Shimano Kettenblätter: Unterschiede und Kompatibilität

Ketten, Kassetten und Kettenblätter gehören zu den Verschleißteilen Nummer eins am Mountainbike. Entsprechend groß ist das Angebot. Sram und Shimano dominieren den Antriebsmarkt bei Mountainbike-Schaltungen, während Drittanbieter mit Alternativen geschickt Nischen bei einzelnen Schaltungskomponenten zu besetzen versuchen. Aber welches Teil passt jetzt an welches Mountainbike, wenn Ersatz fällig wird? Und muss es bei Ketten, Kassetten oder Kettenblättern immer das Original von Shimano oder Sram sein?

Kompatibilität früherer Generationen

Bis vor Kurzem war die Antwort einfach. In der Ära von 9fach- und 10fach MTB-Schaltungen dominierte der universelle HG-Standard am Freilauf. Innerhalb einer Gang-Gruppe waren die Ritzelabstände der jeweiligen Kassetten gleich sowie die Innen- und Außenmaße der Ketten identisch. Selbst innerhalb der 11fach-Generation konnte man noch getrost ein Sram-Schaltwerk (z.B. XX1) mit einer Kassette und Kette von Shimano aus der 11fach-Welt (z.B. Shimano XT) kreuzen.

Eingeschränkte Kompatibilität bei 12fach-Schaltungen

Spätestens seit der Einführung der aktuellen 12fach MTB-Schaltungen wird jedoch der HG-Standard mehr und mehr durch die herstellereigenen XD-(Sram) und Micro-Spline-Varianten (Shimano) verdrängt. Wer ein aktuelle 1x12 Eagle-Schaltung von Sram verbaut hat, kann also gar keine Shimano-Kassette mehr montieren, ohne nicht auch das Hinterrad oder zumindest den Freilauf zu tauschen. Kassetten mit besonderen Steighilfen und diversen Bandbreiten, Einfach-Kettenblätter mit den unterschiedlichsten Zahnprofilen und zusätzliche Montagestandards (wie beispielsweise Boost) verkomplizieren die Suche nach dem passenden Ersatzteil zusätzlich. Und dann muss auch noch die Kettenlinie stimmen.

Eigentlich war es klar, dass die Konkurrenzsituation zwischen Shimano und Sram und eine immer ausgefeiltere Technik bei den Schaltungen dazu führen wird, dass die Zwölffach-Systeme aus Japan und USA nicht mehr kompatibel sind. Schade ist es dennoch. Bei Bremsen funktionieren noch deutlich mehr Kombinationen. Allerdings muss man sich in diesem sicherheitsrelevanten Bereich fragen, ob man hier wirklich wild Teile mischen will, nur weil es möglich ist.

Nur, wenn die Parameter Montagestandard, Zahnprofil und Kettenlinie passen, funktioniert der Antrieb vernünftig. Wer hier murkst, bekommt spätestens bei schlammigen Verhältnissen Probleme mit seinem Antrieb.

Mischung von Komponenten verschiedener Hersteller

Dennoch bleibt die Frage: Lässt sich ein Zwölffach-Antrieb von Sram mit einer Zwölffach-Kassette von Shimano fahren? Zum Beispiel dann, wenn man einen zweiten, bereits mit Kassette ausgestatteten Laufradsatz zu Hause hat. Vielfahrer haben auch noch eine ganz andere Motivation beim Kombinieren von Ersatzteilen: Shimano-Kassetten sind meist etwas günstiger als das vergleichbare Produkt von Sram. Ein Beispiel: Eine Sram-GX-Eagle-Kassette bietet einer der führenden Online-Shops für 160 Euro an. Eine Shimano-XT-Zwölffach-Kassette kostet im selben Shop 145 Euro. Doch funktioniert die Sache wirklich?

Vor allem bei aktuellen Zwölffach-Schaltungen sind kaum Verbindungen und Mixturen aus Sram- und Shimano-Teilen möglich. Das Baukastenprinzip ist damit passé. Was zum Glück immer noch geht: Man kann die unterschiedlichen Gruppen eines Herstellers untereinander mischen.

Wichtige Information

Sowohl Shimano als auch Sram haben Schaltgruppen in unterschiedlichen Preisklassen. Alle aktuellen Schaltgruppen eines Herstellers sind untereinander immer kompatibel. Man kann also alle Zwölffach-Bauteile von Shimano untereinander kombinieren. Genauso, wie man alle Eagle-Komponenten von Sram mischen kann. Was jedoch bei keinem Hersteller funktioniert, ist, Bauteile von älteren Zehn- oder Elffach-Antrieben mit einem aktuellen Zwölffach-Ensemble zu kombinieren.

Wir haben überprüft, welche Verschleißteile sich miteinander kombinieren lassen, ohne dass die Funktion des Antriebs beeinträchtigt wird. Dabei beleuchten wir mehr als die verschiedenen Kassetten, Kettenblätter und Ketten von Shimano und Sram. Wir zeigen auch, worauf es bei Schaltwerk und Schalthebel ankommt und enttarnen die Tricks der Zubehör-Drittanbieter, um aktuelle und ältere Kurbeln und Antriebe von Sram und Shimano mixen zu können. Denn wer kein Original-Ersatzteil von Sram oder Shimano für den eigenen Antriebsstrang findet oder kaufen will, hat durchaus Alternativen.

Kassetten-Kompatibilität

Die Kassette hat eine Schnittstellenfunktion zwischen Hinterrad und Antrieb. Dementsprechend muss man beim Tausch einer Kassette also auch zwei Schnittstellen berücksichtigen. Zum einen muss das Ritzelpaket auf den vorhandenen Freilauf passen. Zum anderen müssen die Ritzel der Kassette mit dem verbauten Antrieb harmonieren. Bis zur Zehnfach-Generation war alles mit allem kompatibel. Ab dem Zeitalter der 11fach-Antriebe wird es aufgrund des Sram-spezifischen XD-Freilaufs ohnehin schwierig, eine antriebsfremde Kassette zu verbauen. Rein von den Abständen der Ritzel ist das bei 11fach-Schaltungen aber möglich.

Sram vs. Shimano Kassetten

Beim Versuch, eine Shimano Zwölffach-Kassette mit einer Sram Eagle-Schaltung einwandfrei zum Laufen zu bekommen, scheitern selbst erfahrene Schrauber, denn bei 12fach-Schaltungen sind die Abstände zwischen den Ritzeln von Sram- und Shimano-Kassetten nicht exakt gleich. Der Antrieb mit dieser Kombination funktioniert zwar einigermaßen, verursacht aber bei manchen Gängen fiese Geräusche. So mancher Schaltvorgang verlangt auch nach etwas Nachdruck am Hebel. Die Kombination ist also absolut nicht zu empfehlen. Die optimale Funktion gibt es nur, wenn die Kassette zum Rest der Schaltgruppe passt.

Sram Eagle Kassette: Achtung bei der Bandbreite

Seit 2021 gibt es für Sram-Eagle-Antriebe auch eine Kassette mit einem 52er-Ritzel anstelle eines 50er-Kletterritzels. Wer beim Nachrüsten überlegt, so eine 10-52 Kassette mit 520 Prozent Bandbreite zu verbauen, sollte erst checken, ob das montierte Sram-Schaltwerk diese Kassette auch packt. Der Hersteller selbst spricht keine generelle Freigabe für die Kombination älterer Eagle-Schaltwerke (das Parallelogramm ist bei diesen Schaltwerken etwas kürzer) und Kassetten mit 52er-Ritzel aus. Unsere Erfahrung hat aber gezeigt, dass es in manchen Fällen dennoch klappt. Der Erfolg dieser Kombi hängt von der Position des Schaltauges ab, welches bei jedem Fahrrad individuell ist. Wer wirklich sichergehen will, dass sich die neue 52er-Kassette auch gut schalten lässt, braucht ein Eagle-Schaltwerk, dessen Käfig mit dem Schriftzug „520 %“ gekennzeichnet ist.

Drittanbieter-Kassetten

Drittanbieter wie E-Thirteen oder Absolute Black bieten universelle Nachrüstkassetten für alle 1x12-Antriebe an. Die E13-Helix-R12-Kassette geht bei den Abständen zwischen den Ritzeln einen Kompromiss ein, um sowohl mit Shimano- und Sram-Antrieben kompatibel zu bleiben und ist damit eine gute Option, wenn man ein Laufrad mit Sram-XD-Freilauf mit einer Shimano-Zwölffach-Schaltung paaren will.

Kettenblatt-Kompatibilität

Mit der Einführung der Einfach-Antriebe von Sram hat sich auch das Zahnprofil der Kettenblätter stark verändert. Während Sram bei seinen ersten 1x11-Antrieben auf ein Profil mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen (Narrow-Wide) gesetzt hat, um die Kette besser auf dem Kettenblatt zu halten, überraschte Shimano nur wenig später mit einem erstaunlich kantigen Zahn-Design in einheitlicher Breite.

Zahnkunde: Kettenblatt-Design bei Shimano und Sram im Vergleich

Wie bei den Ketten und Kassetten kann man auch hier sagen: Bis zur 11fach-Generation der MTB-Schaltungen waren eigentlich alle Kombinationen möglich. Seit der Einführung des 12fach-Standards kann man Sram-Kettenblätter nicht mehr mit Shimano-Ketten fahren, oder andersrum.

Es gibt viele Montagestandards für Kettenblätter. Sram und Race Face haben schon länger einen jeweils eigenen Direct-Mount-Standard. Shimano hielt bei den Elffach-Schaltungen noch am 104-mm-Lochkreis fest, setzt bei neuen 12fach-Kurbeln aber auch auf einen eigenen Direkt-Mount-Standard.

Kettenblätter von Drittanbietern

Man kann jedoch alle Kurbeln mit Kettenblättern von Drittanbietern kombinieren und so jede Kurbel mit jedem Antrieb kreuzen. Die US-Firma OneUp Components hat zum Beispiel Kettenblätter im Angebot, die auf Elffach-Shimano-Kurbeln mit asymmetrischem Lochkreis passen, jedoch ein Zahnprofil speziell für Sram-Zwölffach-Ketten haben. Anders herum gibt es auch Kettenblätter, (z. B. von Alugear, Woolftooth), die auf den Direct-Mount-Standard von Sram-Kurbeln passen und für die Nutzung von Shimano-Zwölffach-Ketten empfohlen werden. Die Kettenblätter und Kurbeln von e-Thirteen sind pauschal für alle Zwölffach-Antriebe freigegeben. Mit diesem Trick kann man also aktuelle und ältere Kurbeln und Antriebe von Sram und Shimano kombinieren.

Kettenlinie

Neben dem Montagestandard an der Kurbel und dem passenden Zahnprofil muss man beim Tausch des Kettenblatts darauf achten, dass man die richtige Kettenlinie für das jeweilige Bike erwischt. Bikes mit Boost-Hinterbau brauchen ein Kettenblatt mit 3-mm-Offset. Bikes mit geringerem Einbaumaß für das Hinterrad brauchen mindestens sechs Millimeter Offset, um die Kettenlinie zu halten.

Die Kettenlinie beschreibt den Abstand vom Kettenblatt zur Mitte des Rahmens. Rahmen mit 142 mm Einbaumaß am Hinterrad haben meist eine 49er-Kettenlinie (6 mm Offset). Rahmen mit Boost-Standard haben meist eine 52er-Kettenlinie (3 mm Offset).

Ketten-Kompatibilität

Bei Neun-, Zehn- oder Elffach-Antrieben muss man sich über die Kompatibilität von Ketten keine Gedanken machen. Die Schaltungen vergangener Tage habe so viel Freiraum zwischen den Ritzeln, dass hier alles kombinierbar ist. Die Außen- und Innenbreiten der originalen Shimano- und Sram-Ketten sind in diesen Baureihen zudem identisch.

Sind 12fach Ketten von Sram und Shimano gleich?

Beim Zwölffach-Antrieb wird die Sache kompliziert. Denn Zwölffach-Shimano-Ketten haben eine 0,15 Millimeter geringere Innenbreite als die von Sram. Dieser Unterschied kann vor allem im Bereich der Kettenblätter Probleme verursachen. Drittanbieter wie KMC haben Universalketten im Programm, die sowohl für Sram- als auch für Shimano-Antriebe freigegeben sind. Der Unterschied der Originalketten lässt aber darauf schließen, dass man mit einem Universalprodukt einen Kompromiss eingeht, der vermutlich erst bei Verschleiß zu Tage tritt. Im Neuzustand funktionieren die Ketten perfekt.

Auch die Kettenschlösser sind ab der Zwölffach-Generation nicht mehr kompatibel.

Wer eine Shimano-Kette auf einem Sram-Eagle-Antrieb fährt, muss mit Chainsucks rechnen. Auch anders herum funktioniert die Kombi nicht perfekt. Universalketten von KMC funktionieren auf Sram- und Shimano-Zwölffach-Antrieben.

Schalthebel und Schaltwerk: Alternativen zu Sram/Shimano

Wer kein Original-Ersatzschaltwerk von Sram oder Shimano für den eigenen Antriebsstrang findet oder kaufen will, hat folgende Alternativen: Die 2020 vorgestellten Zwölffach-Schaltungen vom taiwanesischen Hersteller TRP sind kompatibel mit allen Zwölffach-Shimano-Gruppen. Man kann also einen noch intakten Shimano-Schalthebel mit einem TRP-Zwölffach-Schaltwerk kreuzen, ohne an Funktionalität einzubüßen. Wer ein Ersatzschaltwerk (oder einen Hebel) für einen Elffach-Shimano-Antrieb braucht, wird bei den US-Amerikanern von Box Components fündig. Für Sram gibt es keine Ersatzteile von Drittanbietern.

Generell gilt: Die Einheit aus Schalthebel und Schaltwerk muss zusammenpassen. Ein Sram-Schaltwerk lässt sich nicht mit einem Shimano-Schalthebel kreuzen und umgekehrt.

Zusätzliche Informationen

In erster Linie dient es der Aufnahme der Kette, die durch die vorhandenen und in die Kettenglieder greifenden Dornen bewegt wird. So wird die Kraft des Fahrers auf die Kette übertragen, die sie schließlich über den Zahnkranz an das Hinterrad überträgt. Die Kettenblätter müssen perfekt zur jeweiligen Tretkurbel, die die Kraft der Pedale aufnimmt, passen. Da es unterschiedliche Schaltungen und Tretkurbelsysteme gibt, gibt es natürlich auch die entsprechende Anzahl unterschiedlicher Kettenblätter.

Es hängt von der Anzahl und der Anordnung der Befestigungslöcher, die auf den Befestigungsarmen liegen, ab, welche Kettenblätter verwendet werden müssen. Man kann die Tretkurbeln und so auch die Kettenblätter in zwei Hauptgruppen unterteilen. Der Lochkreisdurchmesser variiert von 56mm bis 151mm. Auch der Lochabstand muss passen. Hier gibt es Abstände von 32,9mm bis hin zu 88,8mm. Die Zähne, welche in die Kette greifen, sind an die Größen der Blätter angepasst. Ihre Anzahl liegt im Bereich von 20 bis 44 bei dem kleinsten Blatt des Systems, bis hin zu 30 bis 58 Zähne des größten Blattes. Der Lochkreis an sich ist ein imaginärer Kreis, auf welchem sich die Löcher in einer bestimmten Anzahl, in einer bestimmten Anordnung und mit einem bestimmten Abstand befinden.

Wie jede Mechanik, jedes mechanische Teil und jede Maschine, muss auch das Fahrrad und hier vor allem der Antrieb entsprechend gepflegt, gewartet und montiert sein. Gerade die Schaltung muss perfekt montiert sein. Nur so kann ein einwandfreies und sauberes Gangwechseln gewährleistet werden und die investierte Kraft des Fahrers kann größtenteils zum Antrieb genutzt werden. Die Schrauben, nicht nur an den Kettenblättern, überall am Fahrrad, sollten sicher befestigt sein.

Normalerweise gibt der Fahrradhersteller die entsprechenden Drehmomente für die einzelnen Schraubengruppen mit an. Manche Fahrradfahrer fetten ihre Schrauben. Dadurch bleiben sie gängig und relativ locker. Werden diese Schrauben allerdings nicht in regelmäßigen Abständen kontrolliert, haben die Fahrradfahrer schnell eine Schraube locker. Einige Monteure sichern sich die Schrauben mit einem so genannten Schraubenkleber. Hier findet vor allem Loctite gerne Verwendung. Die Schraube wird durch diesen Kleber gefestigt und zusätzlich vor Korrosion geschützt. Wenn natürlich eine Schraube, welche mit Loctite befestigt wurde, abgeschraubt werden soll, ist eine nicht unbeträchtliche Kraft nötig. Erfahrene „Schrauber“ fetten die Schrauben vorsichtig, ziehen sie nach Gefühl fest an und sichern sie mit etwas Kleber. Alle paar Wochen, einmal im Monat beispielsweise, sollten alle Schrauben am Rad untersucht werden. So ist sichergestellt dass das Fahrrad in einem guten Zustand ist und keine Gefahr besteht ein Teil durch die Vibrationen zu verlieren.

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