Shimano Kassette mit SRAM Schaltung: Ist das kompatibel?

Jahrzehntelang funktionierte die Mountainbike-Technik nach dem Baukastenprinzip. Solange Schalthebel und Schaltwerk von einem Hersteller waren, konnte man die restlichen Anbauteile nach Belieben kombinieren. Doch mit der immer spezifischeren Ausrichtung von MTB-Komponenten beginnt dieses Prinzip zu wackeln.

Die Frage der Kompatibilität

Kann man einen SRAM-Antrieb mit einer Shimano-Kassette kombinieren? Die Hersteller sagen natürlich nein. Gemacht wird es dennoch. In der Ära von Neun- und Zehnfach-Schaltungen konnte man getrost ein SRAM-Schaltwerk mit einer Kassette und Kette von Shimano kreuzen. Doch mit der immer spezifischeren Ausrichtung von MTB-Komponenten beginnt dieses Prinzip zu wackeln. Und zwar mächtig.

Dennoch bleibt die Frage: Lässt sich ein Zwölffach-Antrieb von SRAM mit einer Zwölffach-Kassette von Shimano fahren? Zum Beispiel dann, wenn man einen zweiten, bereits mit Kassette ausgestatteten Laufradsatz zu Hause hat. Vielfahrer haben auch noch eine ganz andere Motivation beim Kombinieren von Ersatzteilen: Shimano-Kassetten sind meist etwas günstiger als das vergleichbare Produkt von SRAM. Ein Beispiel: Eine SRAM-GX-Eagle-Kassette bietet einer der führenden Online-Shops für 160 Euro an. Eine Shimano-XT-Zwölffach-Kassette kostet im selben Shop 145 Euro.

Der HG-Standard und seine Nachfolger

Der universelle HG-Standard am Freilauf wird mehr und mehr durch die herstellereigenen XD- (SRAM) und Micro-Spline-Varianten (Shimano) verdrängt. Der Freilauf ist die Schnittstelle zwischen Laufrad und Kassette. Mittlerweile gibt es drei Freilaufstandards, für die es jeweils spezielle Kassetten gibt. Früher nutzten sowohl Shimano als auch SRAM den HG-Freilauf. Heute haben beide ihre eigenen Standards für Freilaufkörper: Shimano den Micro-Spline-Freilauf für Zwölffach-Kassetten. SRAM setzt auf den SRAM XD-Standard. Er passt für Elffach und Zwölffach-Kassetten (Eagle) von SRAM.

Die Praxis zeigt Inkompatibilität

Wir haben uns alle denkbaren Kombinationen in den Bereichen Schaltung und Bremsen in der Praxis angesehen und sind zum Schluss gekommen: Vor allem bei aktuellen Zwölffach-Schaltungen sind kaum Verbindungen aus SRAM- und Shimano-Teilen möglich. Das Baukastenprinzip ist damit passé.

Mischen von Schaltgruppen innerhalb eines Herstellers

Was zum Glück immer noch geht: Man kann die unterschiedlichen Gruppen eines Herstellers untereinander mischen. Sowohl Shimano als auch SRAM haben Schaltgruppen in unterschiedlichen Preisklassen. Alle aktuellen Schaltgruppen eines Herstellers sind untereinander immer kompatibel. Man kann also alle Zwölffach-Bauteile von Shimano untereinander kombinieren. Genauso, wie man alle Eagle-Komponenten von SRAM mischen kann. Was jedoch bei keinem Hersteller funktioniert, ist, Bauteile von älteren Zehn- oder Elffach-Antrieben mit einem aktuellen Zwölffach-Ensemble zu kombinieren.

Die Kassette: Eine wichtige Schnittstelle

Die Kassette hat eine Schnittstellenfunktion zwischen Hinterrad und Antrieb. Dementsprechend muss man beim Tausch einer Kassette also auch zwei Schnittstellen berücksichtigen. Zum einen muss das Ritzelpaket auf den vorhandenen Freilauf passen. Zum anderen müssen die Ritzel der Kassette mit dem verbauten Antrieb harmonieren. Ab dem Zeitalter der 11fach-Antriebe wird es aufgrund des Sram-spezifischen XD-Freilaufs ohnehin schwierig, eine antriebsfremde Kassette zu verbauen. Rein von den Abständen der Ritzel ist das bei 11fach-Schaltungen aber möglich.

SRAM vs. Shimano Kassetten

Beim Versuch, eine Shimano Zwölffach-Kassette mit einer SRAM Eagle-Schaltung einwandfrei zum Laufen zu bekommen, scheitern selbst erfahrene Schrauber, denn bei 12fach-Schaltungen sind die Abstände zwischen den Ritzeln von SRAM- und Shimano-Kassetten nicht exakt gleich. Der Antrieb mit dieser Kombination funktioniert zwar einigermaßen, verursacht aber bei manchen Gängen fiese Geräusche. So mancher Schaltvorgang verlangt auch nach etwas Nachdruck am Hebel. Die Kombination ist also absolut nicht zu empfehlen.

Besondere Steighilfen und unterschiedliche Abstände zwischen den einzelnen Ritzeln machen SRAM- und Shimano- Zwölffach-Kassetten inkompatibel. Die optimale Funktion gibt es nur, wenn die Kassette zum Rest der Schaltgruppe passt.

SRAM Eagle Kassette: Achtung bei der Bandbreite

Seit 2021 gibt es für Sram-Eagle-Antriebe auch eine Kassette mit einem 52er-Ritzel anstelle eines 50er-Kletterritzels. Wer beim Nachrüsten überlegt, so eine 10-52 Kassette mit 520 Prozent Bandbreite zu verbauen, sollte erst checken, ob das montierte Sram-Schaltwerk diese Kassette auch packt. Der Hersteller selbst spricht keine generelle Freigabe für die Kombination älterer Eagle-Schaltwerke (das Parallelogramm ist bei diesen Schaltwerken etwas kürzer) und Kassetten mit 52er-Ritzel aus.

Wer wirklich sichergehen will, dass sich die neue 52er-Kassette auch gut schalten lässt, braucht ein Eagle-Schaltwerk, dessen Käfig mit dem Schriftzug „520 %“ gekennzeichnet ist. Srams neue Eagle-Kassetten mit 52er-Kletterritzel lassen sich nicht immer ohne Probleme auf alten Eagle-Antrieben nachrüsten. Perfekt funktioniert die Kassette nur mit Schaltwerken, deren Käfig mit 520 % gekennzeichnet ist.

Drittanbieter als Alternative

Drittanbieter wie E-Thirteen oder Absolute Black bieten universelle Nachrüstkassetten für alle 1x12-Antriebe an. Die E13-Helix-R12-Kassette geht bei den Abständen zwischen den Ritzeln einen Kompromiss ein, um sowohl mit Shimano- und Sram-Antrieben kompatibel zu bleiben und ist damit eine gute Option, wenn man ein Laufrad mit Sram-XD-Freilauf mit einer Shimano-Zwölffach-Schaltung paaren will.

Das Kettenblatt: Zahnprofil und Kettenlinie beachten

Mit der Einführung der Einfach-Antriebe von Sram hat sich auch das Zahnprofil der Kettenblätter stark verändert. Während Sram bei seinen ersten 1x11-Antrieben auf ein Profil mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen (Narrow-Wide) gesetzt hat, um die Kette besser auf dem Kettenblatt zu halten, überraschte Shimano nur wenig später mit einem erstaunlich kantigen Zahn-Design in einheitlicher Breite.

Zahnkunde: Kettenblatt-Design bei Shimano und Sram im Vergleich

Wie bei den Ketten und Kassetten kann man auch hier sagen: Bis zur 11fach-Generation der MTB-Schaltungen waren eigentlich alle Kombinationen möglich. Seit der Einführung des 12fach-Standards kann man Sram-Kettenblätter nicht mehr mit Shimano-Ketten fahren, oder andersrum.

Kettenblätter von Drittanbietern

Man kann jedoch alle Kurbeln mit Kettenblättern von Drittanbietern kombinieren und so jede Kurbel mit jedem Antrieb kreuzen. Die US-Firma OneUp Components hat zum Beispiel Kettenblätter im Angebot, die auf Elffach-Shimano-Kurbeln mit asymmetrischem Lochkreis passen, jedoch ein Zahnprofil speziell für Sram-Zwölffach-Ketten haben. Anders herum gibt es auch Kettenblätter, (z. B. von Alugear, Woolftooth), die auf den Direct-Mount-Standard von Sram-Kurbeln passen und für die Nutzung von Shimano-Zwölffach-Ketten empfohlen werden. Die Kettenblätter und Kurbeln von e-Thirteen sind pauschal für alle Zwölffach-Antriebe freigegeben. Mit diesem Trick kann man also aktuelle und ältere Kurbeln und Antriebe von Sram und Shimano kombinieren.

Kettenlinie

Neben dem Montagestandard an der Kurbel und dem passenden Zahnprofil muss man beim Tausch des Kettenblatts darauf achten, dass man die richtige Kettenlinie für das jeweilige Bike erwischt. Bikes mit Boost-Hinterbau brauchen ein Kettenblatt mit 3-mm-Offset. Bikes mit geringerem Einbaumaß für das Hinterrad brauchen mindestens sechs Millimeter Offset, um die Kettenlinie zu halten. Die Kettenlinie beschreibt den Abstand vom Kettenblatt zur Mitte des Rahmens. Rahmen mit 142 mm Einbaumaß am Hinterrad haben meist eine 49er-Kettenlinie (6 mm Offset). Rahmen mit Boost-Standard haben meist eine 52er-Kettenlinie (3 mm Offset).

Die Kette: Auf die Innenbreite kommt es an

Bei Neun-, Zehn- oder Elffach-Antrieben muss man sich über die Kompatibilität von Ketten keine Gedanken machen. Die Schaltungen vergangener Tage habe so viel Freiraum zwischen den Ritzeln, dass hier alles kombinierbar ist. Die Außen- und Innenbreiten der originalen Shimano- und Sram-Ketten sind in diesen Baureihen zudem identisch.

Sind 12fach Ketten von Sram und Shimano gleich?

Beim Zwölffach-Antrieb wird die Sache kompliziert. Denn Zwölffach-Shimano-Ketten haben eine 0,15 Millimeter geringere Innenbreite als die von Sram. Dieser Unterschied kann vor allem im Bereich der Kettenblätter Probleme verursachen. Drittanbieter wie KMC haben Universalketten im Programm, die sowohl für Sram- als auch für Shimano-Antriebe freigegeben sind. Der Unterschied der Originalketten lässt aber darauf schließen, dass man mit einem Universalprodukt einen Kompromiss eingeht, der vermutlich erst bei Verschleiß zu Tage tritt. Im Neuzustand funktionieren die Ketten perfekt. Auch die Kettenschlösser sind ab der Zwölffach-Generation nicht mehr kompatibel.

Shimano-Zwölffach-Ketten haben eine minimal engere Innenlasche als Sram-Eagle-Ketten. Wer eine Shimano-Kette auf einem Sram-Eagle-Antrieb fährt, muss mit Chainsucks rechnen. Auch anders herum funktioniert die Kombi nicht perfekt.

Schalthebel und Schaltwerk: Alternativen zu Sram/Shimano

Wer kein Original-Ersatzschaltwerk von Sram oder Shimano für den eigenen Antriebsstrang findet oder kaufen will, hat folgende Alternativen: Die 2020 vorgestellten Zwölffach-Schaltungen vom taiwanesischen Hersteller TRP sind kompatibel mit allen Zwölffach-Shimano-Gruppen. Man kann also einen noch intakten Shimano-Schalthebel mit einem TRP-Zwölffach-Schaltwerk kreuzen, ohne an Funktionalität einzubüßen. Wer ein Ersatzschaltwerk (oder einen Hebel) für einen Elffach-Shimano-Antrieb braucht, wird bei den US-Amerikanern von Box Components fündig. Für Sram gibt es keine Ersatzteile von Drittanbietern.

Generell gilt: Die Einheit aus Schalthebel und Schaltwerk muss zusammenpassen. Ein Sram-Schaltwerk lässt sich nicht mit einem Shimano-Schalthebel kreuzen und umgekehrt.

Fazit

Die Kombination von Shimano- und SRAM-Komponenten bei 12-fach-Schaltungen ist komplex und oft nicht problemlos möglich. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Kompatibilität von Kassetten, Kettenblättern und Ketten gewidmet werden. Drittanbieter bieten jedoch Alternativen, die eine gewisse Flexibilität ermöglichen.

Es ist wichtig, sich über die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Komponenten zu informieren und gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um eine optimale Funktion und Sicherheit des Antriebsstrangs zu gewährleisten.

Kompatibilitätstabelle für 12-fach-Schaltungen
Komponente Shimano SRAM Drittanbieter (Beispiel)
Kassette Micro-Spline XD E13 (universell)
Kette Spezifische Innenbreite Spezifische Innenbreite KMC (universell)
Schaltwerk Kompatibel mit TRP Keine Drittanbieter TRP (für Shimano)

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