Die Kassette ist das Herzstück Deiner Kettenschaltung am Fahrrad. Über ihre Ritzel lässt Du Deine Kette wandern, wenn Du schaltest. Hauptsächlich wirst Du eine neue Kassette brauchen, weil Deine alte Kassette verschlissen ist; Du musst von Zeit zu Zeit den alten Zahnkranz gegen einen neuen ersetzen.
Alternativen und ihre Vorzüge
Bis vor Kurzem mussten sich Biker dann im Wesentlichen nur eine Frage stellen: Shimano oder Sram? Doch spätestens seit Einführung des Einfach-Antriebes tauchen plötzlich weitere Fragezeichen in den Köpfen auf. Reicht die Bandbreite der Kassette, um auch steile Anstiege zu bezwingen? Oder: Sind die einzelnen Gänge noch passend abgestuft? Weil Sram nach wie vor nur eine einzige Elffach-Übersetzung anbietet und Shimano bisher nur die XT-Kassette mit ausreichender Bandbreite vorweisen kann, bringen immer mehr Drittanbieter Alternativen auf den Markt. Größere Bandbreite, homogenere Abstufung, geringeres Gewicht - wir sind die Kassetten von E-Thirteen, Hope, Sunrace und Box Components gefahren und wissen, ob sie als Zahnersatz taugen oder nicht.
Schaltperformance im Vergleich
Auf den ersten Testkilometern wird eines schnell klar: Schalten können sie alle. Egal ob die preiswerte Taiwan-Kassette für 80 Euro oder das 370 Euro teure Fräskunstwerk - die Kette wandert flott von Ritzel zu Ritzel. Sitzt der Schaltvorgang nicht richtig, hat eigentlich immer der Daumen am Schalthebel nicht präzise genug gezuckt. Unterschiede werden erst unter Last spürbar, dafür aber deutlich.
Schon beim Hochschalten auf ein größeres Ritzel steigt die Geräuschkulisse bei Shimano und E-Thirteen an, während die Gänge immer noch schnell und präzise einrasten. Bei Hope, Sunrace und Box knallt’s beim Schalten wie auf dem Schützenfest und auch die Qualität der Schaltvorgänge leidet. Noch schlimmer wird es, wenn die Kette auf ein kleineres Ritzel wandern soll. Spürbar verzögert ruckelt die Kette laut knallend nach unten und lässt dabei die Waden erzittern. Hier sollte man beim Schalten lieber etwas Druck vom Pedal nehmen. Schneller und reibungsloser, aber immer noch recht laut, wandert die Kette bei Shimano und E-Thirteen nach unten. Den besten Schaltkomfort jedoch bietet Sram - rauf wie runter: schnell, präzise und leise. Auch von Schaltvorgängen unter Last lässt sich die GX-Kassette nicht aus der Ruhe bringen. Übrigens: Die teure X01-Kassette schaltet auch nicht besser, ist dafür aber ein Drittel leichter. Da können ansonsten nur die aus dem Vollen gefrästen Modelle von Hope und E-Thirteen annähernd mithalten.
Bandbreite und Abstufung
Wer maximale Bandbreite sucht, landet eh zwangsläufig bei den Amis. Mit 511 Prozent ist die TRS Race breiter übersetzt als Srams neue Zwölffach-Kassette. Die Abstufung fällt dabei überraschend angenehm und ohne allzu große Sprünge aus. Am gleichmäßigsten sind die Abstände bei Sunrace und Box. Das Gegenteil ist die XT-Kassette: Mit fünf Zweier-Sprüngen ist die Japanerin unten raus sehr fein abgestuft, ein Vorteil auf schnelleren Tretpassagen. Die Quittung kommt dafür im steilen Anstieg. Der Sprung über neun Zähne vom zehnten aufs elfte Ritzel ist zwar für die Schaltung kein Problem, beim Treten fühlt sich der Sprung jedoch sehr unharmonisch an. Ein 38er- oder 39er-Ritzel an vorletzter Stelle wäre hier die deutlich bessere Wahl.
Haltbarkeit und Materialhärte
Bleibt noch die Frage nach der Haltbarkeit. Den Verschleiß im Labor zu ermitteln, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Indiz für die Abnutzung liefert jedoch eine Prüfung der Materialhärte beim Zedler- Institut für Fahrradtechnik und -sicherheit. Eine Diamantspitze drückt mit festgelegter Prüfkraft auf die einzelnen Ritzel und hinterlässt dabei einen Abdruck. Aus diesem lässt sich dann die Vickershärte ermitteln. Bis auf wenige Ausreißer liegen die Werte hier auf ähnlichem Niveau. Bei Shimano, Sram und Hope ist ein vergleichbarer Verschleiß zu erwarten. Die Alu-Ritzel der TRS Race sind besonders hart, die Stahl-Ritzel dagegen etwas weicher. Bei der teuren Sram X01, die wir zum Vergleich mitlaufen ließen, weisen beide Werkstoffe einen sehr hohen Härtegrad auf. Somit könnte sich über die Zeit auch der hohe finanzielle Einsatz wieder relativieren.
Technische Details zu Freilaufkörpern
Nicht jede Kassette passt auf jeden Freilauf. Srams XD-Version ist inzwischen weit verbreitet, die Hope-Kassette dagegen passt nur auf ein speziell verkürztes Modell.
Shimano-Freilauf: Seit Jahren der Standard bei Mountainbike-Kassetten. Dieser Freilauf-Typ ist sowohl mit 10-/11-fach-Shimano-Kassetten als auch mit 10-fach-Sram-Kassetten und dem Modell PG-1130 kompatibel. Unterschiedlich breite Stege sorgen dafür, dass die Ritzel nur in einer Position aufgesetzt werden können und die Schalthilfen so immer korrekt zueinander ausgerichtet sind. Ein Abschlussring sichert die Kassette am Freilauf.
Sram XD Driver Body: Der spezielle Freilaufkörper von Sram verfügt an der Naben-Seite über ein Gewinde, auf das die Kassette direkt aufgeschraubt wird. Dadurch kann der Freilauf kürzer ausfallen und ein kleines 10er-Ritzel verbaut werden. Ein XD-Freilauf lässt sich ab etwa 45 Euro an vielen gängigen Laufrädern nachrüsten. Bei manchen Herstellern gehört er sogar zum Lieferumfang eines Laufradsatzes.
Hope-Freilauf: Hope setzt auf einen eigenen Standard, der lediglich mit Pro 4 und Pro 2 Evo-Naben kompatibel ist. Die kürzere Bauweise ermöglicht auch hier ein kleines 10er-Ritzel. Die zweiteilige Kassette wird dafür aus je einem Stahl- und einem Alu-Block gefräst. Ähnlich wie bei Shimano halten Stege die Kassette in der richtigen Position. Ein verlängerter Abschlussring sichert die Kassette am Freilauf.
Bei vielen Kassetten gleicht kaum ein Zahn dem anderen. Dahinter stecken ausgefeilte Schalthilfen. Im normalen Gebrauch nur wenig auffällig, verhelfen sie den Kassetten besonders unter Last zu spürbar geschmeidigeren und auch leiseren Gangwechseln.
Gangsprünge im Vergleich
Bei Shimano sind zwar die kleineren Ritzel sehr fein abgestuft, nach oben hin wartet dann aber ein riesiger Sprung über neun Zähne. Dagegen sind bei Sunrace und Box die Gangsprünge weniger fein, dafür aber homogener verteilt. Den Sprung über einen Zahn (von 9 auf 10) gibt es nur bei E-Thirteen.
Besonderheiten im Detail
Kassette ist nicht gleich Kassette. Die Hersteller gehen unterschiedliche Wege, um die Bandbreite zu erhöhen, die Abstufung zu verbessern oder am Gewicht zu drehen.
E-Thirteen fertigt seine Kassette aus zwei Einzelteilen und nutzt zur Montage den Sram XD-Freilauf. Die drei großen Ritzel werden über einen Sicherungsring auf dem Freilauf fixiert. Dafür wird ein Spezialwerkzeug mitgeliefert. Der äußere Teil der Kassette wird im neunten Ritzel eingehakt und per Kettenpeitsche fixiert. Zur Demontage der Kassette benötigt man gleich zwei Kettenpeitschen - nicht gerade praktisch.
Das winzige Neuner-Ritzel bei E-Thirteen sorgt zwar für eine riesige Bandbreite, es tritt sich aber spürbar unrund. Auch bei Srams Zehner-Ritzel ist dieser Effekt spürbar. Ab elf Zähnen treten diese Probleme nicht mehr auf.
Der große Sprung von 37 auf 46 Zähne bei der XT-Kassette ist beim Schalten kaum spürbar. Hier leisten die Steighilfen ganze Arbeit. Im Tritt fühlt sich die Abstufung aber unharmonisch an.
Die Kassetten von Hope und E-Thirteen sind jeweils aus zwei einzelnen Blöcken gefräst (einer Stahl, einer Alu). Dadurch lässt sich das Gewicht auf unter 300 Gramm drücken. Leichter sind nur noch die Top-Kassetten von Sram (XG-1195: 264 Gramm). Mit genieteten Modellen lassen sich solche geringen Gewichte nicht erreichen. Dafür kann man bei Bedarf oder Verschleiß zumindest bei Shimano auch mal einzelne Ritzel austauschen.
Abstufung, Aufbau, Steighilfen - bis auf Farbe und Logos gleichen sich die Kassetten von Sunrace und Box wie ein Ei dem anderen. Noch deutlicher wird‘s, wenn man die Sunrace in der schwarzen Ausführung zum Vergleich heranzieht. Auch die Schaltqualität ist identisch. Weshalb man für die Box Components 40 Euro mehr bezahlen soll, wurde uns nicht so recht klar.
Testergebnisse im Überblick
Die folgenden Testergebnisse geben einen detaillierten Einblick in die Performance verschiedener Kassettenmodelle:
Box Components Two 11-46
- Preis: 120 Euro
- Gewicht: 479 Gramm
- Material: Stahl (1 bis 10), Alu (11)
- Übersetzung: 11-46/418 %
- Bewertung:
- Gewicht: 2/10
- Schaltfunktion hoch: 6/10
- Schaltfunktion runter: 5/10
- Verschleiß: 7/10
- Fazit: Ähnelt der Sunrace bis ins Detail. Funktion ohne Last ist okay, unter Last klettert die Kette widerwillig hoch und fällt beim Runterschalten laut krachend auf die nächsten Ritzel.
E-Thirteen TRS Race
- Preis: 369 Euro
- Gewicht: 290 Gramm
- Material: Stahl (1 bis 8), Alu (9 bis 11)
- Übersetzung: 9-46/511 %
- Bewertung:
- Gewicht: 8/10
- Schaltfunktion hoch: 8/10
- Schaltfunktion runter: 6/10
- Verschleiß: 8/10
- Fazit: Bietet mehr Bandbreite als Srams 12-fach-Kassetten, bleibt dabei überraschend leicht. Unter Last plumpst sie mehr auf die nächstkleineren Ritzel, als dass sie wandert.
Hope 11 Spd Cassette
- Preis: 225 Euro
- Gewicht: 277 Gramm
- Material: Stahl (1 bis 7), Alu (8 bis 11)
- Übersetzung: 10-44/440 %
- Bewertung:
- Gewicht: 10/10
- Schaltfunktion hoch: 6/10
- Schaltfunktion runter: 6/10
- Verschleiß: 8/10
- Fazit: Fräst Hope auf extrem leichte 277 Gramm. Sie schaltet sauber und präzise, aber deutlich härter und lauter als die anderen Modelle.
Shimano Deore XT CS-M8000
- Preis: 110 Euro
- Gewicht: 438 Gramm
- Material: Stahl (1 bis 9), Alu (10 bis 11)
- Übersetzung: 11-46/418%
- Bewertung:
- Gewicht: 4/10
- Schaltfunktion hoch: 8/10
- Schaltfunktion runter: 8/10
- Verschleiß: 8/10
- Fazit: Schaltet schnell und präzise mit typisch metallischem Shimano-Klang. Auch unter Last schaltet die Shimano präzise und ohne große Verzögerung, jedoch spürbar weniger geschmeidig als Sram und deutlich lauter.
Sram GX XG-1150
- Preis: 142 Euro
- Gewicht: 392 Gramm
- Material: Stahl
- Übersetzung: 10-42/420 %
- Bewertung:
- Gewicht: 6/10
- Schaltfunktion hoch: 10/10
- Schaltfunktion runter: 10/10
- Verschleiß: 8/10
- Fazit: Schaltet unvergleichbar weich, geschmeidig und schnell. Selbst unter Last scheint es, als würde die Kette sanft, leise und trotzdem ohne Verzögerung über die Ritzel abgeseilt.
Sunrace CSMX8 11-46 T Black
- Preis: 80 Euro
- Gewicht: 479 Gramm
- Material: Stahl (1 bis 10), Aluminium (11)
- Übersetzung: 11-46/418%
- Bewertung:
- Gewicht: 2/10
- Schaltfunktion hoch: 6/10
- Schaltfunktion runter: 5/10
- Verschleiß: 7/10
- Fazit: Die Sunrace-Kassette offenbart sich als absolut baugleich zur Box. Entsprechend teilt sie mit ihr auch die technischen und funktionellen Eigenschaften. Im Anstieg unter Last kracht und scheppert es, wenn hochgeschaltet wird.
9-fach-Kassette Vergleich 2025
Die besten 9-fach-Kassetten: Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste.
| Modell | Kompatible Freilaufkörper | Übersetzung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Bolany BIKECO-04020 | Shimano, SRAM | 11-50 T | Besonders gute Übersetzung, aus rostfreiem Stahl, in weiteren Varianten erhältlich | Mäßige Verarbeitungsqualität |
| Lanxuanr 9SP | Shimano, SRAM | 11-50 T | Besonders gute Übersetzung, aus rostfreiem Stahl, in weiteren Varianten erhältlich | Hohes Eigengewicht |
| SunRace CSM990 | Shimano, SRAM | 11-40 T | Besonders gute Übersetzung, gute Übersetzung, aus rostfreiem Stahl | Keine weiteren Varianten vorhanden |
| Keenso 9-fach-Kassette | Keine Herstellerangabe | 11-32 T | Besonders leicht, aus rostfreiem Stahl, in weiteren Varianten erhältlich | Mäßige Verarbeitungsqualität |
| Fomtor 9-Fach Kassette | Shimano, SRAM, Sunrace | 11-40 T | Inkl. Sicherungsring, besonders gute Übersetzung, viele kompatible Freilaufkörper | Vergleichsweise hohes Eigengewicht |
| Besnin 9-fach-Kassette | Shimano | 11-42 T | Besonders gute Übersetzung, aus rostfreiem Stahl und Aluminium, in weiteren Varianten erhältlich | Hohes Eigengewicht |
| Shimano CSHG509130 | Shimano, SRAM, Sunrace | 11-30 T | Aus rostfreiem Stahl, geringes Eigengewicht, hochwertige Zahnprofile | Vergleichsweise geringe Anzahl der Zähne |
| Cysky 11-40T | Shimano, SRAM, Sunrace | 11-40 T | Besonders gute Übersetzung, aus rostfreiem Stahl, in weiteren Varianten erhältlich | Hohes Eigengewicht |
Die beste Wahl hängt von Deinen individuellen Bedürfnissen und Vorlieben ab. Berücksichtige Faktoren wie Schaltperformance, Gewicht, Bandbreite und Preis, um die ideale Kassette für Dein Fahrrad zu finden.
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