Shimano Kettenschaltung richtig einstellen: Eine ausführliche Anleitung

Es gibt nichts, was einen Mountainbiker, Rennradler oder Tourenbiker mehr zur Weißglut bringt als eine Kette, die sich nicht entscheiden kann, auf welchem Ritzel und welchem Kettenblatt sie zum Liegen kommt. Kracht es, wenn Du beim Radeln von einem Gang in den anderen schaltest? Die Lösung: Schaltung einstellen. Bergzeit-Fahrradexperte Flo Glott zeigt Dir, wie Du eine verstellte Schaltung wieder richtig einstellst.

Vorbereitung und notwendige Prüfungen

Bevor du jetzt verzweifelt versuchst deine Schaltung einzustellen und zu keinem brauchbaren Ergebnis kommst, solltest du sicherstellen, dass auch alle Komponenten intakt und voll funktionsfähig sind. Häufig funktioniert eine Schaltung aufgrund eines schwergängigen Schaltseils oder wegen eines verbogenen Schaltauges nicht ordentlich. Dann kann auch der beste Profi die Schaltung nicht mehr ordnungsgemäß einstellen. Bist du also nicht erfolgreich mit der Einstellung, solltest du diese Faktoren untersuchen.

1. Sauberkeit

Das Fahrrad - speziell Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter - sollte nicht allzu dreckig sein. Am besten Du reinigst Dein Bike zuvor mit einem Reiniger, wie dem Muc Off Bike Cleaner. Einfach aufsprühen, einwirken lassen und mit Wasser abspülen. Für Kette, Schaltwerk und weitere stark verunreinigte Teile nimmst Du am besten noch eine Zahnbürste oder spezielle Reinigungsbürste zu Hilfe.

2. Kette

Die Kette sollte nicht zu stark verschlissen sein. Das lässt sich leicht mit einer Verschleißlehre (zum Beispiel von Rohloff) überprüfen. Durch die Belastung beim Biken wird die Kette mit der Zeit beansprucht und etwas länger. Deshalb sollte sie regelmäßig erneuert werden. Die Wechselintervalle liegen bei ca. 1.000 bis 1.500 Kilometer.

3. Schaltzüge und Schalthüllen

Auf die Schaltzüge und Schaltaußenhüllen sollte man besonderes Augenmerk legen. Die Hüllen dürfen nicht beschädigt oder gar geknickt sein. Auch der Zugverlauf sollte keine zu engen Kurven aufweisen. Andernfalls können die Schaltseile nicht einwandfrei laufen und Du bekommst die Schaltung nie gut eingestellt. Speziell wenn der Schaltzug bereits Oxidationsspuren aufweist, müssen zwingend immer Hülle und Zug ausgetauscht werden. Regelmäßiges Schmieren der Züge verlängert die Lebensdauer, Ihr solltet sie dennoch regelmäßig wechseln.

4. Komponenten prüfen

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.

Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

5. Schaltauge überprüfen

Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Je nachdem kannst Du es mit einem Richtwerkzeug korrigieren, allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

  • Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein.
  • Dabei sollte die Leitrolle des Schaltwerks in einer Linie mit den Ritzeln stehen.

Für eine präzisere Diagnose empfiehlt sich die Verwendung einer Schaltauge-Kontrolllehre oder eines Richtwerkzeugs, mit dem die genaue Ausrichtung überprüft werden kann. Ist das Schaltauge nur leicht verbogen, kann es mit einem speziellen Richtwerkzeug vorsichtig zurückgebogen werden. Achtung: Das Material kann brechen, insbesondere wenn es bereits vorgeschädigt ist.

6. Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen.

Grundlagen der Schaltungseinstellung

Die richtige Einstellung des Schaltwerks wird durch drei Schrauben gewährleistet. Am Schaltwerk selbst, können drei Dinge eingestellt werden, oberer Anschlag, unterer Anschlag und die Umschlingung. Über die Anschläge stellen Sie die Maximalauslenkung der Schaltung ein.

Die drei Parameter der Schaltungseinstellung

  • Umschlingung der Kette
  • Die Anschläge
  • Seilspannung

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung der Kettenschaltung

Wenn das Bike soweit sauber und alle Teile geprüft bzw. erneuert sind, kann es losgehen. Wir zeigen Dir hier die einzelnen Schritte an einem Shimano-Schaltwerk.

1. Endanschlag unten (H-Schraube)

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren.

  1. Schalte zunächst auf das große Kettenblatt vorne und das kleinste Ritzel hinten.
  2. Anschließend löst -Du den Schaltzug mit einem Inbusschlüssel.
  3. Jetzt sollten die Schaltwerksröllchen exakt parallel in einer Linie mit dem kleinsten Ritzel stehen.

Die Schaltwerksröllchen sollten parallel zum kleinsten Ritzel liegen, dann ist der untere Endanschlag korrekt eingestellt.

Drehst du die H-Schraube im Uhrzeigersinn, verstellst du den Anschlag nach innen, in Richtung Laufrad.

2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.

  • Schalte zunächst auf das große Kettenblatt und drehe nun die Einstellschraube für die Zugspannung am Schalthebel oder am Schaltwerk fast ganz hinein.
  • Nun bewegt die Kurbel und schaltet die Gänge einzeln durch.

Springt der Gang nicht sofort auf das nächsthöhere Ritzel, muss die Zugspannung etwas erhöht werden. Dies erreichst Du, indem Du die Einstellschraube um ca. eine viertel Drehung herausdrehst. Mach das so lang, bis der Gang sofort wechselt. Springt die Kette nicht direkt nach dem Schalten auf das nächstkleinere Ritzel, muss das Schaltseil etwas entlastet werden. Hierfür drehst Du die Einstellschraube wieder etwas hinein.

3. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

  1. Um den oberen Endanschlag einstellen zu können, schaltest Du zunächst vorne auf das kleinste Kettenblatt.
  2. Da das Schaltseil zum Schaltwerk noch locker ist und Du deshalb hinten nicht schalten kannst, musst Du das Schaltwerk mit den Fingern in Richtung großes Ritzel drücken. Dabei kann es helfen, ein Stück die Kurbel zu drehen.

Sobald Du das Schaltwerk ganz „auf Anschlag“ hast, kontrollierst Du erneut die Stellung der Schaltwerksröllchen. Hier muss ebenfalls das größte Ritzel der Kassette in einer Linie mit den Schaltwerksröllchen stehen.

4. Winkeleinstellung (B-Schraube)

Zur Winkeleinstellung verbleibt die Kette auf dem kleinsten Kettenblatt und auf dem größten Ritzel. Mit der B-Schraube (sie ist bei neueren Schaltwerken i.d.R. markiert) verstellst Du die Feder in der Schaltwerksaufhängung und somit die Höhe des oberen Schaltröllchens. Ist die Federspannung zu locker, kann das Röllchen das größte Ritzel berühren.

Optimal ist die Spannung eingestellt, wenn zwischen den Zähnen des größten Ritzels und dem Schaltröllchen ca. Shimano stanzt in der Regel eine kleine Hilfslinie auf der Hinterseite des Schaltwerkskäfigs ein. Diese Hilfslinie muss mit der oberen Kannte der Zähne des größten Ritzels der Kassette fluchten.

Für den richtigen Abstand müssen nun die Zähne der Kassette mit den Zähnen der Schablone übereinstimmen. Mittlerweile gibt es eine neue Version des roten Chain-Gap-Tools, welches jedoch ähnlich funktioniert.

Winkeleinstellung: Einstellung kleinstes Kettenblatt/größtes Ritzel - mit B-Schraube Vorspannfeder und damit die Höhe des oberen Schaltröllchens verstellen - Abstand größtes Ritzel-Schaltröllchen sollte ca. 1 bis 1,5 Kettenglieder betragen.

5. Probefahrt

Zu guter Letzt empfehle ich eine kleine Probefahrt.

Hast Du bis jetzt alles richtig gemacht, sollte die Schalteinstellung schon fast passen.

Umwerfer einstellen (bei Zwei- oder Dreifach-Antrieb)

Bist Du mit einem Zwei- oder Dreifach-Antrieb unterwegs? So kannst Du Deinen Umwerfer einstellen.

1. Höhe des Umwerfers

Dein Umwerfer hat dann die richtige Höhe, wenn zwischen Leitblech und den Zähnen des großen Kettenblatts ca. 1 bis 3 Millimeter Platz ist. Ist dies nicht der Fall, kannst Du die Höhe über die Klemmschelle oder durch ein Langloch mit Schraube verstellen. Hierfür musst Du gegebenenfalls den Schaltzug lösen.

2. Unterer Endanschlag

Zur Einstellung des unteren Endanschlags musst Du zunächst auf das größte Ritzel und das kleinste Kettenblatt schalten. Löse nun den Schaltzug, indem Du die Inbusschraube lockert. Nun kannst Du wieder mit der mit L gekennzeichneten Schraube die Lage des Leitblechs verstellen. Du hast den Endanschlag dann korrekt eingestellt, wenn die Kette das Leitblech gerade so nicht mehr berührt und ca. Der untere Endanschlag des Umwerfers ist dann korrekt eingestellt, wenn zwischen Kette und Leitblech ca.

3. Schaltzug montieren

Nachdem Du den unteren Endanschlag eingestellt hast, kannst Du den Schaltzug wieder am Umwerfer montieren.

4. Oberer Endanschlag

Schalte nun auf das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. ACHTUNG: Stellt die Endanschläge eher etwas enger ein. Denn auch hier gilt: Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.

5. Zugspannung

Sind alle Endanschläge eingestellt, ist nun - wie beim Schaltwerk - die Zugspannung an die Reihe. Schaltet hierfür auf das mittlere Blatt und auf das größte Ritzel.

6. Probefahrt

Mache eine kleine Probefahrt.

Häufige Probleme und ihre Lösungen

Sollten die geschilderten Arbeitsschritte nicht zur richtigen Einstellung der Shimano Schaltung führen, kann das verschiedene Ursachen haben: So können etwa die Ritzel, die Kettenblätter und/oder die Kette stark abgenutzt sein, hier hilft der Austausch. Schlimmstenfalls sind Leitbleche am Umwerfer, der Schaltkäfig des Schaltwerks oder das Schaltauge verbogen. Hier hilft der Gang zum Händler, es sei denn man traut sich zu, verbogene Teile geradezubiegen, falls es überhaupt möglich ist und hat das benötigte Werkzeug.

Zusammenfassung der Schritte

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Schritte zur Einstellung einer Shimano Kettenschaltung zusammenfasst:

Schritt Beschreibung
1 Reinigung und Prüfung der Komponenten (Kette, Kassette, Schaltwerk, Schaltauge, Schaltzüge)
2 Einstellung des unteren Endanschlags (H-Schraube)
3 Montage und Spannung des Schaltzugs
4 Einstellung des oberen Endanschlags (L-Schraube)
5 Winkeleinstellung mit der B-Schraube
6 Einstellung des Umwerfers (Höhe, Endanschläge, Zugspannung)
7 Probefahrt und Feinjustierung

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0