Die Fahrradbremse ist bekanntermaßen ein sehr wichtiges Bauteil am geliebten „Drahtesel“. Sie ist im höchsten Maße für Ihre Sicherheit auf dem Zweirad mitverantwortlich - ob auf der Straße oder abseits vom Asphalt im Offroad-Bereich. Somit versteht es sich von selbst, die Fahrradbremse regelmäßig zu kontrollieren.
Bremsbeläge und andere Komponenten, die einem natürlich fortlaufendem Verschleiß unterliegen, sollten Sie - sofern nötig - zügig tauschen, damit Sie sich auf Ihren Fahrradtouren immer auf die gewohnte und gute Bremsleistung der Shimano Scheibenbremsen verlassen können.
Viele sportlich ambitionierten Bikern - aber auch dem ein oder anderen Freizeit-Radler wird der Begriff „Fading“ etwas sagen bzw. das Phänomen bekannt vorkommen: „Fading“ bedeutet so viel wie „Bremsschwund“. Die immer geringer werdende Geschwindigkeitsreduzierung kann unterschiedliche Gründe haben.
Manchmal liegt es lediglich an verunreinigten Shimano Bremsscheiben, dann ist eine gründliche Reinigung von Scheiben und Bremsbelägen ausreichend, um wieder eine gute Bremsfunktion herzustellen. Tatsächlich entsteht das eigentliche „Fading“ jedoch bei heißen Bremsen; sprich unter andauernder höherer Belastung.
Bei Hitze werden Gase der Bremsbeläge freigesetzt, wodurch dann die Bremswirkung quasi „verpufft“ und der Druckpunkt sich verschiebt. Wer diesen Effekt minimieren möchte, sollte beim Kauf auf thermisch vorbehandelte, temperaturbeständigere Bremsbeläge achten. Bei dieser Art von Bremsbelägen werden die vorhandenen Gas-Anteile bereits bei der Herstellung reduziert.
Vom Hersteller Shimano gibt es auch Bremsscheiben mit einem besonders guten Belüftungssystem, welche den „Fading-Effekt“ im geringeren Bereich halten, genauso wie Scheiben aus Keramik oder auch Carbon. Shimano verwendet Bremsflüssigkeiten mit einem sehr hohen Siedepunkt.
Die gewünschte Bremswirkung lässt auch nach, wenn sich Luft im Bremssystem befindet; der Druckpunkt verändert sich dadurch.
Wann ist ein Ölwechsel notwendig?
Generell gilt: Sobald sich der Druckpunkt beim Bremsen schwammig anfühlt, sollte man die Bremsen entlüften. Ob dabei auch ein Wechsel der Bremsflüssigkeit angezeigt ist, hängt vor allem von der Farbe des Mineralöls im Behälter ab. Weist es Verfärbungen auf, so sollte man die Bremsflüssigkeit austauschen.
Vorbereitung: Laufräder und Bremsbeläge ausbauen
Wenn Sie die Fahrradbremse entlüften wollen, müssen zuerst immer Laufrad, Shimano Bremsscheiben und Bremsbeläge ausgebaut werden. Zuerst erscheint das ausbauen der Laufräder und Bremsbeläge vielleicht etwas unnötig, doch wer schon einmal eine Portion Öl aufgrund einer abgerutschten Spritze über die Bremsbeläge verteilt hat, der umgeht diesen Schritt zukünftig nicht mehr. Es ist sinnvoll, dafür einen Montageständer zu verwenden. Stellen Sie sich kleine Schalen oder Boxen bereit; dort können Sie diverse Kleinteile zwischenlagern und finden Sie später gut und schnell wieder.
Löse also deine Steckachse, entnimm die Laufräder und stelle sie in sicherer Entfernung zur Seite. Hinten schaltest du am besten auf das kleinste Ritzel, dann lässt sich das Laufrad leichter entnehmen. Die Bremsbeläge sind, je nach Modell, mit einer Schlitz- oder einer Inbusschraube gesichert und diese Schraube nochmals mit einem kleinen Splint. Entnimm die Bremsbeläge und setze deinen kleinen Gelben Block in den Bremssattel ein.
Bremsscheiben prüfen
Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind.
Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden.
Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.
Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen. Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.
Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus.
Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind.
Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
Werkzeug und Material
Am Einfachsten ist es zum Entlüften das passende Entlüftungs-Kit von Shimano zu nutzen. Dies bietet sich an, da Sie dann alle benötigten Komponenten (z.B. Bremsflüssigkeit, Füllstutzen…) passend zusammen haben; alles perfekt zueinander passt.
Für eine vollständige Entlüftung der Bremsanlage, also effektiv auch einem Bremsflüssigkeitswechsel, benötigst du das passende Kit von Shimano inklusive einer Spritze mit Schlauch und dem Trichter für die Shimano Bremsen sowie das Shimano Mineralöl.
Achtung!: Verwende ausschließlich das Original Shimano Mineralöl. Zwar gibt es auch andere Hersteller, die ihre hydraulikbremsen mit Mineralöl befüllen, allerdings ist das entgegen der weitverbreiteten Meinung NICHT das gleiche wie das von Shimano.
Weiterhin benötigst du:
- Bremsenreiniger oder Isopropylalkohol zum Entfernen von Ölrückständen
- Schlitz-Schraubendreher
- 3mm Inbus
- 7mm Gabelschlüssel
- Passendes Werkzeug zum Lösen deiner Steckachsen
- Drehmomentschlüssel
- Spitzzange
- Lenkerhalter (optional)
- vom Hersteller freigegebene Bremsflüssigkeit
- augfähige Lappen
- Plastiktüte
Der Schwierigkeitsgrad für die Schrauberarbeiten an der Rennrad-Scheibenbremse ist für begabte Hobbymechaniker geeignet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften und Ölwechsel
Nachfolgend erklären wir Ihnen leicht verständlich, wie die Vorgehensweise beim Bremsen-Entlüften ist. Vorab: Bei älteren Shimano Bremsen kann es sein, dass sich am Bremsgriff ein Ausgleichsbehälter befindet. Dieser muss über die Schrauben geöffnet werden. In diesem Falle lesen bitte die entsprechende Anleitung weiter unten.
1. Entlüftung vorbereiten
Der Anschluss zum Entlüften am Bremssattel ist leicht zu finden, allerdings versteckt sich die Öffnung am Bremshebel unter dem Griff-Gummi. Den Gummi stülpst du einfach nach hinten und legst so die Abdeckschraube frei. Den kleinen Pin zum Abdichten des Trichters solltest du noch stecken lassen. Achtung! Wirklich nur lösen und noch nicht öffnen.
Richte den Hebel horizontal aus, so dass die Verschlussschraube auf dem Bremshebel der höchste Punkt ist. Entferne die Verschlussschraube am Reservoir, montiere den Entlüftungstrichter und entferne den Verschlusspin des Trichters.
Jetzt kannst du die befüllte Spritze auf den Entlüftungsnippel stecken.
2. Spritze und Trichter anbringen
Die Sicherungsklammer aus dem Sicherungsbolzen herausziehen. Die Schrauben am Sicherungsbolzen werden ganz einfach mit einem passenden Schraubendreher gelöst. Nun wird der Bremshebel in eine waagerechte Position gebracht. Die Entlüftungsschraube sollte sich am Ausgleichsbehälter in der höchsten Position befinden.
3. Entlüften
Jetzt öffnen Sie das Entlüftungsventil am Bremssattel mit dem passenden Maulschlüssel. Jetzt ziehen Sie den kleinen Pin aus dem Trichter und öffnen den Entlüftungsnippel. Eine halbe bis ganze Umdrehung reichen normalerweise aus, damit das Öl durchströmen kann.
Jetzt können Sie vorsichtig damit starten das Öl langsam mit Hilfe der Spritze durch das System in den oben befindlichen Trichter zu drücken. Auf diese Art können Sie die im Bremssystem befindliche Luft nach außen bringen. Abhängig vom Verschmutzungsgrad des Mineralöls in der Bremsanlage und davon, wie viel Luft aus dem Hebel strömt, solltest du eine halbe bis maximal eine dreiviertel Spritze Öl durch die Bremse drücken. Achte dabei darauf, dass der Trichter nicht überläuft. Falls notwendig, kannst du den Trichter auch mittels des Pins abdichten und zwischendurch herunterschrauben und ausleeren.
Um den Bremssattel zu entlüften wird der Shimano Auffangbehälter gebraucht. Diesen hängen Sie mit der Drahtschlaufe direkt an den Bremssattel; der Schlauch muss am Entlüftungsventil angeschlossen werden. Das Ventil wird anschließend geöffnet, damit Sie vorsichtig die Bremsleitung abklopfen können und so weitere Luftblasen lösen.
Achten Sie darauf, dass beständig Öl im Trichter am Bremshebel ist. Sonst kann es passieren, dass wieder Luft in das System gelangt. Daher ist es sehr wichtig, hier immer einen prüfenden Blick zu haben und ggf. Wenn Sie keine Luftblasen mehr am Bremssattel sehen, kann das Ventil erst einmal verschlossen werden. Jetzt müssen die oberen, festsitzenden Luftblasen gelöst werden: Dies ist möglich, indem Sie einige Male am Bremshebel ziehen und gleichzeitig für einen kleinen Moment wieder das Ventil öffnen. Dies wird nun ein paar Mal wiederholt.
Sobald nur noch sauberes Öl und keine Blasen mehr in den Trichter mehr aufsteigen, kannst du den Entlüftungsnippel schließen und die Spritze entfernen. Jetzt solltest du den Bremshebel noch ein paarmal betätigen um, die letzten Luftblasen aus dem Geberzylinder zu bekommen. Abschließend kannst du den Trichter wieder mit dem Pin abdichten, abschrauben und danach die Verschlussschraube wieder einschrauben.
4. Säubern und Zusammenbauen
Bevor du alles wieder zusammenbaust, solltest du unbedingt noch die Ölrückstände mithilfe von Bremsenreiniger oder Isopropylalkohol entfernen. Wenn jegliches Öl komplett entfernt ist, können Sie die Bremsbeläge wieder einsetzen. Nachdem du alles sauber gemacht hast, kannst du die Bremsbeläge und Laufräder wieder einbauen. Jetzt wird das Laufrad wieder montiert und einer Probefahrt steht nichts im Wege.
Tipps und Hinweise
- Ziehen Sie die Bremshebel nach dem Entlüften und grundsätzlich vor jeder Fahrt. Es muss sich sofort ein solider Druckpunkt einstellen. Der Hebel darf sich nicht bis zum Lenker durchziehen lassen. Müssen Sie pumpen, bis der Hebel allmählich nach etwa einem Drittel des Weges Druck aufbaut, sollten Sie nicht fahren. Entlüften Sie das System.
- Die Flüssigkeit variiert von Hersteller zu Hersteller. Shimano verwendet Mineralöl, SRAM eine DOT-Flüssigkeit. Verwenden Sie grundsätzlich nur freigegebene Flüssigkeiten. Beachten Sie, dass DOT-Flüssigkeit aggressiv zu Haut, Kleidung und Lacken ist. Tragen Sie immer ausreichende Schutzkleidung, zumindest Arbeitshandschuhe, Brille und alte Bekleidung.
- Bremsen sind nicht genormt, sie unterscheiden sich in Aufbau und Handhabhabung. Das gilt auch für den Entlüftungsvorgang. Legen Sie bei der Demontage alle Einzelteile stets so ab, dass Sie beim Zusammenbau die richtige Reihenfolge einhalten.
- Kontrollieren Sie den Sitz der Schrauben nach 100 bis 300 Kilometern Fahrt und danach alle 2.000 Kilometer. In diesem Intervall sollten Sie auch prüfen, ob alle Anschlüsse und Leitungen dicht sind. Ziehen Sie dazu die Bremshebel und halten Sie diese ein paar Sekunden fest.
Schnellentlüftung vs. Komplette Entlüftung
Für die Entlüftung von Shimano Scheibenbremsen gibt es zwei Methoden. Mit der Schnellentlüftung lässt sich der Druckpunkt der Bremse schnell und simpel verbessern. Bei fortgeschrittenem Verschleiß der Bremsbeläge wandert immer mehr Bremsflüssigkeit vom Reservoir aus dem Hebel in den Bremssattel und der Druckpunkt verschiebt sich zum Lenker. Auch hier ist die Schnellentlüftung perfekt, um den Druckpunkt wieder weiter vom Lenker weg und nach vorne zu bringen.
Für hartnäckige Fälle mit sehr schwammigem Druckpunkt, Neueinbau einer Bremsanlage oder für einen Bremsflüssigkeitswechsel muss man zur kompletten Entlüftungsmethode greifen. Hierzu wird die Bremsflüssigkeit mit einer Spritze vom Bremssattel nach oben durch den Bremshebel in ein Auffangbehältnis gepumpt. Die alte Flüssigkeit und Verunreinigungen werden aus dem System gespült und durch neue Bremsflüssigkeit ersetzt.
| Methode | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Schnellentlüftung | Schnell und einfach, kein Ausbau von Laufrad und Bremsbelägen nötig | Nicht für hartnäckige Fälle geeignet | Leichte Verbesserung des Druckpunkts |
| Komplette Entlüftung | Gründliche Reinigung des Systems, Bremsflüssigkeitswechsel möglich | Aufwendiger, Ausbau von Laufrad und Bremsbelägen nötig | Hartnäckige Fälle, Neueinbau einer Bremsanlage, Bremsflüssigkeitswechsel |
Was tun, wenn der Druckpunkt schwammig bleibt?
In einigen (seltenen) Fällen reicht es nicht aus, die Shimano Bremse zu entlüften: Der Druckpunkt ist und bleibt schwammig. Meist liegt dies an verschlissenen oder defekten Dichtungen. Sollte sich der Druckpunkt trotz mehrerer Entlüftungsvorgänge nicht bessern, dann ist es durchaus möglich, dass einige Dichtungen nicht mehr in Ordnung sind.
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