genauer auf die Gruppen darunter ein.

Die Rangordnung der Gruppen

Der Einsteiger Bereich startet bei der Tiagra Gruppe und die hochwertigste Gruppe, Shimano Dura Ace, wird von den besten Teams der Welt bei den härtesten Rennen gefahren. Egal ob von der gemütlichen Wochenendausfahrt oder den anspruchsvollsten Einsatz, von Shimano gibt es eine passende Gruppe für jeden Bedarf. Der Name gibt also die Information über die Qualitätsstufe der Gruppe. Die Nummer hinter dem Namen indexiert die Generation der Gruppe. Beispielsweise ist die 105 R7000 die neueste Iteration der 105er und ihr Vorgänger war die R5700.

Die generellen Unterschiede zwischen den Schaltgruppen

Von Gruppe zu Gruppe werden hochwertigeren Materialien und genauere Fertigungstoleranzen verwendet. Das bedeutet, dass die hochwertigen Gruppen aufwändiger zu fertigen sind und die hochwertigen Materialien zusammen mit dem größeren Herstellungsaufwand einen höheren Preis, allerdings auch eine genauere Schaltperformance und geringeres Gewicht erzeugen. Beispielsweise wiegt eine 11-28 Zähne Kassette der Dura Ace Gruppe 193g und eine 105er Kassette mit gleicher Abstufung 284g. Dieser Gewichtsvorteil wird durch einen Carbon Ritzelträger und Titanritzel erzielt. Die 105er Kassette ist damit also knapp 50% schwerer als die Dura Ace Kassette, allerdings auch ca. 80% günstiger.

Tiagra R4700

Wie oben bereits erwähnt, ist die Tiagra Gruppe an Einsteiger gerichtet und bietet einen günstigen Preis mit guter Funktionalität, allerdings leichten Abstrichen in puncto Gangauswahl und Ergonomie. Tiagra verfügt über eine Kurbel mit zwei oder drei Kettenblättern, obwohl eine dreifach Kurbel im Rennrad Bereich recht selten anzutreffen ist, und einer 10-Fach Kassette. Seit der 4700er Serie ist die Tiagra auch mit hydraulischen Scheibenbremsen erhältlich. Die Brems-Schalthebel sind in ihrer Form sehr ähnlich zur aktuellen 105er und Ultegra. Die Felgenbremshebel unterscheiden sich hingegen stark von der Ergonomie der neuesten Hebel.

Die Auswahl an Übersetzungen der Kassette sind recht eingeschränkt im Vergleich zu den hochwertigeren Gruppen.

105 R7000

Bei jeder neuen Generation der 105er schreiben die Fachzeitschriften “die 105er ist näher an Ultegra als je zuvor” und es stimmt. Die R7000 Ist fast identisch zur Ultegra was die Ergonomie und Übersetzungen angeht. Die Brems-Schaltgriffe gibt es sogar in einer kleineren Version für Fahrer*innen mit kleinen Händen.

Wie auch die mechanischen Ultegra und Dura Ace, gibt es auch die 105er Gruppe nur noch mit zweifach Kurbeln und 11 Ritzeln an der Kassette. Die Übersetzungsbandbreite wird über die Kettenblätter (Standard 53-39, Semi-Compact 52-36 oder Compact mit 50-34 Zähnen) und die Kassette erzeugt, die es mit einer maximalen Zähnezahl von 25 bis 34 Zähnen gibt.

Ultegra R8000

Jetzt kommen zum ersten mal in der Gruppenreihenfolge Leichtbaukomponenten und besonders hochwertige Materialien zum Einsatz. Das bedeutet zum einen Gewichtsersparnis und etwas genauere Schaltvorgänge sowie ein präziseres Schaltgefühl. Sowohl die Kette als auch die Kassette bekommen eine spezielle Beschichtung, die für schnellere Schaltvorgänge sorgt. Insgesamt sorgen viele Anpassungen im Detail für ein spürbar besseres Schaltverhalten und geringeres Gewicht gegenüber der 105er Gruppe.

Dura Ace R9100

Carbon, Titan und ein unvergleichliches Finish. Die Dura Ace ist als Top Gruppe bis ins letzte Detail entwickelt und definitiv an die Rennfahrer und absoluten Enthusiasten gerichtet. Hier geht es darum, die letzten Gramm Gewichtsersparnis herauszukitzeln und weniger um eine Verbesserung der hervorragenden Schaltperformance der Ultegra.

Di2 Ultegra 8100 und Dura Ace 9200

Mit dem 12. Ritzel, neuen Schaltungstechnologien und verbesserter Bremsperformance sitzen die Ultegra und Dura Ace Di2 Gruppen an der Spitze der Rennrad Gruppen von Shimano. Das zusätzliche Ritzel an der Kassette wurde schlau integriert und sorgt für eine besonders feine Abstufung bei fast jeder Geschwindigkeit. Die Hyperglide+ Technologie aus den neuesten MTB Gruppen wurde in die neuesten Di2 Gruppen adaptiert und macht Schaltvorgänge geschmeidiger und schneller. Die größte Neuerung neben dem 12. Ritzel ist die kabellose Übertragung von Schaltbefehlen der Bremsschalthebeln.

Wenn du mehr zu den beiden Di2 Gruppen wissen möchtest, kannst du alle Infos in diesem Magazin Artikel lesen:

Fazit

Bis auf Tiagra sind die aktuellen Rennrad Schaltgruppen alle mit zweifach Kurbeln und 11-fach Kasetten ausgestattet. Die großen Unterschiede liegen in der Verarbeitungsqualität, den Fertigungstoleranzen und verwendeten Materialien.

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