Die Wahl der richtigen Bremsscheibe ist entscheidend für die Sicherheit und Performance eines jeden Fahrrads. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten. Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können.
In diesem Artikel werden Erfahrungen mit den Shimano Ice Tech Bremsscheiben (XT/XTR) der Größe 203mm beleuchtet und Alternativen aufgezeigt, insbesondere im Hinblick auf ihre Hitzebeständigkeit und Eignung für verschiedene Fahrstile und Fahrradtypen.
Hitzebeständigkeit von Shimano Ice Tech Bremsscheiben
Einige Erfahrungen zeigen, dass die Shimano Ice Tech Sandwich-Scheiben die Hitze möglicherweise nicht so gut ableiten wie reine Edelstahl-Scheiben. Dazu sollte man wissen dass die Dame eher ängstlich, also langsam, bergab fährt und dabei nur Forstautobahnen und Asphalt, aber oft mit mehr als 1.000 hm. Wer viel Kraft zum Bremsen braucht, kriegt schnell Arm-Pump. Das kostet Sicherheit und zwingt euch dazu, langsamer zu werden oder sogar stehen zu bleiben, während eure Kumpels davon ziehen - mies.
Die Lösung dafür lautet starke Bremsen, die dennoch gut zu dosieren sind. Reine Power hilft nicht, solange sie nicht fein dosierbar ist.
Alternativen zu Ice Tech Bremsscheiben
Was würdet ihr in so einem Fall für eine Scheibe als Ersatz verwenden? Den (falschen) Fahrstil der Dame zu korrigieren wird nicht mehr möglich sein, steht mir auch nicht zu, jemand der ängstlich ist bleibt dies und lässt offensichtlich die hintere Bremse bergab nicht los. Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. So oder so braucht es dafür eine geile Bremse.
Im Testfeld hatten wir sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Im Test finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten.
Technische Aspekte von Bremsscheiben
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Mehr Material kann mehr Hitze vom sensiblen Bremssattel abtransportieren. Dieser Effekt besteht zwar in der Theorie, konnte aber bei unserem Labortest nicht final bestätigt werden.
Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können.
Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock. Für uns hat sich die Variante mit den 6 Schrauben als besser herausgestellt. Zwar ist die Montage etwas aufwändiger, dafür haben die Bremsscheiben kein Spiel auf der Nabe.
Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Das Labor hat gezeigt: Die Sandwich-Struktur der Bremsscheibe ergibt Sinn und die Shimano XTR-Bremsen bleiben am kältesten. Besonders mit Sinter-Belägen wird der Effekt noch verstärkt.
Bremsbeläge: Metallisch vs. Organisch
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden.
- Reibmaterial: Verantwortlich für die Reibung und Bremspower.
- Gleitmittel: Begrenzen den Verschleiß und stabilisieren den Reibungskoeffizienten.
- Fasern: Organische (Kevlar, Carbon) oder metallische (Kupfer, Stahl).
Um die Masse zu verbinden, sind noch Binde- und Füllmaterial wie Harze enthalten. Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.
Bremsflüssigkeit: Mineralöl vs. DOT
Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Noch ein Faktor: Bremsflüssigkeit siedet viel später als Wasser.
DOT-Bremsflüssigkeit
- Hygroskopisch (bindet Wasser).
- Regelmäßiger Wechsel erforderlich.
- Gesundheitsschädlich und aggressiv.
- Hoher Siedepunkt (bis zu 260° C).
Mineralöl
- Niedrigerer Siedepunkt (190° C).
- Nicht gesundheitsschädlich.
- Zieht kein Wasser an.
Testverfahren und Ergebnisse
Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.
Unseren ausführlichen Labortest haben wir beim Belag-Spezialisten Sinter in Slowenien durchgeführt. Dort stellt Sinter nicht nur eigene Bremsbeläge her, sondern verfügt auch über ein großes Testlabor, das wir für mehrere Tage belegt haben. Nach dem vorgeschriebenen Einbremsverfahren wurden alle Bremsen mit original Bremsbelägen und Bremsscheibe auf dem Prüfstand montiert.
Max. Um die Unterschiede der Bremsen auf unserer auswendig gelernten Teststrecke noch besser erfahren und vor allem aufzeichnen zu können, haben wir jeweils an einem Bike das BrakeAce Telemetrie-Messsystem aus Neuseeland verwendet.
Empfehlungen und Tipps
Ob Vollstahl oder mit Spider ist von der Bremsleistung erstmal nicht wichtig. Wovon ich abraten würde sind "light" Scheiben mit sehr großen Ausfräsungen. Spider Scheiben haben nach meiner Erfahrung einen besseren Rundlauf, da der Alu Spder sehr steif ist. Du kannst auch mischen. Durchmesser muß halt passen (z.B. 200mm vs 203mm). Reibringbreite sollte auch zu den Pads passen.
Ich denke aber auch, daß es bei einem Lastenrad sinnvoll wäre, hinten eine größere Scheibe als vorn zu verwenden. Die Gründe sind mannigfaltig, bspw. zumeist mehr Last auf der Hinterachse, weniger Gefahr das Vorderrad zu überbremsen etc.
| Merkmal | Empfehlung |
|---|---|
| Bremsscheibengröße | Hinten größer als vorne bei Lastenrädern |
| Scheibenart | Vollstahl oder Spider-Scheiben, keine "light" Scheiben |
| Bremsbeläge | Herstellerspezifische oder Nachrüst-Beläge |
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