Shimano Kassette demontieren – Eine detaillierte Anleitung

Die Kassette ist wie die Kette und die Kettenblätter ein Verschleißteil des Fahrradantriebs und sollte regelmäßig gewechselt werden. Wenn die Kette durchrutscht oder es zu unsauberen Schaltvorgängen kommt, dann ist es Zeit für eine neue Kassette.

Wann ist ein Wechsel der Kassette notwendig?

Wenn Sie spüren, dass trotz korrekter Einstellung die Schaltvorgänge sehr unsauber werden oder die Kette beim harten Antritt gar über die Ritzel springt, ist ein Tausch überfällig, damit Dein Antrieb wieder geschmeidig läuft. Nachdem Du zwei- bis dreimal die Kette erneuert hast, ist meist auch die Kassette an der Reihe.

Was wird für den Kassettenwechsel benötigt?

  • Eine neue passende Kassette
  • Kettenpeitsche
  • Kassettenabzieher oder Drehmomentschlüssel
  • (Optional) Drehmomentschlüssel
  • Maulschlüssel (22/24)
  • Montagepaste
  • Fett
  • Tuch

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Demontage der Kassette

1. Vorbereitung und Ausbau des Hinterrads

Am besten ist es, einen Reparatur- bzw. Montageständer zu nutzen, da so Ihr Fahrrad in guter und sicherer Position gehalten wird, ohne zu wackeln oder gar zu kippen. Als nächstes wird das Hinterrad am Fahrrad ausgebaut. Um das Hinterrad auszubauen, schalte zuerst auf das kleinste Ritzel, dann kann die Kassette leichter am Schaltwerk vorbei. Bei Rennrädern mit klassischer Felgenbremse solltest Du jetzt den kleinen Schnellverschluss am Bremskörper öffnen, damit der Reifen zwischen den Bremsbacken durchpasst. Entferne die Achse oder den Schnellspanner und nimm das Hinterrad aus dem Rahmen.

Tipp: Du kannst die Steckachse oder den Schnellspanner bei der Gelegenheit säubern und etwas fetten, sowohl am Schaft als auch am Gewinde. Lege sie in Reichweite des Rads ab - so geht der Einbau später einfacher.

2. Demontage der alten Kassette

Stellen Sie sich hinter das ausgebaute Laufrad und beugen Sie sich darüber. So haben Sie bei der Demontage des Ritzelpakets, die etwas Kraft erfordert, den besten Hebel.

Der Kassettenabzieher muss dann an das Ritzelpaket von der Seite her angesetzt werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Abzieher zwingend zur Kassette passen muss. Wenn Sie sich nicht sicher sind, schauen Sie in die Fahrradunterlagen - je nach Hersteller benötigen Sie ggf. unterschiedliche Abzieher.

Lege die Kettenpeitsche auf eines der größeren Ritzel. Der Hebel zeigt von Ihnen aus gesehen nach links. Setzen Sie dann den Zahnkranzabzieher in die Kassette ein und öffnen Sie den Verschlussring, indem Sie gegen den Uhrzeigersinn drücken und gleichzeitig mit der Kettenpeitsche gegenhalten.

Löse jetzt die Kassette mit dem Kassettenabzieher gegen den Uhrzeigersinn. Da sich der Abschlussring in dieselbe Richtung löst, in die der Freilauf sich frei drehen kann, brauchst Du die Kettenpeitsche, um die Kassette festzuhalten.

Nach dem Abnehmen des Abschlussrings solltest Du die Kassette einfach mit den Fingern vom Freilauf abziehen können. Wenn Du die Kassette schon lange gefahren hast, kann es sein, dass sie sich etwas in den Freilauf "eingearbeitet" hat und sehr fest sitzt bzw. verklemmt ist. In diesem Fall hilft es, kräftig an dem größten Ritzel zu wackeln oder mit einem Schlitzschraubendreher etwas an den Ritzeln zu "hebeln" - dann löst sich die Kassette meist gefügig.

3. Reinigung und Vorbereitung des Freilaufs

Nehme den Verschlussring sowie die alte Kassette von dem Freilaufkörper herunter. Nun können Sie mit einem Tuch den Freilauf gründlich säubern. Entfernen Sie Staub, Schmutz und alte Fettreste. Dabei kannst Du gleich die Speichenkreuzungen und den Nabenflansch dahinter säubern, da Du bei montierter Kassette dort nie wirklich dran kommst. Das geht am Besten mit einer alten Zahnbürste.

Danach tragen Sie einen dünnen Film Montagepaste auf den Freilaufkörper auf. Das verhindert, dass sich die Kassette in den Freilauf einfrisst oder unter hohen Belastungen beim Treten knarzende Geräusche entstehen. Um das oben erwähnte "Festfressen" der Kassette auf dem Freilauf zu reduzieren und die metallischen Bauteile vor Korrosion zu schützen, solltest Du den Freilaufkörper vor dem Aufschieben der neuen Kassette an der Kontaktfläche zur Kassette rundherum fetten. Nun tragen Sie noch eine dünne Schicht Fett auf. Dazu können Sie Allzweck-Bike-Schmierfett benutzen. Shimano oder DT Swiss bieten auch Spezialfette für Naben an.

4. Montage der neuen Kassette

Nun setzen Sie die Kassette am Fahrrad wieder auf. Achten Sie bei der Montage einzelner Ritzel (Shimano) auf die Reihenfolge. Wenn Sie unterschiedliche Ritzeln einzeln kaufen oder wenn sich diese bei der Entnahme aus der Verpackung gelöst haben, müssen diese der Größe nach sortiert werden.

Durch die Verzahnung am Freilauf können Kassetten und Ritzel nur in einer Position aufgeschoben werden. Da die Ritzel durch ihre Steighilfen für die Schaltvorgänge optimiert sind, müssen die einzelnen Ritzel eine fest vorgegebene Position einnehmen. Um das zu gewährleisten, kannst Du sie nur in einer vorgegebenen Position aufstecken. Dafür sorgen unterschiedlich breite Nuten an verschiedenen Stellen des Freilaufkörpers. An der Kassette findest Du zu diesen Nuten dann passenden Überstände - das funktioniert wie 2 Puzzleteile zueinander.

Achte beim Aufschieben der Kassette auf das "Muster" der Aussparungen. Orientiere Dich am breitesten Überstand der Kassette und an der breitesten Nut am Freilauf, dann ist es am Einfachsten. Besteht die Kassette aus einzelnen Ritzeln und Abstandsringen, müssen diese nacheinander aufgeschoben werden.

Vergessen Sie bei Shimano-Kassetten nicht, die Distanzringe zwischen die einzelnen Ritzel zu legen. Die Steighilfen für die Kette müssen nach außen zeigen.

5. Festziehen der Kassette

Bringe das kleinste Ritzel sowie den Verschlussring an. Wenn alle Ritzel und die zugehörigen Abstandsringe aufgesteckt sind, kannst Du den Verschlussring montieren und festschrauben. Hier schadet es nicht, etwas Montagepaste an sein Gewinde zu geben.

Sitzen wieder alle Ritzel auf dem Freilaufkörper und ist bei Shimano-Kassetten der Abschlussring aufgesteckt, schrauben Sie das Ritzelpaket wieder fest (mit 40 Nm). Ziehe die Kassette anschließend mit dem vom Hersteller empfohlenen Drehmoment fest (meist 40Nm). Wackeln Sie zunächst mit dem Zahnkranzabzieher leicht hin und her, bis die Kassette ganz auf die Verzahnung rutscht.

Lässt sich die Kassette nur schwer festschrauben, prüfen Sie ihren Sitz nochmals, um Beschädigungen an der Kassette oder dem Freilauf zu verhindern. Achte bei allen Varianten bitte genau auf das erforderliche Drehmoment und nutze einen Drehmomentschlüssel zur Montage.

6. Abschlussarbeiten

Zum Schluss baue das Rad ein und kontrolliere die Schaltung.

Bevor Du dein Hinterrad wieder einsetzt, schraube den sauberen und gefetteten Schnellspanner am Besten schon mal lose in die Nabe - beziehungsweise lege Dir die saubere und gefettete Steckachse zurecht.

Anschließend kannst Du die neue Kette montieren und Dich wieder aufs Rad schwingen. Mit frischem Antrieb kann´s dann ja wieder losgehen!

Unterschiede zwischen Shimano- und Sram-Kassetten

Im Prinzip funktioniert der Wechsel von Shimano- und Sram-Kassetten fast gleich. Bei Sram sind die einzelnen Ritzel jedoch miteinander vernietet, oder die Kassette ist aus einem Block gefräst. Ein Abschlussring wird nicht benötigt, da das Gewinde ins Ritzelpaket integriert ist. Shimano bietet hingegen bei höherwertigen Gruppen Kassetten an, die sich zerlegen lassen. So muss nicht das gesamte Ritzelpaket getauscht werden, wenn Teile noch intakt sind.

Tipps und Hinweise

  • Am effektivsten arbeitet die Kettenpeitsche, wenn Sie möglichst viele Zähne damit erfassen. Setzen Sie die Peitsche also auf einem der größeren Ritzel an. Achten Sie darauf, dass alle Kettenglieder sauber in die Zähne des Ritzels greifen.
  • Wenn Du die Kassette tauschst, kann es gut sein, dass die Kette ebenfalls fällig ist.
  • Wenn es das exakte Modell nicht mehr gibt, orientiere Dich an der Anzahl der Ritzel und der Spreizung - also der Zähnezahl auf dem kleinsten und dem größten Ritzel.

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