Wer leicht ist, hat viel Auswahl. Schwere Fahrer müssen genauer hinschauen und erfahren in unserem neuen Bremsentest, womit sie sich bedenkenlos dem Rausch der Tiefe hingeben können. Zehn Bremsen zwischen 110 und 515 Euro und mit Gewichten zwischen 280 und 500 Gramm haben wir zum Test geladen. Acht davon massive Vierkolben-Konstruktionen mit Gravity-Anspruch. Bahnbrechende Neuerungen sind nicht zu verkünden, aber Detailarbeit kann auch Unterschiede machen.
Testmethoden und -bedingungen
Nur Ausprobieren bringt Erkenntnis, also haben wir die Testbremsen auf unserer bewährt herzhaft zupackenden Testmaschine und unserer anspruchsvollen Teststrecke gemartert. Die markantesten Unterschiede fanden wir dabei einmal mehr in der Standfestigkeit der Stopper.
Praxistest
Wir sind auf die Bremsenteststrecke vom Schwestermagazin TOUR ausgewichen. 230 Tiefenmeter mit durchschnittlich 13,8 Prozent Gefälle, in der Spitze bis zu 25 Prozent steil, dienen dazu, Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit zu testen. Das Testprozedere: Erst schleifen lassen, dann kräftige Intervallbremsungen und schließlich eine Vollbremsung aus 60-65 km/h in steilem Gefälle. Gebremst wird nur mit der vorderen Bremse. Zwei Fahrer (75 und 100 kg) fahren jeweils eine Abfahrt. Überraschung: Auch wenn das Szenario keineswegs hart anmutet, war es für einige Bremsen bereits zu viel!
Labortest
Im BIKE-Labor werden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht. Das Prüfprozedere umfasst 200 Bremsungen, vom Einbremsen, über die Ermittlung von Nass- und Trockenbremswerten bis zum abschließenden, dreistufigen Fading-Test. Die Belastungen orientieren sich an den Realdaten, ein Gebläse ersetzt auf dem Prüfstand den Fahrtwind. Die ermittelten Brems- und Handkräfte ergeben die Kennlinien in den Steckbriefen. Die Temperaturmessung hilft bei der Interpretation der Kraftmessungen. So können wir erkennen, unter welchen Bedingungen Fading einsetzt. In die abschließende Bewertung fließen Praxis- und Labordaten ein.
Getestete Bremsen
Zehn Bremsen wurden in diesem Test verglichen, darunter:
- Formula Cura 4
- Hayes Dominion A2
- Hope Evo Tech 3 E4
- Magura MT7 Pro
- Shimano Deore 6120
- Shimano XTR 9120
- Sram Code RSC
- Trickstuff Piccola
- Trickstuff Piccola HD
- TRP DH-R Evo
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Daten der getesteten Bremsen zusammen:
| Bremse | Gewicht (Gramm) | Preis (Euro)¹ | Bauweise |
|---|---|---|---|
| FORMULA Cura 4 | 417 | 207 | Vierkolben-Bremse |
| HAYES Dominion A2 | 440 | 297 | Zweikolben-Bremse |
| HOPE Evo Tech 3 E4 | 399 | 280 | Vierkolben-Bremse |
| MAGURA MT7 Pro | 433 | 275 | Vierkolben-Bremse |
| SHIMANO Deore 6120 | 463 | 120 | Vierkolben-Bremse |
| SHIMANO XTR 9120 | 395 | 304 | Vierkolben-Bremse |
| SRAM Code RSC | 474 | 322 | Vierkolben-Bremse |
| TRICKSTUFF Piccola | 280 | 515 | Zweikolben-Bremse |
| TRICKSTUFF Piccola HD | 345 | 488 | Vierkolben-Bremse |
| TRP DH-R Evo | 500 | 274 | Vierkolben-Bremse |
¹ Preis- und Gewichtsangaben gelten für eine Bremse inkl.
Funktionsweise und Vorteile von Scheibenbremsen
Das Funktionsprinzip einer Scheibenbremse ist recht einfach: Bremskolben drücken beim Bremsen zwei Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe, die fest mit der sich drehenden Radnabe verbunden ist, wobei die Bewegungsenergie des rollenden Rades durch Reibung in Wärmeenergie umgesetzt wird. Der Vorteil von Scheibenbremsen gegenüber den weitverbreiteten Felgenbremsen, bei denen Beläge aus einer Gummimischung auf die beiden Felgenseiten gepresst werden, liegt grundsätzlich in einer besseren Bremswirkung bei Nässe, der Unempfindlichkeit bei Felgenschlägen und der Schonung der Felge.
Die viel gepriesene feine Dosierbarkeit der Bremsleistung als größter Vorteil einer Scheibenbremse am Fahrrad kann sich erst voll bei den hydraulischen Bremssystemen entfalten: Bei hydraulischen Scheibenbremsen wird der Bremsimpuls über Hydraulikflüssigkeit oder Öl statt durch Bremszüge weitergeleitet. Schon kleine Druckveränderungen werden in diesem geschlossenen System an die Bremskolben weitergegeben, so dass sich, was Sie mit Ihrer Hand am Bremshebel vorgeben, auch unmittelbar in dem Maß der Bremsleistung niederschlägt.
Kabelzüge bei mechanischen Bremsen reagieren demgegenüber weniger empfindlich auf Ihre mit dem Bremshebel gegebenen Impulse. Bei höherwertigen Fahrrädern werden daher bevorzugt hydraulische Bremsen verbaut.
Wartung und Pflege
Hydraulische Scheibenbremsen überzeugen aber nicht nur dank größerer Kontrolle über die Bremswirkung. Sie sind auch weniger wartungsintensiv als ihre mechanischen Kollegen. Kabelzüge verschmutzen schnell und können bei Wassereintritt korrodieren. Wenn Bremszüge nicht regelmäßig gewartet und gereinigt werden, können sie die Impulse des Bremshebels nicht mehr störungsfrei weitergeben.
Die Bremsleistung kann dadurch beeinträchtigt werden oder - im schlimmsten Fall - ganz ausfallen. Bei hydraulischen Scheibenbremsen ist diese intensive, regelmäßige Pflege dank des geschlossenen Hydrauliksystems, das nur bei Beschädigungen wieder geöffnet und neu befüllt werden muss, entbehrlich. Sie sind daher vergleichsweise wartungsarm und stabil.
Sollten jedoch einmal Probleme oder Beschädigungen an einer hydraulischen Scheibenbremse auftreten, ist die Behebung relativ aufwendig und erfordert Fachkenntnisse sowie Spezialwerkzeug. Wenn Sie gerade unterwegs sind, wenn sich ein Defekt einstellt, lässt sich eine Reparatur daher nicht im Handumdrehen erledigen. Das sollten vor allem Touren-Biker beachten, die vorhaben, ihr Rad mit einer hydraulischen Scheibenbremse nachzurüsten.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Allerdings lassen sich nicht alle Fahrräder ohne weiteres auf eine Scheibenbremse umrüsten, da das Bremssystem spezielle Bohrungen zur Befestigung erfordert. Das heißt, dass Rahmen, Gabel und Laufräder beziehungsweise Radnabe für die Montage kompatibel sein müssen. Sie können aber problemlos von einer mechanischen Scheibenbremse bei Ihrem Mountainbike oder Rennrad zu einer hydraulischen wechseln.
Starke Bremsleistung, gute Kontrollierbarkeit und optimales Wärmemanagement sind die wesentlichen Qualitätskriterien, auf die Sie bei der Auswahl einer Scheibenbremse achten sollten.
Größe der Bremsscheiben
Sie sollten sich auch mit der Größe der Bremsscheibe auseinandersetzen. Für die richtige Wahl sind Gewicht und der Einsatzzweck entscheidend: Je schwerer Fahrer und Gepäck sind, je schneller gefahren wird und je größere Steigungsunterschiede die Strecke aufweist, umso größer sollte die Scheibe sein. Größere Bremsscheiben kühlen besser ab.
Das ist gerade bei extrem beanspruchten Bremsen von Vorteil, weil das „Fading“ - das ist das Nachlassen der Bremswirkung aufgrund des sinkenden Reibwertes der Bremsbeläge auf der heißen Bremsscheibe - möglichst gering ausfällt. Wer mit seinem Mountainbike oder Rennrad viel im bergigen Terrain unterwegs ist, sollte daher auf große Scheiben Wert legen.
Zu empfehlen wären 180-Millimeter-Scheiben oder sogar 200-Millimeterscheiben bei großem Gesamtgewicht. Kleinere 140- oder 160-Millimeter-Scheiben sind für Tourenfahrer und weniger anspruchsvolle Gelände geeignet.
Hydraulische vs. Mechanische Bremsen
Einer der größten Vorteile der hydraulischen Fahrradbremse ist die bessere Bremsleistung im Vergleich zu herkömmlichen mechanischen Bremsen. Ein weiterer Vorteil ist die genauere Dosierung der Bremskraft. Durch die Verwendung von Bremsflüssigkeit anstelle von Seilen oder Drähten kann die Bremskraft präziser dosiert werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die geringe Wartung der hydraulischen Fahrradbremse. Im Gegensatz zu mechanischen Bremsen sind hier keine regelmäßigen Einstellungen oder Justierungen nötig.
Vor- und Nachteile
Die hydraulische Fahrradbremse bietet viele Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen mechanischen Bremsen. Sie sorgt für eine bessere Bremsleistung, genauere Dosierung der Bremskraft und benötigt weniger Wartung. Beim Kauf solltest du auf Kompatibilität, Qualität und Bremsleistung achten, um eine sichere und zuverlässige Bremse für dein Fahrrad zu erhalten.
Verschiedene Arten von Hydraulikbremsen
Es gibt verschiedene Varianten von hydraulischen Fahrradbremsen, die sich in ihrem Aufbau und ihrer Funktionsweise unterscheiden. Hydraulische Felgenbremsen werden vor allem an Rennrädern und Trekkingbikes eingesetzt. Sie sind leichter und günstiger als Scheibenbremsen, bieten aber dennoch eine gute Bremsleistung. Hydraulische Scheibenbremsen werden immer beliebter und sind vor allem an Mountainbikes im Einsatz. Sie bieten eine hohe Bremsleistung und sind unabhängig von Witterungsbedingungen. Zudem sind sie weniger anfällig für Verschmutzung und erfordern weniger Wartungsaufwand.
Bremsflüssigkeiten: Mineralöl vs. DOT
Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig.
DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht.
Die Shimano XT Bremse im Detail
Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.
Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.
In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.
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